Hey Veganer, Pflanzen haben auch Gefühle.

Transkript

Vor einiger Zeit gab es einen Bericht über einen Möhrentransport der seine Ladung auf der auf der Straße verlor. Hier ein paar social media Kommentare.

Der Artikel und die Kommentare sind alle absolut echt. Solche tragischen Unglücke passieren leider häufig. Die Kommentare stammen auch nicht speziell von irgendwelchen hysterischen veganen Ökospinnern. Es könnte nur sein, dass nicht alle von genau diesem Unfallbericht stammen. Es könnte auch verunfallter Kartoffeltransport gewesen sein. Oder ein Gurkentransport oder ein Biertrans-nein, Bier ist glaub ich kein Lebewesen. Aber Weizen. Fühlende Lebewesen, jedenfalls.
Wenn man bei diesen Kommentaren aber so ein „Was stimmt mit denen nicht?“-Gefühl bekommt… das ist das Gefühl, dass Veganer haben, wenn ihnen mal wieder jemand erklären will, dass Pflanzen auch Gefühle haben.
Wenn man die Kommentare nicht für echt hält, dann liegt, liegt das wahrscheinlich daran, dass man selbst nicht wirklich glaubt, dass Pflanzen Gefühle haben. Guter Anfang. Denn natürlich gehören diese Kommentare zu einem Bericht über einen verunfallten Schweinetransport.
Was bei der Behauptung, dass Pflanzen Gefühle haben, nicht stimmt, ist der Teil wo gesagt wird, dass Pflanzen Gefühle haben. Aber auch das Verhalten von Vertretern dieser These, ist in der Regel nicht mal ansatzweise dieser entsprechend.
Obwohl ja bei diesem Unfall ein Vielfaches angeblich fühlender Lebewesen zu Grunde gingen, würde kein vernünftiger Mensch verunfallte Möhren auch nur ansatzweise so tragisch finden, wie verunglückte Schweine. Kein vernünftiger Mensch würde wollen, erwarten oder auch nur “irgendwie nachvollziehbar finden, dass ein Feuerwehrmann unter Einsatz seines Lebens noch einmal in das brennende Haus geht, um nach der Familienkatze Flauschi auch noch den Familienfarm grüner Flauschi zu retten. (Fotomontage Feuerwehrmann beatmet Pflanze) Kein Mensch würde an einem heißen Tag eine Autoscheibe einschlagen um eine Gemüsezwiebel zu retten die auf der Rückbank gerade elendig -aber immerhin aromatisch- zu kochen beginnt. – Hunderettern, würde man für sowas Anerkennung aussprechen, Zwiebelrettern eine Diagnose.
Und vor die Wahl gestellt, entweder einen Hund oder eine Topfpflanze töten zu müssen – welcher vernünftiger Mensch ohne klinisch relevante Gewaltphantasien würde den Hund wählen oder für die Entscheidung eine Münze werfen? Da ist die Entscheidung doch klar. Weil wir genau wissen, dass das nicht das Gleiche ist. Deshalb gibt es auch ein (wenn auch ziemlich wertloses) Tierschutzgesetz aber eben kein Pflanzenschutzgesetz in dem stünde: „Niemand darf einer Pflanze ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schaden zufügen“.
Nun sind Gesetze an sich natürlich noch lange keine zuverlässigen Indikatoren dafür, ob etwas richtig oder falsch ist. Aber das Fehlen eines solchen Pflanzenschutzgesetzes – oder irgendwelcher ernst gemeinter Initiativen für die Einführung eines solchen Gesetzes – zeigt wohl, dass die meisten Menschen offenbar eben NICHT davon ausgehen, dass Pflanzen leidensfähig wären und Schmerzen fühlen könnten und in dieser Hinsicht mit Tieren gleichzusetzen seien. Das sind alles keine Meinungen die irgendwer ernsthaft vertritt. Und natürlich würde man sich damit -völlig zurecht- lächerlich machen. Außer wenn man ganz schnell ein “Argument” gegen überhebliche Veganer braucht. Dann wechselt man diesbezüglich wohl gern mal kurz die Religion und glaubt vorübergehend fest daran.
