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Hey Veganer, wenn wir Tiere nicht essen… sterben sie aus!

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Wenn wir Menschen aufhören, Tiere zu essen, geschehen laut vieler Fleischesser unter anderem zwei schreckliche Dinge: Wir wissen nicht wohin mit den Tieren. Sie nehmen überhand und überrennen uns. Und sie sterben aus. Gleichzeitig interessanterweise. Demzufolge wären Veganer also für das Aussterben von Tierarten verantwortlich.

In den letzten 40 Jahren haben wir Menschen den Bestand der Gesamtheit aller Wildtiere halbiert.
Wir zerstören immer mehr Lebensraum von wildlebenden Tiere und rotten immer mehr wildlebende Arten aus, und das nicht zuletzt, weil wir immer mehr Nutztiere produzieren und zur Effizienzsteigerung immer neue Nutztierhybride züchten. Das sind Kreuzungen verschiedener Arten die ohne Menschen kaum überlebensfähig sind. Dabei gehen auch ältere Haustierrassen immer weiter zurück.
Aktuelle „Nutztiere“ sind nur durch intensive Zuchtbemühungen des Menschen zum Selbstzweck entstanden.
Das sind zu weit über 90% schon geradezu Frankenstein-Tiere und ziemlich nah dran, Klone zu sein Das trifft für alle sogenannten Legehennen, Masthühner, Mastschweine, Mastrinder, Milchkühe, Puten und auch für Fische zu.

Über 95% der Puten in Deutschland sind sogenannte BIG6. Das sind Mastputenhybride, die viel zu schnell, viel zu schwer werden. Aufgrund ihres Gewichts können sie sich gar nicht mehr putengemäß verhalten, ohne sich zu verletzten.
Bei Masthühnern werden vor allem Ross Tiere verwendet. Dort sieht es genauso aus.
Bei den meisten Legehennen werden Lohmann Classic eingesetzt. Das sind Tiere die etwas über 300 Eier im Jahr legen. Das kann der Körper nicht lange mitmachen. Das Ergebnis sind Legedarmvorfälle und andere qualvolle Dinge.
Und so geht das auch bei „Milchvieh“ und in der „Schweine- und Rindermast“ weiter.
Dort züchten wir im Akkord Schweine, die durch ihre Haarlosigkeit Sonnenbrand bekommen würden und Turbokühe die nicht mehr abstillen können.

Den entstehenden Dualzuchten, werden dann noch DIE störenden Körperteile entfernt, die die nicht oder NOCH nicht weggezüchtet werden konnten. Also Körperteile wie Schwänze, Hörner, Hoden, Schnabelspitzen usw. -natürlich meist ohne Betäubung .
Und das nennen wir Arterhaltung. Das ist aber das vielmehr die Ausrottung verschiedenster wilder Arten und die Zerstörung biologischer Vielfalt durch einige wenige Arten kaum überlebensfähiger Nutztiere in gigantischer Menge.

Es wäre schon fast sadistisch solche verzüchteten Arten durch Nachzuchten erhalten zu wollen und damit vielleicht noch die natürlicheren Urrassen zu verdrängen, welche man statt dessen schützen könnte -auch ohne sie zu töten.
Diese sind genau so liebenswert und genau so klug aber sie werden nicht schon als leidende Qualzuchten geboren. Für das Indiviuum spielt es keine Rolle, welcher Spezies es angehört. Für dieses ist es nur wichtig, nicht zu leiden. Und dafür würde es sicherlich bevorzugen, nicht zu einer stark verzüchteten Spezies zu gehören. Spezies ist ein abstrakter Begriff. Eine Spezies hat kein Bewusstsein, keine Interessen und kann nicht leiden. Das können nur Individuen. Daher ist es schon sehr fragwürdig, wenn man die Bedürfnisse und Interessen von Individuen nicht achtet und diese kontinuierlich tötet aber aber bei gewissen Spezies mit deren Erhaltung argumentiert und diese vermeintlich schützen und bewahren will.

Menschen denen die Existenz gewisser Nutztierrassen so am Herzen liegt, können diesen ja Reservate bauen oder entsprechende Lebenshöfe unterstützen. Wenn sie das nicht möchten, kann man davon ausgehen, dass das ein vorgeschobenes Argument für das Fleischessen ist. Und dazu kein besonders gutes. Individuen tut man keinen Gefallen damit, sie im Akkord zu töten um vermeintlich ihre Art zu erhalten.

Wenn man -im wahrsten Sinne des Wortes- „mit Gewalt“ Spezies erhalten will, deren Tiere kaum selbst überlebensfähig sind, die keine biologische Nische haben, die für das Aussterben anderer gesunder Spezies sorgen und eine gesunde Biodiversität sogar beeinträchtigen, dann tut man das nicht für die Individuen dieser Art sondern aus egoistischen oder kulturellen Gründen. Während das Aussterben von Tierarten in der Wildnis ökologisch sehr nachteilig sein kann, wäre es für die Biodiversität sogar vorteilhaft, wenn wir aufhören würden Nutztiere zu züchten.
Wenn es tatsächlich um eine Erhaltung geht, dann wäre es richtig und wichtig, die natürliche Artenvielfalt zu bewahren. Die Natur ist ein eingespieltes System von dem wir abhängig sind. – Aber die Natur braucht unsere Nutztiere nicht und hätte sie auch nicht in dieser Form und Zahl hervorgebracht. Sie wird statt dessen von der intensiven Tierhaltung massiv gefährdet und geschädigt.

Wir Menschen machen von der Gesamtbiomasse aller Landwirbeltiere ganze 32% aus.
Doppelt so groß ist der Anteil unserer Nutztiere: 65%.
Und gerade einmal noch 3% macht die Gesamtheit aller wildlebenden Landwirbeltiere aus.

Die Masse unserer wenigen Nutztierarten beträgt mehr als das zwanzigfache davon.

Traurig an der Frage, was dann mit den Nutztierpassieren soll, ist auch, dass dabei einfach nur von der Nützlichkeit von Individuen für den Menschen ausgegangen wird und man wohl gar nicht auf die Idee kommt, dass es auch noch andere Motivationen gibt, warum Menschen sich um andere Individuen kümmern.
Es gibt viele Menschen, die sich nicht nur für sich selbst einsetzen und die sehr gern die Aufgabe übernehmen würden, sich um vermeintlich nutzlos gewordene Nutztiere zu kümmern
-nicht weil sie sie ausbeuten wollen, sondern um deren selbst willen. Weil es hilflose Lebewesen mit Charakter und mit Bedürfnissen sind und das für manche Menschen Grund genug ist, ihnen zu helfen.

Hey Veganer, manche Tiere gäbe es nicht, würden wir sie nicht nutzen!

