Hey Veganer, ihr NERVT!

Transkript

Es gibt einige Dinge, bei denen es trendy ist, sie doof oder nervig zu finden, auch wenn man vielleicht selbst gar nicht wirklich viel damit zu tun hat. Aber weil alle anderen das auch tun, schließt man sich an, betätigt sich gegenseitig und schaukelt das Thema hoch, wodurch es vermeintlich noch nerviger wird.
Zum Beispiel Wesley Crusher aus Star Trek oder Nickelback. So ähnlich ist das auch mit Veganern. Viele Menschen verbringen bemerkenswert viel Zeit damit, immer wieder zu betonen, wie nervig sie Veganer finden, statt sie einfach zu ignorieren, so wie Tierleid oder Klimawandel. Bei Veganern kommt allerdings noch ein bisschen mehr dazu und es gibt verschiedene Gründe warum die als nervig wahrgenommen werden. Vieles davon ist eine spezielle Mischung aus stiller Post, verzerrter Wahrnehmung und selbsterfüllender Prophezeiung. Das Nervigfinden von Veganern basiert zum Teil auf einer Gruppendynamik und man kann mit so einer Einstellung viel Zustimmung ernten und sich gegenseitig bestätigen und dazugehören.
Und sobald irgendwo ein Veganer auftaucht oder ein Facebookpost mit einem veganen Rezept oder ein Zeitungsartikel der annähernd mit dem Thema zu tun hat, kann man Veganer nervig finden und das sich selbst und anderen versichern.
Natürlich kann man Menschen als Veganer auch ganz einfach vorsätzlich auf die Nerven gehen. Am effektivsten beginnt man dafür alle seine Sätze, mit „Als Veganer…“ Vielen Menschen scheint das ohnehin so vorzukommen -egal was man sagt. Häufig wird die Ansicht vertreten, dass Veganer den ganzen Tag über nichts anderes reden würden und quasi ein unstillbares Bedürfnis hätten, jedem sofort von ihren Veganismus zu erzählen. Solche mag es geben, aber das ist die absolute Ausnahme. Meist muss man gar nichts sagen oder tun um zu nerven, sondern einfach nur da sein oder erwähnt werden. Als Veganer nervt man ganz automatisch überproportional. Oftmals reicht sogar einfach nur der Strohmann eines Veganers und es ist eher das, was man mit Veganern verbindet, was einen nervt.

Man sollte als Nichtveganer mal versuchen, sich in Veganer hineinzuversetzen. Veganer werden praktisch jede einzelne Sekunde mit der Ideologie der Tiernutzung und mit Tierleid und toten Tieren auf Tellern konfrontiert. Als Veganer wird man quasi permanent von Menschen, Firmen und Vereinen „genervt“ die Tierprodukte essen, produzieren, verarbeiten, besprechen, loben, bewerben, darstellen, verkaufen u.s.w. Und man muss sich um Grunde täglich schwache Rechtfertigungen, uralte schlechte Witze, Spott, blöde Sprüche und teils ganz seltsame Fragen hinsichtlich des Veganismus anhören. Und meist passiert das unaufgefordert. Sehr häufig sind es die Fleischesser die das Thema ansprechen oder sich in Diskussionen dazu einschalten und ungefragt anfangen, Fleischkonsum zu rechtfertigen. Aber spätestens sobald man als Veganer auch etwas sagt, sind sich die Fleischesser am Tisch oft einig, dass der Veganer nervt und ein übersteigertes Mitteilungs- und Missionierungsbedürfnis hat und geben das dann auch so weiter. Viele Veganer wären aber tatsächlich schon froh, wenn ihr Veganismus nicht immer von anderen thematisiert werden würde, denn solche meist immer sehr ähnlich verlaufenden Diskussionen sind für Veganer mindestens genauso nervig. Vermutlich viel mehr. Wenn Veganer fragen, ob es auch was veganes zu essen gibt oder ob ein Gericht vegan ist, wollen sie Information. Sie bekommen aber meistens Fragen, Rechtfertigungen, Diskussionen, blöde Witze und die Unterstellung, man würde Selbstdarstellung betreiben.
Wir Menschen neigen dazu, uns selbst zum Maß aller Dinge zu machen und eben nur das als relevant zu betrachten, was UNS nervt. Aber wenn man mal darüber nachdenkt, wie oft man über nichtvegane Dinge spricht oder diese tut, dann wird man feststellen, dass das im Allgemeinen wesentlich häufiger der Fall sein dürfte als bei Veganern und Veganismus. Man nimmt es nur nicht wahr, weil es für einen die Normalität ist. Aber diese Normalität wird durch den Veganismus bedroht. Und das stört.
Wenn nun 99% der Bevölkerung von dem einen Prozent Veganern so genervt sind, wie viel extremer wäre es erst, wenn das Verhältnis andersrum wäre und ein Prozent der Menschen von den anderen 99% genervt werden? Etwa so ist das nämlich für Veganer.