Und dzum Glück ist das Pflanzenleid-Argument ist eines von diesen Argumenten, wo man spontan entscheidet, ob man das Ernst meint oder nicht -oft auch nachträglich. Im Zweifelsfall war es dann nur ein Witz, den Veganer natürlich nicht kapieren, weil sie so humorlos sind. Aber Wenn man gern behaupten möchte, dass Veganer mindestens genauso brutal zu fühlenden Lebewesen sind, werden Pflanzen eben kurzerhand zu solchen befördert -auch wenn man ansonsten nie auf die Idee käme, so eine Aussage zu vertreten oder gar entsprechend zu handeln. Veganern wird von Veganismuskritikern ja auch gern mal vorgeworfen, dass sie an so einer Art Bambi-Syndrom leiden und Tiere vermenschlichen würden. Aber dass die Kritiker dann mit so einer Behauptung Pflanzen und Tiere gleichsetzen, scheint man hingegen völlig legitim zu finden. Da sind Menschen der Meinung, dass die Leidensfähigkeit von Menschen und anderen Tieren nicht vergleichbar sei, die von nichtmenschlichen Tieren und Pflanzen hingegen völlig. Der Mensch, der ja biologisch auch ein SäugeTIER ist, wird davon aber doch meist wieder ausgenommen – oder auch nicht. Und Angeln ist völlig in Ordnung, weil Fische im Gegensatz zu Pflanzen nämlich angeblich keine Schmerzen fühlen. Je nachdem, wie man es gerade braucht. Auf der einen Seite klopft der Mensch sich regelmäßig für seine eigene Genialität auf die Schulter und rühmt sich dafür, was besonderes zu sein, weil er im Gegensatz zu Tieren Symphonien komponieren kann – also nicht persönlich, aber Beethoven und so und das ist ja im Grunde als hätte man es selbst geschrieben. Aber wo man sonst bemüht ist, die Unterschiede zu betonen, gibt es dann plötzlich gar keine mehr zwischen Pflanze, Tier und Mensch, wenn man sein Steak bedroht sieht. Da lässt “Mensch” sich ohne Zögern dazu herab, sich und andere Tiere ganz selbstverständlich mit Pflanzen auf eine Stufe zu stellen, obwohl er sich ansonsten demonstrativ empört und beleidigt gibt, wenn die fanatischen Veganer es wagen, den Menschen, hinsichtlich der Leidensfähigkeit mit anderen Tieren “gleichzusetzen”.

Ja, es wird immer mal wieder… der gleiche Artikel darüber geschrieben, darüber dass Pflanzen angeblich WISSEN, wenn sie gegessen werden. Und diese Artikel werden von Menschen die sich von Veganern genervt fühlen, oft mit Genugtuung geteilt. Bei Dingen die Menschen nicht gefallen, wie etwa, dass Tierprodukte katastrophal fürs Klima und die Umwelt sind und Leid verursachen, sind sie meist ganz skeptisch und kritisch und da wird immer wieder erklärt, man könne keiner Studie trauen, die man nicht selbst gefälscht hat oder dann sind das Lobbyisten-Behauptungen. Steht jedoch in irgend einer Überschrift eines beliebigen Internetartikels, oder in einem esoterischen Buch eines Försters, dass Pflanzen Gefühle haben, dann sind diese Quellen aber offenbar extrem vertrauenswürdig, weil das sich so wahr anfühlt. Dass Pflanzen dies oder jenes „wissen“, „denken“ oder „fühlen“ sind allerdings relativ unwissenschaftliche und eher reißerische Schlagzeilen. Pflanzen wissen so sehr, dass sie gegessen werden, wie ein Wecker weiß, wann er klingeln muss. Das sind Metaphern oder Analogien, um den Text für Laien interessanter oder auch zugänglicher machen -oder sie sind gar extra so formuliert, um beispielsweise den genervten Antiveganer zum dankbaren Teilen -und in guten Fällen vielleicht sogar zum Lesen -des Artikels zu bewegen und um Kontroversen und damit Klicks zu generieren.
