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Hey Veganer, Moral ist subjektiv!

Transkript

Gegen Kritik an Tierausbeutung argumentieren manche Menschen, dass Moral subjektiv ist und dass es quasi kein objektives moralisch richtig oder falsch gibt.

Leider funktioniert diese Aussage meist als Totschlagargument, mit dem Kritik oder die Auseinandersetzung mit dem Thema, gleich im Keim erstickt werden. Inhaltlich ist das aber durchaus erst mal richtig. Das sieht man daran, dass bis vor nicht allzu langer Zeit beispielsweise Sklaverei noch nicht als unmoralisch galt. Es war nach damaligen Moralvorstellungen völlig in Ordnung, dass Frauen weniger Rechte hatten als Männer und auch heute noch gilt Genitalverstümmelung an Kindern in vielen Teilen der Welt nicht als unethisch. Ethik ist also wirklich nicht in Stein gemeißelt sondern kann sich weiterentwickeln. Und das ist gut so.  Da Moral nicht vom Himmel fällt, braucht man eine Grundlage um entscheiden zu können, was richtig oder falsch ist.

Wenn man die vermeintliche Grundlage dann hinterfragt und nicht bei „Ist-halt so!“ aufhört, sondern sich bemüht, auch die Grundlage der Grundlage der Grundlage zu ergründen, dann wird man sicherlich irgendwann bei einer Art Axiom ankommen, welches nicht letztgültig begründbar ist. Aber da sollte man natürlich trotzdem den Anspruch haben, dass das eine gerechte, sinnvolle, widerspruchsfreie und möglichst wenig willkürliche Grundlage darstellt.

Und vor allem Bedürfnisse, Interessen und Leid sind die Basis jeder halbwegs modernen Ethik.

So ist das auch beim ethischen Veganismus. Das ist eine Lebensweise die dabei auf einer sogenannten pathozentrischen Ethik basiert, also einer Ethik, die ausdrücklich das Leid zu einem zentralen Kriterium macht, weshalb der Veganismus da wesentlich konsequenter und weniger willkürlich ist, als andere Lebensweisen. Und für eine gerechte Ethik scheint es kaum einen sinnvolleren gemeinsamen Nenner zu geben, als das Interesse zu leben und nicht zu leiden. Bei Menschen erkennt man das mehr oder weniger bewusst auch als selbstverständliche Grundlage dafür an, wie man sie behandeln sollte.

Man hat also im Grunde schon ein ethisches System akzeptiert, in dem Leid, Bedürfnisse und Interessen eben nicht egal sind, sondern ganz entscheidende Rollen spielen und handelt auch danach oder gibt es zumindest vor. Wir können eigentlich auch gar nicht anders. Und da funktioniert es einfach nicht mehr, dass man die Beachtung und die Missachtung dieser Dinge als quasi gleichwertig verargumentiert und auf einen Moralrelativismus verweist, um zu argumentieren, dass Fleischessen nicht kritisiert werden kann.

Beispielsweise kann ich theoretisch nicht sagen, was das Ergebnis von 1+1 ist. Das könnte 2 sein oder 10. Das hängt von der Definition des Zahlenraums ab. Wenn ich mich aber in einer Situation befinde, wo ganz klar das Dezimalsystem die Grundlage ist und sich jeder darauf bezieht, wenn er rechnet -und nicht etwa das Binärsystem, dann ist „1+1=10“ nun mal falsch.

Und wenn Leid nicht egal ist, sind Leidvermeidung und Leidverursachung nicht relativ.

Innerhalb eines Systems kann man also mit harten Fakten und Logik, die nicht subjektiv sind, sehr wohl Widersprüche und Fehlschlüsse aufzeigen. Und auch wenn man der Meinung ist, dass Moral subjektiv ist, sollte die eigene Ideologie trotzdem logisch sinnvoll und widerspruchsfrei begründet werden können. Und je drastischer die Auswirkung einer Handlung umso überzeugender muss die Begründung sein. „Ich sehe das halt so.“ ist dabei so ziemlich die schwächste Begründung überhaupt. Bei Geschmacksfragen ist sowas auch völlig legitim. Tierausbeutung ist dabei aber etwas völlig anderes als beispielsweise Musikgeschmack. Dabei geht es buchstäblich um Leben und Tod.

Fakten und ethische Werte scheinen erst mal in unterschiedliche Kategorien zu gehören. Und natürlich ist es ein Fehler, aus dem Sein der Welt direkt ableiten zu wollen, dass sie auch genauso sein SOLLTE. Das Argument, dass Ethik ein schwammiges und höchst subjektives Feld ist, wird aber vor allem dann vertreten, wenn die eigene ethische Überzeugung in Frage gestellt wird. Tatsächlich kann man aber auch dort wissenschaftlich-rational zu hinreichend generalisierbaren moralischen Schlüssen kommen. Werte sind auch eine gewisse Art von Fakten, zum Beispiel über das Wohlbefinden bewusster Lebewesen. Warum haben wir im Normalfall Mitgefühl mit Menschen und oft auch anderen Tieren, aber nicht mit Steinen? Warum gibt es keine Steinschutzvereine und Steinschutzgesetze? Weil wir jeden, der auf so eine Idee kommt aus gutem Grund für irre halten würden. Steine können nicht leiden und sie haben keine Interessen. Und das ist einfach eine Faktenbehauptung -die theoretisch auch falsch sein könnte. Aber es ist keine rein subjektive Wertvorstellung.
Mit diesem Subjektivitäts-Argument vermittelt man mehr oder weniger explizit meist auch, dass man andere Menschen nicht verurteilt, so wie es Veganer vermeintlich tun. Das moralische Verurteilen wird dabei also als falsch angesehen. Allein das ist ja schon ein Widerspruch. Wenn es kein richtig oder falsch gibt, dann kann es auch nicht falsch sein, Menschen für Tierausbeutung zu kritisieren. Und wenn man dieser Kritik entgegenhält, dass es kein richtig oder falsch gibt, widerspricht man sich mit seinem eigenen Argument. Und mal angenommen, dass Veganer anderen tatsächlich ihre Meinung aufzwingen wollten, wie das oft behauptet wird, wenn man sich von Veganern kritisiert fühlt: Wie will man das als unmoralisch und falsch bezeichnen, wenn man vorher festgelegt hat, dass Moral subjektiv ist und es kein moralisch falsches Verhalten gibt. Man würde damit im Grunde auch jegliches Recht aufgeben, irgendetwas zu kritisieren oder als Unrecht zu bezeichnen, auch gegenüber sich selbst. Schließlich muss man anderen dann auch zugestehen, dass deren Handlungen niemals unethisch oder kritisierbar sein können. Wenn Moral subjektiv ist, dann doch nicht nur bei allen anderen.

Dieser Werterelativismus ist eine vorgeschobene Mogelpackung aus einer privilegierten  Situation heraus. Niemand vertritt so etwas wirklich konsequent. Jeder Mensch verurteilt irgendwelche Dinge und lehnt diese als unethisch ab. Und viele davon kompromisslos, unverhandelbar und nachdrücklich. Das sieht man dann meist auch sehr positiv und hält das für engagiert, mitfühlend und für einen lobenswerten Einsatz gegen Ungerechtigkeit, wenn es den eigenen Überzeugungen entspricht. Bei Veganern bemüht man allerdings einen Schein-Relativismus, mit dem man sich selbst den Anschein von Toleranz und Liberalismus verleiht, starke vegane Standpunkte hingegen als quasi-religiös, dogmatisch, fanatisch und intolerant darstellt.

Wir sind aber doch eigentlich überzeugt, dass es moralisch richtiges und falsches Verhalten gibt, auch wenn man mit so einer Aussage etwas anderes behauptet. Ob man immer das richtige erkennt, ist dabei natürlich noch die Frage. Aber dass es Handlungen gibt, die unethischer sind als andere würde niemand ernsthaft in Frage stellen. Wir versuchen ja quasi täglich mehr oder weniger bewusst genau diese Entscheidungen zu treffen. -ob nun bei uns selbst oder hinsichtlich der Handlungen anderer. Niemand würde doch ernsthaft akzeptieren, wenn jemand öffentlich erklärt, dass es nicht falsch ist, Kindern beliebig Leid und Gewalt anzutun oder sie verhungern zu lassen. Niemand würde fordern, dass man solche Überzeugungen oder Handlungen respektieren oder tolerieren müsste. Und jeder der ernsthaft so eine Aussage tätigen würde, würde sich den geballten Zorn der Gesellschaft zuziehen. Und das aus gutem Grund. Wer sind wir denn, dass wir an dieser Stelle neutral sein könnten, und so tun, als ob Leid überhaupt keine Rolle spielt. Niemand würde doch in so einer Situation behaupten, dass man nicht darüber urteilen dürfe wenn irgendwer Leid verursacht und dass das alles relativ ist. Und bei so ziemlich jedem anderen Diskussionsthema würde man sich auch in Grund und Boden schämen, solche Subjektivismus-Relativismus-Aussagen überhaupt nur anzudeuten. Aber wenn man es mit Veganern zu tun hat, sieht das gleich wieder ganz anders aus. Von denen fordert man ein, solchen vermeintlichen Relativismus zu akzeptieren, obwohl man das selbst in anderen Situationen auch nicht tut. Diese Einstellung hält eben nur so lange an, bis ein anderer eine ähnliche vertritt und man dadurch vermeintlich schlechter abschneiden würde. Da ist dann ganz schnell wieder vorbei mit der Relativität. Bis zum nächsten Veganer zumindest. Paradoxerweise wird Veganern gleichzeitig ja auch häufig vorgeworfen, dass sie sich mal lieber um die Kinder in Afrika kümmern sollen als um die Tiere. Und so schlecht dieses Argument auch ist: Auch das ist eine moralische Wichtung und zeigt, dass offenbar eben nicht alles moralisch gleich ist.

Die Frage, warum das eigentlich nicht egal ist, stellt sich allerdings kaum jemand bewusst. Speziell dann nicht, wenn man gerade das Gegenteil behauptet, obwohl man selbst nicht wirklich dran glaubt.

