Hey Veganer, Pflanzen haben auch Gefühle.

Transkript

Vor einiger Zeit gab es einen Bericht über einen Möhrentransport der seine Ladung auf der auf der Straße verlor. Hier ein paar social media Kommentare.

Der Artikel und die Kommentare sind alle absolut echt. Solche tragischen Unglücke passieren leider häufig. Die Kommentare stammen auch nicht speziell von irgendwelchen hysterischen veganen Ökospinnern. Es könnte nur sein, dass nicht alle von genau diesem Unfallbericht stammen. Es könnte auch verunfallter Kartoffeltransport gewesen sein. Oder ein Gurkentransport oder ein Biertrans-nein, Bier ist glaub ich kein Lebewesen. Aber Weizen. Fühlende Lebewesen, jedenfalls.
Wenn man bei diesen Kommentaren aber so ein „Was stimmt mit denen nicht?“-Gefühl bekommt… das ist das Gefühl, dass Veganer haben, wenn ihnen mal wieder jemand erklären will, dass Pflanzen auch Gefühle haben.
Wenn man die Kommentare nicht für echt hält, dann liegt, liegt das wahrscheinlich daran, dass man selbst nicht wirklich glaubt, dass Pflanzen Gefühle haben. Guter Anfang. Denn natürlich gehören diese Kommentare zu einem Bericht über einen verunfallten Schweinetransport.
Was bei der Behauptung, dass Pflanzen Gefühle haben, nicht stimmt, ist der Teil wo gesagt wird, dass Pflanzen Gefühle haben. Aber auch das Verhalten von Vertretern dieser These, ist in der Regel nicht mal ansatzweise dieser entsprechend.
Obwohl ja bei diesem Unfall ein Vielfaches angeblich fühlender Lebewesen zu Grunde gingen, würde kein vernünftiger Mensch verunfallte Möhren auch nur ansatzweise so tragisch finden, wie verunglückte Schweine. Kein vernünftiger Mensch würde wollen, erwarten oder auch nur “irgendwie nachvollziehbar finden, dass ein Feuerwehrmann unter Einsatz seines Lebens noch einmal in das brennende Haus geht, um nach der Familienkatze Flauschi auch noch den Familienfarm grüner Flauschi zu retten. (Fotomontage Feuerwehrmann beatmet Pflanze) Kein Mensch würde an einem heißen Tag eine Autoscheibe einschlagen um eine Gemüsezwiebel zu retten die auf der Rückbank gerade elendig -aber immerhin aromatisch- zu kochen beginnt. – Hunderettern, würde man für sowas Anerkennung aussprechen, Zwiebelrettern eine Diagnose.
Und vor die Wahl gestellt, entweder einen Hund oder eine Topfpflanze töten zu müssen – welcher vernünftiger Mensch ohne klinisch relevante Gewaltphantasien würde den Hund wählen oder für die Entscheidung eine Münze werfen? Da ist die Entscheidung doch klar. Weil wir genau wissen, dass das nicht das Gleiche ist. Deshalb gibt es auch ein (wenn auch ziemlich wertloses) Tierschutzgesetz aber eben kein Pflanzenschutzgesetz in dem stünde: „Niemand darf einer Pflanze ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schaden zufügen“.
Nun sind Gesetze an sich natürlich noch lange keine zuverlässigen Indikatoren dafür, ob etwas richtig oder falsch ist. Aber das Fehlen eines solchen Pflanzenschutzgesetzes – oder irgendwelcher ernst gemeinter Initiativen für die Einführung eines solchen Gesetzes – zeigt wohl, dass die meisten Menschen offenbar eben NICHT davon ausgehen, dass Pflanzen leidensfähig wären und Schmerzen fühlen könnten und in dieser Hinsicht mit Tieren gleichzusetzen seien. Das sind alles keine Meinungen die irgendwer ernsthaft vertritt. Und natürlich würde man sich damit -völlig zurecht- lächerlich machen. Außer wenn man ganz schnell ein “Argument” gegen überhebliche Veganer braucht. Dann wechselt man diesbezüglich wohl gern mal kurz die Religion und glaubt vorübergehend fest daran.
Und dzum Glück ist das Pflanzenleid-Argument ist eines von diesen Argumenten, wo man spontan entscheidet, ob man das Ernst meint oder nicht -oft auch nachträglich. Im Zweifelsfall war es dann nur ein Witz, den Veganer natürlich nicht kapieren, weil sie so humorlos sind. Aber Wenn man gern behaupten möchte, dass Veganer mindestens genauso brutal zu fühlenden Lebewesen sind, werden Pflanzen eben kurzerhand zu solchen befördert -auch wenn man ansonsten nie auf die Idee käme, so eine Aussage zu vertreten oder gar entsprechend zu handeln. Veganern wird von Veganismuskritikern ja auch gern mal vorgeworfen, dass sie an so einer Art Bambi-Syndrom leiden und Tiere vermenschlichen würden. Aber dass die Kritiker dann mit so einer Behauptung Pflanzen und Tiere gleichsetzen, scheint man hingegen völlig legitim zu finden. Da sind Menschen der Meinung, dass die Leidensfähigkeit von Menschen und anderen Tieren nicht vergleichbar sei, die von nichtmenschlichen Tieren und Pflanzen hingegen völlig. Der Mensch, der ja biologisch auch ein SäugeTIER ist, wird davon aber doch meist wieder ausgenommen – oder auch nicht. Und Angeln ist völlig in Ordnung, weil Fische im Gegensatz zu Pflanzen nämlich angeblich keine Schmerzen fühlen. Je nachdem, wie man es gerade braucht. Auf der einen Seite klopft der Mensch sich regelmäßig für seine eigene Genialität auf die Schulter und rühmt sich dafür, was besonderes zu sein, weil er im Gegensatz zu Tieren Symphonien komponieren kann – also nicht persönlich, aber Beethoven und so und das ist ja im Grunde als hätte man es selbst geschrieben. Aber wo man sonst bemüht ist, die Unterschiede zu betonen, gibt es dann plötzlich gar keine mehr zwischen Pflanze, Tier und Mensch, wenn man sein Steak bedroht sieht. Da lässt “Mensch” sich ohne Zögern dazu herab, sich und andere Tiere ganz selbstverständlich mit Pflanzen auf eine Stufe zu stellen, obwohl er sich ansonsten demonstrativ empört und beleidigt gibt, wenn die fanatischen Veganer es wagen, den Menschen, hinsichtlich der Leidensfähigkeit mit anderen Tieren “gleichzusetzen”.

Ja, es wird immer mal wieder… der gleiche Artikel darüber geschrieben, darüber dass Pflanzen angeblich WISSEN, wenn sie gegessen werden. Und diese Artikel werden von Menschen die sich von Veganern genervt fühlen, oft mit Genugtuung geteilt. Bei Dingen die Menschen nicht gefallen, wie etwa, dass Tierprodukte katastrophal fürs Klima und die Umwelt sind und Leid verursachen, sind sie meist ganz skeptisch und kritisch und da wird immer wieder erklärt, man könne keiner Studie trauen, die man nicht selbst gefälscht hat oder dann sind das Lobbyisten-Behauptungen. Steht jedoch in irgend einer Überschrift eines beliebigen Internetartikels, oder in einem esoterischen Buch eines Försters, dass Pflanzen Gefühle haben, dann sind diese Quellen aber offenbar extrem vertrauenswürdig, weil das sich so wahr anfühlt. Dass Pflanzen dies oder jenes „wissen“, „denken“ oder „fühlen“ sind allerdings relativ unwissenschaftliche und eher reißerische Schlagzeilen. Pflanzen wissen so sehr, dass sie gegessen werden, wie ein Wecker weiß, wann er klingeln muss. Das sind Metaphern oder Analogien, um den Text für Laien interessanter oder auch zugänglicher machen -oder sie sind gar extra so formuliert, um beispielsweise den genervten Antiveganer zum dankbaren Teilen -und in guten Fällen vielleicht sogar zum Lesen -des Artikels zu bewegen und um Kontroversen und damit Klicks zu generieren.
Dabei handelt es sich aber um automatisierte Reizreaktionen die nicht auf Dingen wie Bewusstsein oder Intelligenz oder Gefühlen basieren. -also die Reaktionen der Pflanzen, nicht das Teilen der Artikel. Da fühlt der Teilende ja sehr stark, dass das wahr ist, was da steht.
Schmerz ist eine lebenswichtige Sinneswahrnehmung, die Tiere vor Gefahren warnt, damit sie Schäden und Verletzungen entgehen können. Schmerz ist nichts Schönes. Aber darin liegt seine Funktion – er soll das Lebewesen dazu bewegen, ihn zu vermeiden und sich damit von der schädlichen Ursache zu entfernen. Das ist kein perfektes System. Aber es funktioniert. So etwas unschönes wie Schmerzempfindung wird evolutionär aber erst erforderlich, wenn Lebewesen bzw. die Umstände in denen sie existieren, eine so hohe Komplexität erreichen, dass simple automatisierte Reizreaktionen mit der immer gleichen Reaktion auf den gleichen Reiz allein nicht mehr ausreichen, diesen Schutz zu gewährleisten.
Pflanzen sind langsam. Sie können sich aktiv nicht weit bewegen. Und sie können nur vergleichsweise einfache Bewegungen ausführen. Aber sie reagieren natürlich auch auf ihre Umwelt und auf verschiedene Arten von Stress. Und in begrenztem Maße haben Pflanzen auch die die Möglichkeit, schädlichen Reizen zu entgehen oder ihnen etwas entgegenzusetzen. Sonnenblumen drehen ihre Blüten dem Lauf der Sonne nach. Mimosen klappen bei Berührung ihre Blätter zusammen und manche Pflanzen können Insektizide absondern, wenn sie von Käfern angefressen werden. Und teilweise tun das sogar die Pflanzen die noch gar nicht selbst angefressen wurden, weil aber bei einer anderen verletzten Pflanzen Stoffe frei werden, die bei ihr diese Reaktion auslösen. Pflanzen kommunizieren gewissermaßen also durchaus auch. Nur ist Kommunikation auch nicht zwingend ein Zeichen für Bewusstsein. Auch Geräte in digitalen Netzwerken kommunizieren. Das sind aber automatisierte vorgegebene elektronische Reaktionen. Und bei Pflanzen hat man es dabei aber erst mal nur mit biochemische Reaktionen zu tun.
Aber die Pflanze die vorher angeblich voller Schmerzen mit letzter Kraft noch seinen Kameraden zurief sie mögen ihn zurücklassen und sich selbst in Sicherheit bringen, und seiner Pflanzenfrau sagen, dass er sie liebt -weil Pflanzen nämlich auch Gefühle haben -die reagieren nicht einmal auf das Verletzen der eigenen Blätter wenn man diese vorher mit Folie abdeckt und damit das Wahrnehmen besagter freigesetzter Stoffe verhindert . Weil es kein bewusstes Fühlen ist, sondern automatisierte Aktion und Reaktion.
Grob gesagt immer die gleichen vergleichsweise simplen Reaktion auf die gleichen Reize. Einfache, immer gleiche Dinge, wie beispielsweise bei uns das Atmen, die funktionieren nicht nur gut ohne dass sie über ein Bewusstsein gesteuert werden, es wäre sogar ziemlich unsinnig und fatal sie davon abhängig zu machen. Solche biologisch festliegenden, automatisch ablaufenden Vorgänge regelt das VEGETATIVE Nervensystem. Für solche Reaktionen ist kein Schmerzempfinden nötig. Wenn man der Natur unterstellt, sie würde Pflanzen trotzdem irgendwie damit ausstatten – ohne ihnen die Fähigkeit zu geben, sich in Sicherheit zu bringen, dann ist das, nicht nur im Hinblick darauf wie Evolution funktioniert, eine sehr steile These und würde entsprechend überwältigende Belege erfordern. Es ist zudem auch als würde man der Natur Langeweile und Sadismus unterstellen. Denn bei allem, was wir da beobachten, gibt es keinen schlüssigen Hinweis darauf, dass das was da bei Pflanzen passiert, mehr ist als automatisierte Reizreaktionen. Keine Pflanze denkt sich: “Nö, mir egal, was die anderen machen. Ich will mich gerade nicht zur Sonne drehen.”
Nun ist die Fähigkeit sich für oder gegen etwas zu entscheiden auch noch kein ultimatives Argument in dieser Frage. Aber das Fehlen dieser Fähigkeit deutet viel stärker auf simple mechanistische Vorgänge als auf eine Art Bewusstsein hin. Und obwohl wir Menschen uns auf unser Bewusstsein ziemlich viel einbilden und gern damit herumwedeln, müssen wir zugeben, dass wir relativ wenig davon verstehen.
Ein Lebewesen benötigt aber – nach allem, was wir bisher wissen – ein funktionierendes Zentralnervensystem und ein ziemlich komplexes Verarbeitungsorgan, um ein Bewusstsein zu haben oder leidensfähig zu sein. Die subjektive Schwere von Schmerzen hängt nämlich nicht von der Schwere der Schädigung ab, sondern von der zentralen Verarbeitung. Schmerz entsteht nicht an der Stelle der Verletzung. Er entsteht nachweislich und zweifelsfrei im Hirn -und nur im Hirn. Deshalb fühlen manche Menschen auch Phantomschmerzen in Gliedern, die sie verloren haben. Es ist kein Fall bekannt oder belegbar wo Schmerzen irgendwie ohne Hirn entstehen. Reaktionen: ja. Schmerzen nicht. Wenn man nun trotzdem die selbstbewusste Behauptung vertritt, das gehe auch anders, weil man es geschafft hat sich einzureden, Sachen ohne Beweise zu glauben, sei Aufgeschlossenheit und Progressivität, dann braucht es dazu erst einmal Indizien und plausible Vermutungen und Thesen darüber, *wie* und *wo* Pflanzen ohne zentrale Reizverarbeitung so etwas wie “Schmerz” empfinden sollten und anschließend entsprechende Untersuchungen die das auch plausibel belegen. Ohne solche plausiblen Annahmen kann nämlich sonst ALLES behauptet werden. Wer weiß denn, ob Steine nicht auch Gefühle haben? Können wir es ganz ausschließen? Das leugnen Menschen doch nur, damit sie weiter auf Steinen herumtrampeln können und -nur weil die keine hübschen Blüten haben. Ja, das Argument ist Murks. Aber das bekommt man als Veganer regelmäßig im Bezug auf Pflanzen und fehlende Knopfaugen vorgeworfen.