Dabei handelt es sich aber um automatisierte Reizreaktionen die nicht auf Dingen wie Bewusstsein oder Intelligenz oder Gefühlen basieren. -also die Reaktionen der Pflanzen, nicht das Teilen der Artikel. Da fühlt der Teilende ja sehr stark, dass das wahr ist, was da steht.
Schmerz ist eine lebenswichtige Sinneswahrnehmung, die Tiere vor Gefahren warnt, damit sie Schäden und Verletzungen entgehen können. Schmerz ist nichts Schönes. Aber darin liegt seine Funktion – er soll das Lebewesen dazu bewegen, ihn zu vermeiden und sich damit von der schädlichen Ursache zu entfernen. Das ist kein perfektes System. Aber es funktioniert. So etwas unschönes wie Schmerzempfindung wird evolutionär aber erst erforderlich, wenn Lebewesen bzw. die Umstände in denen sie existieren, eine so hohe Komplexität erreichen, dass simple automatisierte Reizreaktionen mit der immer gleichen Reaktion auf den gleichen Reiz allein nicht mehr ausreichen, diesen Schutz zu gewährleisten.
Pflanzen sind langsam. Sie können sich aktiv nicht weit bewegen. Und sie können nur vergleichsweise einfache Bewegungen ausführen. Aber sie reagieren natürlich auch auf ihre Umwelt und auf verschiedene Arten von Stress. Und in begrenztem Maße haben Pflanzen auch die die Möglichkeit, schädlichen Reizen zu entgehen oder ihnen etwas entgegenzusetzen. Sonnenblumen drehen ihre Blüten dem Lauf der Sonne nach. Mimosen klappen bei Berührung ihre Blätter zusammen und manche Pflanzen können Insektizide absondern, wenn sie von Käfern angefressen werden. Und teilweise tun das sogar die Pflanzen die noch gar nicht selbst angefressen wurden, weil aber bei einer anderen verletzten Pflanzen Stoffe frei werden, die bei ihr diese Reaktion auslösen. Pflanzen kommunizieren gewissermaßen also durchaus auch. Nur ist Kommunikation auch nicht zwingend ein Zeichen für Bewusstsein. Auch Geräte in digitalen Netzwerken kommunizieren. Das sind aber automatisierte vorgegebene elektronische Reaktionen. Und bei Pflanzen hat man es dabei aber erst mal nur mit biochemische Reaktionen zu tun.
Aber die Pflanze die vorher angeblich voller Schmerzen mit letzter Kraft noch seinen Kameraden zurief sie mögen ihn zurücklassen und sich selbst in Sicherheit bringen, und seiner Pflanzenfrau sagen, dass er sie liebt -weil Pflanzen nämlich auch Gefühle haben -die reagieren nicht einmal auf das Verletzen der eigenen Blätter wenn man diese vorher mit Folie abdeckt und damit das Wahrnehmen besagter freigesetzter Stoffe verhindert . Weil es kein bewusstes Fühlen ist, sondern automatisierte Aktion und Reaktion.
Grob gesagt immer die gleichen vergleichsweise simplen Reaktion auf die gleichen Reize. Einfache, immer gleiche Dinge, wie beispielsweise bei uns das Atmen, die funktionieren nicht nur gut ohne dass sie über ein Bewusstsein gesteuert werden, es wäre sogar ziemlich unsinnig und fatal sie davon abhängig zu machen. Solche biologisch festliegenden, automatisch ablaufenden Vorgänge regelt das VEGETATIVE Nervensystem. Für solche Reaktionen ist kein Schmerzempfinden nötig. Wenn man der Natur unterstellt, sie würde Pflanzen trotzdem irgendwie damit ausstatten – ohne ihnen die Fähigkeit zu geben, sich in Sicherheit zu bringen, dann ist das, nicht nur im Hinblick darauf wie Evolution funktioniert, eine sehr steile These und würde entsprechend überwältigende Belege erfordern. Es ist zudem auch als würde man der Natur Langeweile und Sadismus unterstellen. Denn bei allem, was wir da beobachten, gibt es keinen schlüssigen Hinweis darauf, dass das was da bei Pflanzen passiert, mehr ist als automatisierte Reizreaktionen. Keine Pflanze denkt sich: “Nö, mir egal, was die anderen machen. Ich will mich gerade nicht zur Sonne drehen.”