Aber wenn man sich das ernsthaft fragt, kann die Grundlage dafür nur in Interessen, Bedürfnisse und dem Wunsch nicht zu leiden liegen. Es gibt wohl keine menschliche Moralvorstellung die nicht auf irgend eine Weise letztlich auf diese Dinge zurückführbar wäre. Das Interesse nicht willkürlich behandelt zu werden, sondern mindestens gerecht, ist aber sehr universell für alle empfindungsfähigen Lebewesen und nachweislich nicht auf Menschen beschränkt. Wenn man dann aber trotzdem nur Menschen ethisch berücksichtigt, ist eine ziemlich willkürliche Festlegung die man auch Speziesismus nennt. Das ist dem Rassismus und Sexismus ähnlich, wo die Interessen und Bedürfnisse von Individuen missachtet werden, weil sie nicht einer willkürlich als ethisch relevant festgelegten Gruppe angehören sondern das „falsche“ Geschlecht oder die „falsche“ Hautfarbe haben. Beim Speziesismus haben die Individuen dann eben das Pech, leider der vermeintlich falschen Art anzugehören, weshalb ihnen Rechte und ethische Berücksichtigung verwehrt werden.

Dass Menschen nicht die einzigen Tiere sind, die nicht leiden wollen und leidensfähig sind, kann wohl von keinem Menschen mit einem Mindestmaß an Faktenwissen, Redlichkeit und Integrität heute noch ernsthaft bestritten werden. Natürlich kann man sich fragen, was genau Leid ist und wie es zu bewerten ist. Aber es wird leider oft versucht, zu argumentieren, dass Leid ein sehr schwammiger und kaum definierbarer Begriff ist, und dass man deshalb nicht objektiv mit Leidvermeidung argumentieren kann. Ganz leicht ist das natürlich nicht. Aber das ist es beispielsweise auch bei Gesundheit nicht. Auch dieses Konzept ist eher undefiniert und hat sich über die Jahre gewandelt. Es wird beispielsweise diskutiert, ob Altern als Krankheit betrachtet werden sollte. Früher war es völlig normal, dass Menschen 30 Jahre alt wurden. Heute werden wir über 80 und es würde niemand auf die Idee kommen, zu behaupten, dass es gesund ist, mit 30 eines natürlichen Todes zu sterben. Dass der Begriff Gesundheit offen für Überarbeitungen ist, macht ihn nicht gehaltlos oder egal. Sicherlich gibt es Grenzfälle und unterschiedliche Ansichten. Man kann trotzdem ganz klar unterscheiden, zwischen einer gesunden Person und einer toten. Es ist auch nicht trivial, festzulegen, was gesunde Nahrung ist. Aber nur weil es vielleicht mehrere richtige Antworten gibt, folgt daraus nicht, dass es keine falschen gibt, und dass es keinen Unterschied gibt, zwischen Nahrung und Gift. Das ist alles nicht subjektiv. Und genau so ist es bei Leid und bei der darauf basierenden Moral. Es ist also wichtig, dass wir uns eingestehen, was wir doch eigentlich schon wissen:  Es ist einfach nicht jede Meinung gleich richtig und nicht jede Handlung gleich gut. Und es gibt es auch in Fragen der Moral richtige und falsche Antworten. Und das hat immer auch etwas mit Fakten zu tun.
Um eine möglichst gerechte Ethik zu gestalten, gibt es ein wichtiges philosophisches Element in der Gerechtigkeitstheorie: den sogenannten „Schleier des Nichtwissens“. Kurz gesagt, weiß man bei dieser Überlegung nicht, als wer oder was oder wo man in einem zu entwerfenden ethischen System landen wird, welche Fähigkeiten man haben wird, welche geistigen, physischen und sozialen Eigenschaften, welche Neigungen und so weiter. Und dieser Umstand würde einen zwingen, das System möglichst fair zu gestalten, so dass es möglichst egal ist, wo man am Ende landet.

Der Schleier des Nichtwissens wird unter anderem auch auf Rasse und Geschlecht angewendet. Und es gibt auch keinen objektiven Grund, die Spezieszugehörigkeit davon auszuschließen. Schließlich ist der Kreis der Individuen die wir als ethisch relevant betrachten ohnehin stets größer geworden. -weil wir Moral und Ethik weiterentwickeln und dazulernen. Und dass Moral nicht absolut ist, sollte nicht als Rechtfertigung für den Status Quo dienen, oder als Schild um die eigenen Handlungen gegen Kritik zu immunisieren -sondern als Grundlage dafür, herauszufinden, wie man es besser und richtig machen kann.

Hey Veganer, Menschen haben schon immer Fleisch gegessen!

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Wenn man etwas damit rechtfertigt, dass es schon immer so gemacht wurde, dann nennen wir Klugscheißer sowas einen Traditionsfehlschluss. Die ganz schlimmen tun noch so, als ob sie Latein könnten und sagen Argumentum ad Antiquitatem.

Gerade auch wenn es um das Fleischessen geht, wird oft argumentiert, dass Menschen das schon immer getan haben. Was sicherlich erst mal richtig ist. „Das haben wir schon immer so gemacht.“ ist aber nicht das gleiche wie „Es ist gerechtfertigt.“. Und wenn man das gleichsetzt ist das ein logischer Fehlschluss. Wie lange eine Handlung schon praktiziert wird, sagt nichts darüber aus, ob sie ethisch zu rechtfertigen ist oder ob man sie bis in alle Ewigkeit so fortführen muss oder fortführen sollte. Man kann Dinge auch schon immer schlecht gemacht haben. Einmal was blödes zu tun, ist normal. Etwas blödes zwei Mal zu tun, kann man dumm nennen. Etwas blödes über Generationen hinweg zu machen, nennt man Tradition. Aber man sollte nicht an Fehlern festhalten, nur weil man eine Menge Zeit darauf verwendet hat, sie zu machen. Tradition ist kein Gütesiegel. Menschen haben sich auch schon immer gegenseitig umgebracht. Wir hatten schon immer Erstgeborene geopfert und Behinderte zum Sterben im Wald ausgesetzt. Vor 200 Jahren war Sklaverei und die Unterdrückung von Frauen noch normal. Und es hat offensichtlich funktioniert. Das haben wir alles schon immer so gemacht. -bis wir dann endlich mal damit aufgehört haben, oder es zumindest versuchen. Daran würden sich die meisten zivilisierten Menschen glücklicherweise auch nicht mehr orientieren. Warum also an Dingen die vor noch viel längerer Zeit üblich waren?
Bewegungen für soziale Gerechtigkeit stoßen und stießen immer auf vehementen Widerstand. Vor allem natürlich von denen die ihre vermeintlichen Privilegien teilen sollen. Und da wird immer auch argumentiert, dass Dinge eben schon immer so waren und dass Menschen sich eh nicht ändern würden. Bis sie es getan haben. Die Abolitionisten wurden verspottet und bedroht und über die Abschaffung der Sklaverei wurde gesagt, dass das unmöglich und absurd sei. Bis es sich durchgesetzt hat.

Mit dem Argument, dass Menschen schon immer Fleisch gegessen haben, beruft man sich zudem Handlungen aus völlig anderen Umständen. Gerade in einer Welt die sich ständig ändert, ist das trotzige Festhalten an Althergebrachtem evolutionär im Grunde ein Todesurteil und mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit eine schlechte Idee. 4 ist die richtige Antwort auf die Frage nach 2+2. 4 ist aber mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr die richtige Antwort, wenn die Formel eine andere ist. Und die Aussage: „Aber es war doch vorher auch 4!“ ist dabei genau so richtig wie „Der Mensch hat schon immer Fleisch gegessen!“ Aber genauso unerheblich und sinnlos.
Fleischkonsum mag für uns einmal vorteilhaft gewesen sein. Wir sind zum Überleben oder für andere Dinge aber nicht mehr auf Tierprodukte angewiesen. Im Gegenteil. Durch unsere Tierausbeutung tragen wir dazu bei, unsere eigene Lebensgrundlage zerstören. Dass mehr als 7 Milliarden Menschen in einer globalisierten Welt Fleisch essen, war eben auch nicht schon immer so. Die Menschen haben auch nicht schon immer Tierfabriken gebaut. Sie haben nicht schon immer Maschinen zum Töten verwendet. Und sie haben auch nicht schon immer abgepackte Tierprodukte in Supermärkten angeboten und gekauft. Das war früher alles anders. Früher gab es nicht mal den schwer beschäftigten Metzger des Vertrauens.
Und bei den meisten dieser unzähligen Dinge, die nicht schon immer so waren, wird kaum jemand auf die Idee kommen, zu fordern, alles grundsätzlich genau wie ganz früher zu machen. Wenn man redlich argumentiert, kann man sich nicht einfach raussuchen, was man beibehalten will und das damit begründen, dass es schon immer so war, das aber bei Dingen die man gern anders haben will, völlig ignorieren. Wir haben auch nicht schon immer in komfortablen Häusern gelebt oder Internet gehabt. Und wenn man mit dieser War-schon-immer-so-Logik konsequent wäre, müsste man ohnehin jegliche Änderungen und Neuerungen ablehnen. Da wäre es sogar falsch, dass unsere Vorfahren überhaupt aus der Ursuppe gekrochen sind.
Und wann dieses „Schon immer“ wirklich anfing, ist oft auch sehr willkürlich. Gerade der Konsum von Milchprodukten ist nur in manchen Teilen der Welt üblich. Und dort auch erst seit vielleicht 10.000 Jahren und nicht seit dem Anbeginn der Menschheit vor vielleicht 200.000 Jahren. Das wurde viel länger NICHT getan. Das lehnt aber kaum ein Nichtveganer ab, obwohl das auch nicht schon immer so war.
Dieses „schon immer“ heißt meist auch so viel wie, „von einem gewissen Zeitpunkt bis genau jetzt gerade zu der Zeit wo ich lebe“. Wenn Menschen schon immer etwas getan hatten, und vor 100 Jahren damit aufgehört haben, wird kaum ein Mensch noch wirklich damit argumentieren, selbst wenn das vielleicht vorher hunderttausend Jahre immer gleich gemacht wurde. Die meisten Menschen würden es natürlich völlig absurd finden, wenn jemand beispielsweise Elektrizität verteufelt, weil Menschen früher schon immer ohne gelebt haben.
Aber wenn etwas gerade bis zu dem Punkt andauert, zu dem man selbst lebt, wird das ganz anders bewertet und kommt einem wie ein gutes Argument vor. Zumindest wenn man es selbst verwendet.