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Es stimmt natürlich, dass es beispielsweise Schweine, Hühner oder Rinder in der Form und Anzahl so nicht gäbe, wenn wir sie nicht zum Gebrauch züchten würden. Oft wird das als eine Rechtfertigung dafür verwendet, sie einsperren, mästen, töten und aufessen zu dürfen beziehungsweise es wird die Ansicht vertreten, dass diese für ihre Existenz den Fleischessern quasi dankbar sein müssten und dass das ein schönes Dilemma für Veganer ist.
Zunächst erreicht natürlich praktisch keines unserer Nutztiere auch nur annähernd seine biologische Lebenserwartung. Tiere die man für ihr Fleisch produziert, sind in der Regel gerade erst ausgewachsen, wenn sie geschlachtet werden. Schweine, die 15 Jahre alt werden können, erreichen als Nutztiere meist nur ein halbes Jahr, was knapp 3,5% entspricht.
Die Tiere, die Milch und Eier produzieren, leben etwas länger, aber auch die erreichen selten mehr als ein Sechstel ihrer natürlichen Lebenserwartung bis sie verbraucht sind und entsorgt werden.
Männliche Kälber von Milchkühen tötet man oft nach wenigen Tagen. Und männliche Küken von Eierhühnern werden meist nur wenige Minuten nach dem Schlüpfen geschreddert.
Unsere gezüchteten Nutztiere sind im Grunde fast alle so überzüchtet, dass sie, auch abgesehen von den sowieso meist katastrophalen Haltungsbedingungen, ein Leben lang leiden.
Man kann sich natürlich fragen, ob ein kurzes elendes Leben voller Leid nicht vielleicht doch noch knapp besser sein kann als gar keins, und unter welchen Bedingungen man selbst leben will. Und natürlich gibt es unterschiedliche Auffassungen davon, was ein lebenswertes Leben ist. Aber gerade deshalb sollte man diese Entscheidung doch nicht für andere treffen sondern dies den entsprechenden Individuen überlassen.
Wenn wir davon ausgehen, dass die meisten hinreichend bewussten und leidensfähigen Lebewesen ganz ähnliche grundlegende Bedürfnisse haben wie wir selbst, -und es gibt keinen auch nur halbwegs plausiblen Grund, daran zu zweifeln -dann ist die Frage legitim, welches Maß an Leid noch „erträglich“ ist, damit das bloße Existieren noch die Schattenseiten dieser Existenz überwiegt.
Selbst wenn man dem Leben der Tieren und zukünftigen potentiellen Glückserlebnissen dieser Lebewesen keinen Wert an sich einräumt und leidfreie Haltung und Tötung als ausreichend und gerechtfertigt erachtet, ist es so, dass man in der Praxis Fleisch und Leid nicht mehr entkoppeln kann. Die „leidvolle“ Haltung ist keine Entartung des Fleischsystems, die man beheben könnte.
98% des konsumierten Fleisches stammen aus Massentierhaltung.
Und selbst Bio bedeutet nicht automatisch, Weidehaltung oder dass es sich dabei nicht um Intensivtierhaltung handelt.
Auch bei dem verschwindend geringen Anteil von Alibi-Biotieren aus Weidehaltung, handelt es sich um moderne Rassen, die unter ihrer Zucht leiden. Die Handvoll Tiere alter Rassen, bekommt der durchschnittliche Fleischesser nie zwischen die Zähne weil sie sehr teuer sind und teilweise nur als Mitglied eines Verbandes erhältlich.
Man kann Deutschland nicht komplett mit glücklichen Kühen von der Weide ernähren. Und die Welt schon gar nicht. Ein paar wenige können sich das leisten, weil die absolute Mehrheit das nicht tut. Aber für alle Menschen wäre das völlig illusorisch. Im Gegensatz dazu ist eine weitgehend vegane Menschheit zumindest theoretisch möglich.
Wenn nun schon VOR Beginn der Existenz die Lebensbedingungen eines (vorerst hypothetischen) Individuums absehbar sind und diese permanente Gefangenschaft, Leid, soziale Isolation, Angstzustände und einen vorzeitigen, teils qualvollen Tod beinhalten, dann wird die Abwägung noch einfacher, denn dann kann man sich die Frage stellen: Würde man ein Kind in die Welt setzen, wenn man wüsste dass es durchweg in einem kleinen Laufgitter gehalten wird, nie Tageslicht sieht, kein Spielzeug haben wird, keine elterliche Nähe, keine Zuwendung und Zuneigung erfahren wird und dann mit 10 Jahre weit vor dem Erreichen seiner „natürlichen“ Lebenserwartung erschossen werden wird?“ Das würde sicherlich kaum jemand auch nur ansatzweise als erstrebenswert empfinden und an der Stelle gegen Verhütung argumentieren. Aber genau das ist die Situation für unsere Nutztiere.
Der Gedanke, dass Tiere für so eine Existenz, als Nebeneffekt menschlicher Genusssucht dankbar sein sollten, funktioniert vermutlich auch wieder nur, wenn man nicht selbst so existieren muss.
Wenn man die Existenz von Nutztieren als Ergebnis unseres Wunsches sie zu benutzen als etwas positives verargumentieren will, ist das, als würde man Anerkennung dafür erwarten, dass man Schäferhunde züchtet die im Alter von vier Jahren aufgrund ihrer Hüftdysplasie nur noch jaulend robben können oder für verzüchtete Katzen die viel mehr hecheln als dass sie atmen. Das kann man in einem positiven Sinne kaum als „Leben“ bezeichnen. Es ist eben vielmehr eine bloße Existenz die fast ausschließlich von Leid geprägt ist und wo für viele dieser Tiere ein früher Tod vermutlich sogar noch eine Erlösung sein wird.
Wenn man die „Nutzviehzucht“ finanziell unterstützt, bringt damit nur Individuen in die Welt, deren Zweck die vollständige Ausbeutung ist und deren kurzes Leben im Grunde nur aus Leid und einem gewaltsamen Tod besteht. Das ist nichts Gutes, wofür diese Tiere dankbar sein können. Es ist ist so ziemlich das komplette Gegenteil, wenn man seine Ressourcen dafür verwendet, statt beispielsweise Lebenshöfe oder andere Initiativen zu unterstützen die das Leid bereits existierender Tiere verringern.

Hey Veganer, es heißt nicht umsonst NUTZtiere!

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Wenn man das Ausnutzen der so genannten „Nutztiere“ kritisiert, speziell wenn man argumentiert, dass nicht nur gewisse „Haustiere“ schützenswert sein sollten, wird oft entgegnet, dass diese ja schließlich schon Nutztiere heißen und dass sie extra dafür gezüchtet werden.

Wenn man so argumentiert, ist das aber ein Zirkelschluss, also ein logischer Fehler. Man rechtfertigt dabei eine Handlung mit dieser Handlung selbst.
„Wir nutzen manche Tiere und bezeichnen sie dementsprechend als Nutztiere und weil sie Nutztiere heißen, ist es gerechtfertigt sie zu nutzen. Und weil wir sie nutzen, bezeichnen wir sie als Nutztiere…“
Aus A folgt B folgt A folgt B und so weiter… Mit dieser zirkulären Logik würde man sich argumentativ endlos im Kreis drehen, wenn man dieses Argument wirklich weiterdenken würde. Das hat in etwa den argumentativen Wert von „Weil ich das so sage“ und ist ähnlich willkürlich.

Allerdings haben wir oft beträchtliche Probleme damit, wenn andere genauso willkürlich sind wie wir.
Wenn andere Kulturen Hunde und Katzen zu Nutztieren erklären und schlachten, sorgt das bei vielen Deutschen für einen Sturm der Entrüstung, für rassistische Entgleisung und für Morddrohungen und Todeswünschen. Es gibt natürlich auch solche, die an der Stelle für die KONSEQUENTE Ausbeutung ALLER möglichen Tierarten hier argumentieren, bzw. denen das gleichgültig ist, aber vielen Deutschen fällt vor Empörung das Schweineschnitzel aus dem Mund wenn andere Kulturen sich nicht an unsere „zivilisierte“ Einteilung in Nutz- und Haustiere halten und unverschämterweise Tierarten zu Nutztieren erklären, die wir als Haustiere festgelegt haben.

Man kann nicht einfach eine Handlung benennen und mit dieser Benennung dann die Handlung dann rechtfertigen. Wenn man jemanden als Sklaven bezeichnet, heißt das nicht, dass es gerechtfertigt ist, ihn deshalb als Sklaven zu halten. Und weil Sklaven nun mal Sklaven heißen, und wir schon immer Sklaverei betrieben haben, folgt daraus nicht, dass Sklaverei in Ordnung ist. Das Wort Sklave beschreibt einen Menschen der benutzt wird. Es stellt aber keine Legitimierung dafür aus, dass man ihn benutzen darf. Es ist nur ein Wort. Und ebenso würde wohl auch jeder die Aussage, dass es gerechtfertigt ist, Menschen als Sklaven zu halten, solange man sie extra dafür zeugt, völlig inakzeptabel finden.

Über solche Willkür würde man sich ja auch bitterlich beklagen, wenn man selbst das Opfer so einer Festlegung wäre. Solange man nicht das Opfer ist, ist es leicht, solche Behauptungen gerechtfertigt und akzeptabel zu finden.
Tiere sind zu niemandes Gebrauch da. Genau so wenig wie Menschen zu irgendjemandes Gebrauch da sind. Kinder existieren auch, wegen ihrer Eltern. Daraus folgt aber nicht, dass Eltern über ihre Kinder verfügen können. Und wenn man einem Menschen das Leben rettet, folgt daraus ja auch nicht dass man nachher beliebig über ihn verfügen und ihn bei Bedarf töten darf.

