Hey Veganer, für euch muss man viel mehr Pflanzen anbauen!

Transkript

Geschichtsstunde:
Während des Ersten Weltkriegs war die Seeblockade des Deutschen Reichs durch die Briten der Grund dafür, dass auch in Ländern wie dem neutralen Dänemark keine Nahrungsmittel mehr per Schiff angelandet werden konnten. Ab 1917 war man gezwungen, Nahrungsmittel zu rationieren.
Daher wurde angeordnet, den Schweinebestand um 80 Prozent und die Zahl der Milchkühe um ein Drittel zu reduzieren. Außerdem wurde die Gemüse- und Obstproduktion gefördert. Durch diese Maßnahmen konnte man eine ausreichende Ernährung der dänischen Bevölkerung sicherstellen und im Gegensatz zu den anderen von der Blockade betroffenen Ländern gab es dadurch in Dänemark keine Hungersnöte und Epidemien. Dadurch dass WENIGER Tierprodukte produziert wurden, standen insgesamt MEHR Lebensmittel zur Verfügung. Oder von der anderen Seite betrachtet: Dadurch dass man MEHR Pflanzen anbaute, wurde weniger AnbauFLÄCHE benötigt. Das mag erst mal paradox klingen, weshalb wohl Veganern gegenüber so oft argumentiert wird, dass man ihretwegen mehr Pflanzen anbauen müsste und dadurch Monokulturen fördert und die Umwelt stärker belastet -oder dass auch gar nicht genug Anbaufläche für Pflanzen zur Verfügung stehen würde, wenn alle Menschen vegan würden.
Dabei ist aber das Gegenteil der Fall. Dass das so paradox klingt, liegt wohl auch daran, dass wir viel kritischer auf das schauen, was die anderen tun und nicht wirklich kritisch auf das was wir selbst tun. Man schaut auf das, was für die Produktion veganer Lebensmittel vermeintlich zusätzlich benötigt wird und nicht wirklich darauf, was für die eigene Nahrung nötig ist. Die ist halt einfach “schon da”.
Aber jedes Lebewesen braucht Nahrung zur Aufrechterhaltung der grundlegenden Lebensfunktionen, Tiere speziell für Bewegungsenergie und gegebenenfalls Körperwärme und darüber hinaus natürlich auch für den Aufbau von Körpermasse wie etwa der Muskeln, welche wir ja zu essen gedenken. Für die Herstellung von Tierprodukten braucht man dementsprechend Tierfutter. Und zwar viel. Für die Produktion von Fleisch benötigt man je nach Art und Haltungsform zwischen der 4-fachen und der 57-fachen Menge an Pflanzenkalorien. Und diese müssen natürlich auch irgendwo her kommen. Im Schnitt verbraucht man für die Herstellung einer tierlichen Kalorie etwa 7 pflanzliche Kalorien. Und diese stammen zu erheblichen Teilen aus Pflanzen wie etwa Soja, welches als eiweißreiches Kraftfutter verwendet wird. Etwa 85% der gesamten Weltsojaernte werden als Tierfutter verwendet. Man bekommt aber nicht nur weniger Fleisch heraus als man Soja reingesteckt hat. Fleisch enthält dann pro Kilo auch nur etwa halb so viel Eiweiß wie Soja. Und Soja kann von Menschen direkt verzehrt werden. Aber stattdessen wirft man solche Lebensmittel Tieren vor, um unter einem Energieverlust von bis zu 97% Fleisch daraus zu produzieren. Das ist vermutlich der schlechteste Zaubertrick der Welt: Aus 100 Kilo Nahrung macht man drei und einen Riesenhaufen Sch-