Man kann sicherlich sagen, dass Pflanzen in ihren Fähigkeiten teilweise durchaus unterschätzt wurden. Manche Pflanzen haben auch ein recht komplexes Wurzelsystem das mit etwas gutem Willen zumindest oberflächlich noch am ehesten einem Nervensystem nahe kommen könnte, wenngleich auch deutlich weniger komplex und dramatisch viel langsamer. Pflanzen können aber durchaus auch Reize weiterleiten, nur halt im Schneckentempo.
Aber nur weil in Pflanzen elektromagnetische, chemische oder physikalische Signale existieren, bedeutet das aber nicht, dass diese in Gefühle oder Gedanken umgewandelt werden. Wo auch? In dem Fall müssten wir uns nämlich auch fragen, wofür wir Menschen und andere Tiere überhaupt so ein energieaufwändiges, hochkomplexes Gehirn brauchen, wenn Pflanzen auch ohne eins denken und fühlen können. Wenn Pflanzen aufgrund einer unwillkürlichen Reaktion auf Umweltreize reagieren können, dann ist Schmerzempfindung und ein Wille für das Funktionieren von Pflanzen schlicht und ergreifend UNNÖTIG. Die Evolution begünstigt keine unnötigen Dinge, die Ressourcen verbrauchen, ohne entsprechenden Nutzen zu erbringen. In der Natur geht es um Effizienz. Jegliche Fähigkeit, die einem Lebewesen keine Vorteile bringt aber Energie kostet, benachteiligt dieses Lebewesen durch unnötige Komplexität und damit zusätzliche Fehleranfälligkeit und durch erhöhten Energiebedarf. Unser menschliches Hirn allein benötigt ganze 30 Watt. Dieser enorme Energiebedarf muss echte Vorteile bringen. Und diese müssen damit einhergehenden Nachteile mehr als aufwiegen.
So ein Zentralnervensystem mit zentralem Verabreitungsorgan hat beispielsweise den Nachteil, dass der Versuch, den Besitzer, also zum Beispiel den Menschen in mindestens zwei lebensfähige Lebewesen zu teilen, nicht nur schmerzhaft ist, sondern auch vergeblich. Danach hat man nicht zwei lebende Individuen sondern Null. Deshalb heißt es IN-dividuum: nicht teilbar. Pflanzen hingegen gelten oft als DIVIDUEN, denn sie können sich vegetativ fortpflanzen, also durch Teilung. Kartoffeln zum Beispiel. Und es wäre unvorteilhaft, wenn diese Art der Fortpflanzung weh täte, weil das die meisten Lebewesen dann eher von einer Fortpflanzung abhalten würde da Schmerz eben signalisiert. „Tu das nicht.“

Nun ist das vielleicht die Stelle, wo man mir Engstirnigkeit unterstellt und es wird argumentiert, dass man früher auch Tieren die Leidensfähigkeit absprach und sie viel mehr nur als Automaten sah und dass die Wissenschaft auch nicht alles weiß und dass das ja in Zukunft alles noch bewiesen werden könnte. Ja. Mag sein. Wir wissen vieles nicht über die Welt. Wir lernen stetig dazu. Wir wissen nicht zu 100%, dass Pflanzen keine Gefühle haben sondern vielleicht nur zu 99,9%. Das ist im normalen Leben im Grunde ein „nein“. Und das anzuerkennen und dem aktuellen Kenntnisstand entsprechend zu handeln, unter der Bereitschaft, sein Verhalten zu ändern, sollten sich verlässliche neue Erkenntnisse ergeben, ist nicht arrogant, sondern das einzig vernünftige.
Aber es ist eben nicht völlig ausgeschlossen, dass wir irgendwann doch erkennen könnten, dass auch gewisse Pflanzenspezies über rudimentäre Formen der Empfindungsfähigkeit verfügen. Letztlich ist die sich evolutionär entwickelnde Natur ein Kontinuum von Lebewesen, in dem es nur ganz selten absolut trennscharfe Linien und Grenzen gibt. In der Wissenschaft gibt es immer einen Restzweifel. Und das ist gut so. Das ist eine Stärke der Wissenschaft. Vielleicht leben wir alle nur in einer Simulation. Vielleicht ist das Universum ein Hologramm. Vielleicht bist du das einzig reale Bewusstsein und alle anderen nur Produkte deiner Einbildung. Kann man ja alles nicht widerlegen und nicht zu 100% ausschließen. Wenn man richtig sciency sein will, sind maximal 99,9% Sicher sein erlaubt. Aber 999:1 ist nicht fifty-fifty.Stellen wir uns ein Gewinnspiel vor. 999 Lose sind Nieten. Und in einem befindet sich ein Gewinn, den wir gern hätten. Die Lose werden gründlich durchmischt und in zwei Kisten „verteilt“. In die Kiste 1 kommen aber 999 Lose und in die zweite nur eins. Man sieht wieviele Lose welche Kiste enthält und darf sich für eine Kiste entscheiden und alle Lose darin öffnen.

Da gibt es nun zwei mögliche Antworten, welche Kiste man wählen kann:
Antwort A: Ich wähle Kiste 1 denn obwohl ich nicht sicher sein kann, dass der Gewinn da drin ist, beträgt die Gewinnwahrscheinlichkeit 99,9%.
Oder Antwort B: Ich wähle Kiste zwei, weil ich auch glaube, dass Pflanzen Gefühle haben und der Meinung bin, dass das ein super Argument gegen den Veganismus ist.

Aber da wirft man keine Münze. Es ist einfach nicht fifty-fifty. Und genau so ist es, wenn man argumentiert, dass man vorsichtshalber lieber mal nahezu sicher leidensfähige Tiere tötet, weil nicht mit absoluter Sicherheit ausgeschlossen werden kann, dass auch Pflanzen Gefühle haben. Das ist das Gegenteil von Vernunft. So gesehen passen die Argumente zumindest zur Handlung. Aber angenommen, wa würde sich entgegen aller Wahrscheinlichkeit herausstellen, dass Pflanzen doch Gefühle haben. Da gibt es auch wieder zwei Möglichkeiten, darauf zu reagieren.
Zunächst die Optionen für den leidenschaftlichen Psychopathen, wo man irgendwie, logisch nicht nachvollziehbar schlussfolgert, dass es deshalb völlig egal ist, wie viel Leid man anrichtet.
Und die zweite Option, dass man deshalb auch Pflanzenleid berücksichtigen muss. Das was man ja Veganern hier zu erklären versucht. Falsche Motiviation. Richtiger Ansatz. Falsche Schlussfolgerungen. Denn daraus folgt nicht, dass man 50:50 Pflanzen und Tierprodukte essen sollte, sondern dass man vegan leben sollte. Denn nicht nur hat man gravierende Unterschiede in der Wahrscheinlichkeit der Leidensfähigkeit zwischen Tieren und Pflanzen, und aller Wahrscheinlichkeit nach auch der Intensität des empfundenen Leids. Selbstverständlich verursacht man allein durchs Fleischessen pro Jahr zusätzlich zu den getöteten Tieren indirekt unter anderem den Tod von etwa 3500 Bäumen und Millionen unschuldiger Grashalme, die vom zukünftigen Steak grausam bei lebendigem Leib gefressen werden… von Widerkäuern dann gleich mehrfach -ohne Betäubung. Da man für jedes Kilo Fleisch ja zig mal so viele Kilo Pflanzen verfüttern muss, entstünde bei der Tiermast natürlich viel mehr “Pflanzenleid” – wenn es so etwas gäbe – als bei einer veganen Ernährung.

Pflanzen können teilweise eindrucksvolle Dinge. Von “Wissen” oder einem bewussten “Fühlen” kann man aber nicht sprechen, wenn man auf möglichst korrekte Wortwahl achtet. Es werden nicht sämtliche Biologiebücher unwissenschaftlich und ahnungslos, weil im Internet ein Artikel veröffentlich wurde, der geeignet scheint, es den selbstgefälligen Veganern ordentlich zu geben und den man dann vor lauter Erregung nicht zu Ende denkt und deshalb auch gar nicht sieht, dass er in Wahrheit ein Argument GEGEN das Fleischessen wäre. Und dass man mit jedem weiteren Bemühen, dieses Argument zu verteidigen, eigentlich für den Veganismus streitet – wenn auch mit einem falschen Argument. Mit dieser Behauptung und wenigstens einem Mindestmaß an ehrlicher Absicht nicht unnötig Leid zu versuchen, muss man daher aber darauf bedacht sein, dass auch der eigene pflanzliche Anteil an der Nahrung human getötet und betäubt wurde – was auch die Futtermittel für den anderen Anteil einschließt. Gegenüber Veganern beteuern Menschen ja auch immer wieder reflexhaft, auch gegen Massentierhaltung zu sein. Und obwohl Pflanzen nun angeblich auch Gefühle haben sollen, hört man hingegen nie jemand gegen das Leid von Massenpflanzenhaltung argumentieren. Niemand setzt sich dafür ein, dass, dass Pflanzen “human” geerntet und vorher ordentlich betäubt werden.
Niemand auf der Welt scheint so etwas zu tun oder für möglich zu halten – sicherlich weil man das Bewusstsein eben da ausknipst wo es passiert: im Hirn – welches Pflanzen nicht haben. Besteht man trotzdem darauf, weil… man beispielsweise mal wieder reflexhaft zu Protokoll gibt, dass Veganer auch keine besseren Menschen sind, und jetzt nachträglich noch schnell eine Begründung dafür braucht und deshalb Pflanzen zu fühlenden Lebewesen erklärt, ohne die Geschichte zu Ende zu denken. – dann muss man davon ausgehen, dass Pflanzen immer einen langsamen und qualvollen Tod sterben. Und über den Umweg Tier tötet man viel mehr von ihnen und sollte daher keine Tiere essen. Statt dessen nutzt man die die angebliche Leidensfähigkeit von Pflanzen als Rechtfertigung dafür, Tiere zu essen, wofür dann viel mehr Pflanzen “leiden “und sterben. Wenn Pflanzen wirklich Gefühle hätten, würden sie sich dabei ziemlich verarscht fühlen.