Dass die Geburt von Individuen von Menschen mit gewissen Motiven festgelegt wurde, ändert nichts daran, dass sie die gleichen Empfindungen, Fähigkeiten, Interessen und Instinkte haben, wie Individuen, die aus anderen Gründen geboren wurden. Deshalb kann es doch nicht gerechtfertigter sein, gegen ihre Bedürfnisse zu verstoßen. Und diese Motive können ja nicht maßgeblich dafür sein, wie ein Lebewesen zu behandeln ist. Damit gibt man dem Täter die Bestimmungsgewalt über das Opfer. Mit diesem Argument müsste man zudem auch Pelztierfarmen und Tierbordelle rechtfertigen, wenn die Tiere dafür gezüchtet werden. Wenn man Individuen in die Welt bringt, sollte das viel mehr eine Verantwortung diesen Wesen gegenüber mit sich bringen und nicht das Recht über deren Leben und Tod zu bestimmen. Man selbst würde das für sich ja schließlich auch so fordern, wenn man selbst der Ausgelieferte wäre.

Der Begriff Nutztier hat natürlich in erster Linie mit dem was wir wollen zu tun und nichts mit den komplexen sozialen und emotionalen Bedürfnissen der Opfer. Er beschreibt schon, dass diese immer zweckhaft gezüchtet, und allein dadurch schon zu Objekten degradiert werden, die lediglich einen Zweck erfüllen, wobei ihnen weder Bedürfnisse noch Rechte zugestanden werden. Deshalb wurde Tierhaltung in vergangenen Jahrhunderten zumeist nicht wirklich als Problem wahrgenommen. Denn tatsächlich haben die meisten Kulturen die meisten Tiere als „Dinge“ betrachtet.
Je mehr wir aber dazu übergehen, fühlende Wesen generell NICHT mehr als Dinge zu behandeln, desto augenscheinlicher wird, dass auch diese Lebewesen so etwas wie eine Würde und ein Lebensrecht zugestanden bekommen müssten.

Aber selbst wenn man den Tieren das Recht auf Selbstbestimmung und Leben weiterhin abspricht und von der weitgehend willkürlichen Prämisse ausgeht, dass das Töten von allen Lebewesen außer dem Menschen in Ordnung ist, wenn diese nichts davon mitbekommen, sind das nahezu schon akademische Argumente, die für die Realität kaum relevant sind, da solche idyllischen, leidfreien Weideszenarien die absolute Ausnahme sind und es für die absolute Mehrheit aller Nutztiere sehr viel düsterer aussieht.
In der Praxis werden fast alle unsere Nutztiere gewaltsam in die Welt gezwungen, eingepfercht, maximal ausgebeutet und wieder vernichtet. Sie haben keinerlei Entscheidungsfreiheit, keine Chance auf Freiheit, keine Autonomie… kein Sonnenlicht, keine Wiese oder auch nur frische Luft. Bei dieser systematischen Form von Ausbeutung kommt es bereits bei den Begrifflichkeiten zur Entwertung, bis hin zur völligen Objektifizierung und Degradierung von empfindungsfähigen Individuen zu Produkten und Produktionsmaschinen. Es geht auch kaum noch um einzelne Lebewesen, sondern nur die Gesamtheit des Bestandes, um Vieh und Geflügel. „Verluste“ sind einkalkuliert und für die effizientesten Qualzuchten wird aus Katalogen das gewinnträchtigste Erbgut ausgewählt so dass wir uns Individuen schaffen, die für uns den maximalen Nutzen bringen aber dafür lebenslang Schmerzen leiden und oft nicht einmal stehen können.
Aber solche Dinge sind das Resultat der Überzeugung, aufgrund der eigenen Überlegenheit, andere empfindungsfähige Lebewesen nach Belieben nutzen zu können.

Hey Veganer, Veganismus ist eine Ideologie!

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Veganer werden oft als Ideologen bezeichnet und der Veganismus als eine Ideologie. Damit wird in der Regel versucht, Veganer als fanatische Anhänger einer irrationalen, fundamentalistischen
Überzeugung darzustellen, bzw. der Ansicht Ausdruck zu verleihen, dass es so ist.
Der Begriff Ideologie wird umgangssprachlich oft undifferenziert abwertend verwendet. Natürlich kann eine Überzeugung auch fundamentalistisch und irrational SEIN aber es ist auch möglich, dass sie, selbst wenn sie sehr nachdrücklich vertreten wird, rational, sinnvoll und gut begründbar ist.
Das kann man aber wegwischen, indem man den Begriff Ideologie als Totschlagargument verwendet, weil man damit unterstellt, dass die Grundannahmen oder Auswirkungen nicht hinterfragt werden. Aber Ideologie hat natürlich auch etwas mit Idealismus und mit Idealen zu tun, wie etwa solchen, dass man als Individuum das nicht leiden möchte, anderen leidensfähigen Lebewesen auch kein Leid zufügen sollte. Und es gibt dementsprechend auch eine wertneutrale Definition welche Ideologie als ausformulierte gefestigte Lehrmeinungen und Überzeugungen beschreibt. Also erst mal nur als eine Weltanschauung die man mit anderen teilt. Nach dieser Definition kann man Veganismus durchaus als eine Ideologie bezeichnen, denn viele Veganer vertreten ja die Überzeugung, dass es unethisch ist, Tiere aus unnötigen und egoistischen Gründen zu töten. Man kann auch eine humanistische Ideologie haben, die die sich ganz entschieden gegen Sklaverei, Rassismus, Diskriminierung und anderes wendet. Und das sind ja meist auch feste Überzeugungen und damit durchaus eine Ideologie. Und das ist an der Stelle auch gar nichts Schlechtes. Es vertritt also im Grunde wohl fast jeder eine oder mehrere Ideologien. Ideologien sind nicht nur das, was die anderen haben. Eine Ideologie findet man aber meist dann bedrohlich, wenn sie die EIGENE Ideologie bedroht, selbst wenn man gar nicht weiß, dass man eine hat. Wenn man Tiere töten lässt, dann steckt dahinter eine sehr feste Überzeugung. Leidensfähigen Individuen bewusst das wichtigste zu nehmen, also ihr Leben, obwohl man das nicht muss, setzt ja schon eine ziemlich feste Überzeugung voraus. Dementsprechend ist also auch die Überzeugung, dass man Tiere ausbeuten darf, eine Ideologie. Und tatsächlich hat diese sogar mehr Merkmale eines ideologischen Glaubenssystem als der Veganismus. Es ist eine Überzeugung in die wir hineingeboren wurden, die man als die Normalität erachtet und deshalb kaum hinterfragt und für die man im Bedarfsfall eine Reihe von unlogischen Rechtfertigen verwendet, die man in anderen Situationen vermutlich selbst nicht als Argument durchgehen lassen würde. Da beruft man sich beispielsweise darauf, dass das schon immer so war, man beruft sich auf triebgesteuerte fleischfressende Tiere als moralische Rechtfertigung und argumentiert mit unrealistischen Phanatasieszenarien in denen das Beenden er Tierausbeutung zu diversen globalen Katastrophen führen wird. Und das obwohl gerade das Festhalten an diesem Verhalten eine der Hauptursachen für Zerstörung der eigenen Lebensgrundlage darstellt.