Bei vielen Menschen wäre die Antwort auf „Du nervst!“ wohl irgendwas in der Art von: „Na und? Ist doch nicht mein Problem!“ Aber von Veganern erwartet man da eher ein „Ah, ok. Sorry, dann hör ich auf.“ Auch da scheinen bei anderen wieder andere Maßstäbe angelegt zu werden, als bei sich selbst.

Natürlich kann es nerven wenn man beispielsweise für Veganer zusätzlichen Aufwand beim Kochen betreiben muss. Wenn diese sagen, dass da nicht nötig ist, weil sie beispielsweise selbst was mitbringen, nervt das auch aber auch, Weil man sich dann wie ein schlechter Gastgeber fühlen kann. Da kann man als Veganer also gar nicht viel tun. Eigentlich sollte es kein Problem sein, veganes Essen anzubieten. Es ist ja schließlich auch so ziemlich der kleinste gemeinsame Nenner. Vegan kann praktisch fast jeder essen. Aber daran zeigt sich auch, wie abhängig sich Menschen von Tierprodukten gemacht haben und wie durchdrungen unsere Gesellschaft und unser Denken von Tierausnutzung ist, meist ohne dass wir das wirklich wahrnehmen. Und da ist Veganismus ein Fremdkörper der auffällt und stört. Speziell auch weil er zeigt, dass es auch ohne geht.

Und wie die Menschen auf den Begriff „vegan“ reagieren, zeigt schon recht deutlich wie wenig rational die Auseinandersetzung mit dem Thema ist. Bei einer Umfrage gaben tatsächlich die Hälfte der Befragten an, dass sie niemals vegane Speisen probiert hätten und dass das auch niemals für sie in Frage käme. Das ist natürlich kompletter Unsinn. Jeder hat schon mal etwas ohne Tierprodukte gegessen. Und seien es Nudeln mit Tomatensoße, Pommes mit Ketchup oder nur ein Apfel. Die Nahrungsaufnahme wird nur dann reflexhaft verweigert, wenn auch dran steht, dass da dieses „vegan“ drin ist. Und in vielen Fällen war es dann auch so, dass bei ohnehin veganen Produkten wie etwa Gebäck der Umsatz einbrach, sobald man sie auch so auszeichnete. Das zeigt, wie trotzig und defensiv viele Menschen auf den bloßen Begriff reagieren und wie wenig sie gleichzeitig wirklich damit befasst haben.

Aber abgesehen von solchen Reaktionen nerven die Veganer die aktiv für den Veganismus eintreten, natürlich schon quasi vorsätzlich. Auch das lässt sich allerdings kaum verhindern. Wer von Aktivisten erwartet, einfach vegan zu leben ohne andere damit zu nerven, verlangt im Grunde von ihnen gegen ihre ethische Motivation zu handeln. Wenn es um die Verminderung von Leid geht, ist es widersinnig, einfach nur sein Ding zu machen und ansonsten die Klappe zu halten statt dort zu argumentieren, wo die Ursache für die Tierausbeutung liegt, also beim Konsumenten.

Was oft nicht so sehr stört, sind Gesundheitsveganer die aus mehr oder weniger privaten Gründen vegan leben. Und wenn die mal nerven, dann kann man das natürlich leicht und wahrscheinlich zu recht kritisieren, weil es eben Privatsache ist was jeder mit seiner eigenen Gesundheit tut. Aber der eigentliche Veganismus hat ethische Hintergründe im Bezug auf Tiere, weshalb das da anders aussieht und was noch mal einen Aspekt hinzufügt der eben nicht so leicht abzutun ist. Die Tierrechtsbewegung ist in ein Sonderfall unter den sozialen Bewegungen. Während viele andere Bewegungen eher für ihre eigenen Interessen eintreten, engagieren sich Tierrechtler für Individuen die das nicht selbst können. Und als Fleischesser ist man natürlich automatisch von diesem Aktivismus betroffen. Und das stört.
Aber nichtmenschliche Tiere haben ansonsten niemanden der für sie eintritt. Und wenn man das nicht tut, wird sich dieser Zustand nicht bessern.

Wenn man diesem enormen Leid und der Gewalt gegen die sich Veganer engagieren eine subjektives „Du nervst!“ gegenübergesetzt wird, dann ist das ein recht schwaches Gegenargument. Man kann sogar argumentieren, dass man nicht nur das Recht sondern sogar eine moralische Pflicht hat, andere mit der Problematik ihres Handelns zu konfrontieren und dass man an manchen Stellen einfach stören muss.
Wer selbst nicht Gewalt, Leid und Ausbeutung erdulden will, sollte sich auch für andere Individuen engagieren, denen solche Dinge angetan werden.
Sonst hätte man auch kaum das Recht, so ein Verhalten sich selbst gegenüber anzuklagen. Wer etwas, das er für Unrecht hält, unkommentiert geschehen lässt, stellt sich im Grunde auf die Seite derer die es begehen. Das dürfte für die meisten Veganer wichtiger sein als nicht zu nerven.