Dieses Argument zeigt aber auch, dass der Konsum von Tierprodukten vor allem auch eine Sache der Gewohnheit und der Erziehung ist, und nicht wirklich auf rationalen Entscheidungen beruht. Man setzt sich nicht hin und überlegt kritisch, ob Tierausbeutung in Ordnung ist, um sich dann dazu zu entschließen sondern lebt seit der Geburt in einer Gesellschaft, wo das so gemacht wird und versucht, dass nachträglich zu rationalisieren.
Im Grunde ist das ja die älteste Geschichte der Welt: Menschen, die vom Spiel profitieren wollen die Regeln nicht ändern. Aber Tierprodukte verursachen Leid, Ungerechtigkeit und Umweltschäden und sind dabei für uns überhaupt nicht notwendig. Es gibt heute einfach keinerlei vernünftige Gründe mehr Fleisch oder Tierprodukte zu essen. Aber es gibt jede Menge vernünftige Gründe, damit aufzuhören.

Hey Veganer, eure Ersatzprodukte sind chemisch und ungesund!

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Die Natur hat schätzungsweise 350 000 Pflanzenarten hervorgebracht, 50 000 davon sind essbar.
Bei den Kulturpflanzen gibt es allein 30.000 Sorten Mais und 100.000 Sorten Reis.
Aber für viele Kritiker des Veganismus scheint sich die Auswahl an veganen Nahrungsmitteln auf Salat und „künstlich nachgebaute vegane Wurst aus dem Chemiebaukasten“ zu beschränken. Letzteres wird dann regelmäßig als Beleg dafür angeführt, dass veganes Essen unnatürlich, ungesund und rein chemisch ist.

Schauen wir uns erst mal die Zutatenliste eines veganen Nahrungsmittels an:
Hydroxylsäure, Pflanzenöl, Zellulose, Fructose, Glucose, Saccharose, Sorbit, Stärke, Carotine, Tocopherol (E306) Riboflavin (E101), Ascorbinsäure (E300), Stearinsäure (E570), 2-Hydroxybernsteinsäure (E296), Nicotinamid, Pantothensäure, Biotin, Folsäure, Palmitinsäure, Ölsäure, Linolsäure, Oxalsäure, Salicylsäure, Purin, Sodium, Kalium, Mangan, Phosphor. Chlorid, Farbstoffe, Antioxidantien und Aromen: darunter Ethyl-2-methylbutyrat, Ethylbutyrat, 2-Methylbutylacetat, Butylacetat und Hexylacetat.

(Apfel!)

Es ist völlig richtig, dass vegane Ersatzprodukte komplett chemisch sind. Aber es gibt noch etwas das chemisch ist.ALLES! Alles ist chemisch. Alle Materie ist Chemie. Chemikalien sind nicht grundsätzlich gut oder schlecht. Einige meiner besten Freunde bestehen aus Chemikalien. Chemisch ist NICHT das Gegenteil von natürlich. Und „natürlich“ bedeutet nicht automatisch „gesund“.
Natürliche Stoffe sind Arsen, Uran und Schlangengift. Die krebserregendste bekannte Substanz ist Aflatoxin B1. Die wird durch Schimmelpelz Aspergillus Flavus produziert und sie ist komplett natürlich. Es gilt sogar als wahrscheinlich, dass diese Schimmelpilzgifte die Ursache für den so genannten „Fluch des Pharao“ darstellen, wo es einige Jahre nach der Öffnung des Grabes des Tutanchamun im Tal der Könige im Jahr 1922 gehäufte und unerklärliche Todesfälle bei den beteiligten Menschen gab.

Richtig natürlich ist Nahrung mit Giften, Keimen, Verschmutzungen und Parasiten.
Und andersrum heißt unnatürlich daher auch nicht automatisch ungesund. Man kann grob in natürliche und synthetische Chemie unterteilen, wenn man das will. Aber das sagt pauschal noch nichts darüber aus, was davon in irgend einer Hinsicht besser ist. -auch wenn die Werbung gern etwas anderes suggeriert. Dazu muss man aber noch andere Kriterien anlegen.

Ja, so ein Apfel ist voller gefährlich klingender Stoffe. Nehmen wir beispielsweise die darin enthaltene Hydroxylsäure… Die ist auch bekannt als Hydrogenhydroxid, Dihydrogenether oder landläufig als … Wasser. Nur weil man etwas nicht aussprechen kann und es gruselig klingt, ist es noch nicht ungesund.

Die allermeisten unserer heutigen Lebensmittel sind Kulturzüchtungen. Die sind auch nicht mehr besonders natürlich. Und meistens ist das sogar sehr gut so, weil sie mehr Nährstoffe enthalten als ihre natürlichen Vorfahren. Fett oder Zucker in Maßen sind auch nicht unbedingt schlecht. Aber wir leben nicht mehr wie unsere Vorfahren welche quasi ständig ums Überleben kämpfen mussten und deshalb alles was sie an Kalorien bekommen konnten gierig mitgenommen haben. Da war das etwas Gutes ,weil man unter den damaligen Umständen kaum die Chance hatte davon irgendwie zu viel zu bekommen. Heute konsumieren wir diese aber ohne Anstrengung, oft im Übermaß und in konzentrierter Form. Und das ist bei manchen Dingen schlecht. Manche unserer vermeintlich künstlichen Nahrungsmittel sind deutlich besser und gesünder als vieles was man in der Natur so findet. Und andere sind es nicht.
Unsere Sensoren sind teilweise auf völlig andere Umstände kalibriert, Umstände wie ständiger Nahrungsmangel, katastrophale Hygiene, Bedrohung durch Fressfeinde, an allerlei unschönen Sachen qualvoll zu sterben und vieles mehr. Es ist super, dass wir vieles davon eliminiert haben aber deshalb kann man sich eben auch nicht mehr nur ausschließlich auf sein Bauchgefühl und seine Instinkte verlassen, sondern muss auch das Hirn benutzen. Und wenn das Hirn einigermaßen Bescheid weiß, dann sollte es einem sagen, dass eine Schwarz-Weiß-Einteilung in natürlich und „chemisch“ als Kriterium für gut oder schlecht nicht ausreicht.
Sicherlich werden bei vielen Nahrungsmitteln heute leider eher der Geschmack als die gesundheitlichen Aspekte optimiert. Aber wenn man die Dinge dann nur nach Geschmack aussucht und kauft, sollte man sich auch nicht beschweren dass es nicht unbedingt die gesündesten sind.

Es gibt wohl kaum einen Menschen, der beim Einkaufen ausschließlich auf den gesundheitlichen Aspekt achtet.
Und wenn die WHO erklärt, dass Fleisch krebserregend ist, dann reagieren die meisten Menschen trotzig und geben zu Protokoll dass eh alles krebserregend und ungesund ist und dass sie darauf gar nichts geben und weiterhin Fleisch essen und lieber ein paar Jahre eher sterben als das aufzugeben.
Aber vegane Fertig-Produkte, die genau so wenig den Anspruch haben, ultragesund zu sein, wie die unveganen Produkte aus dieser Kategorie und die oft zu viel Fett und Salz enthalten, würde man aus vermeintlichem Gesundheitsbewusstsein niemals anzurühren. Und wenn jemand veganen Aufschnitt isst, dann ist das ein KO-Kriterium für den gesamten Veganismus.
Der auffälligste Unterschied ist wohl, dass vegane Fertigprodukte bei Fleischessern das Bedürfnis auslösen, sämtliche Zutaten bis ins Detail aufzulisten und schlecht zu finden. Unvegane Fertigprodukte haben diesen Effekt nicht.
Diese vermeintlichen Ersatzprodukte sind eine Ergänzung, wenn es schnell oder unaufwendig sein soll. Niemand der einigermaßen bei Vernunft ist, isst Wurst weil er sie für gesund hält. Vegane Wurst ist auch nicht ungesünder als klassische Wurst aus pürierten Tierleichen die man irgendwie an der Verwesung hindern muss.
In Tierwurst und Tierfleischprodukten findet man Nitritpökelsalz, Stabilisatoren wie Diphosphate oder Natriumacetate, Glukosesirup, Palmfett, Aromen, Geschmacksverstärker, Farbstoffe, diverse Zuckersorten und so weiter. Und die sind meist auch nicht weniger stark verarbeitet. Inhaltsstoffe wie Hormone, Eiter, Medikamentenrückstände und anderes noch nicht einmal deklariert werden und stehen dementsprechend auch nicht auf der Liste.
Das kann natürlich variieren aber eine klassische vegane Wurst enthält beispielsweise Wasser, Weizeneiweiss, Sonnenblumenöl, Hefeextrakt, Steinsalz, Weizenstärke, Zwiebeln, Gewürze und Johannisbrotkernmehl. Alles erst mal überhaupt nicht dramatisch.

Viele Fleischesser, die sich nie wirklich mit einem Veganer unterhalten haben, glauben trotzdem genau zu wissen, dass diese sich fast ausschließlich von exotischem Flugobst und von massenweise Pseudo-Fleisch-Kunstprodukten ernähren.
Aber solche Produkte sind doch nicht die Grundnahrungsmittel von Veganern. Der Anteil dieser Ersatzprodukte macht im Schnitt bei Veganern einen viel geringeren Teil ihrer Ernährung aus, als herkömmliche Fleisch- und Wurstwaren bei Nichtveganern.

In einer Umfrage gaben lediglich 0,8% der befragten Veganer an, Fleischersatz auf täglicher Basis zu konsumieren. 45,5% konsumieren Fleischersatz einmal im Monat oder weniger.
Veganen Schnittkäse essen nur 1,7% täglich und 64,3% einmal im Monat oder weniger.
Es wird sehr schwer, Fleischesser zu finden, die so selten die dazu analogen Tierprodukte essen.

Was hingegen aber ganz selten wahrgenommen oder als Problem gesehen wird, ist die Tatsache, dass die Nahrungsmittelhersteller reihenweise pflanzliche Produkte künstlich mit zweifelhaften Inhaltsstoffen „entveganisieren“, so dass das schon fast zwanghaft wirkt.
Da hat man Schweineborsten in den Brötchen, Eier in Nudeln, Fischöl in der Limo und nicht näher definierte tierische Bestandteile aus Wild, Fisch, Geflügel, Rind oder Schwein in Kartoffelchips, da tierische Bestandteile als Trägerstoffe von Aromen und Vitaminen in Lebensmittel noch nicht mal deklariert werden müssen.
Und Sachen wie Milchzucker kippt man sowieso in praktisch alles was nicht bei drei auf dem Baum ist. Völlig egal ob das nötig ist. Würden Menschen nicht so viele von Natur aus vegane Produkte mit tierischen Zustatzstoffen „verfeinern“, würden so manche „Ersatzprodukte“ auch gar nicht erst benötigt werden. Wenn die Produkte und die Zusatzstoffe vegan sind, spricht man natürlich auch nicht mehr vom Verfeinern. Da heißt das eher panschen und es wird entsetzt getan, wenn die ein paar Gewürze enthalten. Und das was im Normalfall als vielseitiges Kochen durchgehen würde, ist dann im veganen Fall direkt ein Chemiebaukasten. Da wird immer kritisiert, dass vegane Ernährung nicht abwechslungsreich und einseitig sei, aber wenn dann mal vermeintlich viele Zutaten drin sind, ist es auch wieder nicht richtig.
Und es fragt auch niemand, warum diese „verfeinerten“ unveganen Kopien genauso aussehen müssen, wie die veganen Originale oder was man damit kompensieren will. Bei veganen Nahrungsmitteln ist der Maßstab aber leider meist ein völlig anderer.