Natürlich wäre nicht alles davon direkt für Menschen essbar, denn man verfüttert auch sogenanntes Raufutter, welches nicht für den menschlichen Verzehr geeignet ist und welches oft auch nicht auf Ackerflächen wächst, wo man stattdessen Menschennahrung anbauen könnte.
Aber von einem Rind „erhält“ man, nachdem man es die hierzulande üblichen 60 Wochen lang gemästet hat, rund 300 kg essbares Fleisch. Nur hat man dafür neben den den durchschnittlich 6900 kg Raufutter auch etwa 1200 kg Kraftfutter verbraucht, welches viel Ackerfläche belegt. Allein die Menge des Kraftfutters beträgt also ein Vielfaches von dem, was man am Ende als Fleisch heraus bekommt.
Und man benötigt dafür etwa einen halben Hektar Land. Auf einer Ackerfläche dieser Größe hätte man während dieser Zeit stattdessen etwa 2.000 kg Getreide oder 15.000 kg Kartoffeln produzieren können! Gras kann aber ohnehin fast nur von Wiederkäuern wie vor allem Rindern verwertet werden. Diese sind jedoch ökologisch besonders schädlich, vor allem auch, weil sie große Mengen klimaschädliches Methan ausstoßen.
Ein Kilogramm brasilianisches Rindfleisch verursacht beispielsweise etwa so viele Treibhausgasemissionen wie eine Fahrt von 1600 Kilometern in einem Mittelklassewagen und es gehört damit zu den umweltschädlichsten Fleischsorten. Die umweltverträglichste Sorte ist regionales Geflügelfleisch. Dennoch sind pflanzliche Produkte mit hohem Proteingehalt, wie beispielsweise Tofu und Tempeh in der Klimabilanz im Schnitt noch einmal um den Faktor zwei oder drei besser als dieses Fleisch. Selbst das Fleisch mit den geringsten Umweltauswirkungen verursacht immer noch mehr Umweltschäden als das am wenigsten nachhaltige Getreide oder Gemüse.
Und im Vergleich mit der ökologisch schädlichsten Sorte Sojamilch benötigt selbst die ökologisch beste Kuhmilch viel mehr Land und sie produziert mehr Treibhausgase und verursacht mehr Bodenversauerung und mehr Gewässerschäden.

Viele Weideflächen oder Flächen für den Anbau von Futtermitteln werden durch großflächige Rodung von Waldgebieten überhaupt erst geschaffen.
Dadurch werden weitere Treibhausgase freigesetzt. Und auch das nicht realisierte CO2-Speicherpotenzial muss man bei der Berechnung der Emissionen beachten. Denn landwirtschaftlich genutzte Flächen binden weit weniger Kohlendioxid aus der Atmosphäre als die natürliche Vegetation.
Mit der Abholzung und Degradierung von Wäldern zerstört man daher auch potenzielle Kohlenstoffsenken, also Reservoirs, die Treibhausgase aufnehmen.
Und die Landwwirtschaft ist für 18 % der globalen Emissionen verantwortlich – Haupttreiber ist dabei die Produktion von tierischen Lebensmitteln. In Brasilien sind Schätzungen zufolge sogar 61% der Gesamtemissionen darauf zurückzuführen. Zudem ist der Verlust solcher unberührten Ökosysteme die Hauptursache für das Artensterben. 70 % des ehemaligen Amazonas-Regenwaldes sind inzwischen nur noch Dauergrünland. Und auch davon ist ein ein Fünftel durch die direkten Folgen der Nutztierhaltung bereits von Degradierung betroffen.