Dass Pflanzen angeblich besser wachsen, wenn man mit ihnen spricht, ist übrigens auch kein guter Beleg für deren scheinbares Gefühlsleben. Zum Einen atmet man sie dabei gegebenenfalls an. Und Kohlendioxid regt natürlich das Wachstum von Pflanzen an. Zum anderen gibt es einen Placebo-Effekt auch bei Pflanzen. Nicht weil Pflanzen ein Bewusstsein hätten und an irgendwas glauben. Sondern weil der Placeboeffekt oftmals beim Verabreichenden geschieht, der durch den Glaube an eine Wirksamkeit unbewusst sein Verhalten ändert und damit auch auf andere wirkt. In diesem Fall auf die Pflanzen. Das nennt man Placebo by Proxy. Zudem bestehen Geräusche im Grunde aus Schallwellen in der Luft. Das sind Vibrationen die durchaus irgendwas auslösen können, vielleicht auch irgendwelche Reaktionen bei Pflanzen. Das heißt aber nicht, dass da irgendwelche Emotionen im Spiel wären. Vieles reagiert auf Druckwellen. Feuer beispielsweise! Es lässt sich durch Schallwellen löschen. Und nicht nur das. Feuer benötigt auch Sauerstoff damit es nicht erstickt. Und es kann wachsen und sich fortpflanzen und vermehren. Dafür braucht es Energie. Und wenn es nichts mehr zu verzehren hat, stirbt es. Genau wie bei Tieren. Kann Feuer also auch Schmerzen fühlen?
Nun könnte man mir vielleicht eine unpassende Analogie vorwerfen. Schließlich ist Feuer ja kein Lebewesen. Und nur weil gewisse Phänomen sich ähneln, heißt das nicht, dass man das gleichsetzen kann. Und dass ich ja ganz schön verzweifelt zu sein scheine, wenn ich auf solche krampfhaft zurechtgebogenen Argumente zurückgreifen muss. Und man hätte damit völlig Recht. Genau das ist der Punkt:

Die Reaktionen von Feuer, Planzen und Tieren ist einfach nicht das Gleiche, auch wenn man mit minimalen Umformulierungen oder dem bewussten oder fahrlässigen Überstrapazieren und Ausweiten von Begriffen und Metaphern den Eindruck erwecken kann, das sei der Fall. Leider tun dies eben viele clickbait-Schlagzeilen über vermeintlich “denkende” und “fühlende” Pflanzen.

Glücklicherweise bestehen nicht alle Experimente darin, dass wieder irgendwelche Laien-Botaniker ihrem Fikus Schubert vorspielen oder glauben, festzustellen, dass die Kresse schlechter wächst, wenn man sie als Hitler beschimpft. Natürlich ist es spannend und wichtig, auch Pflanzen zu erforschen. Nur halt nicht so. Es gibt da erfreulicherweise auch seriösere Forschungen die zeigen, wie interessant manche Pflanzen auf äußere und innere Reize reagieren. Das alleine sagt aber noch nicht viel aus. Eine Ethik sollte sich vor allem an Begriffen wie: “Leid”, “Bedürfnis”, “Fairness” und “Interessen” orientieren, um nicht vollkommen willkürlich zu sein. Zum Beispiel an dem Interesse daran, Leid zu vermeiden. Dabei ist es erst mal nicht wichtig, ob irgendwo irgendwelche Sensoren oder Signalleiter stimuliert werden, sondern ob dieser Reiz im jeweiligen Lebewesen autonom verarbeitet werden kann und daraus ein Resultat in Form eines Interesses entsteht.
Manch einer findet sich besonders clever, wenn er Veganer vermeintlich mit ihren eigenen Waffen schlägt und ihnen ihren Antispeziesismus um die Ohren zu hauen glaubt, indem er behauptet, Veganer würden Pflanzen diskriminieren. Nein. Die Grundlage des Veganismus ist der Pathozentrismus. Das heißt, er versucht zu aller erst Leid zu vermeiden. Aber Pflanzen leiden nicht. Das widerspricht dem Antispeziesismus nicht.
Man muss nicht einmal beim Antispeziesismus aufhören. Man kann das sogar noch weiter denken und auf den sogenannten Antisubstratismus ausweiten. Dabei wird nicht nur die Spezieszugehörigkeit eines Wesens als diskriminierendes Kriterium abgelehnt , es ist auch nicht entscheidend ob es aus Zellen und Nerven besteht oder vielleicht aus Mikrochips und Kabeln. Ein Synonym für Pathozentrismus ist auch Sentientismus, da für ein bewusstes Leiden eben ein Bewusstsein erforderlich ist. Und unbewusstes Leiden hebt sich ja im Grunde selbst auf und ist ein Widerspruch. Vielleicht wird es irgendwann künstliche Intelligenzen geben, die irgendwie sentient sind. Das heißt dann aber nicht, dass plötzlich alle Elektrogeräte fühlende Wesen sind.
Zu Fernsehern haben wir zwar häufig sehr innige Beziehungen. Trotzdem sind diese für die meisten von uns keine ethisch relevanten Wesen. Nicht weil wir bösartig und gleichgültig gegenüber ihren Interessen wären. Sondern weil sie trotz Bahnen, die Signale leiten und Prozessoren die Signale verarbeiten, nichts wollen oder wollen können und es daher einfach keinen Sinn ergibt, davon zu sprechen, dass man womöglich ihre “Interessen” oder Gefühle verletzen könnte. Ein Fernseher hat keine. Und so ist das auch mit Pflanzen. Die sind zwar Lebensformen, aber nach allem, was wir wissen, eben nicht sentient. Jedes noch so niederkomplexe Lebewesen automatisch etwas wie ein Bewusstsein zuzuschreiben, ist unwissenschaftlich. Pflanzen haben keine Interessen, die es zu berücksichtigen gilt. Sie haben keinen Willen. Wozu auch?
Man tut hierbei mit Pflanzen im Grunde das was, was man Veganern gern vorwirft:
Man vermenschlicht sie, indem man Begriffe und Definitionen stark dehnt und überstrapaziert und den Fähigkeiten von Pflanzen menschliche Maßstäbe anlegt und sie entsprechend analog interpretiert, obwohl die Grundlagen nicht die gleichen sind.

Wenn Pflanzen Gefühle hätten, wäre das ein Argument FÜR den Veganismus.
Aber bei diesem Argument kommt es meist nicht darauf an, dass es auch Sinn macht, sondern nur auf das Ergebnis: Eine Retourkutsche für nervige Veganer, die sich vermeintlich für was besseres halten. Das ist aber oft eher ein Provokationsversuch oder eine Art Panik-Reflex und ein Rechtfertigungsversuch oder ein Witz -oder irgendeine Mischung daraus. Aber eben kein sinnvolles, durchdachtes Argument.
Allerdings besteht dabei tatsächlich eine Ähnlichkeit zu Pflanzen. Die sind auch nicht gut im Argumentieren. Aber die können sich immerhin damit entschuldigen, dass sie kein Gehirn haben.

Hey Veganer, man kann nicht 100% vegan leben.

Transkript

Ärzte sind überhebliche Gutmenschen. Die halten sie sich für was besseres weil sie versuchen Menschen zu heilen. Dabei kann man eh niemals alles heilen. Und wir werden sowieso alle sterben. Außerdem sollten wird Bildung abschaffen, weil wir sowieso nicht alles wissen können. Und Verbrechensbekämpfung ist auch Unsinn, weil es Kriminalität immer geben wird…
Zum Glück sind das Aussagen die niemand für sinnvoll und vernünftig halten würde. Außer es geht um Veganer.

Wenn man Tierausbeutung kritisiert, dann kritisieren die daran beteiligten Menschen ihrerseits oft, dass man niemanden kritisieren kann, weil man selbst nicht perfekt ist…
Nach der Ansicht vieler dieser Kritiker, muss Veganismus also so eine Alles-oder-Nichts-Sache zu sein. Und weil alles nicht geht, ist Veganismus offenbar nichts. Es wird argumentiert, dass man nicht 100% vegan leben kann weil man beispielsweise beim Laufen ein Insekt zertreten könnte. Und weil man Leid nicht 100% vermeiden kann, ist es laut dieser Argumentation inkonsequent und es ist lächerlich es zu versuchen und überhaupt irgendwas zu tun und man hat deswegen auch gar nicht das Recht andere Menschen zu kritisieren.
Im Umkehrschluss steckt darin auch die Aussage, dass es KEIN Problem ist, eine Ameise zu zertreten, wenn man noch eine paar ANDERE (möglichst schmackhafte) Tiere töten lässt. Das unbeabsichtigte Töten ist nach dieser Logik also nur kritikwürdig, wenn man NICHT vorsätzlich noch mehr Tiere tötet…
Natürlich kann man beim Gehen auf der Straße leider auch auf Insekten treten. Genau so ist es uns Menschen aber auch nicht möglich so zu leben, dass nirgendwo tödliche Unfälle verursacht werden. Aber die Folge daraus ist ja nicht, dass man überhaupt nicht erst versuchen sollte Unfälle zu vermeiden oder dass man deshalb beliebig töten kann. Natürlich versuchen wir alles in unserer Macht stehende zu tun um tödliche Unfälle zu vermeiden auch wenn das niemals völlig möglich sein wird. Kein halbwegs vernünftiger Mensch würde etwas anderes fordern oder die Meinung vertreten, dass niemand mehr versuchen dürfte, irgendetwas zu verbessern solange er nicht perfekt ist.
Außer bei Veganern. Für die läuft es darauf hinaus, dass eine Aktion angeblich nur dann Sinn macht, wenn sie sofort auf jedem Gebiet perfekte Heilige werden und die Welt auf einen Schlag zum Paradies machen und zwischen dem Anprangern korrupter Politiker und dem Beschweren darüber wie erbärmlich schlecht die Mannschaft wieder gespielt hat,
fordert man von Veganern, dass jeder vor seiner eigenen Tür kehren soll…
Aber schon damit, dass man jemanden dafür rügt, dass dieser anderen etwas vorwirft, widerspricht man sich eben selbst und tut genau das, von man behauptet, dass man es nicht tun dürfe.
Wir alle kritisieren praktisch jeden Tag irgend etwas und irgendwen -und das ohne perfekt zu sein. Niemand ist perfekt. Nach dieser Argumentation dürfte nieman mehr auf der Welt sich gegen irgend etwas aussprechen was er für schlecht hält oder versuchen irgendwelche Missstände zu kritisieren.
Selbstverständlich ist das wichtig. Man muss nicht perfekt sein um Kritik zu üben. Man muss gute, berechtigte und logisch saubere Argumente dafür haben. Und das war damit schon mal keins.

Den meisten Veganern dürfte klar sein, dass man durch die eigene Existenz trotzdem leider immer gewisse Schäden verursacht. Selbst in der offiziellen Definition heißt es: „Veganismus ist eine Lebensweise, die versucht – soweit wie praktisch durchführbar – alle Formen der Ausbeutung und Grausamkeiten an leidensfähigen Tieren für Essen, Kleidung und andere Zwecke zu vermeiden […]“ Und das was praktisch durchführbar ist, wird auch versucht, immer weiter auszuweiten. Und natürlich ist das auch ein Prozess bei dem man versucht, immer noch mehr an sich zu arbeiten und und wo man wohl trotzdem niemals Perfektion erreichen wird. Aber daraus folgt doch nicht das Recht beliebig Schaden anzurichten. Dass der Anspruch, fühlenden Lebewesen nicht vorsätzlich Schaden zuzufügen einem in einer Gesellschaft in der Tierausbeutung zutiefst verwurzelt ist, nicht leicht gemacht wird, ist ein Argument gegen die Gesellschaft, nicht gegen dem Veganismus.