Hey Veganer, ihr NERVT!

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Es gibt einige Dinge, bei denen es trendy ist, sie doof oder nervig zu finden, auch wenn man vielleicht selbst gar nicht wirklich viel damit zu tun hat. Aber weil alle anderen das auch tun, schließt man sich an, betätigt sich gegenseitig und schaukelt das Thema hoch, wodurch es vermeintlich noch nerviger wird.
Zum Beispiel Wesley Crusher aus Star Trek oder Nickelback. So ähnlich ist das auch mit Veganern. Viele Menschen verbringen bemerkenswert viel Zeit damit, immer wieder zu betonen, wie nervig sie Veganer finden, statt sie einfach zu ignorieren, so wie Tierleid oder Klimawandel. Bei Veganern kommt allerdings noch ein bisschen mehr dazu und es gibt verschiedene Gründe warum die als nervig wahrgenommen werden. Vieles davon ist eine spezielle Mischung aus stiller Post, verzerrter Wahrnehmung und selbsterfüllender Prophezeiung. Das Nervigfinden von Veganern basiert zum Teil auf einer Gruppendynamik und man kann mit so einer Einstellung viel Zustimmung ernten und sich gegenseitig bestätigen und dazugehören.
Und sobald irgendwo ein Veganer auftaucht oder ein Facebookpost mit einem veganen Rezept oder ein Zeitungsartikel der annähernd mit dem Thema zu tun hat, kann man Veganer nervig finden und das sich selbst und anderen versichern.
Natürlich kann man Menschen als Veganer auch ganz einfach vorsätzlich auf die Nerven gehen. Am effektivsten beginnt man dafür alle seine Sätze, mit „Als Veganer…“ Vielen Menschen scheint das ohnehin so vorzukommen -egal was man sagt. Häufig wird die Ansicht vertreten, dass Veganer den ganzen Tag über nichts anderes reden würden und quasi ein unstillbares Bedürfnis hätten, jedem sofort von ihren Veganismus zu erzählen. Solche mag es geben, aber das ist die absolute Ausnahme. Meist muss man gar nichts sagen oder tun um zu nerven, sondern einfach nur da sein oder erwähnt werden. Als Veganer nervt man ganz automatisch überproportional. Oftmals reicht sogar einfach nur der Strohmann eines Veganers und es ist eher das, was man mit Veganern verbindet, was einen nervt.

Man sollte als Nichtveganer mal versuchen, sich in Veganer hineinzuversetzen. Veganer werden praktisch jede einzelne Sekunde mit der Ideologie der Tiernutzung und mit Tierleid und toten Tieren auf Tellern konfrontiert. Als Veganer wird man quasi permanent von Menschen, Firmen und Vereinen „genervt“ die Tierprodukte essen, produzieren, verarbeiten, besprechen, loben, bewerben, darstellen, verkaufen u.s.w. Und man muss sich um Grunde täglich schwache Rechtfertigungen, uralte schlechte Witze, Spott, blöde Sprüche und teils ganz seltsame Fragen hinsichtlich des Veganismus anhören. Und meist passiert das unaufgefordert. Sehr häufig sind es die Fleischesser die das Thema ansprechen oder sich in Diskussionen dazu einschalten und ungefragt anfangen, Fleischkonsum zu rechtfertigen. Aber spätestens sobald man als Veganer auch etwas sagt, sind sich die Fleischesser am Tisch oft einig, dass der Veganer nervt und ein übersteigertes Mitteilungs- und Missionierungsbedürfnis hat und geben das dann auch so weiter. Viele Veganer wären aber tatsächlich schon froh, wenn ihr Veganismus nicht immer von anderen thematisiert werden würde, denn solche meist immer sehr ähnlich verlaufenden Diskussionen sind für Veganer mindestens genauso nervig. Vermutlich viel mehr. Wenn Veganer fragen, ob es auch was veganes zu essen gibt oder ob ein Gericht vegan ist, wollen sie Information. Sie bekommen aber meistens Fragen, Rechtfertigungen, Diskussionen, blöde Witze und die Unterstellung, man würde Selbstdarstellung betreiben.
Wir Menschen neigen dazu, uns selbst zum Maß aller Dinge zu machen und eben nur das als relevant zu betrachten, was UNS nervt. Aber wenn man mal darüber nachdenkt, wie oft man über nichtvegane Dinge spricht oder diese tut, dann wird man feststellen, dass das im Allgemeinen wesentlich häufiger der Fall sein dürfte als bei Veganern und Veganismus. Man nimmt es nur nicht wahr, weil es für einen die Normalität ist. Aber diese Normalität wird durch den Veganismus bedroht. Und das stört.
Wenn nun 99% der Bevölkerung von dem einen Prozent Veganern so genervt sind, wie viel extremer wäre es erst, wenn das Verhältnis andersrum wäre und ein Prozent der Menschen von den anderen 99% genervt werden? Etwa so ist das nämlich für Veganer.

Bei vielen Menschen wäre die Antwort auf „Du nervst!“ wohl irgendwas in der Art von: „Na und? Ist doch nicht mein Problem!“ Aber von Veganern erwartet man da eher ein „Ah, ok. Sorry, dann hör ich auf.“ Auch da scheinen bei anderen wieder andere Maßstäbe angelegt zu werden, als bei sich selbst.

Natürlich kann es nerven wenn man beispielsweise für Veganer zusätzlichen Aufwand beim Kochen betreiben muss. Wenn diese sagen, dass da nicht nötig ist, weil sie beispielsweise selbst was mitbringen, nervt das auch aber auch, Weil man sich dann wie ein schlechter Gastgeber fühlen kann. Da kann man als Veganer also gar nicht viel tun. Eigentlich sollte es kein Problem sein, veganes Essen anzubieten. Es ist ja schließlich auch so ziemlich der kleinste gemeinsame Nenner. Vegan kann praktisch fast jeder essen. Aber daran zeigt sich auch, wie abhängig sich Menschen von Tierprodukten gemacht haben und wie durchdrungen unsere Gesellschaft und unser Denken von Tierausnutzung ist, meist ohne dass wir das wirklich wahrnehmen. Und da ist Veganismus ein Fremdkörper der auffällt und stört. Speziell auch weil er zeigt, dass es auch ohne geht.

Und wie die Menschen auf den Begriff „vegan“ reagieren, zeigt schon recht deutlich wie wenig rational die Auseinandersetzung mit dem Thema ist. Bei einer Umfrage gaben tatsächlich die Hälfte der Befragten an, dass sie niemals vegane Speisen probiert hätten und dass das auch niemals für sie in Frage käme. Das ist natürlich kompletter Unsinn. Jeder hat schon mal etwas ohne Tierprodukte gegessen. Und seien es Nudeln mit Tomatensoße, Pommes mit Ketchup oder nur ein Apfel. Die Nahrungsaufnahme wird nur dann reflexhaft verweigert, wenn auch dran steht, dass da dieses „vegan“ drin ist. Und in vielen Fällen war es dann auch so, dass bei ohnehin veganen Produkten wie etwa Gebäck der Umsatz einbrach, sobald man sie auch so auszeichnete. Das zeigt, wie trotzig und defensiv viele Menschen auf den bloßen Begriff reagieren und wie wenig sie gleichzeitig wirklich damit befasst haben.

Aber abgesehen von solchen Reaktionen nerven die Veganer die aktiv für den Veganismus eintreten, natürlich schon quasi vorsätzlich. Auch das lässt sich allerdings kaum verhindern. Wer von Aktivisten erwartet, einfach vegan zu leben ohne andere damit zu nerven, verlangt im Grunde von ihnen gegen ihre ethische Motivation zu handeln. Wenn es um die Verminderung von Leid geht, ist es widersinnig, einfach nur sein Ding zu machen und ansonsten die Klappe zu halten statt dort zu argumentieren, wo die Ursache für die Tierausbeutung liegt, also beim Konsumenten.

Was oft nicht so sehr stört, sind Gesundheitsveganer die aus mehr oder weniger privaten Gründen vegan leben. Und wenn die mal nerven, dann kann man das natürlich leicht und wahrscheinlich zu recht kritisieren, weil es eben Privatsache ist was jeder mit seiner eigenen Gesundheit tut. Aber der eigentliche Veganismus hat ethische Hintergründe im Bezug auf Tiere, weshalb das da anders aussieht und was noch mal einen Aspekt hinzufügt der eben nicht so leicht abzutun ist. Die Tierrechtsbewegung ist in ein Sonderfall unter den sozialen Bewegungen. Während viele andere Bewegungen eher für ihre eigenen Interessen eintreten, engagieren sich Tierrechtler für Individuen die das nicht selbst können. Und als Fleischesser ist man natürlich automatisch von diesem Aktivismus betroffen. Und das stört.
Aber nichtmenschliche Tiere haben ansonsten niemanden der für sie eintritt. Und wenn man das nicht tut, wird sich dieser Zustand nicht bessern.

Wenn man diesem enormen Leid und der Gewalt gegen die sich Veganer engagieren eine subjektives „Du nervst!“ gegenübergesetzt wird, dann ist das ein recht schwaches Gegenargument. Man kann sogar argumentieren, dass man nicht nur das Recht sondern sogar eine moralische Pflicht hat, andere mit der Problematik ihres Handelns zu konfrontieren und dass man an manchen Stellen einfach stören muss.
Wer selbst nicht Gewalt, Leid und Ausbeutung erdulden will, sollte sich auch für andere Individuen engagieren, denen solche Dinge angetan werden.
Sonst hätte man auch kaum das Recht, so ein Verhalten sich selbst gegenüber anzuklagen. Wer etwas, das er für Unrecht hält, unkommentiert geschehen lässt, stellt sich im Grunde auf die Seite derer die es begehen. Das dürfte für die meisten Veganer wichtiger sein als nicht zu nerven.