Nun ist die Fähigkeit sich für oder gegen etwas zu entscheiden auch noch kein ultimatives Argument in dieser Frage. Aber das Fehlen dieser Fähigkeit deutet viel stärker auf simple mechanistische Vorgänge als auf eine Art Bewusstsein hin. Und obwohl wir Menschen uns auf unser Bewusstsein ziemlich viel einbilden und gern damit herumwedeln, müssen wir zugeben, dass wir relativ wenig davon verstehen.
Ein Lebewesen benötigt aber – nach allem, was wir bisher wissen – ein funktionierendes Zentralnervensystem und ein ziemlich komplexes Verarbeitungsorgan, um ein Bewusstsein zu haben oder leidensfähig zu sein. Die subjektive Schwere von Schmerzen hängt nämlich nicht von der Schwere der Schädigung ab, sondern von der zentralen Verarbeitung. Schmerz entsteht nicht an der Stelle der Verletzung. Er entsteht nachweislich und zweifelsfrei im Hirn -und nur im Hirn. Deshalb fühlen manche Menschen auch Phantomschmerzen in Gliedern, die sie verloren haben. Es ist kein Fall bekannt oder belegbar wo Schmerzen irgendwie ohne Hirn entstehen. Reaktionen: ja. Schmerzen nicht. Wenn man nun trotzdem die selbstbewusste Behauptung vertritt, das gehe auch anders, weil man es geschafft hat sich einzureden, Sachen ohne Beweise zu glauben, sei Aufgeschlossenheit und Progressivität, dann braucht es dazu erst einmal Indizien und plausible Vermutungen und Thesen darüber, *wie* und *wo* Pflanzen ohne zentrale Reizverarbeitung so etwas wie “Schmerz” empfinden sollten und anschließend entsprechende Untersuchungen die das auch plausibel belegen. Ohne solche plausiblen Annahmen kann nämlich sonst ALLES behauptet werden. Wer weiß denn, ob Steine nicht auch Gefühle haben? Können wir es ganz ausschließen? Das leugnen Menschen doch nur, damit sie weiter auf Steinen herumtrampeln können und -nur weil die keine hübschen Blüten haben. Ja, das Argument ist Murks. Aber das bekommt man als Veganer regelmäßig im Bezug auf Pflanzen und fehlende Knopfaugen vorgeworfen.

Man kann sicherlich sagen, dass Pflanzen in ihren Fähigkeiten teilweise durchaus unterschätzt wurden. Manche Pflanzen haben auch ein recht komplexes Wurzelsystem das mit etwas gutem Willen zumindest oberflächlich noch am ehesten einem Nervensystem nahe kommen könnte, wenngleich auch deutlich weniger komplex und dramatisch viel langsamer. Pflanzen können aber durchaus auch Reize weiterleiten, nur halt im Schneckentempo.
Aber nur weil in Pflanzen elektromagnetische, chemische oder physikalische Signale existieren, bedeutet das aber nicht, dass diese in Gefühle oder Gedanken umgewandelt werden. Wo auch? In dem Fall müssten wir uns nämlich auch fragen, wofür wir Menschen und andere Tiere überhaupt so ein energieaufwändiges, hochkomplexes Gehirn brauchen, wenn Pflanzen auch ohne eins denken und fühlen können. Wenn Pflanzen aufgrund einer unwillkürlichen Reaktion auf Umweltreize reagieren können, dann ist Schmerzempfindung und ein Wille für das Funktionieren von Pflanzen schlicht und ergreifend UNNÖTIG. Die Evolution begünstigt keine unnötigen Dinge, die Ressourcen verbrauchen, ohne entsprechenden Nutzen zu erbringen. In der Natur geht es um Effizienz. Jegliche Fähigkeit, die einem Lebewesen keine Vorteile bringt aber Energie kostet, benachteiligt dieses Lebewesen durch unnötige Komplexität und damit zusätzliche Fehleranfälligkeit und durch erhöhten Energiebedarf. Unser menschliches Hirn allein benötigt ganze 30 Watt. Dieser enorme Energiebedarf muss echte Vorteile bringen. Und diese müssen damit einhergehenden Nachteile mehr als aufwiegen.