Man erkennt Ideologien aber oft nicht, wenn man drin steckt, sondern frühestens, wenn sich anderswo modernere Erkenntnisse und Überzeugungen etablieren. Vorher waren sie quasi unsichtbar und als Normalität getarnt. Oft wird auch „normal“ fälschlicherweise mit „gut“ oder „gerechtfertigt“ gleichgesetzt wird. -und auch als das Gegenteil von „ideologisch“ betrachtet. Aber Normalität ist oftmals sogar eine wichtige Säule einer Ideologie und ein unbewusstes Mittel um sie unsichtbar zu machen. Aus diesem Grund haben solche Überzeugungen bis dahin aber auch meist gar keine Bezeichnung. Für die Ideologie des Fleischkonsums bzw. der Tiernutzung hat sich der Begriff Karnismus etabliert. Das ist quasi das Gegenstück zum Veganismus. Manche Menschen lehnen diese Benennung reflexartig ab. Sie empfinden das Wort als einen abwertenden Kampfbegriff. Auch wird kritisiert, dass dieser Begriff nur ausgedacht ist, was zwar nicht falsch ist aber kein Argument. Für alles was neu entstanden ist oder neu entdeckt oder aufgedeckt wurde, braucht man eine Bezeichnung und prägt ein entsprechendes Wort. In diesem Falle eben Karnismus. Die genaue Bezeichnung ist dabei aber auch nicht das Entscheidende. Man kann allerdings nicht einfach sagen, dass „Omnivor“ das richtige Wort an dieser Stelle wäre. Das ist rein deskriptiv zwar richtig, aber es blendet die ideologischen Aspekte aus. Das ist auch ein Hauptgrund, warum sich die Benennung der Ideologie für viele so unangenehm anfühlt und, warum Bezeichnungen wie omnivor von vielen bevorzugt werden. Die Benennung des Karnismus als eine Ideologie macht diese sichtbar und damit auch die Verantwortung die mit den auf dieser Ideologie basierenden Handlungen einhergeht. Aus demselben Grund nennt man Veganer nicht einfach nur Herbivore: Weil es sich um eine bewusste Entscheidung handelt. Bei nichtmenschlichen Tieren oder Kindern, die nicht dieses Ausmaß an Reflexionsvermögen haben, wird man natürlich nicht von einer Ideologie sprechen. Aber wenn man die Fähigkeit hat, über das eigene bewusste Handeln zu reflektieren, basieren diese Handlungen auf einer Überzeugung. Und spätestens wenn man beginnt, diese Handlungen zu rechtfertigen, auch sich selbst gegenüber, bilden sie eine Ideologie.

Leider werden die abwertende und die neutrale Ideologie-Definition oft vermischt. Mit der abwertenden Verwendung des Begriffs, will man wie gesagt auch unterstellen, dass Vertreter dieser Ideologie dieser blind und unkritisch folgen. Und natürlich ist das auch möglich. Allerdings sind die meisten Veganer ja gerade durch das ÄNDERN ihrer Überzeugung vegan geworden und haben oft gute Gründe für diese Entscheidung, während die meisten Fleischesser immer noch die Überzeugung vertreten, die ihnen von ihren Eltern und der Gesellschaft vorgegeben wurde.

Eine feste Überzeugung muss nicht grundsätzlich schlecht sein. Besonders dann nicht, wenn es gute Gründe dafür gibt. Um das zu beurteilen muss man aber andere Kriterien anlegen, als ihr als Totschlagargument den Ideologie-Begriff überzustülpen. Man kann sie beispielsweise danach beurteilen, ob sie Leid, Unterdrückung, Diskriminierung und Ausbeutung verursacht oder befürwortet. Der Veganismus richtet sich jedenfalls explizit gegen diese Dinge.

Hey Veganer, auf einer einsamen Insel würdet ihr auch Fleisch essen!

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„Die Feuerwehr ist inkonsequenter Unsinn, weil Feuerwehrleute gar keine mehr sein könnten, wenn sie auf einer einsamen Insel stranden würden.“

So ein Argument würde wohl jeder zurecht für absurd halten. Aber wenn es um Veganer geht, erscheinen manchen Menschen auch solche an den Haaren herbeigezogenen Szenarien mit einer so ausgesprochen seltsamen Logik wie sinnvolle Argumente.
Ein ganz klassisches und immer wieder auftauchendes antiveganes Argument ist nämlich, dass Veganer, wenn sie auf einer einsamen Insel stranden würden, auch Fleisch essen würden. Und damit begründet man dann, dass Veganismus inkonsequenter Unsinn ist. Gedankenexperimente zur Überprüfung der eigenen Überzeugungen sind gut und wichtig.
Aber natürlich müssen die auch logisch und sinnvoll sein und nicht mit falschen Schlüssen an der Realität vorbeiargumentieren, wie in diesem Beispiel

Das ist, als würde man montags blau machen und das vor dem Chef damit rechtfertigen, dass man doch auch frei hätte, wenn Sonntag wäre.
Der ganz einfache entscheidende Unterschied dabei ist natürlich: Montag ist nicht Sonntag. Und wir leben nicht auf einsamen Inseln.
Ethik ist der Diskurs über Moralphilosophie, und Moralphilosophie sagt uns, welches Verhalten wir unter gegebenen Umständen als richtig erachten würden. Man kann nicht einfach die Umstände ändern und dann daraus schlussfolgern, dass die Moral für die vorherigen anderen Umstände unsinnig wäre. Mit der Axt die Haustür fremder Leute einzuschlagen, ist nach gängigen Moralvorstellungen erst mal falsch. Aber wenn die Situation eine andere ist, weil das Haus brennt, dann ist es richtig und völlig gerechtfertigt, die Tür mit der Axt einzuschlagen, um im Haus eingeschlossene Menschen zu retten. Und das liegt eben daran, dass sich die Bewertung einer Handlung an den Umständen orientiert.
Man kann nicht einfach auf so ein hypothetisches Grenzfallszenario und das vermutliche Verhalten unter den entsprechenden Umständen zu verweisen, um damit alltägliches Verhalten unter völlig anderen Bedingungen zu kritisieren oder zu rechtfertigen. Unter extremen Gegebenheiten können noch ganz andere Dinge unmöglich werden. Es ist auch denkbar, dass man in einer Extremsituation zum Schutz des eigenen Lebens andere Menschen bestehlen, töten oder vielleicht sogar essen muss.
Aber daraus folgt doch nicht, dass Diebstahl, Mord und Kannibalismus immer und für jeden legitim sein müssten, und Menschenrechte und Demokratie ein inkonsequenter Trend von naiven Wohlstands-Gutmenschen sind.
Unter extremen Bedingungen würden sicherlich die meisten Veganer auch Tierprodukte essen um nicht zu verhungern. Aber das ist keine Argument, das einem irgendwie weiterhilft. Es ist etwas völlig anderes, ob man Leid zufügt und tötet, weil man zum Überleben keine andere Wahl hat oder ob man Leid zufügt und tötet, weil man das -bzw. das Ergebnis dieser Handlungen- gerade so will.

Wenn man zum Kritisieren des Veganismus auf solche weit hergeholten und nicht wirklich relevanten Phantasie-Szenarien zurückgreifen muss, ist das ein starkes Indiz dafür, dass man für’s Hier und Jetzt keine guten Argumente dagegen hat und seinen Standpunkt mal überdenken sollte.

Statt sich Gedanken darüber zu machen, welche vermeintlichen „Trends“ unter Extremsituationen wegfallen können, sollte man sich Gedanken machen, wieso man im Hier und Jetzt nicht den „jetzigen“ Umständen entsprechend handelt. So wie man es ja in allen anderen Belangen vermutlich auch tut.

Im Gegensatz zu Fragen über imaginäre Inseln voller ungenießbarer Pflanzen und leckerer Tiere, ist nämlich eine andere Frage tatsächlich wichtig:
Wenn man auf einem Planeten lebt, auf dem ein ernsthaftes, bedrohliches Klimawandelproblem existiert, welches man mit einer unproblematisch Veränderung der Essgewohnheiten hin zu einer pflanzlichen Ernährung stark entschärfen könnte, und durch welche man zudem soziale Ungerechtigkeit, Umweltzerstörung, die Entstehung antibiotikaresistenter Keime und Tierleid deutlich reduzieren könnte, würde man dann trotzdem weiter Tierprodukte konsumieren, weil’s halt schmeckt?
Diese Frage ist im Gegensatz zum Inselszenario aber nicht extrem unwahrscheinlich, unrealistisch und hypothetisch, sondern eine, deren Antwort tatsächlich Einfluss auf große, reale Probleme hat.

Hey Veganer, Fleisch essen ist legal!

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Auf Kritik am Fleischessen wird immer mal wieder geantwortet, dass es legal ist.