Der Grund dafür, dass viele Veganer vorsätzlich nerven, ist in der Regel NICHT, dass sie aus purem Selbstzweck auf sich aufmerksam machen wollen. Das wird gern unterstellt, weil diese Behauptung es einfach macht, das Ganze als selbstgefälligen Ego-Trip oder als naiven Trend abzutun. Sich mit echten ethischen Aspekten dahinter auseinander zu setzen, ist sehr viel schwieriger. Wenn man gegen Veganer argumentiert, argumentiert man im Grunde für Tierausbeutung. Und obwohl man das unbewusst tut, ist das eine unangenehme Situation.

Veganer triggern selbst in subtiler Form viel stärker als andere Dinge die zwar viel präsenter sind aber trotzdem kaum wahrgenommen werden. Durch ihre bloße Existenz machen sie auf unbequeme Themen aufmerksam, die man eigentlich gar nicht diskutieren will und lieber verdrängen möchte. Als Veganer weist man auf die ganzen Konsequenzen des Fleischkonsums hin: Umweltschäden, Verteilungsungerechtigkeit, Antibiotikaresistenzen und Stallkeime -und nicht zuletzt natürlich Tierleid. Dass das lästig ist, ist klar. Das hat die Realität oft so an sich. Speziell wenn man sie lieber verdrängen möchte. Veganer sind eine Bedrohung für das eigene positive Selbstbild, die eigenen Gewohnheiten, die eigenen Privilegien und das eigene Gewissen. Sie sind automatisch ein Angriff auf die eigene Lebensweise. Das stört und macht defensiv. Wir Menschen wissen eigentlich auf einer gewissen Ebene, dass vieles von dem was wir tun gar nicht so cool ist. Aber weil Fleischessen auch identitätsstiftend ist und alle anderen es auch tun, ist das einfach zu rechtfertigen und auszublenden, speziell, wenn man eine Hand voll Phrasen hat, um sich das zu bestätigen: „Es war schon immer so!“ „Es ist natürlich!“ „Alleine kann man eh nichts ändern!“, „Das machen alle so“ und so weiter. Außer wenn jemand ins Spiel kommt, der das nicht tut und es vorsätzlich besser macht. Dann bricht diese Schwarmrechtfertigung ein Stück weit weg und man muss sich mit der unterschwelligen Erkenntnis auseinandersetzen, den eigenen moralischen Ansprüchen und dem eigenen positiven Selbstbild vielleicht nicht gerecht zu werden.
Und das ist natürlich auch unangenehm und sorgt zusätzlich dafür, dass diese mangelernährten Nervensägen so lästig sind. Und wenn Veganer dann noch gute Argumente haben, die an der eigenen Konditionierung und an den bequemen Privilegien kratzen und unschöne Konsequenzen des Fleischkonsums aufzeigen, dann ist das anstrengend und unangenehm und Veganer als Auslöser dieser Störgefühle werden als unerwünscht empfunden.

Menschen zu überzeugen, indem man ihnen moralische Vorwürfe macht, funktioniert wohl eher selten. Das lässt das menschliche Ego kaum zu. Und es nervt. Und viele Veganer hören sicherlich auf mit dem Thema, wenn sie merken dass sie nerven. Aber als ethisch motivierter Veganer ist das schwierig, denn als solcher ist man so eine Art personifizierter Vorwurf weil man Handlungen ablehnt die man als unethisch erachtet, die Fleischesser aber ausüben. Das muss man nicht mal aussprechen. Man kommuniziert das bereits durch die eigenen Lebensweise und ist dadurch quasi automatisch eine provozierende moralische Anklage wenn man die Sache ernst nimmt und konsequent ist und die eigenen Überzeugungen nicht verwässert und relativiert, um bei Nichtveganern keine Verteidigungsreflexe auszulösen.
Wenn Menschen eher genervt als interessiert sind, ist das sicherlich nicht das erstrebenswerteste Ziel aber manchmal muss man nehmen was man kriegen kann. Bei vielen Menschen erreicht man eben durch ständiges Nerven etwas und oft lässt sich das auch einfach gar nicht verhindern. Und nur weil man manche Menschen nervt, heißt das nicht, dass andere nicht empfänglich für Argumente sind.
Und wenn man Menschen nicht zuhört, obwohl sie gute Argumente haben, weil sie einen „nerven“ dann liegt das Problem auch bei der eigenen Attitüde, nicht bei den anderen.

Wenn es nervt, dass Veganer sich gegen Gewalt an Tieren engagieren, kann man eigentlich nur eins tun, nämlich die Ursache dafür abschaffen: Gewalt an Tieren. Und wenn es dann doch dieses vermeintlichen Ego-Veganer waren, die so eine Show nur abziehen, um sich wichtig zu machen, dann hat man denen zumindest die Grundlage dafür genommen und kann es ihnen damit richtig geben, weil sie sich dann nicht mehr für was Besseres halten können. Das ist doch auch was.
Aber solange Veganer von Gewalt gegen Tiere „genervt“ werden, werden sie auch mit ihrer Kritik daran weiternerven. Fleischesser hören ja auch nicht einfach mit dem Tierausbeutung auf, weil es Veganer nervt.

Hey Veganer, wenn wir Tiere nicht essen… wohin dann mit ihnen?

Transkript

Wenn die Welt schlagartig vegan wird, hat das laut vieler Menschen zwar zur Folge, dass unsere Nutztiere aussterben. Paradoxerweise wissen wir dann angeblich aber trotzdem nicht wohin mit den ganzen Tieren die wir nicht mehr essen. Die stehen dann überall rum, vermehren sich ungebremst oder überrennen uns.
Und dass plötzlich alle Menschen vegan werden, ist übrigens ein Szenario, das oft zusammen mit dem Argument gebracht wird, dass Veganismus Unsinn ist, weil sowieso niemals alle Menschen vegan werden.

Es ist natürlich ein völlig illusorisches Phantasieszenario, dass spontan über Nacht die Welt vegan wird.
Man argumentiert hier mit einer hypothetischen Situation die so niemals eintreten wird. Dass die gigantische weltweite Menge aller Nutztiere uns nicht überrennt, liegt nicht daran, dass wir sie zufällig genau so schnell essen, wie sie sich vermehrent. Diese Tiere werden durch den Menschen überhaupt erst künstlich vermehrt und gezüchtet und würden sonst nie in so einer Menge existieren. Auf jeden Menschen kommen beispielsweise 8 Hühner.
Wenn wir keine Tiere mehr essen, dann wird die Nachfrage wegbrechen und es werden keine mehr produziert. Aber das wird niemals schlagartig passieren sondern graduell. Und die Nachfrage würde damit langsam sinken. Und dementsprechend würde auch die Produktion zurückgefahren. Die Produktion bei sinkender Nachfrage weiter konstant zu halten, wäre marktwirtschaftlicher Irrsinn. Auf Dauer kann sich niemand leisten etwas zu produzieren, was niemand haben will. -Außer Blödsinn vielleicht.

Bei Wildtieren haben wir hingegen viel mehr das Problem, dass viele durch Jagd und Fang von der Ausrottung bedroht sind. Wenn wir damit aufhören würden, könnten sich diese Bestände erholen.
Wenn wir den unwahrscheinlichen Fall annehmen, dass die Veganisierung vielleicht doch so schnell gehen würde, dass Viehwirte mehr Tiere haben als man ihnen abkaufen will, dann gibt es immer noch Möglichkeiten, sich um diese zu kümmern.
Wenn wir wirklich so gut sind und es von einem Tag auf den anderen schaffen, alle Tiere auf der Welt zu befreien, dann wäre die Versorgung der Nutztiere im Vergleich dazu wahrscheinlich nur noch eine Kleinigkeit. Zumindest ist sowas deutlich realistischer. Es gibt bereits heute schon heute Gnaden- und Lebenshöfe in denen ehemalige Nutztiere den Rest ihres natürlichen Lebens verbringen können.
Und da in diesem Szenario ja alle Menschen aus irgend einem Grund vegan sind, haben wohl auch viele dieser Menschen das Bedürfnis Tieren zu helfen.
Aber wenn wir im Widerspruch dazu trotzdem mal den schlimmsten Fall annehmen, in dem sich um manche Tiere tatsächlich niemand kümmern kann oder will: Es wäre so ziemlich das erste Mal, dass Menschen davor zurückschrecken, lästige Tiere einfach zu töten oder zu essen. Und auch wenn das natürlich tragisch wäre und verhindert werden sollte, ist das doch nichts anderes als das was sie ohnehin erwartet hätte. Nur dass nachfolgende Generationen der Tiere diesem ewigen Kreislauf aus Produktion und Vernichtung durch den Menschen dann nicht mehr unterworfen wären.

Aber es ist in Anbetracht der überwältigenden ökologischen Probleme die mit der Beibehaltung dieses katastrophalen Systems einhergehen schon eine äußerst seltsame Prioritätensetzung, wenn man sich, ohne es überhaupt nur ansatzweise versucht zu haben, auf solche vergleichsweise trivialen möglichen, und oftmals sogar unrealistischen und widersprüchlichen Herausforderungen beim BEENDEN dieses Systems versteift, um dieses System statt dessen auf unbestimmte Zeit weiter laufen zu lassen.

Diese kaum vorstellbare Menge an Nutztieren gibt es nicht, weil Veganer fordern, dass man aufhört Tiere auszubeuten, sondern weil wir Tierprodukte konsumieren wollen, werden diese Mengen überhaupt erst gezüchtet und beibehalten. Und jetzt versuchen wir diese Menge als Grund vorschieben, dass wir nicht damit aufhören können. Man versucht also Kritikern von Tierausbeutung ein hypothetisches, bedrohliches und problematisches Zukunftszenario vorzuwerfen, welches man mit der Tierausbeutung selbst schon lange real verursacht hat.

Aber für manche Menschen sind auch Sündenböcke Nutztiere.

Hey Veganer, wenn wir Tiere nicht essen… sterben sie aus!

Transkript

Wenn wir Menschen aufhören, Tiere zu essen, geschehen laut vieler Fleischesser unter anderem zwei schreckliche Dinge: Wir wissen nicht wohin mit den Tieren. Sie nehmen überhand und überrennen uns. Und sie sterben aus. Gleichzeitig interessanterweise. Demzufolge wären Veganer also für das Aussterben von Tierarten verantwortlich.