So ein Zentralnervensystem mit zentralem Verabreitungsorgan hat beispielsweise den Nachteil, dass der Versuch, den Besitzer, also zum Beispiel den Menschen in mindestens zwei lebensfähige Lebewesen zu teilen, nicht nur schmerzhaft ist, sondern auch vergeblich. Danach hat man nicht zwei lebende Individuen sondern Null. Deshalb heißt es IN-dividuum: nicht teilbar. Pflanzen hingegen gelten oft als DIVIDUEN, denn sie können sich vegetativ fortpflanzen, also durch Teilung. Kartoffeln zum Beispiel. Und es wäre unvorteilhaft, wenn diese Art der Fortpflanzung weh täte, weil das die meisten Lebewesen dann eher von einer Fortpflanzung abhalten würde da Schmerz eben signalisiert. „Tu das nicht.“

Nun ist das vielleicht die Stelle, wo man mir Engstirnigkeit unterstellt und es wird argumentiert, dass man früher auch Tieren die Leidensfähigkeit absprach und sie viel mehr nur als Automaten sah und dass die Wissenschaft auch nicht alles weiß und dass das ja in Zukunft alles noch bewiesen werden könnte. Ja. Mag sein. Wir wissen vieles nicht über die Welt. Wir lernen stetig dazu. Wir wissen nicht zu 100%, dass Pflanzen keine Gefühle haben sondern vielleicht nur zu 99,9%. Das ist im normalen Leben im Grunde ein „nein“. Und das anzuerkennen und dem aktuellen Kenntnisstand entsprechend zu handeln, unter der Bereitschaft, sein Verhalten zu ändern, sollten sich verlässliche neue Erkenntnisse ergeben, ist nicht arrogant, sondern das einzig vernünftige.
Aber es ist eben nicht völlig ausgeschlossen, dass wir irgendwann doch erkennen könnten, dass auch gewisse Pflanzenspezies über rudimentäre Formen der Empfindungsfähigkeit verfügen. Letztlich ist die sich evolutionär entwickelnde Natur ein Kontinuum von Lebewesen, in dem es nur ganz selten absolut trennscharfe Linien und Grenzen gibt. In der Wissenschaft gibt es immer einen Restzweifel. Und das ist gut so. Das ist eine Stärke der Wissenschaft. Vielleicht leben wir alle nur in einer Simulation. Vielleicht ist das Universum ein Hologramm. Vielleicht bist du das einzig reale Bewusstsein und alle anderen nur Produkte deiner Einbildung. Kann man ja alles nicht widerlegen und nicht zu 100% ausschließen. Wenn man richtig sciency sein will, sind maximal 99,9% Sicher sein erlaubt. Aber 999:1 ist nicht fifty-fifty.Stellen wir uns ein Gewinnspiel vor. 999 Lose sind Nieten. Und in einem befindet sich ein Gewinn, den wir gern hätten. Die Lose werden gründlich durchmischt und in zwei Kisten „verteilt“. In die Kiste 1 kommen aber 999 Lose und in die zweite nur eins. Man sieht wieviele Lose welche Kiste enthält und darf sich für eine Kiste entscheiden und alle Lose darin öffnen.

Da gibt es nun zwei mögliche Antworten, welche Kiste man wählen kann:
Antwort A: Ich wähle Kiste 1 denn obwohl ich nicht sicher sein kann, dass der Gewinn da drin ist, beträgt die Gewinnwahrscheinlichkeit 99,9%.