Der Grund dafür, dass viele Veganer vorsätzlich nerven, ist in der Regel NICHT, dass sie aus purem Selbstzweck auf sich aufmerksam machen wollen. Das wird gern unterstellt, weil diese Behauptung es einfach macht, das Ganze als selbstgefälligen Ego-Trip oder als naiven Trend abzutun. Sich mit echten ethischen Aspekten dahinter auseinander zu setzen, ist sehr viel schwieriger. Wenn man gegen Veganer argumentiert, argumentiert man im Grunde für Tierausbeutung. Und obwohl man das unbewusst tut, ist das eine unangenehme Situation.

Veganer triggern selbst in subtiler Form viel stärker als andere Dinge die zwar viel präsenter sind aber trotzdem kaum wahrgenommen werden. Durch ihre bloße Existenz machen sie auf unbequeme Themen aufmerksam, die man eigentlich gar nicht diskutieren will und lieber verdrängen möchte. Als Veganer weist man auf die ganzen Konsequenzen des Fleischkonsums hin: Umweltschäden, Verteilungsungerechtigkeit, Antibiotikaresistenzen und Stallkeime -und nicht zuletzt natürlich Tierleid. Dass das lästig ist, ist klar. Das hat die Realität oft so an sich. Speziell wenn man sie lieber verdrängen möchte. Veganer sind eine Bedrohung für das eigene positive Selbstbild, die eigenen Gewohnheiten, die eigenen Privilegien und das eigene Gewissen. Sie sind automatisch ein Angriff auf die eigene Lebensweise. Das stört und macht defensiv. Wir Menschen wissen eigentlich auf einer gewissen Ebene, dass vieles von dem was wir tun gar nicht so cool ist. Aber weil Fleischessen auch identitätsstiftend ist und alle anderen es auch tun, ist das einfach zu rechtfertigen und auszublenden, speziell, wenn man eine Hand voll Phrasen hat, um sich das zu bestätigen: „Es war schon immer so!“ „Es ist natürlich!“ „Alleine kann man eh nichts ändern!“, „Das machen alle so“ und so weiter. Außer wenn jemand ins Spiel kommt, der das nicht tut und es vorsätzlich besser macht. Dann bricht diese Schwarmrechtfertigung ein Stück weit weg und man muss sich mit der unterschwelligen Erkenntnis auseinandersetzen, den eigenen moralischen Ansprüchen und dem eigenen positiven Selbstbild vielleicht nicht gerecht zu werden.
Und das ist natürlich auch unangenehm und sorgt zusätzlich dafür, dass diese mangelernährten Nervensägen so lästig sind. Und wenn Veganer dann noch gute Argumente haben, die an der eigenen Konditionierung und an den bequemen Privilegien kratzen und unschöne Konsequenzen des Fleischkonsums aufzeigen, dann ist das anstrengend und unangenehm und Veganer als Auslöser dieser Störgefühle werden als unerwünscht empfunden.

Menschen zu überzeugen, indem man ihnen moralische Vorwürfe macht, funktioniert wohl eher selten. Das lässt das menschliche Ego kaum zu. Und es nervt. Und viele Veganer hören sicherlich auf mit dem Thema, wenn sie merken dass sie nerven. Aber als ethisch motivierter Veganer ist das schwierig, denn als solcher ist man so eine Art personifizierter Vorwurf weil man Handlungen ablehnt die man als unethisch erachtet, die Fleischesser aber ausüben. Das muss man nicht mal aussprechen. Man kommuniziert das bereits durch die eigenen Lebensweise und ist dadurch quasi automatisch eine provozierende moralische Anklage wenn man die Sache ernst nimmt und konsequent ist und die eigenen Überzeugungen nicht verwässert und relativiert, um bei Nichtveganern keine Verteidigungsreflexe auszulösen.
Wenn Menschen eher genervt als interessiert sind, ist das sicherlich nicht das erstrebenswerteste Ziel aber manchmal muss man nehmen was man kriegen kann. Bei vielen Menschen erreicht man eben durch ständiges Nerven etwas und oft lässt sich das auch einfach gar nicht verhindern. Und nur weil man manche Menschen nervt, heißt das nicht, dass andere nicht empfänglich für Argumente sind.
Und wenn man Menschen nicht zuhört, obwohl sie gute Argumente haben, weil sie einen „nerven“ dann liegt das Problem auch bei der eigenen Attitüde, nicht bei den anderen.

Wenn es nervt, dass Veganer sich gegen Gewalt an Tieren engagieren, kann man eigentlich nur eins tun, nämlich die Ursache dafür abschaffen: Gewalt an Tieren. Und wenn es dann doch dieses vermeintlichen Ego-Veganer waren, die so eine Show nur abziehen, um sich wichtig zu machen, dann hat man denen zumindest die Grundlage dafür genommen und kann es ihnen damit richtig geben, weil sie sich dann nicht mehr für was Besseres halten können. Das ist doch auch was.
Aber solange Veganer von Gewalt gegen Tiere „genervt“ werden, werden sie auch mit ihrer Kritik daran weiternerven. Fleischesser hören ja auch nicht einfach mit dem Tierausbeutung auf, weil es Veganer nervt.