Das Vermeiden von Tierprodukten wird doch nicht weniger sinnvoll, wenn man nicht gleich in den Wald zieht und alles aufgibt, was irgendwie mit Zivilisation und Kultur zu tun hat. Zumal die Menschen die das erst fordern einen dann in aller Regel ohnehin als Spinner, Extremist und Sonderling abstempeln würden die man nicht ernst nehmen kann. Der Versuch auf erneuerbare Energien umzusteigen wird doch auch nicht sinnlos, weil wir das nicht sofort und überall gleichzeitig schaffen und weil die neueren Technologien sicherlich auch noch nicht einem hundertprozentigen Ideal entsprechen und insgesamt vielleicht erst mal nur ETWAS besser sind. Wir streben immer irgendwelche Veränderungen im Kleinen an, obwohl wir damit nicht alle Probleme der Welt lösen. Anders geht es nun mal nicht. Und normalerweise finden das die meisten auch einleuchtend -außer wenn es um Veganer geht.
Es ist schon sehr grotesk, dass die Bemühungen von Veganern, etwas zu verbessern ausgerechnet von Nichtveganern als inkonsequent und absurd bezeichnet werden, die ihren gleichgültigen Arsch überhaupt nicht bewegen und denen Tiere und Umwelt komplett an selbigem vorbei gehen und die dementsprechend rein gar nichts tun… Oder war das jetzt wieder militanter Veganisten-Extremismus von Fanatikern für die nur ihr Veganismus zählt und die gar nicht interessiert dass andere den Müll trennen, Rad fahren, Bio kaufen und Energiesparlampen verwenden?
Nur… Warum sollte man das alles tun? Nach der eigenen Fleischlogik ist das doch alles völlig bescheuert und heuchlerisch, wenn man das nicht absolut perfekt macht und nicht nackt und ohne Strom in einer Höhle lebt so wie man es von Veganern verlangt.

Selbstverständlich gibt es noch viele andere Baustellen wo man Leid, Umweltzerstörung und Ungerechtigkeiten verhindern müsste und man kann davon ausgehen, dass Veganer ganz allgemein auch stärker für andere sozialen Probleme sensibilisiert sind. Der zweite Teile der offiziellen Definition des Veganismus lautet nämlich: „und darüber hinaus die Entwicklung tierfreier Alternativen zu fördern, was Menschen, Tieren und der Umwelt zum Vorteil gereichen soll.“ Denn Tierprodukte sind auch ökologisch katastrophal und gefährden damit unser aller Zukunft. Aber die meisten Menschen scheinen von so etwas einfachem wie „Iss einfach was anderes das uns nicht alle umbringt.“ schon völlig überfordert. Da muss Veganismus auch für normale Menschen erst mal ein halbwegs realistisches Ziel sein. Und diese eigenartige Forderung nach absoluter Vollkommenheit oder gar nichts, ist nichts, was irgendetwas auf der Welt verbessert -abgesehen von der eigenen Bequemlichkeit.

Auch wenn eine vegane Welt das Ideal sein sollte: Unter den aktuellen Umständen bewirken zwei Menschen die ihren Konsum von Tierprodukten WIRKLICH halbieren rein rechnerisch erst mal die gleichen Verbesserungen wie einer der ihn ganz einstellt. Dass man sofort alles aufgeben muss, was nicht einem völlig unrealistischen Ideal entspricht, wenn man beschließt, möglichst keine Tiere mehr vorsätzlich für die eigene Genusssucht leiden und töten zu lassen und dass man sich am besten umbringen sollte um gar keine Schaden mehr anzurichten sind Forderungen, die einen extremen Doppelstandard darstellen im Bezug darauf, welche Ansprüche man an sich selbst und an andere stellt. Und es zeigt auch wieder ziemlich eindringlich mit welcher… „Vehemenz“ manche Fleischesser ihr vermeintliches Recht auf Gewaltausübung für den eigenen Genuss verteidigen wollen, selbst wenn die katastrophalen Folgen dieser Besessenheit mittlerweile längst keine veganen Insider-Infos mehr sind.

Man könnte dieses Argument noch viel weiter treiben und argumentieren, dass Wasser nicht vegan ist, weil in Klärwerken unter Umständen Fische benutzt werden um die Wasserqualität zu prüfen. Und selbst wenn nicht, würde man durchs Bezahlen der Wasserrechnung den Lohn von Wasserwerksmitarbeiter mitfinanzieren welche dann davon unvegane Nahrungsmittel kaufen würden. Und selbst wenn man nur Regenwasser trinken würde, kann man IMMER irgendwas finden, was auf irgend eine Art nicht so richtig vegan ist. Die Gefahr auf Insekten zu treten besteht eben immer. Und wir leben in einer Gesellschaft in der wir extrem voneinander abhängig und miteinernander vernetzt sind und in der man alleine nun mal meist nicht viel bewirken kann. Ganz besonders wenn man sich komplett aus der Gesellschaft entfernt um um jeden Preis ein völlig unrealistisches Ideal zu erreichen so wie es manche Menschen offenbar verlangen, sobald man an einer Stelle etwas verbessern will, an der es ihnen unbequem ist.

Nicht alle pflanzlichen Produkte sind auch ethisch und ökologisch gut. Aber praktisch alles was tierischen Ursprungs ist, ist diesbezüglich schlecht. Der Veganismus ist nicht perfekt. Was ist schon perfekt? Aber es ist die viel bessere und vor allem eine umsetzbare Option die so wichtig und effektiv ist wie kaum eine andere mögliche Umstellung. Eines ist aber richtig: Veganismus allein reicht nicht. Nur folgt daraus eben nicht, dass man gar nichts machen sollte, sondern dass man MEHR tun muss. Wir sind alle zu einem gewissen Grad schuldig an Umweltschäden. Vegan zu leben reduziert diesen Impakt bereits so gravierend, dass es für einen durchschnittlichen Fleischesser extrem schwierig ist, das irgendwie aufzuholen. ( -mal angenommen, dass es durchschnittliche Fleischesser gibt. Man trifft ja immer nur die ganz unterdurchschnittlichen.)

Natürlich kann und sollte man auch Veganer kritisieren, wenn man berechtigterweise denkt, dass sie vermeidbaren und unnötige Schäden anrichten. Oft sind aber Veganer selbst ihre schärfsten Kritiker, entweder untereinander – da neigen wir zugegeben teilweise zum Übertreiben – bisschen wie echte Menschen – oder auch sich selbst gegenüber. Und Veganer sind normalerweise bestrebt, an immer mehr Stellen immer besser zu handeln und dazu zu lernen. Und besser bedeutet an der Stelle: weniger Leid und Schaden verursachen. Entgegen der öffentlichen Meinung sind veganen Foren und Gruppen nämlich nicht voll von Beiträgen darüber wie geil wir im Vergleich mit Nichtveganern sind sondern viel mehr von solcherlei Fragen und Diskussionen. Mit konstruktiven Vorschlägen und redlicher, valider und sinnvoller Kritik wird man bei vielen Veganern auf offene Ohren stoßen. Das ist für viele einer der Gründe überhaupt vegan geworden zu sein . „Leb im Wald!“ oder „Bring dich um!“ fallen aber in keine dieser Kategorien.

Vor allem ist es aber sicherlich der Vorsatz nicht aktiv Leid und Schaden zu verursachen, der ja erst mal ein wichtiger erster Schritt ist und den man als so argumentierender Nichtveganer so in der Regel noch nicht mal gefasst hat. Es kommt auf die Richtung an in die man sich bewegt und die Frage ist letztlich -oder vielmehr erstlich: Wie gehen wir damit um, dass wir nicht völlig schadfrei leben können?
Da gibt es im Wesentlichen zwei Möglichkeiten: Die anständige Reaktion darauf wäre doch, dass man versucht selbst, so wenig wie möglich Leid und Schaden zu verursachen und einander zu helfen und als Nichtveganer beispielsweise zu sagen: Ich helfe dir dabei die Dinge abzustellen durch die du Leid verursachst und du hilfst mir dabei vegan zu werden. Wenn man das nicht kann, sollte man auch tunlichst vermeiden, so etwas als ein Argument anzuführen. Denn Veganer können. Und missionarisch wie wir nun mal sind, schrecken wir in der Regel auch nicht davor zurück, über das Vegansein zu sprechen und zu erklären, welche Alternativen es zu Tierprodukten gibt und wie man weniger Leide und Umweltschäden versucht und diese ganzen militanten Dinge.
Die andere mögliche Reaktion ist hingegen eben genau dieses Argument: „Du verursachst an anderen Stellen noch Leid und bist nicht 100% perfekt, also bist du ein Heuchler es in diesem Bereich zu versuchen oder zu fordern. Und weil du nicht 100% allen möglichen Leides vermeidest, muss ich gar nichts tun und kann deshalb weitermachen wie bisher.“ Und plötzlich gibt es für Menschen, die Veganern immer erklären, dass es nicht nur schwarz-weiß gibt, nur noch schwarz-weiß.
Ethisch gut ist oft nicht das, was die Gesellschaft uns leicht macht. Wenn es in unserer Gesellschaft aber nicht möglich ist, 100% ethisch zu leben, dann ändern wir nicht die Ethik um sie der Gesellschaft anzupassen sondern wir müssen die Gesellschaft so ändern, dass wir möglichst ethisch leben können.
Und genau das ist es, was Veganer tun. Natürlich ist das lästig und unangenehm. Aber das ist nichts dagegen, wie unangenehm es wird, wenn wir so weitermachen wie bisher oder wie es unseren tierlichen Opfern geht.

Hey Veganer, Weidefleisch ist tier- und umweltfreundlicher.

Transkript

Heutzutage gibt es kaum noch eine Veganismus-Diskussion in der nicht irgendwer Weidefleisch erwähnt. Das Argument besteht dabei grob aus bis zu drei Teilen. Zum Einen wird Weidehaltung als tierfreundlicher als Massentierhaltung gesehen, was in der Regel schon so ist, wenn man in “Töten” und “freundlich sein” jetzt keinen Widerspruch sieht.
Dann wird argumentiert, dass Weidehaltung nachhaltiger und umweltfreundlicher ist als der Anbau pflanzlicher Nahrungsmittel.
Und es wird behauptet, dass durch den Anbau von Pflanzen auf dem Acker angeblich mehr Tiere wie beispielsweise Mäuse vom Mähdrescher getötet werden als bei der Produktion von Weidefleisch.

Leider ist es richtig, dass man nicht leben kann, ohne Schaden anzurichten. Und auch so manche pflanzlichen Lebensmittel sind diesbezüglich ziemlich übel. Aber statt zu versuchen, dann so wenig Schaden wie möglich anzurichten, sehen viele Menschen das als ein Argument dafür, dass man also beliebig Schaden anrichten kann und dass das alles das gleiche ist und das Veganismus eh Blödsinn ist, weil man ohnehin niemals 100% perfekt sein kann. Immerhin basiert das das Weidefleischargument augenscheinlich erst mal nicht nicht auf dieser Prämisse und es dreht sich um die Frage, womit tatsächlich weniger Schaden angerichtet wird. Sicherlich wird in den seltensten Fällen ergebnisoffen zu Diskussion gestellt, ob das denn wirklich so ist. Sondern das Argument soll zeigen, dass Fleischkonsum die ethisch und ökologisch bessere Ernährung darstellt als der Veganismus -oder zumindest keine schlechtere. Und vielen scheint es dabei auch zu reichen, dass ethisch überlegenes Weidefleisch existiert oder existieren könnte um das mehr oder weniger unbewusst aufs Fleischessen allgemein zu übertragen und um dann weiter weitgehend BELIEBIGE Tierprodukte zu konsumieren.
Zunächst muss man sagen, dass man diese Behauptung so sicher und kategorisch nicht treffen kann. Natürlich werden leider beispielsweise auch beim Anbau von Getreide Tiere getötet. Und es nicht unmöglich, dass ein super schonend produziertes Bio-Weide-Tierprodukt weniger Schaden anrichtet, als ein konventionell produziertes pflanzliches, wie etwa in drei Schichten Alu und Plastik verpacktes Flugobst das um die halbe Welt geschickt wurde. Und oft wird ja in der Argumentation davon ausgegangen, dass Veganer eh fast nur sowas essen und man selbst eben nur das viel bessere regionale Weidefleisch. Viel redlicher wäre es aber, würde man dieses auch mit entsprechenden Produkten wie handgepflückte regionale Äpfel von Streuobstwiesen vergleichen, wo es dann schon wieder anders aussieht. Und wenn es tatsächlich um Leidverminderung ginge, würde man dann dieses Obst dem Rind vorziehen.

