Hey Veganer! Kreislauf des Lebens!

Transkript

Mit viele Argumenten, die man als Veganer zu hören bekommt, versuchen Menschen nicht nur ihren Verzehr von Tieren und Tierprodukten rechtfertigen. Sie schmeicheln sich nebenbei auch selbst damit. Beim Argument von der Spitze der Nahrungskette oder wenn man sich etwa mal wieder mit einem Löwen vergleicht, ist das beispielsweise recht offensichtlich. Dahinter stecken vor allem Verweise auf die eigene Mächtigkeit. Das sind selten schöne, gute und vor allem richtige Argumente. Aber sie sind zumindest einigermaßen direkt. Oft werden solche “Recht-des-Stärkeren-Argumente“ aber auch so verdreht, dass man sie als Bescheidenheit und Demut verkauft -wahrscheinlich oft sogar sich selbst. Der eigene Appetit wird dann häufig als eine vermeintliche Ehrfurcht und ein angeblicher Respekt vor der Natur verkleidet. Und so wird dann oftmals -so tiefsinnig wie es mit vollem Mund halt geht- vom “Kreislauf des Lebens” gepredigt. Man kann an der Stelle zumindest dankbar sein, dass das Argument nur selten gesungen wird. Möglich wäre es aber, denn letztlich wird dabei im Wesentlichen aus dem “König der Löwen” zitiert.
[Intro] Im Disney-Zeichentrickfilm “Der König der Löwen” wird der Kreislauf des Lebens als eine Balance bzw. ein Zyklus aus Werden und Vergehen dargestellt und dadurch populär gemacht. Dass es in der Natur so etwas wie Kreisläufe gibt, ist natürlich völlig richtig. Wie so oft, trifft das aber deshalb noch lange nicht auf die hastig daraus gezogenen Schlüsse zu.
Zunächst stellt ein Trickfilm in dem eine Erb-Monarchie eines Spitzenprädators romantisiert wird, schon gleich zu Anfang keine besonders gute Parabel dar, aus der man seine moralischen Ansichten beziehen sollte. Im Film wird der Löwe Mufasa aber als gütiger und weiser König aller Tiere dargestellt. Und er frisst sie. Das wird nicht dargestellt. Aber machen wir uns nichts vor.
In der 2019er CGI-Version des Filmes erklärt er seinem jungen Sohn und Thronfolger Simba, dass dieser als zukünftiger König die erwähnte Balance verstehen müsse -und dass er diese Balance einschließlich aller entsprechenden Kreaturen respektieren müsse. Simba antwortet -zurecht verwundert- dass die Löwen die Antilopen doch aber fressen würden.
Offensichtlich kann man nicht einmal mehr Disneyfilme noch ernst nehmen. Denn Mufasas Antwort, also im Grunde das Argument um das es hier geht, ist nämlich ziemlicher Quatsch. Zwar spricht er geduldig mit sanfter tiefer Stimme. Und das ganze wird von orchestraler Musik untermalt. Aber wenn man Quatsch mit einer gehörigen Portion Naturromantisierung überdeckt, wird er davon nicht richtiger sondern noch falscher. Mufasa argumentiert nämlich, dass es zwar richtig sei, dass Löwen die Antilopen fressen, doch wenn Löwen stürben, so würden deren Körper zu Gras. Und jenes Gras wiederum fräßen die Antilopen. Tadaa: Kreislauf. Was sich nun so weise anhört, ist dabei im Kern aber ein romantisiertes „Macht gibt Recht“-Argument bei dem entscheidende Aspekte weggelassen werden. Sterben und Töten werden dabei schlicht gleichgesetzt. Dabei ist das eine Unterscheidung die wir selbst für absolut entscheidend halten würden, wenn wir diejenigen wären, die getötet werden sollen:
Dass wir alle irgendwann sterben werden, stellt doch für uns keine Rechtfertigung dafür darf, uns bei „Bedarf“ gegen unseren Willen töten zu können. So eine Logik würden wir auch nicht einfach akzeptieren, wären wir in der unterlegenen Position. Wir versuchen uns diesem „Kreislauf“ des Werdens und Vergehens solange zu entziehen, wie es eben leidlich geht. Und gäbe es eine Alternative dazu, uns zu töten und zu essen, würden wir die Nutzung dieser Alternative fordern und den Verweis auf den Kreislauf des Lebens für unethisch halten. Und wir würden uns wehren, weil wir es eben nicht einfach schicksalsergeben hinnehmen, zugunsten eines vermeintlichen Naturzykluses unser Leben einfach zu geben. Aber wenn wir etwas nehmen wollen, verweisen wir dann gern scheinehrfürchtig auf die Natur als wäre diese die verantwortliche Instanz nach der wir uns richten, obwohl wir sie ansonsten unserem Willen unterwerfen, wo wir nur können.

Zusammgefasst steckt hinter dieser Rechtfertigung die Behauptung, dass der Ge- und Verbrauch von Tieren und deren Tötung ethisch gerechtfertigt sind, da dies Teil einer natürlichen Ordnung sei, die außerhalb unserer Kontrolle liege und wir dabei gewissermaßen nur unsere Verantwortung als Spezies innerhalb des Tierreiches erfüllen oder zumindest ein entsprechendes vermeintliches Recht wahrnehmen. Doch unsere Tierwirtschaft, wo wir uns im Grunde an die Spitze und über alle anderen Lebewesen stellen, hat mit solch einer Balance, einem Kreislauf oder einem höheren System, für das wir nicht verantwortlich sind, sehr wenig zu tun und ist wohl mit “System des Tötens” besser beschrieben.
Natürlich müssen auch Menschen töten um zu überleben. Auch Pflanzen sind schließlich lebende Wesen. Aber wir müssen, anders als Mufasa im Film und reale Löwen in der Wirklichkeit, keine empfindungsfähigen Tiere töten um zu leben. Tut man dies doch, ohne Not, so tut man dies aus niederen Gründen, wie etwa für den Genuss, nicht weil man die Natur so respektiert…

Ironischerweise wird Veganern gelegentlich ein sogenanntes „Bambi-Syndrom“ attestiert. Damit beschreibt man die Neigung mancher Menschen, die Natur zu einer idyllischen, harmonischen Parallelwelt zu verklären. Beim „Kreislauf-des-Lebens“-Argument kann man dann wohl von einem Simba-Syndrom sprechen.

Hey Veganer, eure Ersatzprodukte sind Verbrauchertäuschung.