Oder Antwort B: Ich wähle Kiste zwei, weil ich auch glaube, dass Pflanzen Gefühle haben und der Meinung bin, dass das ein super Argument gegen den Veganismus ist.

Aber da wirft man keine Münze. Es ist einfach nicht fifty-fifty. Und genau so ist es, wenn man argumentiert, dass man vorsichtshalber lieber mal nahezu sicher leidensfähige Tiere tötet, weil nicht mit absoluter Sicherheit ausgeschlossen werden kann, dass auch Pflanzen Gefühle haben. Das ist das Gegenteil von Vernunft. So gesehen passen die Argumente zumindest zur Handlung. Aber angenommen, wa würde sich entgegen aller Wahrscheinlichkeit herausstellen, dass Pflanzen doch Gefühle haben. Da gibt es auch wieder zwei Möglichkeiten, darauf zu reagieren.
Zunächst die Optionen für den leidenschaftlichen Psychopathen, wo man irgendwie, logisch nicht nachvollziehbar schlussfolgert, dass es deshalb völlig egal ist, wie viel Leid man anrichtet.
Und die zweite Option, dass man deshalb auch Pflanzenleid berücksichtigen muss. Das was man ja Veganern hier zu erklären versucht. Falsche Motiviation. Richtiger Ansatz. Falsche Schlussfolgerungen. Denn daraus folgt nicht, dass man 50:50 Pflanzen und Tierprodukte essen sollte, sondern dass man vegan leben sollte. Denn nicht nur hat man gravierende Unterschiede in der Wahrscheinlichkeit der Leidensfähigkeit zwischen Tieren und Pflanzen, und aller Wahrscheinlichkeit nach auch der Intensität des empfundenen Leids. Selbstverständlich verursacht man allein durchs Fleischessen pro Jahr zusätzlich zu den getöteten Tieren indirekt unter anderem den Tod von etwa 3500 Bäumen und Millionen unschuldiger Grashalme, die vom zukünftigen Steak grausam bei lebendigem Leib gefressen werden… von Widerkäuern dann gleich mehrfach -ohne Betäubung. Da man für jedes Kilo Fleisch ja zig mal so viele Kilo Pflanzen verfüttern muss, entstünde bei der Tiermast natürlich viel mehr “Pflanzenleid” – wenn es so etwas gäbe – als bei einer veganen Ernährung.

Pflanzen können teilweise eindrucksvolle Dinge. Von “Wissen” oder einem bewussten “Fühlen” kann man aber nicht sprechen, wenn man auf möglichst korrekte Wortwahl achtet. Es werden nicht sämtliche Biologiebücher unwissenschaftlich und ahnungslos, weil im Internet ein Artikel veröffentlich wurde, der geeignet scheint, es den selbstgefälligen Veganern ordentlich zu geben und den man dann vor lauter Erregung nicht zu Ende denkt und deshalb auch gar nicht sieht, dass er in Wahrheit ein Argument GEGEN das Fleischessen wäre. Und dass man mit jedem weiteren Bemühen, dieses Argument zu verteidigen, eigentlich für den Veganismus streitet – wenn auch mit einem falschen Argument. Mit dieser Behauptung und wenigstens einem Mindestmaß an ehrlicher Absicht nicht unnötig Leid zu versuchen, muss man daher aber darauf bedacht sein, dass auch der eigene pflanzliche Anteil an der Nahrung human getötet und betäubt wurde – was auch die Futtermittel für den anderen Anteil einschließt. Gegenüber Veganern beteuern Menschen ja auch immer wieder reflexhaft, auch gegen Massentierhaltung zu sein. Und obwohl Pflanzen nun angeblich auch Gefühle haben sollen, hört man hingegen nie jemand gegen das Leid von Massenpflanzenhaltung argumentieren. Niemand setzt sich dafür ein, dass, dass Pflanzen “human” geerntet und vorher ordentlich betäubt werden.