Hey Veganer, wenn wir Tiere nicht essen… wohin dann mit ihnen?

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Wenn die Welt schlagartig vegan wird, hat das laut vieler Menschen zwar zur Folge, dass unsere Nutztiere aussterben. Paradoxerweise wissen wir dann angeblich aber trotzdem nicht wohin mit den ganzen Tieren die wir nicht mehr essen. Die stehen dann überall rum, vermehren sich ungebremst oder überrennen uns.
Und dass plötzlich alle Menschen vegan werden, ist übrigens ein Szenario, das oft zusammen mit dem Argument gebracht wird, dass Veganismus Unsinn ist, weil sowieso niemals alle Menschen vegan werden.

Es ist natürlich ein völlig illusorisches Phantasieszenario, dass spontan über Nacht die Welt vegan wird.
Man argumentiert hier mit einer hypothetischen Situation die so niemals eintreten wird. Dass die gigantische weltweite Menge aller Nutztiere uns nicht überrennt, liegt nicht daran, dass wir sie zufällig genau so schnell essen, wie sie sich vermehrent. Diese Tiere werden durch den Menschen überhaupt erst künstlich vermehrt und gezüchtet und würden sonst nie in so einer Menge existieren. Auf jeden Menschen kommen beispielsweise 8 Hühner.
Wenn wir keine Tiere mehr essen, dann wird die Nachfrage wegbrechen und es werden keine mehr produziert. Aber das wird niemals schlagartig passieren sondern graduell. Und die Nachfrage würde damit langsam sinken. Und dementsprechend würde auch die Produktion zurückgefahren. Die Produktion bei sinkender Nachfrage weiter konstant zu halten, wäre marktwirtschaftlicher Irrsinn. Auf Dauer kann sich niemand leisten etwas zu produzieren, was niemand haben will. -Außer Blödsinn vielleicht.

Bei Wildtieren haben wir hingegen viel mehr das Problem, dass viele durch Jagd und Fang von der Ausrottung bedroht sind. Wenn wir damit aufhören würden, könnten sich diese Bestände erholen.
Wenn wir den unwahrscheinlichen Fall annehmen, dass die Veganisierung vielleicht doch so schnell gehen würde, dass Viehwirte mehr Tiere haben als man ihnen abkaufen will, dann gibt es immer noch Möglichkeiten, sich um diese zu kümmern.
Wenn wir wirklich so gut sind und es von einem Tag auf den anderen schaffen, alle Tiere auf der Welt zu befreien, dann wäre die Versorgung der Nutztiere im Vergleich dazu wahrscheinlich nur noch eine Kleinigkeit. Zumindest ist sowas deutlich realistischer. Es gibt bereits heute schon heute Gnaden- und Lebenshöfe in denen ehemalige Nutztiere den Rest ihres natürlichen Lebens verbringen können.
Und da in diesem Szenario ja alle Menschen aus irgend einem Grund vegan sind, haben wohl auch viele dieser Menschen das Bedürfnis Tieren zu helfen.
Aber wenn wir im Widerspruch dazu trotzdem mal den schlimmsten Fall annehmen, in dem sich um manche Tiere tatsächlich niemand kümmern kann oder will: Es wäre so ziemlich das erste Mal, dass Menschen davor zurückschrecken, lästige Tiere einfach zu töten oder zu essen. Und auch wenn das natürlich tragisch wäre und verhindert werden sollte, ist das doch nichts anderes als das was sie ohnehin erwartet hätte. Nur dass nachfolgende Generationen der Tiere diesem ewigen Kreislauf aus Produktion und Vernichtung durch den Menschen dann nicht mehr unterworfen wären.

Aber es ist in Anbetracht der überwältigenden ökologischen Probleme die mit der Beibehaltung dieses katastrophalen Systems einhergehen schon eine äußerst seltsame Prioritätensetzung, wenn man sich, ohne es überhaupt nur ansatzweise versucht zu haben, auf solche vergleichsweise trivialen möglichen, und oftmals sogar unrealistischen und widersprüchlichen Herausforderungen beim BEENDEN dieses Systems versteift, um dieses System statt dessen auf unbestimmte Zeit weiter laufen zu lassen.

Diese kaum vorstellbare Menge an Nutztieren gibt es nicht, weil Veganer fordern, dass man aufhört Tiere auszubeuten, sondern weil wir Tierprodukte konsumieren wollen, werden diese Mengen überhaupt erst gezüchtet und beibehalten. Und jetzt versuchen wir diese Menge als Grund vorschieben, dass wir nicht damit aufhören können. Man versucht also Kritikern von Tierausbeutung ein hypothetisches, bedrohliches und problematisches Zukunftszenario vorzuwerfen, welches man mit der Tierausbeutung selbst schon lange real verursacht hat.

Aber für manche Menschen sind auch Sündenböcke Nutztiere.

Hey Veganer, wenn wir Tiere nicht essen… sterben sie aus!