In der Praxis ist Veganismus nahezu immer die bessere Option. Ob das in diesen nur begrenzt möglichen Sonderfällen aber dann wirklich mal anders ist, ist anhand der unklaren Datenlage jedoch alles andere als so eindeutig, wie es in gewissen hartnäckigen Artikeln oft sehr reißerisch behauptet wird. Es kann unter gewissen Umständen durchaus so sein. Es sprechen allerdings auch eine ganze Reihe von Faktoren dagegen:

Die meisten Rinder die von Gründland gefüttert werden, stehen gar nicht direkt auf der Weide und wenn dann nur einen Teil des Jahres. Sie bekommen daher riesige Mengen gemähtes Gras oder Heu.
Ein Rind frisst knapp 23kg Heu oder etwa 130kg frisches Gras pro Tag. Das sind also enorme Mengen, die mit dem Mähdrescher geerntet werden.
Dazu kommt noch Stroh, mit dem oft die Ställe ausgelegt werden.
Zudem müsste man an Tierprodukten praktisch ausschließlich Weidefleisch und Weidemilch konsumieren. Fast alle anderen Tierprodukte sind um ein vielfaches schädlicher und würden die Gesamtbilanz ganz schnell wieder umkehren wenn man ansonsten nicht praktisch vegan leben würde.

Man wird ja meist schon genervt und ratlos angesehen, wenn man in der Gastro oder beim Einkaufen nach etwas veganem fragt. Versucht mal ausdrücklich -fast egal wo -grasgefüttertes Weidefleisch zu verlangen und konsequent auch nichts anderes zu essen.
Viele Weiden wurden auch erst durch die Zerstörung bestehender Ökosysteme wie beispielsweise der Rodung von Wäldern geschaffen wodurch ebenfalls Schaden an Tieren verursacht wurde. Außerdem werden auch Raubtiere wie Wölfe getötet um die Weidetiere zu schützen. Auch sowas muss man mit einrechnen.

Die Nutzung als Weideland funktioniert zudem auch nur, wenn die Tiere das auch vertragen. Die heutigen Turbo-Hochleistungsrinder können nämlich oft gar nicht mehr von Gras allein oder ein paar Steppengewächsen leben, und würden ohne das Zufüttern von Kraftfutter aufgrund ihres hochgezüchteten Stoffwechsels krepieren. Selbst bei den besten Biokühen besteht die Nahrung zu einem nicht unerheblichen Teil aus Kraftfutter. Dadurch ist selbst bei vermeintlicher Weidehaltung meist noch der Anbau von Kraftfutter auf Ackerflächen nötig, wodurch dort also auch das verursacht wird, was man Veganern vorwirft. -zusätzlich dann noch zum Töten der Rinder.
Die alten Rassen, die mit Gras allein auskommen, bringen dann aber viel geringere Erträge als ihre überzüchteten Nachfahren. Auch die Leistung von Milchkühen sinkt bei Weidehaltung. Um gleich viel Milch zu erzeugen, müsste man den Bestand vergrößern, was zu erhöhten Umweltschäden führen würde.
Denn auch durch die allgemeinen Umweltauswirkungen der Weidehaltungen kommen noch diverse indirekte und längerfristige Schäden an Umwelt und Lebewesen hinzu. Entgegen seinem Ruf hat Weidefleisch viel gravierendere Auswirkungen auf die Umwelt und das Klima als die allermeisten pflanzlichen Lebensmittel.

Man produziert jedenfalls nicht Fleisch für 7,5 Milliarden Menschen, indem man ein paar glückliche Kühe auf irgendwelche Bergwiesen stellt. Der aktuelle “Bedarf” an tierischen Produkten ist ohne Massenhaltung gar nicht zu decken. Sollte man durch Zufall zu der privilegierten Elite gehören, die wirklich nur Weidefleisch beziehen, dann funktioniert das global gesehen nur, weil man davon profitiert, dass die allermeisten der anderen Fleischesser das nicht tun und Fleisch aus Intensivtierhaltung essen.
Hinzu kommt, dass von den 60 kg Fleisch die ein Deutscher pro Jahr konsumiert, nur etwa 10kg Rindfleisch sind. Mit dem Weidefleischargument überhöht man einen Teilaspekt und blendet den Großteil von dem was wir wirklich essen aus.
Umgerechnet stammen gerade einmal 8 % des Fleisches und 12 % der Milch von Tieren aus der Weidehaltung – das ist im Verhältnis zum Flächenbedarf der Weidehaltung ein sehr geringer Anteil. Von ca. 750 Mio jährlich in Deutschland geschlachteten Tieren sind 620 Mio Hühner und 60 Mio Schweine. Das sind alles keine Weidetiere.
Das zellulosehaltige Gras kann nun mal nur von Wiederkäuern effizient verwertet werden. Schweine können mit Gras nur sehr begrenzt etwas anfangen, Gänse, Enten oder Puten praktisch gar nichts. -was wohl auch der Grund dafür ist, warum man so schwer an Weideeier rankommt. Diese Tiere bekommen jedenfalls vorwiegend hochwertiges Soja, Mais und Getreide, was alles nicht auf Weideland wächst, sondern auf denselben Ackerflächen, auf denen man ansonsten Gemüse und Getreide anbauen könnte.
Von Wiederkäuern von denen auch nur ein geringer Teil Weiderinder sind, werden in Deutschland jedes Jahr knapp 4 Mio geschlachtet. Das ist zwar auch noch eine tragische Zahl. In Relation zu den riesigen dafür geopferten Flächen und den damit verbundenen Umweltschäden ist dieses Ergebnis aber ziemlich katastrophal.

Dass es besser ist, glückliche Tiere zu töten, ist zwar eine fragwürdige Überzeugung. Aber im Allgemeinen wird es Rindern auf der Weide natürlich besser gehen als etwa in Anbindehaltung auf Spaltenböden. Viele Menschen setzen allerdings intuitiv das, was sie für artgerecht und tierfreundlich halten, mit nachhaltig und umweltverträglich gleich. Häufig ist aber das Gegenteil der Fall. Fleisch vom Weiderind ist oft sogar umweltschädlicher als das aus der Intensivmast. Weiderinder wachsen langsamer und brauchen länger, bis sie schlachtreif sind.
Zum einen, weil sie sie sich mehr bewegen als Stalltiere und zum anderen, weil sie weniger Kraftfutter und stattdessen mehr nährstoffarmes Gras bekommen. Statt 15 Monate dauert das mehr als 20, was dazu führt, dass mehrere Monate zusätzlich Treibhausgase produzieren, darunter vor allem Methan. Das entsteht, durch anaerobe Gärungen, also wenn organisches Material unter Luftausschluss abgebaut. Ein Hausrind stößt davon täglich etwa 150 bis 250 Liter aus. Wenn Rinder Gras fressen, verdauen sie das im Gegensatz zu Getreide viel stärker mit Hilfe von Bakterien, wodurch viel mehr Methan entsteht. Im Vergleich zu einem konventionellen Rind, welches mit Getreide gefüttert wird, produziert ein Bio-Weiderind dadurch die vierfache Menge an Methan, welches um ein vielfaches klimaschädlicher ist als Kohlendioxid. )In geringenen Mengen entsteht zudem auch noch das NOCH viel klimaschädlicheres Lachgas.) Hinzu kommt, dass man davon ausgeht, dass dieser Methan-Ausstoß bis 2050 durchschnittlich um weitere 4,5 Prozent steigen könnte, da infolge des Klimawandels der Nährwert vieler Futterpflanzen sinken wird. Dieser ist in wärmeren Gegenden meist geringer. Die Rinder müssen daher mehr davon fressen, verdauen länger und erzeugen dadurch noch mehr Methan, welches für eine weitere Erwärmung sorgt. Das ist also wieder mal ein Teufelskreis.

Nur 24 % des Rindfleisches stammen weltweit aus Weidehaltung und DAVON nur ca. 7 % aus extensiver Haltung, also aus einer schonenden Bewirtschaftung von Äckern und Weiden, bei der nur wenige Tiere auf großer Fläche existieren und wovon viele Tier- und Pflanzenarten profitieren. Intensiv bewirtschaftete landwirtschaftliche Flächen können hingegen sehr umweltschädlich sein: Sie können Biotope stören, Böden und Grundwasser belasten und die Ökologie von Gewässern mit dem Eintrag von Stickstoff und Phosphor schädigen. Eutrophierung nennt man das. Es kommt zu Überweidung und Bodenverdichtung oder Verschlämmung durch zu hohe Besatzdichten beziehungsweise durch das Weiden lassen auf feuchten Böden. In Europa zeigen bereits 45 Prozent der Böden Qualitätsverluste.
Ein Großteil der Tierprodukte entsteht durch die sehr INTENSIVE Nutzung von Dauergrünland und durch die Nutzung von Ackerflächen, auf denen man auch pflanzliche Nahrungsmittel produzieren könnte. Tendenz steigend.

Gras in Fleisch zu konvertieren verursacht immense Emissionen an Treibhausgasen. Und auch im Hinblick auf Versauerung oder Überdüngung ist die Produktion tierischer Lebensmittel sehr viel schädlicher. Der Großteil der Agrarflächen wird für Rinderfutter verwendet. Aber nur 1,34% unserer weltweiten Kalorien stammen aus Rindfleisch.
Mit Nachhaltigkeit hat das alles wenig zu tun, denn gerade der Klimawandel ist so ziemlich das teuerste und größte Problem unserer Zeit. Und auch wenn Veganismus alleine die Welt nicht rettet, würde eine pflanzliche Ernährung ein gutes Stück dazu beitragen, diese Bedrohung abzuschwächen.
Und wenn es wirklich um die Verminderung Tierleid gehen sollte, dann sucht man nicht nach dem vermeintlich tierfreundlichsten Fleisch sondern nach dem tierfeundlichsten Nahrungsmittel. Und das ist dann kein Fleisch.

Hey Veganer, auf vielen Agrarflächen kann man nur Viehfutter anbauen.

Transkript

Für die Herstellung von Tierprodukten braucht man in den meisten Fällen ein vielfaches an Pflanzen als Futter und dementsprechend automatisch auch ein vielfaches an Ressourcen. Dem wird manchmal entgegnet, dass es aber Flächen gibt, auf denen nicht viel mehr als Gras wächst und die daher kaum für den Anbau menschlicher Nahrungsmittel geeignet und sind und die deshalb nur mit

mit der Produktion von Tierfutter nutzbar gemacht werden können. Und das ist auch erstmal nicht falsch. Das ist sogar der überwiegende Teil der landwirtschaftlichen Nutzfläche. Man spricht dabei meist von Grünland. Das ist vom Menschen geprägtes Grasland welches beispielsweise als Weiden oder Mähwiesen genutzt wird.

In der Praxis bringt das aber eine ganze Reihe Nachteile und Probleme mit sich, selbst wenn man das unnötige Töten von Tieren nicht dazu zählen sollte. Und tatsächlich ist es auch global gesehen sogar viel eher ein Argument GEGEN die Tierhaltung.