Niemand auf der Welt scheint so etwas zu tun oder für möglich zu halten – sicherlich weil man das Bewusstsein eben da ausknipst wo es passiert: im Hirn – welches Pflanzen nicht haben. Besteht man trotzdem darauf, weil… man beispielsweise mal wieder reflexhaft zu Protokoll gibt, dass Veganer auch keine besseren Menschen sind, und jetzt nachträglich noch schnell eine Begründung dafür braucht und deshalb Pflanzen zu fühlenden Lebewesen erklärt, ohne die Geschichte zu Ende zu denken. – dann muss man davon ausgehen, dass Pflanzen immer einen langsamen und qualvollen Tod sterben. Und über den Umweg Tier tötet man viel mehr von ihnen und sollte daher keine Tiere essen. Statt dessen nutzt man die die angebliche Leidensfähigkeit von Pflanzen als Rechtfertigung dafür, Tiere zu essen, wofür dann viel mehr Pflanzen “leiden “und sterben. Wenn Pflanzen wirklich Gefühle hätten, würden sie sich dabei ziemlich verarscht fühlen.

Dass Pflanzen angeblich besser wachsen, wenn man mit ihnen spricht, ist übrigens auch kein guter Beleg für deren scheinbares Gefühlsleben. Zum Einen atmet man sie dabei gegebenenfalls an. Und Kohlendioxid regt natürlich das Wachstum von Pflanzen an. Zum anderen gibt es einen Placebo-Effekt auch bei Pflanzen. Nicht weil Pflanzen ein Bewusstsein hätten und an irgendwas glauben. Sondern weil der Placeboeffekt oftmals beim Verabreichenden geschieht, der durch den Glaube an eine Wirksamkeit unbewusst sein Verhalten ändert und damit auch auf andere wirkt. In diesem Fall auf die Pflanzen. Das nennt man Placebo by Proxy. Zudem bestehen Geräusche im Grunde aus Schallwellen in der Luft. Das sind Vibrationen die durchaus irgendwas auslösen können, vielleicht auch irgendwelche Reaktionen bei Pflanzen. Das heißt aber nicht, dass da irgendwelche Emotionen im Spiel wären. Vieles reagiert auf Druckwellen. Feuer beispielsweise! Es lässt sich durch Schallwellen löschen. Und nicht nur das. Feuer benötigt auch Sauerstoff damit es nicht erstickt. Und es kann wachsen und sich fortpflanzen und vermehren. Dafür braucht es Energie. Und wenn es nichts mehr zu verzehren hat, stirbt es. Genau wie bei Tieren. Kann Feuer also auch Schmerzen fühlen?
Nun könnte man mir vielleicht eine unpassende Analogie vorwerfen. Schließlich ist Feuer ja kein Lebewesen. Und nur weil gewisse Phänomen sich ähneln, heißt das nicht, dass man das gleichsetzen kann. Und dass ich ja ganz schön verzweifelt zu sein scheine, wenn ich auf solche krampfhaft zurechtgebogenen Argumente zurückgreifen muss. Und man hätte damit völlig Recht. Genau das ist der Punkt:

Die Reaktionen von Feuer, Planzen und Tieren ist einfach nicht das Gleiche, auch wenn man mit minimalen Umformulierungen oder dem bewussten oder fahrlässigen Überstrapazieren und Ausweiten von Begriffen und Metaphern den Eindruck erwecken kann, das sei der Fall. Leider tun dies eben viele clickbait-Schlagzeilen über vermeintlich “denkende” und “fühlende” Pflanzen.

Glücklicherweise bestehen nicht alle Experimente darin, dass wieder irgendwelche Laien-Botaniker ihrem Fikus Schubert vorspielen oder glauben, festzustellen, dass die Kresse schlechter wächst, wenn man sie als Hitler beschimpft. Natürlich ist es spannend und wichtig, auch Pflanzen zu erforschen. Nur halt nicht so. Es gibt da erfreulicherweise auch seriösere Forschungen die zeigen, wie interessant manche Pflanzen auf äußere und innere Reize reagieren. Das alleine sagt aber noch nicht viel aus. Eine Ethik sollte sich vor allem an Begriffen wie: “Leid”, “Bedürfnis”, “Fairness” und “Interessen” orientieren, um nicht vollkommen willkürlich zu sein. Zum Beispiel an dem Interesse daran, Leid zu vermeiden. Dabei ist es erst mal nicht wichtig, ob irgendwo irgendwelche Sensoren oder Signalleiter stimuliert werden, sondern ob dieser Reiz im jeweiligen Lebewesen autonom verarbeitet werden kann und daraus ein Resultat in Form eines Interesses entsteht.