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Wenn wir Menschen aufhören, Tiere zu essen, geschehen laut vieler Fleischesser unter anderem zwei schreckliche Dinge: Wir wissen nicht wohin mit den Tieren. Sie nehmen überhand und überrennen uns. Und sie sterben aus. Gleichzeitig interessanterweise. Demzufolge wären Veganer also für das Aussterben von Tierarten verantwortlich.

In den letzten 40 Jahren haben wir Menschen den Bestand der Gesamtheit aller Wildtiere halbiert.
Wir zerstören immer mehr Lebensraum von wildlebenden Tiere und rotten immer mehr wildlebende Arten aus, und das nicht zuletzt, weil wir immer mehr Nutztiere produzieren und zur Effizienzsteigerung immer neue Nutztierhybride züchten. Das sind Kreuzungen verschiedener Arten die ohne Menschen kaum überlebensfähig sind. Dabei gehen auch ältere Haustierrassen immer weiter zurück.
Aktuelle „Nutztiere“ sind nur durch intensive Zuchtbemühungen des Menschen zum Selbstzweck entstanden.
Das sind zu weit über 90% schon geradezu Frankenstein-Tiere und ziemlich nah dran, Klone zu sein Das trifft für alle sogenannten Legehennen, Masthühner, Mastschweine, Mastrinder, Milchkühe, Puten und auch für Fische zu.

Über 95% der Puten in Deutschland sind sogenannte BIG6. Das sind Mastputenhybride, die viel zu schnell, viel zu schwer werden. Aufgrund ihres Gewichts können sie sich gar nicht mehr putengemäß verhalten, ohne sich zu verletzten.
Bei Masthühnern werden vor allem Ross Tiere verwendet. Dort sieht es genauso aus.
Bei den meisten Legehennen werden Lohmann Classic eingesetzt. Das sind Tiere die etwas über 300 Eier im Jahr legen. Das kann der Körper nicht lange mitmachen. Das Ergebnis sind Legedarmvorfälle und andere qualvolle Dinge.
Und so geht das auch bei „Milchvieh“ und in der „Schweine- und Rindermast“ weiter.
Dort züchten wir im Akkord Schweine, die durch ihre Haarlosigkeit Sonnenbrand bekommen würden und Turbokühe die nicht mehr abstillen können.

Den entstehenden Dualzuchten, werden dann noch DIE störenden Körperteile entfernt, die die nicht oder NOCH nicht weggezüchtet werden konnten. Also Körperteile wie Schwänze, Hörner, Hoden, Schnabelspitzen usw. -natürlich meist ohne Betäubung .
Und das nennen wir Arterhaltung. Das ist aber das vielmehr die Ausrottung verschiedenster wilder Arten und die Zerstörung biologischer Vielfalt durch einige wenige Arten kaum überlebensfähiger Nutztiere in gigantischer Menge.

Es wäre schon fast sadistisch solche verzüchteten Arten durch Nachzuchten erhalten zu wollen und damit vielleicht noch die natürlicheren Urrassen zu verdrängen, welche man statt dessen schützen könnte -auch ohne sie zu töten.
Diese sind genau so liebenswert und genau so klug aber sie werden nicht schon als leidende Qualzuchten geboren. Für das Indiviuum spielt es keine Rolle, welcher Spezies es angehört. Für dieses ist es nur wichtig, nicht zu leiden. Und dafür würde es sicherlich bevorzugen, nicht zu einer stark verzüchteten Spezies zu gehören. Spezies ist ein abstrakter Begriff. Eine Spezies hat kein Bewusstsein, keine Interessen und kann nicht leiden. Das können nur Individuen. Daher ist es schon sehr fragwürdig, wenn man die Bedürfnisse und Interessen von Individuen nicht achtet und diese kontinuierlich tötet aber aber bei gewissen Spezies mit deren Erhaltung argumentiert und diese vermeintlich schützen und bewahren will.

Menschen denen die Existenz gewisser Nutztierrassen so am Herzen liegt, können diesen ja Reservate bauen oder entsprechende Lebenshöfe unterstützen. Wenn sie das nicht möchten, kann man davon ausgehen, dass das ein vorgeschobenes Argument für das Fleischessen ist. Und dazu kein besonders gutes. Individuen tut man keinen Gefallen damit, sie im Akkord zu töten um vermeintlich ihre Art zu erhalten.

Wenn man -im wahrsten Sinne des Wortes- „mit Gewalt“ Spezies erhalten will, deren Tiere kaum selbst überlebensfähig sind, die keine biologische Nische haben, die für das Aussterben anderer gesunder Spezies sorgen und eine gesunde Biodiversität sogar beeinträchtigen, dann tut man das nicht für die Individuen dieser Art sondern aus egoistischen oder kulturellen Gründen. Während das Aussterben von Tierarten in der Wildnis ökologisch sehr nachteilig sein kann, wäre es für die Biodiversität sogar vorteilhaft, wenn wir aufhören würden Nutztiere zu züchten.
Wenn es tatsächlich um eine Erhaltung geht, dann wäre es richtig und wichtig, die natürliche Artenvielfalt zu bewahren. Die Natur ist ein eingespieltes System von dem wir abhängig sind. – Aber die Natur braucht unsere Nutztiere nicht und hätte sie auch nicht in dieser Form und Zahl hervorgebracht. Sie wird statt dessen von der intensiven Tierhaltung massiv gefährdet und geschädigt.