Zur Rechtfertigung des deutschen Fleischkonsums ist dieses Argument zunächst schon mal gar nicht geeignet. Denn abgesehen von Hochweiden im Hochland ist das in Deutschland genutzte Weideland fast nur anthropogenes Grünland. 90% des deutschen Grünlands ist nicht natürlichen Ursprungs und bestand vorher mal aus wertvollen, artenreichen Biotopen wie Mooren und Wäldern, die im Gegensatz zur Beweidung der Flächen positiv auf das Klima wirkten und die nicht zuletzt aufgrund des hohen Flächenverbrauches der heutigen „Nutztierhaltung” überhaupt erst verschwanden. Man hat sogenannte Primärwälder gerodet um sie landwirtschaftlich zu nutzen. – mit üblen Folgen fürs Klima durch Kohlenstofffreisetzung und die schädlichen Treibhausgase aus der Tierhaltung.

Grünland ist zwar ökologisch wertvoller als Ackerflächen und ermöglicht eine weit höhere Artenvielfalt und kann deshalb auch erhaltenswert sein. Aber es ist viel ungünstiger als Wälder und Moore.

Wenn man argumentiert, dass man dort auf diesen Flächen nur Weidewirtschaft betreiben könnte, lässt man dabei aber völlig außer Acht, wie man diese Flächen stattdessen viel besser nutzen könnte:

gar nicht!

-also außer als Kohlenstoffspeicher und für Artenvielfalt und Biodiversität und zur Sauerstoffproduktion und so. Aber das schmeckt ja alles nicht und bringt kein Geld. Wenn man diese Flächen sich selbst überlässt oder etwas nachhilft, werden mittelfristig wieder ursprüngliche Wälder entstehen, die auch weit größere Kohlenstoffsenken darstellen.

Das Argument, dass da nichts anderes wächst, stimmt hierzulande in den meisten Fällen nicht. Man lässt nur nichts wachsen, weil man Tierhaltung betreiben will. Würde man keine Tierproduktion betreiben, wären diese Weideflächen überhaupt nicht notwendig. Und obwohl man dann natürlich mehr menschliche Nahrung auf Ackerflächen anbauen müsste, würde sich durch den Wegfall der Kraftfutterproduktion der globale Gesamtbedarf an Ackerflächen sogar verringern.

Zwar ist das alles sehr komplex und heterogen und die Situation ist nicht überall die gleiche wie etwa im deutschsprachigen Raum und es gibt Gegenden wo das komplizierter ist. Aber die Nutzbarmachung von Flächen mittels Futterproduktion ist wahnsinnig ineffizient und ökologisch katastrophal. Obwohl Tierprodukte die auf solchen Flächen produziert werden nur einen sehr geringen Anteil zur globalen Ernährung beitragen, belegen sie unvorstellbare Landflächen. 25,7% der gesamten Landfläche der Erde sind Grünland das fast nur als Mähwiesen, Streuwiesen oder Weiden verwendet wird  . – nicht 25,7% der Agrarflächen… 25,7%  der gesamten Landfläche der Erde.

 

Hey Veganer, für euch muss man viel mehr Pflanzen anbauen!

Transkript

Geschichtsstunde:
Während des Ersten Weltkriegs war die Seeblockade des Deutschen Reichs durch die Briten der Grund dafür, dass auch in Ländern wie dem neutralen Dänemark keine Nahrungsmittel mehr per Schiff angelandet werden konnten. Ab 1917 war man gezwungen, Nahrungsmittel zu rationieren.
Daher wurde angeordnet, den Schweinebestand um 80 Prozent und die Zahl der Milchkühe um ein Drittel zu reduzieren. Außerdem wurde die Gemüse- und Obstproduktion gefördert. Durch diese Maßnahmen konnte man eine ausreichende Ernährung der dänischen Bevölkerung sicherstellen und im Gegensatz zu den anderen von der Blockade betroffenen Ländern gab es dadurch in Dänemark keine Hungersnöte und Epidemien. Dadurch dass WENIGER Tierprodukte produziert wurden, standen insgesamt MEHR Lebensmittel zur Verfügung. Oder von der anderen Seite betrachtet: Dadurch dass man MEHR Pflanzen anbaute, wurde weniger AnbauFLÄCHE benötigt. Das mag erst mal paradox klingen, weshalb wohl Veganern gegenüber so oft argumentiert wird, dass man ihretwegen mehr Pflanzen anbauen müsste und dadurch Monokulturen fördert und die Umwelt stärker belastet -oder dass auch gar nicht genug Anbaufläche für Pflanzen zur Verfügung stehen würde, wenn alle Menschen vegan würden.
Dabei ist aber das Gegenteil der Fall. Dass das so paradox klingt, liegt wohl auch daran, dass wir viel kritischer auf das schauen, was die anderen tun und nicht wirklich kritisch auf das was wir selbst tun. Man schaut auf das, was für die Produktion veganer Lebensmittel vermeintlich zusätzlich benötigt wird und nicht wirklich darauf, was für die eigene Nahrung nötig ist. Die ist halt einfach “schon da”.
Aber jedes Lebewesen braucht Nahrung zur Aufrechterhaltung der grundlegenden Lebensfunktionen, Tiere speziell für Bewegungsenergie und gegebenenfalls Körperwärme und darüber hinaus natürlich auch für den Aufbau von Körpermasse wie etwa der Muskeln, welche wir ja zu essen gedenken. Für die Herstellung von Tierprodukten braucht man dementsprechend Tierfutter. Und zwar viel. Für die Produktion von Fleisch benötigt man je nach Art und Haltungsform zwischen der 4-fachen und der 57-fachen Menge an Pflanzenkalorien. Und diese müssen natürlich auch irgendwo her kommen. Im Schnitt verbraucht man für die Herstellung einer tierlichen Kalorie etwa 7 pflanzliche Kalorien. Und diese stammen zu erheblichen Teilen aus Pflanzen wie etwa Soja, welches als eiweißreiches Kraftfutter verwendet wird. Etwa 85% der gesamten Weltsojaernte werden als Tierfutter verwendet. Man bekommt aber nicht nur weniger Fleisch heraus als man Soja reingesteckt hat. Fleisch enthält dann pro Kilo auch nur etwa halb so viel Eiweiß wie Soja. Und Soja kann von Menschen direkt verzehrt werden. Aber stattdessen wirft man solche Lebensmittel Tieren vor, um unter einem Energieverlust von bis zu 97% Fleisch daraus zu produzieren. Das ist vermutlich der schlechteste Zaubertrick der Welt: Aus 100 Kilo Nahrung macht man drei und einen Riesenhaufen Sch-

Natürlich wäre nicht alles davon direkt für Menschen essbar, denn man verfüttert auch sogenanntes Raufutter, welches nicht für den menschlichen Verzehr geeignet ist und welches oft auch nicht auf Ackerflächen wächst, wo man stattdessen Menschennahrung anbauen könnte.
Aber von einem Rind „erhält“ man, nachdem man es die hierzulande üblichen 60 Wochen lang gemästet hat, rund 300 kg essbares Fleisch. Nur hat man dafür neben den den durchschnittlich 6900 kg Raufutter auch etwa 1200 kg Kraftfutter verbraucht, welches viel Ackerfläche belegt. Allein die Menge des Kraftfutters beträgt also ein Vielfaches von dem, was man am Ende als Fleisch heraus bekommt.
Und man benötigt dafür etwa einen halben Hektar Land. Auf einer Ackerfläche dieser Größe hätte man während dieser Zeit stattdessen etwa 2.000 kg Getreide oder 15.000 kg Kartoffeln produzieren können! Gras kann aber ohnehin fast nur von Wiederkäuern wie vor allem Rindern verwertet werden. Diese sind jedoch ökologisch besonders schädlich, vor allem auch, weil sie große Mengen klimaschädliches Methan ausstoßen.
Ein Kilogramm brasilianisches Rindfleisch verursacht beispielsweise etwa so viele Treibhausgasemissionen wie eine Fahrt von 1600 Kilometern in einem Mittelklassewagen und es gehört damit zu den umweltschädlichsten Fleischsorten. Die umweltverträglichste Sorte ist regionales Geflügelfleisch. Dennoch sind pflanzliche Produkte mit hohem Proteingehalt, wie beispielsweise Tofu und Tempeh in der Klimabilanz im Schnitt noch einmal um den Faktor zwei oder drei besser als dieses Fleisch. Selbst das Fleisch mit den geringsten Umweltauswirkungen verursacht immer noch mehr Umweltschäden als das am wenigsten nachhaltige Getreide oder Gemüse.
Und im Vergleich mit der ökologisch schädlichsten Sorte Sojamilch benötigt selbst die ökologisch beste Kuhmilch viel mehr Land und sie produziert mehr Treibhausgase und verursacht mehr Bodenversauerung und mehr Gewässerschäden.

Viele Weideflächen oder Flächen für den Anbau von Futtermitteln werden durch großflächige Rodung von Waldgebieten überhaupt erst geschaffen.
Dadurch werden weitere Treibhausgase freigesetzt. Und auch das nicht realisierte CO2-Speicherpotenzial muss man bei der Berechnung der Emissionen beachten. Denn landwirtschaftlich genutzte Flächen binden weit weniger Kohlendioxid aus der Atmosphäre als die natürliche Vegetation.
Mit der Abholzung und Degradierung von Wäldern zerstört man daher auch potenzielle Kohlenstoffsenken, also Reservoirs, die Treibhausgase aufnehmen.
Und die Landwwirtschaft ist für 18 % der globalen Emissionen verantwortlich – Haupttreiber ist dabei die Produktion von tierischen Lebensmitteln. In Brasilien sind Schätzungen zufolge sogar 61% der Gesamtemissionen darauf zurückzuführen. Zudem ist der Verlust solcher unberührten Ökosysteme die Hauptursache für das Artensterben. 70 % des ehemaligen Amazonas-Regenwaldes sind inzwischen nur noch Dauergrünland. Und auch davon ist ein ein Fünftel durch die direkten Folgen der Nutztierhaltung bereits von Degradierung betroffen.

Weltweit gehen von den Emissionen in der Landwirtschaft mindestens 60% auf die Produktion tierischer Lebensmittel zurück. Je mehr Fleisch konsumiert wird, umso intensiver muss die Landwirtschaft sein und umso schwieriger ist etwa der Erhalt von Waldflächen. Mehr als die Hälfte der Gesamtfläche Deutschlands wird landwirtschaftlich genutzt. Würden wir unseren Fleischkonsum um 80% reduzieren, würden nicht nur in Deutschland Flächen frei. Allein in Brasilien würden 1,3 Millionen Hektar zurückgewonnen, wodurch wir den Regenwald und die Artenvielfalt schützen würden. Sehr viel Tierfutter wird nämlich importiert, denn Flächenbedürfnisse werden heute aufgrund der Globalisierung im Wesentlichen exportiert. Das heißt, dass durch unser Konsumverhalten riesige Flächen im Ausland belegt werden.
Etwa 40 % der gesamten weltweiten Getreideproduktion wird verfüttert, um tierische Lebensmittel zu produzieren. Tendenz steigend. An die Schlachttiere Amerikas wird jährlich mehr Getreide verfüttert, als die Bevölkerung von Indien und China zusammengenommen zur Ernährung braucht. Das ist zwar oft Futtergetreide, welches nicht gut für Menschen taugt. Aber auch das muss ja angebaut werden und beansprucht dementsprechend Ackerfläche. Und auf der hätte man in den meisten Fällen ebenso gut backfähiges Getreide oder andere Feldfrüchte als direkte menschliche Nahrung anbauen können. Daneben werden auch Sonnenblumen- und Rapskuchen, Zuckerrüben, Weizenkleie, Leguminosen und Mais verfüttert. Gerade auch für Mais braucht man einen bedeutenden Teil der Agrarflächen, was dazu beiträgt, dass die europäische Landwirtschaft mehr Flächen braucht als vorhanden sind und dass deshalb Futtermittelimporte nötig sind. Die Herstellung tierischer Produkte in Deutschland belegt im Ausland eine Fläche von 2,7 Millionen Hektar, was ungefähr der Fläche von Brandenburg entspricht. Aus Südamerika importieren wir pro Jahr 4,6 Millionen Tonnen Sojamehl und beanspruchen dort eine Fläche so groß wie Mecklenburg-Vorpommern.
Die Herstellung von Tierprodukten belegt 78,5% der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche
und ein Drittel der Ackerflächen. Darüber hinaus verbraucht die Landwirtschaft aber auch Energie und andere Ressourcen. Etwa die Hälfte der jährlich in Deutschland ausgebrachten 43.000 Tonnen Pestizide geht auf den Anbau von Futtermitteln zurück.
Im Gegensatz dazu sind aber nicht mal 18% unserer aufgenommenen Kalorien bzw. 37% unserer aufgenommenen Proteine tierischen Ursprungs!
Unsere Nutztiere verbrauchen mehr essbares Protein als sie produzieren. Aus 77 Millionen Tonnen verfüttertem Protein bekommt man nur 58 Millionen Tonnen Protein in Form von Tierprodukten heraus. Im Bezug auf Kalorien ist der Verlust noch viel höher.
Die Viehhaltung entzieht der Nahrungsmittelbereitstellung also mehr als sie zu dieser beiträgt oder anders gesagt: Sie verbraucht mehr, als sie produziert. Wenn alle Menschen sich vegan ernährten, würde man die Menge der global benötigten landwirtschaftlichen Nutzflächen um 75% reduzieren.
Das entspricht einer Fläche von den USA, der EU, China und Australien zusammengenommen.
Davon SIND zwar große Teile Weideland welches sich nicht als Ackerfläche eignet.
Dieses könnte dann allerdings als unbewirtschaftete Natur erhalten werden. Aber auch der Bedarf von Ackerflächen würden sich um 19% reduzieren.