Manch einer findet sich besonders clever, wenn er Veganer vermeintlich mit ihren eigenen Waffen schlägt und ihnen ihren Antispeziesismus um die Ohren zu hauen glaubt, indem er behauptet, Veganer würden Pflanzen diskriminieren. Nein. Die Grundlage des Veganismus ist der Pathozentrismus. Das heißt, er versucht zu aller erst Leid zu vermeiden. Aber Pflanzen leiden nicht. Das widerspricht dem Antispeziesismus nicht.
Man muss nicht einmal beim Antispeziesismus aufhören. Man kann das sogar noch weiter denken und auf den sogenannten Antisubstratismus ausweiten. Dabei wird nicht nur die Spezieszugehörigkeit eines Wesens als diskriminierendes Kriterium abgelehnt , es ist auch nicht entscheidend ob es aus Zellen und Nerven besteht oder vielleicht aus Mikrochips und Kabeln. Ein Synonym für Pathozentrismus ist auch Sentientismus, da für ein bewusstes Leiden eben ein Bewusstsein erforderlich ist. Und unbewusstes Leiden hebt sich ja im Grunde selbst auf und ist ein Widerspruch. Vielleicht wird es irgendwann künstliche Intelligenzen geben, die irgendwie sentient sind. Das heißt dann aber nicht, dass plötzlich alle Elektrogeräte fühlende Wesen sind.
Zu Fernsehern haben wir zwar häufig sehr innige Beziehungen. Trotzdem sind diese für die meisten von uns keine ethisch relevanten Wesen. Nicht weil wir bösartig und gleichgültig gegenüber ihren Interessen wären. Sondern weil sie trotz Bahnen, die Signale leiten und Prozessoren die Signale verarbeiten, nichts wollen oder wollen können und es daher einfach keinen Sinn ergibt, davon zu sprechen, dass man womöglich ihre “Interessen” oder Gefühle verletzen könnte. Ein Fernseher hat keine. Und so ist das auch mit Pflanzen. Die sind zwar Lebensformen, aber nach allem, was wir wissen, eben nicht sentient. Jedes noch so niederkomplexe Lebewesen automatisch etwas wie ein Bewusstsein zuzuschreiben, ist unwissenschaftlich. Pflanzen haben keine Interessen, die es zu berücksichtigen gilt. Sie haben keinen Willen. Wozu auch?
Man tut hierbei mit Pflanzen im Grunde das was, was man Veganern gern vorwirft:
Man vermenschlicht sie, indem man Begriffe und Definitionen stark dehnt und überstrapaziert und den Fähigkeiten von Pflanzen menschliche Maßstäbe anlegt und sie entsprechend analog interpretiert, obwohl die Grundlagen nicht die gleichen sind.

Wenn Pflanzen Gefühle hätten, wäre das ein Argument FÜR den Veganismus.
Aber bei diesem Argument kommt es meist nicht darauf an, dass es auch Sinn macht, sondern nur auf das Ergebnis: Eine Retourkutsche für nervige Veganer, die sich vermeintlich für was besseres halten. Das ist aber oft eher ein Provokationsversuch oder eine Art Panik-Reflex und ein Rechtfertigungsversuch oder ein Witz -oder irgendeine Mischung daraus. Aber eben kein sinnvolles, durchdachtes Argument.
Allerdings besteht dabei tatsächlich eine Ähnlichkeit zu Pflanzen. Die sind auch nicht gut im Argumentieren. Aber die können sich immerhin damit entschuldigen, dass sie kein Gehirn haben.

Hey Veganer, man kann nicht 100% vegan leben.