Wir Menschen machen von der Gesamtbiomasse aller Landwirbeltiere ganze 32% aus.
Doppelt so groß ist der Anteil unserer Nutztiere: 65%.
Und gerade einmal noch 3% macht die Gesamtheit aller wildlebenden Landwirbeltiere aus.

Die Masse unserer wenigen Nutztierarten beträgt mehr als das zwanzigfache davon.

Traurig an der Frage, was dann mit den Nutztierpassieren soll, ist auch, dass dabei einfach nur von der Nützlichkeit von Individuen für den Menschen ausgegangen wird und man wohl gar nicht auf die Idee kommt, dass es auch noch andere Motivationen gibt, warum Menschen sich um andere Individuen kümmern.
Es gibt viele Menschen, die sich nicht nur für sich selbst einsetzen und die sehr gern die Aufgabe übernehmen würden, sich um vermeintlich nutzlos gewordene Nutztiere zu kümmern
-nicht weil sie sie ausbeuten wollen, sondern um deren selbst willen. Weil es hilflose Lebewesen mit Charakter und mit Bedürfnissen sind und das für manche Menschen Grund genug ist, ihnen zu helfen.

Hey Veganer, manche Tiere gäbe es nicht, würden wir sie nicht nutzen!

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Es stimmt natürlich, dass es beispielsweise Schweine, Hühner oder Rinder in der Form und Anzahl so nicht gäbe, wenn wir sie nicht zum Gebrauch züchten würden. Oft wird das als eine Rechtfertigung dafür verwendet, sie einsperren, mästen, töten und aufessen zu dürfen beziehungsweise es wird die Ansicht vertreten, dass diese für ihre Existenz den Fleischessern quasi dankbar sein müssten und dass das ein schönes Dilemma für Veganer ist.
Zunächst erreicht natürlich praktisch keines unserer Nutztiere auch nur annähernd seine biologische Lebenserwartung. Tiere die man für ihr Fleisch produziert, sind in der Regel gerade erst ausgewachsen, wenn sie geschlachtet werden. Schweine, die 15 Jahre alt werden können, erreichen als Nutztiere meist nur ein halbes Jahr, was knapp 3,5% entspricht.
Die Tiere, die Milch und Eier produzieren, leben etwas länger, aber auch die erreichen selten mehr als ein Sechstel ihrer natürlichen Lebenserwartung bis sie verbraucht sind und entsorgt werden.
Männliche Kälber von Milchkühen tötet man oft nach wenigen Tagen. Und männliche Küken von Eierhühnern werden meist nur wenige Minuten nach dem Schlüpfen geschreddert.
Unsere gezüchteten Nutztiere sind im Grunde fast alle so überzüchtet, dass sie, auch abgesehen von den sowieso meist katastrophalen Haltungsbedingungen, ein Leben lang leiden.
Man kann sich natürlich fragen, ob ein kurzes elendes Leben voller Leid nicht vielleicht doch noch knapp besser sein kann als gar keins, und unter welchen Bedingungen man selbst leben will. Und natürlich gibt es unterschiedliche Auffassungen davon, was ein lebenswertes Leben ist. Aber gerade deshalb sollte man diese Entscheidung doch nicht für andere treffen sondern dies den entsprechenden Individuen überlassen.
Wenn wir davon ausgehen, dass die meisten hinreichend bewussten und leidensfähigen Lebewesen ganz ähnliche grundlegende Bedürfnisse haben wie wir selbst, -und es gibt keinen auch nur halbwegs plausiblen Grund, daran zu zweifeln -dann ist die Frage legitim, welches Maß an Leid noch „erträglich“ ist, damit das bloße Existieren noch die Schattenseiten dieser Existenz überwiegt.
Selbst wenn man dem Leben der Tieren und zukünftigen potentiellen Glückserlebnissen dieser Lebewesen keinen Wert an sich einräumt und leidfreie Haltung und Tötung als ausreichend und gerechtfertigt erachtet, ist es so, dass man in der Praxis Fleisch und Leid nicht mehr entkoppeln kann. Die „leidvolle“ Haltung ist keine Entartung des Fleischsystems, die man beheben könnte.
98% des konsumierten Fleisches stammen aus Massentierhaltung.
Und selbst Bio bedeutet nicht automatisch, Weidehaltung oder dass es sich dabei nicht um Intensivtierhaltung handelt.
Auch bei dem verschwindend geringen Anteil von Alibi-Biotieren aus Weidehaltung, handelt es sich um moderne Rassen, die unter ihrer Zucht leiden. Die Handvoll Tiere alter Rassen, bekommt der durchschnittliche Fleischesser nie zwischen die Zähne weil sie sehr teuer sind und teilweise nur als Mitglied eines Verbandes erhältlich.
Man kann Deutschland nicht komplett mit glücklichen Kühen von der Weide ernähren. Und die Welt schon gar nicht. Ein paar wenige können sich das leisten, weil die absolute Mehrheit das nicht tut. Aber für alle Menschen wäre das völlig illusorisch. Im Gegensatz dazu ist eine weitgehend vegane Menschheit zumindest theoretisch möglich.
Wenn nun schon VOR Beginn der Existenz die Lebensbedingungen eines (vorerst hypothetischen) Individuums absehbar sind und diese permanente Gefangenschaft, Leid, soziale Isolation, Angstzustände und einen vorzeitigen, teils qualvollen Tod beinhalten, dann wird die Abwägung noch einfacher, denn dann kann man sich die Frage stellen: Würde man ein Kind in die Welt setzen, wenn man wüsste dass es durchweg in einem kleinen Laufgitter gehalten wird, nie Tageslicht sieht, kein Spielzeug haben wird, keine elterliche Nähe, keine Zuwendung und Zuneigung erfahren wird und dann mit 10 Jahre weit vor dem Erreichen seiner „natürlichen“ Lebenserwartung erschossen werden wird?“ Das würde sicherlich kaum jemand auch nur ansatzweise als erstrebenswert empfinden und an der Stelle gegen Verhütung argumentieren. Aber genau das ist die Situation für unsere Nutztiere.
Der Gedanke, dass Tiere für so eine Existenz, als Nebeneffekt menschlicher Genusssucht dankbar sein sollten, funktioniert vermutlich auch wieder nur, wenn man nicht selbst so existieren muss.
Wenn man die Existenz von Nutztieren als Ergebnis unseres Wunsches sie zu benutzen als etwas positives verargumentieren will, ist das, als würde man Anerkennung dafür erwarten, dass man Schäferhunde züchtet die im Alter von vier Jahren aufgrund ihrer Hüftdysplasie nur noch jaulend robben können oder für verzüchtete Katzen die viel mehr hecheln als dass sie atmen. Das kann man in einem positiven Sinne kaum als „Leben“ bezeichnen. Es ist eben vielmehr eine bloße Existenz die fast ausschließlich von Leid geprägt ist und wo für viele dieser Tiere ein früher Tod vermutlich sogar noch eine Erlösung sein wird.
Wenn man die „Nutzviehzucht“ finanziell unterstützt, bringt damit nur Individuen in die Welt, deren Zweck die vollständige Ausbeutung ist und deren kurzes Leben im Grunde nur aus Leid und einem gewaltsamen Tod besteht. Das ist nichts Gutes, wofür diese Tiere dankbar sein können. Es ist ist so ziemlich das komplette Gegenteil, wenn man seine Ressourcen dafür verwendet, statt beispielsweise Lebenshöfe oder andere Initiativen zu unterstützen die das Leid bereits existierender Tiere verringern.