In den letzten 40 Jahren haben wir Menschen den Bestand der Gesamtheit aller Wildtiere halbiert.
Wir zerstören immer mehr Lebensraum von wildlebenden Tiere und rotten immer mehr wildlebende Arten aus, und das nicht zuletzt, weil wir immer mehr Nutztiere produzieren und zur Effizienzsteigerung immer neue Nutztierhybride züchten. Das sind Kreuzungen verschiedener Arten die ohne Menschen kaum überlebensfähig sind. Dabei gehen auch ältere Haustierrassen immer weiter zurück.
Aktuelle „Nutztiere“ sind nur durch intensive Zuchtbemühungen des Menschen zum Selbstzweck entstanden.
Das sind zu weit über 90% schon geradezu Frankenstein-Tiere und ziemlich nah dran, Klone zu sein Das trifft für alle sogenannten Legehennen, Masthühner, Mastschweine, Mastrinder, Milchkühe, Puten und auch für Fische zu.

Über 95% der Puten in Deutschland sind sogenannte BIG6. Das sind Mastputenhybride, die viel zu schnell, viel zu schwer werden. Aufgrund ihres Gewichts können sie sich gar nicht mehr putengemäß verhalten, ohne sich zu verletzten.
Bei Masthühnern werden vor allem Ross Tiere verwendet. Dort sieht es genauso aus.
Bei den meisten Legehennen werden Lohmann Classic eingesetzt. Das sind Tiere die etwas über 300 Eier im Jahr legen. Das kann der Körper nicht lange mitmachen. Das Ergebnis sind Legedarmvorfälle und andere qualvolle Dinge.
Und so geht das auch bei „Milchvieh“ und in der „Schweine- und Rindermast“ weiter.
Dort züchten wir im Akkord Schweine, die durch ihre Haarlosigkeit Sonnenbrand bekommen würden und Turbokühe die nicht mehr abstillen können.

Den entstehenden Dualzuchten, werden dann noch DIE störenden Körperteile entfernt, die die nicht oder NOCH nicht weggezüchtet werden konnten. Also Körperteile wie Schwänze, Hörner, Hoden, Schnabelspitzen usw. -natürlich meist ohne Betäubung .
Und das nennen wir Arterhaltung. Das ist aber das vielmehr die Ausrottung verschiedenster wilder Arten und die Zerstörung biologischer Vielfalt durch einige wenige Arten kaum überlebensfähiger Nutztiere in gigantischer Menge.

Es wäre schon fast sadistisch solche verzüchteten Arten durch Nachzuchten erhalten zu wollen und damit vielleicht noch die natürlicheren Urrassen zu verdrängen, welche man statt dessen schützen könnte -auch ohne sie zu töten.
Diese sind genau so liebenswert und genau so klug aber sie werden nicht schon als leidende Qualzuchten geboren. Für das Indiviuum spielt es keine Rolle, welcher Spezies es angehört. Für dieses ist es nur wichtig, nicht zu leiden. Und dafür würde es sicherlich bevorzugen, nicht zu einer stark verzüchteten Spezies zu gehören. Spezies ist ein abstrakter Begriff. Eine Spezies hat kein Bewusstsein, keine Interessen und kann nicht leiden. Das können nur Individuen. Daher ist es schon sehr fragwürdig, wenn man die Bedürfnisse und Interessen von Individuen nicht achtet und diese kontinuierlich tötet aber aber bei gewissen Spezies mit deren Erhaltung argumentiert und diese vermeintlich schützen und bewahren will.

Menschen denen die Existenz gewisser Nutztierrassen so am Herzen liegt, können diesen ja Reservate bauen oder entsprechende Lebenshöfe unterstützen. Wenn sie das nicht möchten, kann man davon ausgehen, dass das ein vorgeschobenes Argument für das Fleischessen ist. Und dazu kein besonders gutes. Individuen tut man keinen Gefallen damit, sie im Akkord zu töten um vermeintlich ihre Art zu erhalten.

Wenn man -im wahrsten Sinne des Wortes- „mit Gewalt“ Spezies erhalten will, deren Tiere kaum selbst überlebensfähig sind, die keine biologische Nische haben, die für das Aussterben anderer gesunder Spezies sorgen und eine gesunde Biodiversität sogar beeinträchtigen, dann tut man das nicht für die Individuen dieser Art sondern aus egoistischen oder kulturellen Gründen. Während das Aussterben von Tierarten in der Wildnis ökologisch sehr nachteilig sein kann, wäre es für die Biodiversität sogar vorteilhaft, wenn wir aufhören würden Nutztiere zu züchten.
Wenn es tatsächlich um eine Erhaltung geht, dann wäre es richtig und wichtig, die natürliche Artenvielfalt zu bewahren. Die Natur ist ein eingespieltes System von dem wir abhängig sind. – Aber die Natur braucht unsere Nutztiere nicht und hätte sie auch nicht in dieser Form und Zahl hervorgebracht. Sie wird statt dessen von der intensiven Tierhaltung massiv gefährdet und geschädigt.

Wir Menschen machen von der Gesamtbiomasse aller Landwirbeltiere ganze 32% aus.
Doppelt so groß ist der Anteil unserer Nutztiere: 65%.
Und gerade einmal noch 3% macht die Gesamtheit aller wildlebenden Landwirbeltiere aus.

Die Masse unserer wenigen Nutztierarten beträgt mehr als das zwanzigfache davon.

Traurig an der Frage, was dann mit den Nutztierpassieren soll, ist auch, dass dabei einfach nur von der Nützlichkeit von Individuen für den Menschen ausgegangen wird und man wohl gar nicht auf die Idee kommt, dass es auch noch andere Motivationen gibt, warum Menschen sich um andere Individuen kümmern.
Es gibt viele Menschen, die sich nicht nur für sich selbst einsetzen und die sehr gern die Aufgabe übernehmen würden, sich um vermeintlich nutzlos gewordene Nutztiere zu kümmern
-nicht weil sie sie ausbeuten wollen, sondern um deren selbst willen. Weil es hilflose Lebewesen mit Charakter und mit Bedürfnissen sind und das für manche Menschen Grund genug ist, ihnen zu helfen.

Hey Veganer, manche Tiere gäbe es nicht, würden wir sie nicht nutzen!

Transkript

Es stimmt natürlich, dass es beispielsweise Schweine, Hühner oder Rinder in der Form und Anzahl so nicht gäbe, wenn wir sie nicht zum Gebrauch züchten würden. Oft wird das als eine Rechtfertigung dafür verwendet, sie einsperren, mästen, töten und aufessen zu dürfen beziehungsweise es wird die Ansicht vertreten, dass diese für ihre Existenz den Fleischessern quasi dankbar sein müssten und dass das ein schönes Dilemma für Veganer ist.
Zunächst erreicht natürlich praktisch keines unserer Nutztiere auch nur annähernd seine biologische Lebenserwartung. Tiere die man für ihr Fleisch produziert, sind in der Regel gerade erst ausgewachsen, wenn sie geschlachtet werden. Schweine, die 15 Jahre alt werden können, erreichen als Nutztiere meist nur ein halbes Jahr, was knapp 3,5% entspricht.
Die Tiere, die Milch und Eier produzieren, leben etwas länger, aber auch die erreichen selten mehr als ein Sechstel ihrer natürlichen Lebenserwartung bis sie verbraucht sind und entsorgt werden.
Männliche Kälber von Milchkühen tötet man oft nach wenigen Tagen. Und männliche Küken von Eierhühnern werden meist nur wenige Minuten nach dem Schlüpfen geschreddert.
Unsere gezüchteten Nutztiere sind im Grunde fast alle so überzüchtet, dass sie, auch abgesehen von den sowieso meist katastrophalen Haltungsbedingungen, ein Leben lang leiden.
Man kann sich natürlich fragen, ob ein kurzes elendes Leben voller Leid nicht vielleicht doch noch knapp besser sein kann als gar keins, und unter welchen Bedingungen man selbst leben will. Und natürlich gibt es unterschiedliche Auffassungen davon, was ein lebenswertes Leben ist. Aber gerade deshalb sollte man diese Entscheidung doch nicht für andere treffen sondern dies den entsprechenden Individuen überlassen.
Wenn wir davon ausgehen, dass die meisten hinreichend bewussten und leidensfähigen Lebewesen ganz ähnliche grundlegende Bedürfnisse haben wie wir selbst, -und es gibt keinen auch nur halbwegs plausiblen Grund, daran zu zweifeln -dann ist die Frage legitim, welches Maß an Leid noch „erträglich“ ist, damit das bloße Existieren noch die Schattenseiten dieser Existenz überwiegt.
Selbst wenn man dem Leben der Tieren und zukünftigen potentiellen Glückserlebnissen dieser Lebewesen keinen Wert an sich einräumt und leidfreie Haltung und Tötung als ausreichend und gerechtfertigt erachtet, ist es so, dass man in der Praxis Fleisch und Leid nicht mehr entkoppeln kann. Die „leidvolle“ Haltung ist keine Entartung des Fleischsystems, die man beheben könnte.
98% des konsumierten Fleisches stammen aus Massentierhaltung.
Und selbst Bio bedeutet nicht automatisch, Weidehaltung oder dass es sich dabei nicht um Intensivtierhaltung handelt.
Auch bei dem verschwindend geringen Anteil von Alibi-Biotieren aus Weidehaltung, handelt es sich um moderne Rassen, die unter ihrer Zucht leiden. Die Handvoll Tiere alter Rassen, bekommt der durchschnittliche Fleischesser nie zwischen die Zähne weil sie sehr teuer sind und teilweise nur als Mitglied eines Verbandes erhältlich.
Man kann Deutschland nicht komplett mit glücklichen Kühen von der Weide ernähren. Und die Welt schon gar nicht. Ein paar wenige können sich das leisten, weil die absolute Mehrheit das nicht tut. Aber für alle Menschen wäre das völlig illusorisch. Im Gegensatz dazu ist eine weitgehend vegane Menschheit zumindest theoretisch möglich.
Wenn nun schon VOR Beginn der Existenz die Lebensbedingungen eines (vorerst hypothetischen) Individuums absehbar sind und diese permanente Gefangenschaft, Leid, soziale Isolation, Angstzustände und einen vorzeitigen, teils qualvollen Tod beinhalten, dann wird die Abwägung noch einfacher, denn dann kann man sich die Frage stellen: Würde man ein Kind in die Welt setzen, wenn man wüsste dass es durchweg in einem kleinen Laufgitter gehalten wird, nie Tageslicht sieht, kein Spielzeug haben wird, keine elterliche Nähe, keine Zuwendung und Zuneigung erfahren wird und dann mit 10 Jahre weit vor dem Erreichen seiner „natürlichen“ Lebenserwartung erschossen werden wird?“ Das würde sicherlich kaum jemand auch nur ansatzweise als erstrebenswert empfinden und an der Stelle gegen Verhütung argumentieren. Aber genau das ist die Situation für unsere Nutztiere.
Der Gedanke, dass Tiere für so eine Existenz, als Nebeneffekt menschlicher Genusssucht dankbar sein sollten, funktioniert vermutlich auch wieder nur, wenn man nicht selbst so existieren muss.
Wenn man die Existenz von Nutztieren als Ergebnis unseres Wunsches sie zu benutzen als etwas positives verargumentieren will, ist das, als würde man Anerkennung dafür erwarten, dass man Schäferhunde züchtet die im Alter von vier Jahren aufgrund ihrer Hüftdysplasie nur noch jaulend robben können oder für verzüchtete Katzen die viel mehr hecheln als dass sie atmen. Das kann man in einem positiven Sinne kaum als „Leben“ bezeichnen. Es ist eben vielmehr eine bloße Existenz die fast ausschließlich von Leid geprägt ist und wo für viele dieser Tiere ein früher Tod vermutlich sogar noch eine Erlösung sein wird.
Wenn man die „Nutzviehzucht“ finanziell unterstützt, bringt damit nur Individuen in die Welt, deren Zweck die vollständige Ausbeutung ist und deren kurzes Leben im Grunde nur aus Leid und einem gewaltsamen Tod besteht. Das ist nichts Gutes, wofür diese Tiere dankbar sein können. Es ist ist so ziemlich das komplette Gegenteil, wenn man seine Ressourcen dafür verwendet, statt beispielsweise Lebenshöfe oder andere Initiativen zu unterstützen die das Leid bereits existierender Tiere verringern.