Das stimmt zunächst mal nur für gewisse Arten von Fleisch. Das Essen von Menschenfleisch ist natürlich verboten. Und nach deutschem Gesetz ist es beispielsweise auch verboten, Hundefleisch zu produzieren und zu verkaufen.“

Es ist also so, dass das Essen MANCHER Arten Fleisch legal ist.

Da sollte man sich als erstes fragen, warum das so ist. Schweine sind nach unserem Kenntnisstand intelligenter als Hunde und mindestens ebenso sozial und leidensfähig. Der einzige begründete Unterschied zwischen der Behandlung der beiden Tierarten ist, dass es sich kulturell so ergeben hat. Heute sind Hunde zum Streicheln da, bekommen Namen und Persönlichkeit zugesprochen, und werden oft als „bester Freund des Menschen“ gesehen – die anderen werden von der Bevölkerungsmehrheit und dem Gesetz im Wesentlichen als charakterlose Nahrungsquellen betrachtet.

Statt auf rationale Gründe, stützt sich diese Einteilung also auf ein oft unhinterfragtes „Gewohnheitsrecht“. Man beruft sich mit dem Argument der Legalität des Fleischessens also auf eine willkürliche Festlegung.

Da gibt es nun im Grunde zwei Möglichkeiten:

Entweder man findet es in Ordnung, dass Individuen vor dem Gesetz nach willkürlichen Kriterien in „schützenswert“ und „schlachtbar“ unterteilt werden, obwohl man selbst sicherlich auch nicht unter gesetzlicher Willkür leiden will.

Oder aber man ist konsequenterweise der Meinung, dass es entgegen der aktuellen Gesetzeslage genauso legal sein müsste, Hunde und Katzen in Tierfabriken zu züchten, um sie zu schlachten und zu essen.

Damit würde man sich dann mit eine Gesetzeslage rechtfertigen wollen, die einem selbst änderungsbedürftig scheint – was dann ebenfalls wieder willkürlich wäre.

Das zeigt zudem auch noch mal, dass Gesetze nicht perfekt und letztgültig – sondern änderungsfähig und oft änderungsbedürftig sind.

Aus der Tatsache, dass das Essen vieler Tierarten legal ist folgt erst mal nur, dass man dafür nicht bestraft wird. Wenn man es aber als eine moralische Rechtfertigung betrachtet, vermischt man dabei zwei Dinge, die zwar zusammenhängen aber bei weitem nicht das gleiche bedeuten: nämlich die Begriffe „legal“ und „legitim“. Also auf der einen Seite: „gesetzlich zulässig“ und auf der anderen Seite „ethisch richtig“.

Es ist natürlich bequem, Gesetze einfach als „richtig“ zu akzeptieren, wenn das für einen selbst vorteilhaft ist und man durch sie in seinen Gewohnheiten bestätigt wird oder wenigstens unbehelligt bleibt. Dann wird man meist wenig Veranlassung haben, diese Gesetze in Frage zu stellen. Aber das sind keine unveränderlichen Naturgesetze, sondern Regeln, die von Menschen festgelegt wurden. Vielleicht waren das Einzelne mit Macht oder auch eine mehr oder weniger demokratische Mehrheit. Aber auch in dem Falle eine Mehrheit von MENSCHEN, die dann für SICH festgelegt hat, wie sie ANDERE empfindungsfähige Individuen behandeln darf. Das Gesetz wurde damit quasi von einer darüber stehenden Elite festgelegt – von uns.

Oft sind es ja die Mächtigen, die die Gesetze so erlassen, dass sie ihnen nützen. Und wenn es um Tiere geht, sind WIR das und legen gesetzlich fest, dass wir das Recht hätten, Tiere auszubeuten. Und diese Gesetze orientieren sich dementsprechend nicht an den Bedürfnissen und Interessen der Individuen über die sie bestimmen, also an denen der Tiere. Sondern an dem was WIR wollen. Mit Bedürfnisgerechtigkeit oder Fairness hat das natürlich wenig zu tun.

Menschen erklären also das was sie möchten für legal, wenn sie die Macht dazu haben und dann rechtfertigen sie sich damit, dass es legal ist. Man gibt sich selbst die Erlaubnis und rechtfertigt sich dann damit, dass man die Erlaubnis hat.

Gesetze als Rechtfertigung zu verwenden, statt selbst kritisch und redlich zu hinterfragen, warum etwas ethisch gut oder richtig ist, hat schon oft zu katastrophalen Ergebnissen geführt. Gesetze sind natürlich notwendig, da Menschen von alleine leider selten tun, was vernünftig und gerecht ist. Aber Gesetze sind keine universellen ethischen Standards. Man gibt mit dem Verweis auf die Legalität einer Handlung quasi auch die Entscheidung darüber, was richtig oder falsch ist, an andere Instanzen ab.

Damit weist man zum einen die ethische Verantwortung für das eigene Handeln von sich und zeigt auf den Gesetzgeber, der das ja so zulässt; zum anderen legitimiert man damit pauschal jene, die einem etwas vorschreiben wollen und können. -In dem Fall eine Instanz, die das Kiffen verbietet, aber das Besaufen erlaubt; und die sogar die wirtschaftliche Ausbeutung anderer Länder als legal erachtet. Das ist also eine Instanz die man erst mal drastisch zum Positiven verändern sollte, bevor man sich mit der bloßen, von dieser Instanz festgelegten Legalität einer Handlung zu rechtfertigen beginnt, als ob damit das letzte Wort gesprochen wäre.

Natürlich ist es gut, dass wir Gesetze haben, die uns schützen. Viele dieser Gesetze oder Grundrechte sind wirklich gut und wichtig. Aber mit Gesetzen kann man auch unterdrücken. Wenn man nicht selbst willkürlich von Gesetzen unterdrückt und bevormundet werden will, muss man noch eine andere Grundlage als Rechtfertigung für eigene Handlungen haben, als nur, dass sie nicht verboten sind. Es gab und gibt unzählige schlechte, falsche und ungerechte Gesetze, Regeln und Vorschriften auf der Welt. Wenn man sich zur Verteidigung pauschal auf die Legitimierung durch den Gesetzgeber beruft, gibt man im Grunde auch das Recht auf, sich über gesetzliche Willkür zu beschweren.

Gesetze sollten in erster Linie für Bedürfnisgerechtigkeit sorgen und wehrlose Individuen und Minderheiten schützen. Selbst eine Demokratie hat leider das Potential, dass eine Mehrheit sich über Minderheiten erhebt und diese unterdrückt. Deshalb müssen auch Mechanismen installiert werden, die so etwas verhindern. Und die Interessen nicht-menschlicher Tiere werden aktuell kaum berücksichtigt.

Man kann also nicht davon ausgehen, dass alles was legal ist auch legitim ist. Und dass alles was unethisch ist vom Gesetz bereits als illegal gekennzeichnet wäre. Gesetze sind nicht der Maßstab dafür, was ethisch vertretbar ist. Vielmehr sollte eine rationale Ethik der Maßstab dafür sein, was gesetzlich zugelassen bzw. verboten wird.

Den Staat sollte man niemals pauschal als einen Maßstab für Ethik verwenden! Viele der größten Verbrechen der Menschheit wurden im Namen oder mit der Rechtfertigung jeweils geltender Gesetze begangen. Rassentrennung war legal, Sklaverei war legal, Kolonialismus war legal. Legalität ist meist ein Konstrukt der Mächtigen, nicht der Gerechtigkeit.

Statt gesetzestreu zu sein, sollten wir lieber Werten treu sein, die gezeigt haben, dass sie das verdienen. Werte von denen wir wollen können, dass andere sie uns gegenüber vertreten.

Hey Veganer, ihr seid Salat-Nazis!

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Godwins Gesetz besagt, dass mit der Länge einer Internet-Debatte die Wahrscheinlichkeit eines Nazi-Vergleiches gegen 100% geht. Das ist eher ironisch gemeint und soll auf die Unangemessenheit von Hitler- oder Nazi-Vergleichen in Diskussionen hinweisen. Man kann vielleicht auch sagen: „Wer zuerst Nazi sagt, hat verloren.“
In der Regel wollen Menschen sich mit solchen Vergleichen gegen Kritik immunisieren, Andersdenkende beleidigen und diffamieren, Frust ablassen oder jede weitere Diskussion erschlagen. Oft sind Nazi-Vergleiche leider nur Ausdruck von fehlenden Argumenten, von Diskussionsunfähigkeit, von mangelndem Kritikvermögen und irrationaler Empörung, oder der Versuch, Kritiker und Gegner mundtot zu machen.