Die Rechnung geht also nicht auf. Und alles was man Veganern hinsichtlich Umweltschädigung aufgrund von vermeintlich höherem Pflanzenanbau vorwirft, gilt für Fleisch also automatisch um so stärker oder gar um ein vielfaches, da man für die Produktion von Fleisch eben erst mal eine viel größere Menge Pflanzen produzieren muss.
Das wirft die Frage auf: Wie geht man nun damit um, wenn man den Veganismus mit dieser Begründung ablehnt, diese sich jedoch als Argument FÜR den Veganismus und als vielfach stärkeres Argument gegen die EIGENE Lebensweise herausstellt?

Hey Veganer, ich esse auch nur ganz wenig Fleisch! (vom Metzger meines Vertrauens)

Transkript

Viele Menschen erklären ja, dass ihnen das mit dem Veganismus zu aufwändig ist, weil man immer drauf achten muss, was man isst. Dabei scheinen sie das doch ohnehin schon zu tun. Denn wenn man vegan wird, ist meist das erste was man -ohne je gefragt zu haben- erfährt, dass nahezu alle anderen Menschen auch nur ganz wenig Fleisch essen und darauf achten, wo es her kommt und dementsprechend nur beim Fleischer ihres Vertrauens kaufen, wo sie sicher sein können, dass es den Tieren gut ging. Und natürlich zahlen sie für gutes Fleisch auch gern etwas mehr -was auch interessant ist, denn über vegane Produkte wird regelmäßig gesagt, dass sie zu teuer seien.

Jedenfalls kann man sich sicher sein, dass beim Thema Veganismus von ganz vielen Menschen sofort reflexhaft klargestellt wird, dass sie auch nur ganz wenig Fleisch essen. -also außer jetzt vielleicht mal bisschen Wurst oder Aufschnitt… oder Sachen die auf der Pizza und in Fertiggerichten sind und sowas… oder halt mal ein Leberwurstbrötchen zwischendurch. Oder wenn mal im Restaurant isst… oder bei Freunden… oder zu Veranstaltungen… oder unterwegs mal einen Döner, oder eine Currywurst -oder jetzt in der Kantine auf Arbeit. Da gibt’s ja meistens auch keine vegane Option. Das wäre ja auch Missionierung und Nahrungsdiktatur wenn wir mal ehrlich sind. Da isst man halt mal das Schnitzel. Das besteht eh zur Hälfte aus Brot. Und es muss ja auch nicht immer was mit Fleisch sein. Spaghetti Bolognese ist schließlich auch lecker… da ist nur bisschen Hack drin. Oder man isst statt Fleisch einfach mal etwas Geflügel. Das ist ja eher eine Art Salat. Oder einfach mal Fisch essen. Fische sind ja Kaltblüter -so ähnlich wie Gemüse. Und ab und zu nimmt man halt auch ausnahmsweise mal beim Lidl ein paar Bouletten und ein paar Wiener mit, wenn man da eh schon mal vorbei kommt …

Natürlich gibt es auch Menschen die tatsächlich wenig Tierprodukte essen. Und wenn sie das noch weiter einschränken wollen, dann ist das ja schon mal ein guter Ansatz den man unterstützen sollte. Aber die bloße Anwesenheit eines Veganers veranlasst so viele Menschen dazu, sofort ausdrücklich zu betonen, dass sie auch nur ganz wenig Fleisch essen -und auch nur vom ominösen Metzger des Vertrauens oder vom Onkel mit dem Bauernhof, dass das statistisch einfach überhaupt nicht stimmen kann.

Interessant ist dabei zunächst mal auch schon die häufige Formulierung: „AUCH nur ganz wenig Fleisch.“ Damit solidarisiert man sich ja schon mal mit der Ansicht, dass weniger Fleischkonsum besser ist. Ganz wenig ist offenbar das Beste. Aber gar kein Fleischkonsum ist dann auch wieder extrem.
Die richtige Menge Fleisch -auch bekannt als „nur ganz wenig“ ist dann in der Regel gerade die Menge, die man selbst zu konsumieren glaubt. Alles andere ist zu viel oder zu extrem.
Menschen vergleichen sich und ihre Handlungen ja gern. Speziell auch, wenn sie sich für etwas rechtfertigen wollen. Wenn es jemanden gibt, der es schlechter macht, wirkt das eigene Handeln schon besser. In diesem Fall sind das dann also gedankenlose Massentierhaltungsfleischesser die beim Discounter kaufen, also die anderen -und die, die gar keine Tierprodukte essen, also die extremen Veganer.

Aber wenn Menschen Veganern erklären, dass sie auch nur ganz wenig Fleisch essen, dann liegt das in der Regel auch daran, dass sie auf einer gewissen Ebene Tierquälerei und unnötiges Töten eigentlich ablehnen Jedoch handeln sie an gewissen Stellen nicht wirklich danach und versuchen deshalb mehr oder weniger unbewusst, diese Handlungen irgendwie zu rechtfertigen und zu erharmlosen.

Die Behauptung, auch nur ganz wenig Fleisch zu essen, kommt dann ähnlich reflexhaft, wie etwa auch die Aussage, dass Veganer auch keine besseren Menschen sind. Und sie hängt auch damit zusammen. Veganer wollen in erster Linie Tierleid verhindern. Wenn man also gegen den Veganismus argumentiert, findet man sich schnell auf einer Seite wieder auf der man unnötige Gewalt, Leidverursachung und Tötung für egoistische Motive rechtfertigt, was keine besonders angenehme Situation ist, weil es nicht zu dem positiven Bild passt, welches man gern von sich selbst haben möchte. Deshalb versucht man zu relativieren -auch sich selbst gegenüber. Wir Menschen sind leider enorm gut darin uns selbst was vorzumachen. Und wenn wir an Fleisch denken, dann denken wir im Wesentlichen an rohes unverarbeitetes Fleisch das man beim Fleischer kauft und selbst zubereitet. Und das tun die meisten Menschen anteilig tatsächlich nur selten. Der oft viel größere Anteil des Fleisches das man isst, wird meist nicht wirklich als Fleisch wahrgenommen, wenn es nicht gerade als fettes Steak auf dem Grill liegt. Das liegt nicht zuletzt auch daran, dass wir aus fühlenden Lebewesen Produkte machen, bei denen so etwas wie charakter, Persönlichkeit, Bedürfnisse, Interessen und Emotionen ausgemerzt wurden.
Der Durchschnittsdeutsche isst 60 Kilo Fleisch im Jahr. 15 Kilo Fisch noch nicht mitgerechnet. Rechnet man Vegetarier und Veganer raus, sind das pro Fleischesser natürlich noch mehr. Selbst die nicht gerade veganerfreundliche und recht konservative Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt maximal 15-30kg im Jahr. Der Deutsche isst also im Schnitt ungefähr das Dreifache der Empfehlung. Und bei der Empfehlung geht es noch nicht mal um Ethik und Umweltschutz sondern nur um Mengen die gerade noch gesund sind.

Manche Menschen argumentieren zumindest, dass man ja Biofleisch kaufen KÖNNTE, ohne zu behaupten, dass sie das tun. Es wird nicht gemacht, aber allein die Aussage dass es theoretisch vermeintlich ginge oder irgendwer das irgendwo vielleicht wirklich so macht, oder die Vorstellung dass es irgendwo ein glückliches Schwein gibt, das aber trotzdem gern sterben will, reicht in der Regel schon für die eigene Rechtfertigung. Wir Menschen beurteilen andere meist nach ihren Taten und uns selbst nach unseren Absichten.

Aber der Unterschied zwischen Bio und konventioneller Haltung ist in den meisten Fällen ohnehin nicht groß und der größte Nutzen von Bio-Fleisch-Labeln oder Tierwohlsiegeln ist die Beruhigung des Verbrauchergewissens. Der größte Teil von Bio-Tierprodukten stammt jedenfalls auch aus Intensivtierhaltung. Bio ist nämlich nicht das Gegenteil von Intensivtierhaltung sondern kann auch eine Form davon sein. Aber auch bei bio kommt Fleisch immer von empfindungsfähigen Lebewesen, die fast alle auf Höchstleistung gezüchtet wurden, von ihren Familienmitgliedern getrennt, in ihrem Bewegungsverhalten und ihren Bedürfnissen eingeschränkt und meist noch im Kindsalter geschlachtet werden. Der Marktanteil von Freilandhaltung ist gering und hat meist auch wenig mit idyllischer, bäuerlicher Romantik zu tun, so wie uns die Werbung das gern präsentiert.

Am Leid für die Tiere, der Belastung der Umwelt, der Verschwendung von Ressourcen und den Gefahren von Zoonosen und Antibiotikaresistenzen ändert sich im Allgemeinen sehr wenig.
Biofleisch hat einen Marktanteil von nicht mal 2% und 9% der Bio-Umsätze laufen über „Händler des Vertrauens“, also über Wochenmärkte, Hofläden oder Metzgereien.
Wenn man diese Zahlen mal grob zusammenrechnet und annimmt, dass die 9% bio auch auf Fleisch zutreffen, dann sind von den 1,2 Kilo Fleisch, die der Deutsche in der Woche isst, gerade mal 25 Gramm Biofleisch. Und davon stammen dann 2,25% aus vermeintlich „Vertrauenswürdigen Quellen“.
Konsequent nur Tierprodukte aus solcher Haltung zu konsumieren wäre in den meisten Fällen viel schwieriger (und teurer) als vegan zu leben.

Aber wodurch verdienen Metzger eigentlich dieses vielzitierte Vertrauen? Weil es immer gut geschmeckt hat oder weil sie freundlich sind? In der Regel wird man einfach mal annehmen, dass es den Tieren beim angeblichen Vertrauensfleischer besser ging als anderswo, weil es bequemer ist.
Wenn man wirklich so über das erworbene Fleisch Bescheid wüsste, müsste man eine ganze Reihe von Fragen beantworten können:
Wo kommt das Fleisch denn genau her? Wie wurde das Tier gehalten? War es männlich oder weiblich? Wie alt war es? Stand das Tier auf der Weide? Wenn ja: Wie oft und wie lange? Wenn nein, warum nicht? Wurde zugefüttert, und wenn, dann was und in welcher Menge? Woher kommt das Futter für die Tiere, wie wurde es angebaut, wurden Spritzmittel verwendet wenn ja: welche? Wurde Medikamente verabreicht? Welche? Wann? Wieviel? Warum? Welche Nebenwirkungen hat das Medikament? Wie viele Tieren haben mit dem einen Tier eine Box geteilt? Gab es Rückzugsmöglichkeiten und wenn ja, welche? Wie weit war der Transport zum Schlachthaus? Wie lange musste das Tier im Schlachthaus warten? In welchem Schlachthaus wurde das Tier getötet? Wie wurde das Tier getötet? Sind beim Töten Fehler oder Aussergewöhnlichkeiten aufgetreten? Wenn so, welche? Und so weiter…
Es ist wohl recht unwahrscheinlich, dass es viele Menschen gibt, die diese Fragen ihrem Metzger schon mal gestellt haben. Und ob dieser die dann alle wahrheitsgemäß beantwortet oder beantworten kann, ist auch noch mal ein anderer Aspekt. Zumal ja beispielsweise in der Wurst meist mehr als ein Tier verarbeitet wurde. Und man würde den Fleischern mit solchen Fragen mehr auf die Nerven gehen, als jeder Veganer das könnte.
Sicherlich kann und sollte man ähnliche Fragen auch bei anderen Produkten stellen. Aber es ist schon interessant, dass man so ein außergewöhnliches Vertrauensverhältnis sonst wohl keinen anderen Händlern zu finden scheint.
Die Welt wäre vermutlich ein besserer Ort wenn alle Menschen einander so vertrauen würden, wie angeblich denen, die für uns Tiere töten.