Hey Veganer, es heißt nicht umsonst NUTZtiere!

Transkript

Wenn man das Ausnutzen der so genannten „Nutztiere“ kritisiert, speziell wenn man argumentiert, dass nicht nur gewisse „Haustiere“ schützenswert sein sollten, wird oft entgegnet, dass diese ja schließlich schon Nutztiere heißen und dass sie extra dafür gezüchtet werden.

Wenn man so argumentiert, ist das aber ein Zirkelschluss, also ein logischer Fehler. Man rechtfertigt dabei eine Handlung mit dieser Handlung selbst.
„Wir nutzen manche Tiere und bezeichnen sie dementsprechend als Nutztiere und weil sie Nutztiere heißen, ist es gerechtfertigt sie zu nutzen. Und weil wir sie nutzen, bezeichnen wir sie als Nutztiere…“
Aus A folgt B folgt A folgt B und so weiter… Mit dieser zirkulären Logik würde man sich argumentativ endlos im Kreis drehen, wenn man dieses Argument wirklich weiterdenken würde. Das hat in etwa den argumentativen Wert von „Weil ich das so sage“ und ist ähnlich willkürlich.

Allerdings haben wir oft beträchtliche Probleme damit, wenn andere genauso willkürlich sind wie wir.
Wenn andere Kulturen Hunde und Katzen zu Nutztieren erklären und schlachten, sorgt das bei vielen Deutschen für einen Sturm der Entrüstung, für rassistische Entgleisung und für Morddrohungen und Todeswünschen. Es gibt natürlich auch solche, die an der Stelle für die KONSEQUENTE Ausbeutung ALLER möglichen Tierarten hier argumentieren, bzw. denen das gleichgültig ist, aber vielen Deutschen fällt vor Empörung das Schweineschnitzel aus dem Mund wenn andere Kulturen sich nicht an unsere „zivilisierte“ Einteilung in Nutz- und Haustiere halten und unverschämterweise Tierarten zu Nutztieren erklären, die wir als Haustiere festgelegt haben.

Man kann nicht einfach eine Handlung benennen und mit dieser Benennung dann die Handlung dann rechtfertigen. Wenn man jemanden als Sklaven bezeichnet, heißt das nicht, dass es gerechtfertigt ist, ihn deshalb als Sklaven zu halten. Und weil Sklaven nun mal Sklaven heißen, und wir schon immer Sklaverei betrieben haben, folgt daraus nicht, dass Sklaverei in Ordnung ist. Das Wort Sklave beschreibt einen Menschen der benutzt wird. Es stellt aber keine Legitimierung dafür aus, dass man ihn benutzen darf. Es ist nur ein Wort. Und ebenso würde wohl auch jeder die Aussage, dass es gerechtfertigt ist, Menschen als Sklaven zu halten, solange man sie extra dafür zeugt, völlig inakzeptabel finden.

Über solche Willkür würde man sich ja auch bitterlich beklagen, wenn man selbst das Opfer so einer Festlegung wäre. Solange man nicht das Opfer ist, ist es leicht, solche Behauptungen gerechtfertigt und akzeptabel zu finden.
Tiere sind zu niemandes Gebrauch da. Genau so wenig wie Menschen zu irgendjemandes Gebrauch da sind. Kinder existieren auch, wegen ihrer Eltern. Daraus folgt aber nicht, dass Eltern über ihre Kinder verfügen können. Und wenn man einem Menschen das Leben rettet, folgt daraus ja auch nicht dass man nachher beliebig über ihn verfügen und ihn bei Bedarf töten darf.

Dass die Geburt von Individuen von Menschen mit gewissen Motiven festgelegt wurde, ändert nichts daran, dass sie die gleichen Empfindungen, Fähigkeiten, Interessen und Instinkte haben, wie Individuen, die aus anderen Gründen geboren wurden. Deshalb kann es doch nicht gerechtfertigter sein, gegen ihre Bedürfnisse zu verstoßen. Und diese Motive können ja nicht maßgeblich dafür sein, wie ein Lebewesen zu behandeln ist. Damit gibt man dem Täter die Bestimmungsgewalt über das Opfer. Mit diesem Argument müsste man zudem auch Pelztierfarmen und Tierbordelle rechtfertigen, wenn die Tiere dafür gezüchtet werden. Wenn man Individuen in die Welt bringt, sollte das viel mehr eine Verantwortung diesen Wesen gegenüber mit sich bringen und nicht das Recht über deren Leben und Tod zu bestimmen. Man selbst würde das für sich ja schließlich auch so fordern, wenn man selbst der Ausgelieferte wäre.

Der Begriff Nutztier hat natürlich in erster Linie mit dem was wir wollen zu tun und nichts mit den komplexen sozialen und emotionalen Bedürfnissen der Opfer. Er beschreibt schon, dass diese immer zweckhaft gezüchtet, und allein dadurch schon zu Objekten degradiert werden, die lediglich einen Zweck erfüllen, wobei ihnen weder Bedürfnisse noch Rechte zugestanden werden. Deshalb wurde Tierhaltung in vergangenen Jahrhunderten zumeist nicht wirklich als Problem wahrgenommen. Denn tatsächlich haben die meisten Kulturen die meisten Tiere als „Dinge“ betrachtet.
Je mehr wir aber dazu übergehen, fühlende Wesen generell NICHT mehr als Dinge zu behandeln, desto augenscheinlicher wird, dass auch diese Lebewesen so etwas wie eine Würde und ein Lebensrecht zugestanden bekommen müssten.

Aber selbst wenn man den Tieren das Recht auf Selbstbestimmung und Leben weiterhin abspricht und von der weitgehend willkürlichen Prämisse ausgeht, dass das Töten von allen Lebewesen außer dem Menschen in Ordnung ist, wenn diese nichts davon mitbekommen, sind das nahezu schon akademische Argumente, die für die Realität kaum relevant sind, da solche idyllischen, leidfreien Weideszenarien die absolute Ausnahme sind und es für die absolute Mehrheit aller Nutztiere sehr viel düsterer aussieht.
In der Praxis werden fast alle unsere Nutztiere gewaltsam in die Welt gezwungen, eingepfercht, maximal ausgebeutet und wieder vernichtet. Sie haben keinerlei Entscheidungsfreiheit, keine Chance auf Freiheit, keine Autonomie… kein Sonnenlicht, keine Wiese oder auch nur frische Luft. Bei dieser systematischen Form von Ausbeutung kommt es bereits bei den Begrifflichkeiten zur Entwertung, bis hin zur völligen Objektifizierung und Degradierung von empfindungsfähigen Individuen zu Produkten und Produktionsmaschinen. Es geht auch kaum noch um einzelne Lebewesen, sondern nur die Gesamtheit des Bestandes, um Vieh und Geflügel. „Verluste“ sind einkalkuliert und für die effizientesten Qualzuchten wird aus Katalogen das gewinnträchtigste Erbgut ausgewählt so dass wir uns Individuen schaffen, die für uns den maximalen Nutzen bringen aber dafür lebenslang Schmerzen leiden und oft nicht einmal stehen können.
Aber solche Dinge sind das Resultat der Überzeugung, aufgrund der eigenen Überlegenheit, andere empfindungsfähige Lebewesen nach Belieben nutzen zu können.

Hey Veganer, Veganismus ist eine Ideologie!