Hey Veganer, es heißt nicht umsonst NUTZtiere!

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Wenn man das Ausnutzen der so genannten „Nutztiere“ kritisiert, speziell wenn man argumentiert, dass nicht nur gewisse „Haustiere“ schützenswert sein sollten, wird oft entgegnet, dass diese ja schließlich schon Nutztiere heißen und dass sie extra dafür gezüchtet werden.

Wenn man so argumentiert, ist das aber ein Zirkelschluss, also ein logischer Fehler. Man rechtfertigt dabei eine Handlung mit dieser Handlung selbst.
„Wir nutzen manche Tiere und bezeichnen sie dementsprechend als Nutztiere und weil sie Nutztiere heißen, ist es gerechtfertigt sie zu nutzen. Und weil wir sie nutzen, bezeichnen wir sie als Nutztiere…“
Aus A folgt B folgt A folgt B und so weiter… Mit dieser zirkulären Logik würde man sich argumentativ endlos im Kreis drehen, wenn man dieses Argument wirklich weiterdenken würde. Das hat in etwa den argumentativen Wert von „Weil ich das so sage“ und ist ähnlich willkürlich.

Allerdings haben wir oft beträchtliche Probleme damit, wenn andere genauso willkürlich sind wie wir.
Wenn andere Kulturen Hunde und Katzen zu Nutztieren erklären und schlachten, sorgt das bei vielen Deutschen für einen Sturm der Entrüstung, für rassistische Entgleisung und für Morddrohungen und Todeswünschen. Es gibt natürlich auch solche, die an der Stelle für die KONSEQUENTE Ausbeutung ALLER möglichen Tierarten hier argumentieren, bzw. denen das gleichgültig ist, aber vielen Deutschen fällt vor Empörung das Schweineschnitzel aus dem Mund wenn andere Kulturen sich nicht an unsere „zivilisierte“ Einteilung in Nutz- und Haustiere halten und unverschämterweise Tierarten zu Nutztieren erklären, die wir als Haustiere festgelegt haben.