Auch Veganer werden oft als „Salat-Nazis“, als „Gemüse-Nazis“ oder „Veganazis“ bezeichnet, bzw. ganz direkt mit Nazis gleichgesetzt
-das Spektrum reicht dabei von einer fragwürdigen Scherzhaftigkeit bis hin zu ernsthaften Unterstellungen, dass Veganer Fleischesser angeblich am liebsten in Vernichtungslager stecken wollen.

Man fühlt sich von Veganern bevormundet und will den vermeintlichen Meinungsfaschismus richtig deutlich anprangern. Zudem kann man mit diesem Kampfbegriff auch ein Bedrohungsszenario und eine Art Täter-Opfer-Umkehr konstruieren. Die Begründung für solche Bezeichnungen ist meistens, dass Veganer, die eigene Überzeugung als die einzig richtige ansehen und keine anderen Meinungen dulden würden.

Der Begriff Nazi wird zwar heute teilweise weiter gefasst und beschränkt sich nicht mehr nur auf Anhänger des Nationalsozialismus von damals und wird meist auch kurz für Neo-Nazis verwendet aber wenn sich ein Argument, wie in diesem Fall, auf „Du bist wie ein Nazi weil du mir was was vorschreiben willst“ reduzieren lässt, ist es Unsinn, denn das ist eine unzutreffende grobe Vereinfachung und Verzerrung davon, was der Nationalsozialismus tatsächlich alles bedeutet.

Außerdem führt diese Aussage dazu, dass im Grunde jedes Gesetz als Faschismus bezeichnet werden müsste, weil hier Menschen anderen Menschen etwas vorschreiben -und zwar viel restriktiver als Veganer das mit kritischen Worten tun. Nach dieser Definition sind Menschenrechtler Faschisten. Denn sie lassen ja auch nur die Überzeugung gelten, dass man Menschen nicht aufgrund ihrer Hautfarbe diskriminieren darf. Und Gesetze gegen Diskriminierung wären somit ebenfalls faschistisch.
Und spätestens das zeigt dann, wie paradox solche Anschuldigungen sind. Zudem wird wohl hoffentlich so ziemlich jeder Mensch Positionen vertreten, die er für alternativlos hält. Beispielsweise dass etwa Sklaverei oder ethnischen Säuberungen niemals akzeptabel sind. Das würde nach dieser Logik jeden zu einem Faschisten machen.
Aber auf jeden Fall definiert man dadurch alle Menschen mit irgendeiner Haltung, die mit der eigenen kollidiert, als Nazis. Darüber hinaus entwertet und trivialisiert man den Begriff damit. Wenn man Nazis darauf reduziert, dass sie andere Meinungen und Handlungen sehr direkt kritisieren, dann ist das nicht nur geschichtsrevisionistisch, man stellt sich zudem dafür, dass man für die Verursachung von Leid kritisiert wird, implizit selbst auf eine Stufe mit Menschen, die in Vernichtungslagern aufgrund ihrer Ethnie umgebracht wurden.

So eine unreflektierte und polemische Verwendung solcher Vergleiche macht es zudem schwierig, tatsächliche Parallelen zum Nationalsozialismus sachlich und reflektiert dort aufzuzeigen, wo es sinnvoll ist. Solche Stellen gibt es ja durchaus. Und es wäre nicht redlich, jeglichen Vergleich von vorn herein abzulehnen.

Gerade dass man sich glücklicherweise weitgehend darüber einig ist, dass der Nationalsozialismus ein grausames und abscheuliches System war, das auf Diskriminierung und Unterdrückung basierte, macht ihn zu einem anschaulichen Erklärungsmodell, um ähnliche, weniger offensichtliche, aber vielleicht ebenfalls bedenkliche Strukturen, Überzeugungen und Handlungen erkennbar zu machen, die möglicherweise nicht als solche wahrgenommen werden.

Dabei muss man natürlich genau darauf achten, dass die Dinge, die man aufzeigen will, auch tatsächlich vergleichbare Ursachen oder Strukturen haben. Es wäre absurd jemanden mit einem Nazi zu vergleichen, weil er wie die Nazis braune Hosen trägt. Aber es kann beispielsweise durchaus legitim sein, Rassismus und Speziesismus gegenüberzustellen, um aufzuzeigen, wo vergleichbare Strukturen vorhanden sind. Man kann damit zeigen, dass die Unterdrückung von Individuen anderer Gruppen, nicht nur auf Menschen beschränkt ist, und auch dort Unrecht ist, und dass diese Unterdrückungsstrukturen leider in einem ähnlichen Herrschafts- und Überlegenheitsdenken begründet liegen.

Wie sinnvoll das ist, steht noch mal auf einem anderen Blatt. Menschen reagieren in der Regel nicht besonders rational auf solche Gegenüberstellungen, auch wenn es überhaupt nicht darum geht, jemand abzuwerten.
Aber sie begeben sich dadurch oft wieder mehr oder weniger reflexhaft in eine Opferrolle, was ja so ziemlich das Gegenteil davon ist, was man damit erreichen sollte. Das bedeutet aber nicht, dass solche Gegenüberstellungen nicht legitim sind.

Während das milliardenfache Töten in den Tierfabriken tatsächliche Gewalt an empfindungsfähigen Lebewesen darstellt, benutzen Veganer in erster Linie nur Worte, um das zu kritisieren. Die Nazis sind nicht dafür bekannt, ihre Opfer totgequatscht zu haben. Sie haben Gewalt und Oppression verwendet. Sie waren für Deportationen, Hinrichtungen, Menschenversuche und andere Grausamkeiten verantwortlich, nicht für den Versuch, Menschen davon zu überzeugen, wehrlose Individuen zu verschonen und Individuen die nicht zur eigenen Gruppe gehörten, ebenfalls grundsätzliche Rechte zuzugestehen.
Was Veganer sagen, ist folgendes: „Hör auf, leidensfähige Lebewesen aus trivialen, unnötigen und egoistischen Gründen töten zu lassen. Hör auf andere Lebewesen als minderwertig zu deklarieren und sie auszubeuten.“ Das ist das genaue Gegenteil von Faschismus. Während Nazis meist Rassisten sind, sind Veganer im Allgemeinen das genaue Gegenteil. Sie sind nicht nur Anti-Rassisten. Sie sind Anti-Speziezisten: Veganismus fordert, allen leidensfähigen Lebewesen, unabhängig ihrer Art, die Berücksichtigung ihrer Bedürfnisse teilwerden zu lassen. Das könnte von faschistoidem Gedankengut kaum weiter entfernt sein. Es ist schon sehr absurd, wenn man Menschen, die sich nicht nur für sich und die eigene Art, sondern für alle empfindungsfähigen Lebewesen einsetzen, mit solchen gleichsetzt, die auf der Grundlage einer selbstherrlichen Ideologie der eigenen Überlegenheit Millionen Menschen brutal ermordet und die einen Vernichtungskrieg angezettelt haben, weil sie sich für die einzig wertvolle Art hielten.

Natürlich kann leider auch ein Antispeziezist trotzdem ein Rassist sein. Es ist aber auf dieser Grundlage deutlich schwerer und erfordert noch mehr Ignoranz als Rassismus allein. Und leider gibt es tatsächlich auch Veganer mit nationalistischer Gesinnung bzw. Neo-Nazis, die den Veganismus für ihre Überzeugung zu instrumentalisieren versuchen, wie das von Nazis traditionell mit so ziemlich allem versucht wird. Und natürlich muss das kritisiert werden. Das sagt aber nichts über den Veganismus aus sondern etwas über diese Personen.