Transkript

Veganer werden oft als Ideologen bezeichnet und der Veganismus als eine Ideologie. Damit wird in der Regel versucht, Veganer als fanatische Anhänger einer irrationalen, fundamentalistischen
Überzeugung darzustellen, bzw. der Ansicht Ausdruck zu verleihen, dass es so ist.
Der Begriff Ideologie wird umgangssprachlich oft undifferenziert abwertend verwendet. Natürlich kann eine Überzeugung auch fundamentalistisch und irrational SEIN aber es ist auch möglich, dass sie, selbst wenn sie sehr nachdrücklich vertreten wird, rational, sinnvoll und gut begründbar ist.
Das kann man aber wegwischen, indem man den Begriff Ideologie als Totschlagargument verwendet, weil man damit unterstellt, dass die Grundannahmen oder Auswirkungen nicht hinterfragt werden. Aber Ideologie hat natürlich auch etwas mit Idealismus und mit Idealen zu tun, wie etwa solchen, dass man als Individuum das nicht leiden möchte, anderen leidensfähigen Lebewesen auch kein Leid zufügen sollte. Und es gibt dementsprechend auch eine wertneutrale Definition welche Ideologie als ausformulierte gefestigte Lehrmeinungen und Überzeugungen beschreibt. Also erst mal nur als eine Weltanschauung die man mit anderen teilt. Nach dieser Definition kann man Veganismus durchaus als eine Ideologie bezeichnen, denn viele Veganer vertreten ja die Überzeugung, dass es unethisch ist, Tiere aus unnötigen und egoistischen Gründen zu töten. Man kann auch eine humanistische Ideologie haben, die die sich ganz entschieden gegen Sklaverei, Rassismus, Diskriminierung und anderes wendet. Und das sind ja meist auch feste Überzeugungen und damit durchaus eine Ideologie. Und das ist an der Stelle auch gar nichts Schlechtes. Es vertritt also im Grunde wohl fast jeder eine oder mehrere Ideologien. Ideologien sind nicht nur das, was die anderen haben. Eine Ideologie findet man aber meist dann bedrohlich, wenn sie die EIGENE Ideologie bedroht, selbst wenn man gar nicht weiß, dass man eine hat. Wenn man Tiere töten lässt, dann steckt dahinter eine sehr feste Überzeugung. Leidensfähigen Individuen bewusst das wichtigste zu nehmen, also ihr Leben, obwohl man das nicht muss, setzt ja schon eine ziemlich feste Überzeugung voraus. Dementsprechend ist also auch die Überzeugung, dass man Tiere ausbeuten darf, eine Ideologie. Und tatsächlich hat diese sogar mehr Merkmale eines ideologischen Glaubenssystem als der Veganismus. Es ist eine Überzeugung in die wir hineingeboren wurden, die man als die Normalität erachtet und deshalb kaum hinterfragt und für die man im Bedarfsfall eine Reihe von unlogischen Rechtfertigen verwendet, die man in anderen Situationen vermutlich selbst nicht als Argument durchgehen lassen würde. Da beruft man sich beispielsweise darauf, dass das schon immer so war, man beruft sich auf triebgesteuerte fleischfressende Tiere als moralische Rechtfertigung und argumentiert mit unrealistischen Phanatasieszenarien in denen das Beenden er Tierausbeutung zu diversen globalen Katastrophen führen wird. Und das obwohl gerade das Festhalten an diesem Verhalten eine der Hauptursachen für Zerstörung der eigenen Lebensgrundlage darstellt.

Man erkennt Ideologien aber oft nicht, wenn man drin steckt, sondern frühestens, wenn sich anderswo modernere Erkenntnisse und Überzeugungen etablieren. Vorher waren sie quasi unsichtbar und als Normalität getarnt. Oft wird auch „normal“ fälschlicherweise mit „gut“ oder „gerechtfertigt“ gleichgesetzt wird. -und auch als das Gegenteil von „ideologisch“ betrachtet. Aber Normalität ist oftmals sogar eine wichtige Säule einer Ideologie und ein unbewusstes Mittel um sie unsichtbar zu machen. Aus diesem Grund haben solche Überzeugungen bis dahin aber auch meist gar keine Bezeichnung. Für die Ideologie des Fleischkonsums bzw. der Tiernutzung hat sich der Begriff Karnismus etabliert. Das ist quasi das Gegenstück zum Veganismus. Manche Menschen lehnen diese Benennung reflexartig ab. Sie empfinden das Wort als einen abwertenden Kampfbegriff. Auch wird kritisiert, dass dieser Begriff nur ausgedacht ist, was zwar nicht falsch ist aber kein Argument. Für alles was neu entstanden ist oder neu entdeckt oder aufgedeckt wurde, braucht man eine Bezeichnung und prägt ein entsprechendes Wort. In diesem Falle eben Karnismus. Die genaue Bezeichnung ist dabei aber auch nicht das Entscheidende. Man kann allerdings nicht einfach sagen, dass „Omnivor“ das richtige Wort an dieser Stelle wäre. Das ist rein deskriptiv zwar richtig, aber es blendet die ideologischen Aspekte aus. Das ist auch ein Hauptgrund, warum sich die Benennung der Ideologie für viele so unangenehm anfühlt und, warum Bezeichnungen wie omnivor von vielen bevorzugt werden. Die Benennung des Karnismus als eine Ideologie macht diese sichtbar und damit auch die Verantwortung die mit den auf dieser Ideologie basierenden Handlungen einhergeht. Aus demselben Grund nennt man Veganer nicht einfach nur Herbivore: Weil es sich um eine bewusste Entscheidung handelt. Bei nichtmenschlichen Tieren oder Kindern, die nicht dieses Ausmaß an Reflexionsvermögen haben, wird man natürlich nicht von einer Ideologie sprechen. Aber wenn man die Fähigkeit hat, über das eigene bewusste Handeln zu reflektieren, basieren diese Handlungen auf einer Überzeugung. Und spätestens wenn man beginnt, diese Handlungen zu rechtfertigen, auch sich selbst gegenüber, bilden sie eine Ideologie.

Leider werden die abwertende und die neutrale Ideologie-Definition oft vermischt. Mit der abwertenden Verwendung des Begriffs, will man wie gesagt auch unterstellen, dass Vertreter dieser Ideologie dieser blind und unkritisch folgen. Und natürlich ist das auch möglich. Allerdings sind die meisten Veganer ja gerade durch das ÄNDERN ihrer Überzeugung vegan geworden und haben oft gute Gründe für diese Entscheidung, während die meisten Fleischesser immer noch die Überzeugung vertreten, die ihnen von ihren Eltern und der Gesellschaft vorgegeben wurde.

Eine feste Überzeugung muss nicht grundsätzlich schlecht sein. Besonders dann nicht, wenn es gute Gründe dafür gibt. Um das zu beurteilen muss man aber andere Kriterien anlegen, als ihr als Totschlagargument den Ideologie-Begriff überzustülpen. Man kann sie beispielsweise danach beurteilen, ob sie Leid, Unterdrückung, Diskriminierung und Ausbeutung verursacht oder befürwortet. Der Veganismus richtet sich jedenfalls explizit gegen diese Dinge.

Hey Veganer, auf einer einsamen Insel würdet ihr auch Fleisch essen!

Transkript

„Die Feuerwehr ist inkonsequenter Unsinn, weil Feuerwehrleute gar keine mehr sein könnten, wenn sie auf einer einsamen Insel stranden würden.“

So ein Argument würde wohl jeder zurecht für absurd halten. Aber wenn es um Veganer geht, erscheinen manchen Menschen auch solche an den Haaren herbeigezogenen Szenarien mit einer so ausgesprochen seltsamen Logik wie sinnvolle Argumente.
Ein ganz klassisches und immer wieder auftauchendes antiveganes Argument ist nämlich, dass Veganer, wenn sie auf einer einsamen Insel stranden würden, auch Fleisch essen würden. Und damit begründet man dann, dass Veganismus inkonsequenter Unsinn ist. Gedankenexperimente zur Überprüfung der eigenen Überzeugungen sind gut und wichtig.
Aber natürlich müssen die auch logisch und sinnvoll sein und nicht mit falschen Schlüssen an der Realität vorbeiargumentieren, wie in diesem Beispiel

Das ist, als würde man montags blau machen und das vor dem Chef damit rechtfertigen, dass man doch auch frei hätte, wenn Sonntag wäre.
Der ganz einfache entscheidende Unterschied dabei ist natürlich: Montag ist nicht Sonntag. Und wir leben nicht auf einsamen Inseln.
Ethik ist der Diskurs über Moralphilosophie, und Moralphilosophie sagt uns, welches Verhalten wir unter gegebenen Umständen als richtig erachten würden. Man kann nicht einfach die Umstände ändern und dann daraus schlussfolgern, dass die Moral für die vorherigen anderen Umstände unsinnig wäre. Mit der Axt die Haustür fremder Leute einzuschlagen, ist nach gängigen Moralvorstellungen erst mal falsch. Aber wenn die Situation eine andere ist, weil das Haus brennt, dann ist es richtig und völlig gerechtfertigt, die Tür mit der Axt einzuschlagen, um im Haus eingeschlossene Menschen zu retten. Und das liegt eben daran, dass sich die Bewertung einer Handlung an den Umständen orientiert.
Man kann nicht einfach auf so ein hypothetisches Grenzfallszenario und das vermutliche Verhalten unter den entsprechenden Umständen zu verweisen, um damit alltägliches Verhalten unter völlig anderen Bedingungen zu kritisieren oder zu rechtfertigen. Unter extremen Gegebenheiten können noch ganz andere Dinge unmöglich werden. Es ist auch denkbar, dass man in einer Extremsituation zum Schutz des eigenen Lebens andere Menschen bestehlen, töten oder vielleicht sogar essen muss.
Aber daraus folgt doch nicht, dass Diebstahl, Mord und Kannibalismus immer und für jeden legitim sein müssten, und Menschenrechte und Demokratie ein inkonsequenter Trend von naiven Wohlstands-Gutmenschen sind.
Unter extremen Bedingungen würden sicherlich die meisten Veganer auch Tierprodukte essen um nicht zu verhungern. Aber das ist keine Argument, das einem irgendwie weiterhilft. Es ist etwas völlig anderes, ob man Leid zufügt und tötet, weil man zum Überleben keine andere Wahl hat oder ob man Leid zufügt und tötet, weil man das -bzw. das Ergebnis dieser Handlungen- gerade so will.

Wenn man zum Kritisieren des Veganismus auf solche weit hergeholten und nicht wirklich relevanten Phantasie-Szenarien zurückgreifen muss, ist das ein starkes Indiz dafür, dass man für’s Hier und Jetzt keine guten Argumente dagegen hat und seinen Standpunkt mal überdenken sollte.

Statt sich Gedanken darüber zu machen, welche vermeintlichen „Trends“ unter Extremsituationen wegfallen können, sollte man sich Gedanken machen, wieso man im Hier und Jetzt nicht den „jetzigen“ Umständen entsprechend handelt. So wie man es ja in allen anderen Belangen vermutlich auch tut.

Im Gegensatz zu Fragen über imaginäre Inseln voller ungenießbarer Pflanzen und leckerer Tiere, ist nämlich eine andere Frage tatsächlich wichtig:
Wenn man auf einem Planeten lebt, auf dem ein ernsthaftes, bedrohliches Klimawandelproblem existiert, welches man mit einer unproblematisch Veränderung der Essgewohnheiten hin zu einer pflanzlichen Ernährung stark entschärfen könnte, und durch welche man zudem soziale Ungerechtigkeit, Umweltzerstörung, die Entstehung antibiotikaresistenter Keime und Tierleid deutlich reduzieren könnte, würde man dann trotzdem weiter Tierprodukte konsumieren, weil’s halt schmeckt?
Diese Frage ist im Gegensatz zum Inselszenario aber nicht extrem unwahrscheinlich, unrealistisch und hypothetisch, sondern eine, deren Antwort tatsächlich Einfluss auf große, reale Probleme hat.