Weltweit gehen von den Emissionen in der Landwirtschaft mindestens 60% auf die Produktion tierischer Lebensmittel zurück. Je mehr Fleisch konsumiert wird, umso intensiver muss die Landwirtschaft sein und umso schwieriger ist etwa der Erhalt von Waldflächen. Mehr als die Hälfte der Gesamtfläche Deutschlands wird landwirtschaftlich genutzt. Würden wir unseren Fleischkonsum um 80% reduzieren, würden nicht nur in Deutschland Flächen frei. Allein in Brasilien würden 1,3 Millionen Hektar zurückgewonnen, wodurch wir den Regenwald und die Artenvielfalt schützen würden. Sehr viel Tierfutter wird nämlich importiert, denn Flächenbedürfnisse werden heute aufgrund der Globalisierung im Wesentlichen exportiert. Das heißt, dass durch unser Konsumverhalten riesige Flächen im Ausland belegt werden.
Etwa 40 % der gesamten weltweiten Getreideproduktion wird verfüttert, um tierische Lebensmittel zu produzieren. Tendenz steigend. An die Schlachttiere Amerikas wird jährlich mehr Getreide verfüttert, als die Bevölkerung von Indien und China zusammengenommen zur Ernährung braucht. Das ist zwar oft Futtergetreide, welches nicht gut für Menschen taugt. Aber auch das muss ja angebaut werden und beansprucht dementsprechend Ackerfläche. Und auf der hätte man in den meisten Fällen ebenso gut backfähiges Getreide oder andere Feldfrüchte als direkte menschliche Nahrung anbauen können. Daneben werden auch Sonnenblumen- und Rapskuchen, Zuckerrüben, Weizenkleie, Leguminosen und Mais verfüttert. Gerade auch für Mais braucht man einen bedeutenden Teil der Agrarflächen, was dazu beiträgt, dass die europäische Landwirtschaft mehr Flächen braucht als vorhanden sind und dass deshalb Futtermittelimporte nötig sind. Die Herstellung tierischer Produkte in Deutschland belegt im Ausland eine Fläche von 2,7 Millionen Hektar, was ungefähr der Fläche von Brandenburg entspricht. Aus Südamerika importieren wir pro Jahr 4,6 Millionen Tonnen Sojamehl und beanspruchen dort eine Fläche so groß wie Mecklenburg-Vorpommern.
Die Herstellung von Tierprodukten belegt 78,5% der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche
und ein Drittel der Ackerflächen. Darüber hinaus verbraucht die Landwirtschaft aber auch Energie und andere Ressourcen. Etwa die Hälfte der jährlich in Deutschland ausgebrachten 43.000 Tonnen Pestizide geht auf den Anbau von Futtermitteln zurück.
Im Gegensatz dazu sind aber nicht mal 18% unserer aufgenommenen Kalorien bzw. 37% unserer aufgenommenen Proteine tierischen Ursprungs!
Unsere Nutztiere verbrauchen mehr essbares Protein als sie produzieren. Aus 77 Millionen Tonnen verfüttertem Protein bekommt man nur 58 Millionen Tonnen Protein in Form von Tierprodukten heraus. Im Bezug auf Kalorien ist der Verlust noch viel höher.
Die Viehhaltung entzieht der Nahrungsmittelbereitstellung also mehr als sie zu dieser beiträgt oder anders gesagt: Sie verbraucht mehr, als sie produziert. Wenn alle Menschen sich vegan ernährten, würde man die Menge der global benötigten landwirtschaftlichen Nutzflächen um 75% reduzieren.
Das entspricht einer Fläche von den USA, der EU, China und Australien zusammengenommen.
Davon SIND zwar große Teile Weideland welches sich nicht als Ackerfläche eignet.
Dieses könnte dann allerdings als unbewirtschaftete Natur erhalten werden. Aber auch der Bedarf von Ackerflächen würden sich um 19% reduzieren.

Die Rechnung geht also nicht auf. Und alles was man Veganern hinsichtlich Umweltschädigung aufgrund von vermeintlich höherem Pflanzenanbau vorwirft, gilt für Fleisch also automatisch um so stärker oder gar um ein vielfaches, da man für die Produktion von Fleisch eben erst mal eine viel größere Menge Pflanzen produzieren muss.
Das wirft die Frage auf: Wie geht man nun damit um, wenn man den Veganismus mit dieser Begründung ablehnt, diese sich jedoch als Argument FÜR den Veganismus und als vielfach stärkeres Argument gegen die EIGENE Lebensweise herausstellt?

Hey Veganer, ich esse auch nur ganz wenig Fleisch! (vom Metzger meines Vertrauens)