Man kann nicht einfach eine Handlung benennen und mit dieser Benennung dann die Handlung dann rechtfertigen. Wenn man jemanden als Sklaven bezeichnet, heißt das nicht, dass es gerechtfertigt ist, ihn deshalb als Sklaven zu halten. Und weil Sklaven nun mal Sklaven heißen, und wir schon immer Sklaverei betrieben haben, folgt daraus nicht, dass Sklaverei in Ordnung ist. Das Wort Sklave beschreibt einen Menschen der benutzt wird. Es stellt aber keine Legitimierung dafür aus, dass man ihn benutzen darf. Es ist nur ein Wort. Und ebenso würde wohl auch jeder die Aussage, dass es gerechtfertigt ist, Menschen als Sklaven zu halten, solange man sie extra dafür zeugt, völlig inakzeptabel finden.

Über solche Willkür würde man sich ja auch bitterlich beklagen, wenn man selbst das Opfer so einer Festlegung wäre. Solange man nicht das Opfer ist, ist es leicht, solche Behauptungen gerechtfertigt und akzeptabel zu finden.
Tiere sind zu niemandes Gebrauch da. Genau so wenig wie Menschen zu irgendjemandes Gebrauch da sind. Kinder existieren auch, wegen ihrer Eltern. Daraus folgt aber nicht, dass Eltern über ihre Kinder verfügen können. Und wenn man einem Menschen das Leben rettet, folgt daraus ja auch nicht dass man nachher beliebig über ihn verfügen und ihn bei Bedarf töten darf.

Dass die Geburt von Individuen von Menschen mit gewissen Motiven festgelegt wurde, ändert nichts daran, dass sie die gleichen Empfindungen, Fähigkeiten, Interessen und Instinkte haben, wie Individuen, die aus anderen Gründen geboren wurden. Deshalb kann es doch nicht gerechtfertigter sein, gegen ihre Bedürfnisse zu verstoßen. Und diese Motive können ja nicht maßgeblich dafür sein, wie ein Lebewesen zu behandeln ist. Damit gibt man dem Täter die Bestimmungsgewalt über das Opfer. Mit diesem Argument müsste man zudem auch Pelztierfarmen und Tierbordelle rechtfertigen, wenn die Tiere dafür gezüchtet werden. Wenn man Individuen in die Welt bringt, sollte das viel mehr eine Verantwortung diesen Wesen gegenüber mit sich bringen und nicht das Recht über deren Leben und Tod zu bestimmen. Man selbst würde das für sich ja schließlich auch so fordern, wenn man selbst der Ausgelieferte wäre.

Der Begriff Nutztier hat natürlich in erster Linie mit dem was wir wollen zu tun und nichts mit den komplexen sozialen und emotionalen Bedürfnissen der Opfer. Er beschreibt schon, dass diese immer zweckhaft gezüchtet, und allein dadurch schon zu Objekten degradiert werden, die lediglich einen Zweck erfüllen, wobei ihnen weder Bedürfnisse noch Rechte zugestanden werden. Deshalb wurde Tierhaltung in vergangenen Jahrhunderten zumeist nicht wirklich als Problem wahrgenommen. Denn tatsächlich haben die meisten Kulturen die meisten Tiere als „Dinge“ betrachtet.
Je mehr wir aber dazu übergehen, fühlende Wesen generell NICHT mehr als Dinge zu behandeln, desto augenscheinlicher wird, dass auch diese Lebewesen so etwas wie eine Würde und ein Lebensrecht zugestanden bekommen müssten.

Aber selbst wenn man den Tieren das Recht auf Selbstbestimmung und Leben weiterhin abspricht und von der weitgehend willkürlichen Prämisse ausgeht, dass das Töten von allen Lebewesen außer dem Menschen in Ordnung ist, wenn diese nichts davon mitbekommen, sind das nahezu schon akademische Argumente, die für die Realität kaum relevant sind, da solche idyllischen, leidfreien Weideszenarien die absolute Ausnahme sind und es für die absolute Mehrheit aller Nutztiere sehr viel düsterer aussieht.
In der Praxis werden fast alle unsere Nutztiere gewaltsam in die Welt gezwungen, eingepfercht, maximal ausgebeutet und wieder vernichtet. Sie haben keinerlei Entscheidungsfreiheit, keine Chance auf Freiheit, keine Autonomie… kein Sonnenlicht, keine Wiese oder auch nur frische Luft. Bei dieser systematischen Form von Ausbeutung kommt es bereits bei den Begrifflichkeiten zur Entwertung, bis hin zur völligen Objektifizierung und Degradierung von empfindungsfähigen Individuen zu Produkten und Produktionsmaschinen. Es geht auch kaum noch um einzelne Lebewesen, sondern nur die Gesamtheit des Bestandes, um Vieh und Geflügel. „Verluste“ sind einkalkuliert und für die effizientesten Qualzuchten wird aus Katalogen das gewinnträchtigste Erbgut ausgewählt so dass wir uns Individuen schaffen, die für uns den maximalen Nutzen bringen aber dafür lebenslang Schmerzen leiden und oft nicht einmal stehen können.
Aber solche Dinge sind das Resultat der Überzeugung, aufgrund der eigenen Überlegenheit, andere empfindungsfähige Lebewesen nach Belieben nutzen zu können.