Und die meisten Rechten bezeichnen Menschen wie Veganer zudem ziemlich klar als linksgrünversiffte verschwulte Gutmenschen-Antifanten. Der Großteil aller Nazis sind und waren Fleischesser. Es wäre aber ziemlich grotesk, deshalb pauschal alle Nichtveganer als Nazis zu bezeichnen. Ähnlich absurd ist das bei Veganern.

Diskussionen um Werte und Moral gehören jedenfalls zu einer lebendigen Demokratie dazu. Genauso wie Kritik am eigenen Verhalten. Kritik ist keine Unterdrückung. Diesen Dingen muss man sich stellen. Das muss man aushalten. Und daran muss man sich beteiligen. Klagen, dass man „gezwungen“ wäre, seine Meinungen & Handlungen zu überdenken, und das als Faschismus zu bezeichnen, zeugt von einem mangelhaften demokratischen Grundverständnis. Und auch, wenn das vermeintliche Privileg, andere empfindungsfähige Individuen auszubeuten und töten zu dürfen, in Frage gestellt wird, ist das kein Faschismus, sondern so ziemlich das Gegenteil davon. Demokratie bedeutet nicht, alles tun und bekommen zu können, was man will und immer im Recht zu sein. Und sie bedeutet auch nicht, vor jeglicher Form von Kritik gefeit zu sein. Demokratie bedeutet, das Kritik ausdrücklich erlaubt ist. Insbesondere wenn man Dinge für Unrecht hält.

Hey Veganer, leben und leben lassen!

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Es gibt einige Floskeln und Phrasen, die sofort erkennen lassen, dass sich jemand nicht ernsthaft mit einer Thematik auseinandergesetzt hat und eigentlich geradezu reflexhaft agiert.
Ein Paradebeispiel dafür ist es, von Veganern, die das Töten von Tieren kritisieren, „Leben und Leben lassen“ zu fordern. Leider ist dieser Spruch in diesem Kontext genau so ironisch wie verbreitet denn genau darum geht es Veganern ja: Sie fordern, dass man lebt, ohne Tiere zu töten, dass man also Tiere LEBEN LÄSST.

Natürlich klingt dieser Satz erst mal richtig gut und wünschenswert. Das klingt, als wolle man selbst von anderen unbeschadet leben und sich anderen gegenüber ebenso verhalten. Aber in diesem Kontext wird dieser Satz benutzt um sich gegen Kritik am eigenen Verhalten zu immunisisieren. -also konkret am Töten von Tieren. Als Gegenleistung bietet man quasi indirekt an, dass „Leben lassen“ von Tieren nicht zu kritisieren, was ja nicht wirklich eine Toleranzleistung oder etwas lobenswertes ist und ein ausgesprochen unfaires Geschäft wäre -vor allem natürlich den Tieren gegenüber.

Mit diesem Spruch wird mehr oder weniger unbewusst versucht, sich als tolerant zu positionieren bzw. von Veganern Toleranz zu fordern. Und das ist ja grundsätzlich ein guter Anspruch. Allerdings ist man tatsächlich eben nur tolerant gegenüber Veganern und nicht gegenüber den getöteten Tieren um die es dabei ja geht. Und was man mit dieser Floskel eigentlich für sich fordert, ist daher ironischerweise „leben und TÖTEN lassen“.

Ja, Leben und Leben lassen ist ein wunderbares Motto. Aber wenn man das von anderen fordert, sollte man sich darüber im Klaren sein, dass er auch für einen selbst gelten muss und auch nicht nur an einer Stelle. Anderfalls macht man es zu einem Rechtfertigungsversuch und zu einer wertlosen Platitüde.

Hey Veganer, ihr seid militant!

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Veganer werden häufig als militant bezeichnet. Fanatiker die etwas übertreiben, gibt es natürlich überall aber in der Regel fällt dieser Vorwurf schon, wenn man als Veganer nicht einfach schweigt, sondern den Konsum von Tierprodukten direkt kritisiert. Teilweise sogar noch eher.

Wenn man das überzeugte Eintreten für den Veganismus militant nennen will, dann muss man aber sehr viele andere Dinge ebenfalls so nennen. Dinge die man selbst tut oder tun würde wenn man nicht völlig gleichgültig ist. Wir alle erachten gewisse Handlungen anderer Menschen als völlig inakzeptabel auch wenn sie uns nicht selbst betreffen. Vielleicht Faschismus, vielleicht Sklaverei, vielleicht Terrorismus oder vielleicht auch Tierquälerei. Und wir alle würden diese hoffentlich auch ganz direkt kritisieren und nicht schweigen weil es uns vielleicht nicht selbst betrifft.
Wenn jemand auf der Straße ein Kind schlägt oder einen anderen überfallen will oder jemanden sexuell bedrängt und eine dritte Person schreitet ein, vielleicht sogar händisch und nicht nur verbal, dann nennen wir das Zivilcourage. Wenn jemand einen Hund tritt, wird fast jeder zum militanten Tierschützer und geht dazwischen und da gilt das als bewundernswert. Oder wir reagieren empört über die, die bei solchen Dingen weg sehen. Und das natürlich zu Recht.

Aber bei Menschen die das konsequent tun und nicht nur bei willkürlich von der Gesellschaft als schützenswerter festgelegten Tieren, nennt man das dann „Militanz intoleranter Gutmenschen, die sich für was besseres halten und anderen ihre Meinung aufzwingen wollen“. Genau so könnte man auch die ersteren Szenarios kommentieren. Aber da würde dann auffallen wie zynisch diese Bewertung eigentlich ist.

Laut einer etwas sperrigen Definition steht Militanz für Theorien und Programme, die sich des innewohnenden Gewaltpotenzials bedienen oder dieses schüren. Wenn man Veganer als militant bezeichnet, ist das besonders deshalb paradox, weil diese ja explizit Passivität fordern, also das Unterlassen von Gewaltausübung an Tieren.
Umgangssprachlich beschreibt militant auch eine stark verfestigte Meinung. Nach dieser Definition müsste man auch die meisten Fleischesser militant nennen, da sie ja der festen Überzeugung sind, dass Fleischessen gerechtfertigt ist und für diese Überzeugung auch eintreten. Und in erster Linie bedeutet militant etwa „mit bewusst kämpferischem Anstrich für eine Überzeugung eintretend“. Und diese Überzeugung, wird ja Veganern gegenüber oft auch sehr unnachgiebig und oftmals aggressiv vertreten.
Aber als Fleischesser muss man nach dieser Definition ja meist nicht „militant“ sein, weil man in einer sehr bequemen Position ist. Die Gewalt die man verursacht, hat man nämlich weit weg ausgelagert und lässt diese in den Tierfabriken und Schlachthöfen meist von anderen erledigen. Und sie ist ja immer schon passiert, wenn das Fleisch auf dem Teller liegt. Damit kann man es anderen und sich selbst gegenüber so darstellen, dass Veganer vermeintlich nicht gegen Gewalt sind, sondern gegen die persönliche Freiheit und die Essgewohnheiten anderer.
Das „schlimmste“ was Veganer aber im Allgemeinen tun, ist mit Kritik zu nerven, unbequeme aufdeckende Begriffe statt etablierter Beschönigungen zu verwenden oder auch mal einen ruppigen Ton in Diskussionen anzuschlagen, wo sie auch nicht weiter von ihrem Standpunkt abweichen als das Nichtveganer tun.

Aber ursprünglich ist der Ausdruck „militant“ natürlich mit dem Wort Militär verwandt und bedeutet soviel wie „als Soldat kämpfen“ Wenn man direkte kritische Veganern so nennen will, dann ist das eben doch ziemlich ironisch. Denn während die „Waffen“ von Veganern meist Worte sind, kann man das Töten und Zerkleinern von Tieren mit Messern, Äxten, Sägen und Maschinen durchaus als physische Waffengewalt bezeichnen.
Wenn man das also als Kampf sehen will, dann sind sind es nicht die Veganer die ihn begonnen haben sondern jene die Tiere töten obwohl sie es nicht müssen. Diese Gewalt wird aber nicht als militant bezeichnet. Man sollte sich daher schon fragen, was in unserer Gesellschaft falsch läuft, und wie wir auf Gewalt konditioniert sind, wenn wir diese nicht als solche wahrnehmen und das Fordern von Gewaltfreiheit als militant bezeichnen.