Hey Veganer, Jedem das Seine!

Transkript

Wenn Menschen nicht weiter über eine Thematik nachdenken wollen, nutzen sie gern mal Sprichwörter anstelle von Argumenten. Oftmals passiert es dann auch, dass diese aus einem völlig anderen Kontext gelöst und unpassend verwendet werden. Ein besonders verbreitetes Beispiel dafür ist „Jedem das Seine“. Als Veganer hört man das besonders oft.

Dieser Spruch wird meist so verstanden und verwendet, dass jeder das Recht auf eigene Ansichten, Vorlieben und Handlungsweisen haben solle – und dass andere, die diese nicht teilen, sich daran nicht stören oder Kritik üben sollten. Das klingt – oberflächlich betrachtet – erst mal vernünftig und betont tolerant. Leider ist das als derartig allgemeine Forderung ohne weitere Konkretisierungen ein problematischer Spruch, da man damit beispielsweise durchaus auch berechtigte Kritik an schädlichen Handlungen als „intolerant“ darstellen kann.

„Jedem das Seine“ ist als Spruch zudem auch problematisch da er sehr vorbelastet ist. Denn er wurde schon von den Nazis für ihre Zwecke verwendet und am Eingangstor des Konzentrationslagers Buchenwald von innen lesbar angebracht. Er richtete sich also an die Insassen und wurde dort in der Bedeutung „Jedem, was er verdient“ verwendet. Nun ist Spruch deswegen noch nicht grundsätzlich abzulehnen aber vor diesem diesem Hintergrund ist die Gedankenlosigkeit, mit der er verwendet wird durchaus heikel. Und es zeigt, wie solche Aussagen verzerrt, instrumentalisiert und sinnentfremdet werden können. Denn vor allem entspricht diese Verwendung auch kaum noch der ursprünglichen Bedeutung im antiken Griechenland.

Bei „Jedem das Seine“ ging es zwar auch um Verteilungsgerechtigkeit. Aber vor allem meinte Platon damit, dass jeder für eine gerechte und harmonische Gesellschaft das tun solle, was seinem Wesen, seinen Möglichkeiten und seinen Umständen entspricht. Jeder sollte das tun, was ihm am meisten liegt um zu helfen. Es ging nicht darum, dass jeder rücksichtslos tun und lassen und nehmen können soll, was er gerade möchte.

Wenn man nun aber „Jedem das Seine“ auf das Fleischessen anwendet, versucht man damit quasi das Gegenteil zu rechtfertigen. Man rechtfertigt damit, dass man ANDEREN Lebewesen das IHRE NIMMT: Ihre Freiheit, ihre Unversehrt, ihre Nachkommen, ihr Leben -und man beansprucht das für SICH. Oft hört man nämlich auch die Formulierung „mein Fleisch“ und impliziert damit, dass einem die gewaltsam entrissenen Körperteile von Tieren zustehen. Man rechtfertigt damit also praktisch das komplette Gegenteil von dem, was die Aussage eigentlich bedeutete und maskiert das mit diesem Sinnspruch als Toleranz.

Tatsächlich gehörte dieses Fleisch aber anderen Lebewesen mit eigenen Emotionen, Interessen und Bedürfnissen. Wenn man „jedem das seine“ wirklich aufrichtig meinen sollte, und damit nicht nur meint „Fleisch für mich!“ müsste man den Tieren auch ihr Leben lassen.

Waldi süßsauer auf Reis

Mahlzeit miteinander. Diesen Monat ist es wieder soweit: Im chinesischen Yulin findet, wie jedes Jahr seit 2009, das als Hundefleisch-Festival bekannte Stadtfest statt, bei dem es eben im Wesentlichen um Hundefleisch geht. Und Deutschland reagiert darauf traditionell mit dem „Empör-Festival“, einer online ausgetragen Wettkampf-Veranstaltung, welche sich unter ambitionierten Entrüstern großer Beliebtheit erfreut.

Berichten zufolge sieht es aber so aus, dass es auf dem Stadtfest dieses Jahr aus Hygienegründen doch kein Hundefleisch geben wird. Das sorgt für Panik bei den Nachrichtenmagazinen. Hatte man sich doch schon die guten Substantive zurechtgelegt: Schande, Entsetzen, Grauen, Horror… Also macht man halt aus den Berichten vom letzten Jahr noch mal was. Unter diesen Berichten empört man sich das schon mal warm -oder geradezu heiß.

Weiterlesen

Hey Veganer, jeder soll essen, was er will!

Transkript

Es gibt ja eine Reihe von Begründungen mit denen Fleischesser die vegane Ernährung kritisieren.

Angeblich zerstört die den Regenwald, sie vernichtet Arbeitsplätze, sie belastet das Gesundheitssystem, und so weiter.

Auch kritisieren sich Fleischesser ja untereinander und beklagen mehr oder weniger indirekt immer, dass die anderen -im Gegensatz zu einem selbst- immer zu viel Fleisch essen, zu billiges kaufen und die Massentierhaltung unterstützen. -oder dass sie das falsche Fleisch essen -also  zu Beispiel Hundefleisch statt Schweinefleisch, wie normale Menschen.

Und trotzdem wird auf Kritik am Fleischkonsum regelmäßig mit dem Mantra geantwortet, dass jeder essen soll, was er will. Meistens schon prophylaktisch, bevor ein Veganer überhaupt richtig Kritik geäußert hat.

Toleranz wird ja generell als etwas Gutes gesehen und der Begriff dementsprechend positiv verwendet. Und es klingt natürlich erst mal gut und tolerant wenn man den Standpunkt vertritt, dass jeder essen oder tun können soll, was er will. Nur ist das einfach nicht zu Ende gedacht. Das zeigt sich beispielsweise am sogenannten Toleranz-Paradoxon. Wenn man tolerant gegenüber Intoleranz ist, fördert man quasi die Intoleranz die man damit ja eigentlich kritisiert. Ob Toleranz etwas Gutes ist, hängt also ganz entscheidend davon ab, worauf sie sich bezieht.

Und auf den ersten Blick bezieht diese sich hier natürlich auf das Essen. Aber wenn Veganer Tierprodukte kritisieren, dann geht es nicht einfach um das was da auf dem Teller liegt sondern vor allem um das was es mal war -beziehungsweise darum, was getan werden muss um dieses Essen zu erzeugen.

Angelegenheiten sind schon per Definition Privatsache wenn sie PRIVAT sind, also Unbeteiligte nicht betreffen und beeinträchtigen. Das sind Dinge wie Musikgeschmack, die Frisur, die sexuelle Orientierung,  und so weiter.

Bei Tierprodukten ist das aber nicht der Fall. Nicht nur weil die Produktion tierischer Nahrungsmittel auch katastrophale Umweltauswirkungen, und damit Auswirkung auf alle Menschen hat -insbesondere auf die Ärmsten, sondern auch weil Tierprodukte nun mal aus Tier bestehen oder von Tieren genommen werden und man auch damit das Leben, die Freiheit und das Wohl fühlender Lebewesen beeinträchtigt.

Wenn man Tierprodukte konsumiert, widerspricht man also dem eigenen angeblichen Grundsatz mit dem man das rechtfertigen will. Denn als Tiere essender verursacht man eben genau, dass Tiere NICHT das tun können, was sie wollen. Sie können nicht frei sein, sie können nicht mit ihren Familien zusammen sein oder in sozialen Verbänden leben wie es ihren Bedürfnissen entspricht, Und vor allem können sie spätestens dann nicht mehr leben, wenn sie schlachtreif sind.

Nun sind für manche Menschen Tiere ja leider eher Dinge als Individuen. -zumindest die, die man essen will. Und wenn man sich nur auf das Essen  was aus ihnen gemacht wird, konzentriert, sieht man natürlich erst recht nur Objekte. Aber ein Tier ist eben nicht nur ein „etwas“. Im Gegensatz zu Pflanzen sind das Individuen mit Bewusstsein, Persönlichkeiten, Bedürfnissen und Interessen.

Natürlich ist es in einer freiheitlichen Gesellschaft notwendig, keine unbegründeten Verbote oder Regulierungen zu erlassen. Aber die persönliche Freiheit kann nicht auf die Kosten der Freiheit anderer gehen. Diese Selbstbeschränkung der Freiheit haben diverse philosophische Lehren der Geschichte thematisiert, von den Stoikern bis zur Aufklärung. Auch der Existenzialismus hat betont, dass der Mensch „zur Freiheit verurteilt“ ist – und dass daraus notwendigerweise die Aufgabe erwächst, sich selbst vernünftige Regeln zu geben. Dass man die äußere Freiheit hat, etwas zu tun, heißt noch lange nicht, dass man guten Grund hat, sein Wollen in die Tat umzusetzen – oder dass dies auch eine verantwortungsvolle Handlung wäre.

Aber selbst wenn man sich die aktuelle Gesetzeslage ansieht, ist es eben NICHT so, dass jeder alles essen kann, was er will, und die meisten Menschen das auch gut finden. Natürlich könnte man jetzt dafür argumentieren, dass das aber so sein sollte und dass man konsequenterweise dann natürlich allen Tieren Gewalt antun dürfen muss und dass auch Delphinsteak, Katzengulasch, Hundeschnitzel und Babyrobbenragout für alle legal sein sollte. Das wäre dann an der Stelle zumindest konsequent. Aber die wenigsten werden diese Forderung wirklich so meinen. Oft sind mit diesem „was er will“ hauptsächlich die Tierarten gefordert, die man selbst essen will, weil das hier zufällig so Tradition ist.

Toleranz ist keine Einbahnstraße. Man kann nicht einfach einfordern, tun und lassen zu können, was man will, das aber das nur ausgewählten anderen zugestehen, und auch nur die Sachen die einen selbst nicht wirklich stören. Toleranz bedeutet so viel wie Erduldung und ist eigentlich nur dann eine Leistung, wenn sie  einem selbst etwas abverlangt. Zu akzeptieren, dass andere Menschen sich pflanzlich ernähren, erfüllt dieses Kriterium nicht wirklich. Anders sieht das aus, wenn man die eignen Privilegien teilen müsste, also sich beispielsweise von der speziesistischen Ansicht verabschieden muss, der einzigen Art anzugehören, der eine Bedeutsamkeit zusteht. Und wenn man überlegt, ob man andere Individuen als ethisch relevant erachtet, dann sollte man vor allem darüber nachdenken ob man sich auch auf der anderen Seite dieser Entscheidung wiederfinden können möchte. „Die gehören nicht zu uns“ oder „Das Recht des Stärkeren“ sind dabei Rechtfertigungen, die schon immer blutig und grausam endeten.

Die faire Berücksichtigung von Interessen und Bedürfnissen aller Beteiligten ist hingegen etwas, das man nur schwer gegen einen selbst verwenden kann und das tatsächlich fair dafür sorgt, dass jeder machen kann, was er will -in einem Rahmen wo andere nicht darunter leiden müssen.