Hey Veganer, Kühe müssen gemolken werden!

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Dass Veganer keine Milchprodukte konsumieren, wird oft damit kommentiert, dass Kühe doch gemolken werden MÜSSEN und WOLLEN, weil sie sonst Schmerzen haben oder ihre Euter platzen?!…

Dass Milchkühe leiden, ist völlig richtig. Das liegt allerdings unter anderem daran, dass Moderne Milchkühe zu Hochleistungsmilchmaschinen gezüchtet wurden. Um 1850 betrug die jährliche Milchleistung einer Kuh etwa 1.000 Kilogramm. Mittlerweile sind es etwa 8300kg bzw. etwa 23 Kilo täglich. Manche Hochleistungskühe bringen in Spitzenzeiten bis zu 50 kg täglich. Man schätzt, dass die Vorfahren unserer heutigen Rinder etwa 5kg Milch täglich produzierten. Das ist also mittlerweile teilweise die 10fache Menge.
Für diese hohe Milchleistung werden auch Proteinpellets aus gepresstem Getreide gefüttert. Diese für Kühe unnatürliche Nahrung führt oft zu Stoffwechselproblemen. Auch durch die Gabe von Hormonen konnte die Milchausbeute weiter gesteigert werden.
Die Wirbelsäule der Tiere ist aber für so eine Belastung nicht ausgelegt, was sich nicht selten in Rückenschäden äußert.
Die verschiedenen natürlichen Formen und Größen von Euter und Zitzen bringen melktechnische Probleme mit sich. Deshalb wird bei Milchkühen züchterisch das sogenannte »Melkmaschinen-Euter« angestrebt. Dieses wird durch den maschinellen Milchentzug vielfältigen Schädigungen ausgesetzt, und ist dementsprechend auch bei sehr vielen Kühen schmerzhaft entzündet.
Das nennt man Mastitis. Dass das alles extrem belastend für die Tiere ist, sollte klar sein. Nebenbei sorgt das aber auch dafür dass Milch fast immer mit Blut und Eiter versetzt ist. In Milch der Klasse 1 dürfen laut Milchgüteverordnung 100.000 Keime pro ccm Kuhmilch enthalten sein. Wenn bei der Kontrolle mehr Keime gefunden werden, bekommt die Milch die Klasse 2. Bei Eiter und anderen somatischen Zellen liegt der Grenzwert bei 400.000 pro ccm, also bei 40 Millionen Eiterzellen pro Liter. Das ist auch einer der Gründe warum in der Tierhaltung so viele Antibiotika gegeben werden müssen.

Genau wie bei Menschen und allen anderen Säugetieren produzieren Kühe Milch aber nicht einfach nur so. Milch ist Säuglingsnahrung. Damit eine Kuh Milch gibt, muss sie ein Kind bekommen und wird deshalb zwangsgeschwängert. Dazu wird oft ein Gestell verwendet, dass vom Entwickler „Rape Rack“ genannt wurde. Die dadurch entstehenden Kälber werden im Allgemeinen direkt nach der Geburt weggenommen damit sie uns Menschen die für sie bestimmte Milch nicht wegtrinken. Teilweist dürfen die Kälber die Milch auch gar nicht trinken, da ihre Verdauungsorgane nicht auf den hohen angezüchteten Milchfettgehalt eingerichtet sind und das Infektionsrisiko zu hoch wäre. Zudem könnte die Milchleistung der Mutterkühe nachlassen und eine erfolgreiche Anschlussbesamung verzögert werden.
Statt mit Muttermilch werden die Kälber größtenteils mit Ersatzflüssigkeit ernährt. Kühe haben eine enge Bindung an ihre Jungen und rufen teilweise noch tagelang nach den weggenommen Kälbern. Diese werden dann oft in entsprechenden Boxen gehalten oder mit sogenannten Trinkstopern versehen. Wenn die Kälber damit versuchen zu säugen, tut das der Mutter weh, wodurch sie ausweicht oder das Kalb wegtritt. Diese Saugstopper werden teilweise auch bei ausgewachsenen Kühen verwendet damit diese sich nicht gegenseitig die Milch wegtrinken. Die Kuh produziert in der Laktationsperiode dann Milch für etwa 10 Monate. Früher dauerte die auch nur etwa 6 Monate.
Ein paar Wochen nach der Geburt werden die Kühe erneut geschwängert, damit sie, wenn ihre Milchleistung abnehmen würde, erneut gebären und in eine neue Laktationsphase eintreten. Und die Prozedur beginnt von vorn.
Das führt natürlich auch dazu, dass viel mehr Kälber entstehen, als gebraucht werden. Die meisten Milchkühe sind Einnutzungsrassen die auf die Milchproduktion gezüchtet wurden. Sie sind deshalb für die Fleischproduktion nicht gut geeignet und dafür unwirtschaftlich. Dafür hat man andere Zuchtlinien. Die Kälber werden deshalb auch meist beizeiten getötet und zu Kalbsfleisch verarbeitet. Damit sie möglichst schnell schlachtreif sind, werden sie mit entsprechendem Mastbrei gefüttert und meist nach drei bis fünf Monaten geschlachtet. Oft aber auch schon wenige Tage nach der Geburt. Vor allem die männlichen, die zur Milchproduktion natürlich nicht geeignet sind. Die Bundestierärztekammer schätzt zudem, dass etwa 10% aller geschlachteten weiblichen Rinder trächtig sind. Das heißt, es ersticken in Deutschland jährlich 180.000 ungeborene Kälber. Und das überwiegend gegen Mitte oder Ende der Trächtigkeit.

Diese Dauerschwangerschaft beginnt für die Kühe ab dem zweiten Lebensjahr. Wenn sie die Prozedur der kontinuierlichen Zwangsschwängerungen und der Kälberwegnahme etwa 5 Jahre durchgemacht haben, lässt die Milchleistung nach und die Tiere werden entsorgt, da sie natürlich nur nützlich sind, solange sie Profit abwerfen.

Der Landwirt bezeichnet das als „Abgang“. Die Lebenserwartung einer Kuh würde ansonsten 20 Jahre oder mehr betragen. Die Milchproduktion verschleißt die Tiere also extrem schnell.

Die Milchkuh auf der Weide, wie sie die Werbung gern darstellt, ist die absolute Ausnahme unter den 4,2 Millionen Milchkühen in Deutschland. Die meisten verbringen den Großteil ihres Lebens in riesigen Ställen oder auf von Fäkalien verseuchten Plätzen, die kaum mehr Raum bieten, als der eigene Körper zum Stehen oder Liegen braucht. Die überwiegende Mehrzahl der Milchkühe in Deutschland lebt ganzjährig in Boxenlaufställen beziehungsweise auf gülleverschmutzen Spaltenböden, ohne natürliche Familienstrukturen, körperlich überlastet, oft krank und Schmerzen leidend, eingesperrt in industriellen Tierfabriken, die sie nicht lebendig verlassen werden.

Wenn man argumentiert, dass Kühe gemolken werde müssen, weil sie sonst Schmerzen haben, dann ist das ziemlich zynisch, denn abgesehen von dem ganzen anderen Leid, dass den Tieren durch ihr Leben als Produktionsmaschinen aufgezwungen wird, werden ihnen diese Schmerzen von Menschen ja überhaupt erst zugefügt weil man sie melken will.

Es ist also nicht so, dass wir damit etwas Gutes für die Kühe tun, und damit implizit Veganern unterstellen, dass sie am Leid der Tiere Schuld sind, wenn sie gegen das Melken sind. Wir profitieren von dieser Ausbeutung. Die Tiere sind für Tierwirte und letztlich für uns Konsumenten aber nichts weiter als Produktionsmaschinen und Ware.
Die vermeintlich humane Tierhaltung ist im Grunde eine Illusion und ein Mythos, der von der Werbeindustrie konstruiert und von den Konsumenten als Rechtfertigung bereitwillig hingenommen wird. Man hat es geschafft, Milch mit positiven Assoziationen wie Familie, Kindheit und Genuss aufzuladen. Für die Tiere ist es von all dem das komplette Gegenteil.