Hey Veganer, Jedem das Seine!

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Wenn Menschen nicht weiter über eine Thematik nachdenken wollen, nutzen sie gern mal Sprichwörter anstelle von Argumenten. Oftmals passiert es dann auch, dass diese aus einem völlig anderen Kontext gelöst und unpassend verwendet werden. Ein besonders verbreitetes Beispiel dafür ist „Jedem das Seine“. Als Veganer hört man das besonders oft.

Dieser Spruch wird meist so verstanden und verwendet, dass jeder das Recht auf eigene Ansichten, Vorlieben und Handlungsweisen haben solle – und dass andere, die diese nicht teilen, sich daran nicht stören oder Kritik üben sollten. Das klingt – oberflächlich betrachtet – erst mal vernünftig und betont tolerant. Leider ist das als derartig allgemeine Forderung ohne weitere Konkretisierungen ein problematischer Spruch, da man damit beispielsweise durchaus auch berechtigte Kritik an schädlichen Handlungen als „intolerant“ darstellen kann.

„Jedem das Seine“ ist als Spruch zudem auch problematisch da er sehr vorbelastet ist. Denn er wurde schon von den Nazis für ihre Zwecke verwendet und am Eingangstor des Konzentrationslagers Buchenwald von innen lesbar angebracht. Er richtete sich also an die Insassen und wurde dort in der Bedeutung „Jedem, was er verdient“ verwendet. Nun ist Spruch deswegen noch nicht grundsätzlich abzulehnen aber vor diesem diesem Hintergrund ist die Gedankenlosigkeit, mit der er verwendet wird durchaus heikel. Und es zeigt, wie solche Aussagen verzerrt, instrumentalisiert und sinnentfremdet werden können. Denn vor allem entspricht diese Verwendung auch kaum noch der ursprünglichen Bedeutung im antiken Griechenland.

Bei „Jedem das Seine“ ging es zwar auch um Verteilungsgerechtigkeit. Aber vor allem meinte Platon damit, dass jeder für eine gerechte und harmonische Gesellschaft das tun solle, was seinem Wesen, seinen Möglichkeiten und seinen Umständen entspricht. Jeder sollte das tun, was ihm am meisten liegt um zu helfen. Es ging nicht darum, dass jeder rücksichtslos tun und lassen und nehmen können soll, was er gerade möchte.

Wenn man nun aber „Jedem das Seine“ auf das Fleischessen anwendet, versucht man damit quasi das Gegenteil zu rechtfertigen. Man rechtfertigt damit, dass man ANDEREN Lebewesen das IHRE NIMMT: Ihre Freiheit, ihre Unversehrt, ihre Nachkommen, ihr Leben -und man beansprucht das für SICH. Oft hört man nämlich auch die Formulierung „mein Fleisch“ und impliziert damit, dass einem die gewaltsam entrissenen Körperteile von Tieren zustehen. Man rechtfertigt damit also praktisch das komplette Gegenteil von dem, was die Aussage eigentlich bedeutete und maskiert das mit diesem Sinnspruch als Toleranz.

Tatsächlich gehörte dieses Fleisch aber anderen Lebewesen mit eigenen Emotionen, Interessen und Bedürfnissen. Wenn man „jedem das seine“ wirklich aufrichtig meinen sollte, und damit nicht nur meint „Fleisch für mich!“ müsste man den Tieren auch ihr Leben lassen.

Waldi süßsauer auf Reis

Mahlzeit miteinander. Diesen Monat ist es wieder soweit: Im chinesischen Yulin findet, wie jedes Jahr seit 2009, das als Hundefleisch-Festival bekannte Stadtfest statt, bei dem es eben im Wesentlichen um Hundefleisch geht. Und Deutschland reagiert darauf traditionell mit dem „Empör-Festival“, einer online ausgetragen Wettkampf-Veranstaltung, welche sich unter ambitionierten Entrüstern großer Beliebtheit erfreut.

Berichten zufolge sieht es aber so aus, dass es auf dem Stadtfest dieses Jahr aus Hygienegründen doch kein Hundefleisch geben wird. Das sorgt für Panik bei den Nachrichtenmagazinen. Hatte man sich doch schon die guten Substantive zurechtgelegt: Schande, Entsetzen, Grauen, Horror… Also macht man halt aus den Berichten vom letzten Jahr noch mal was. Unter diesen Berichten empört man sich das schon mal warm -oder geradezu heiß.

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Hey Veganer, jeder soll essen, was er will!

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Es gibt ja eine Reihe von Begründungen mit denen Fleischesser die vegane Ernährung kritisieren.

Angeblich zerstört die den Regenwald, sie vernichtet Arbeitsplätze, sie belastet das Gesundheitssystem, und so weiter.

Auch kritisieren sich Fleischesser ja untereinander und beklagen mehr oder weniger indirekt immer, dass die anderen -im Gegensatz zu einem selbst- immer zu viel Fleisch essen, zu billiges kaufen und die Massentierhaltung unterstützen. -oder dass sie das falsche Fleisch essen -also  zu Beispiel Hundefleisch statt Schweinefleisch, wie normale Menschen.

Und trotzdem wird auf Kritik am Fleischkonsum regelmäßig mit dem Mantra geantwortet, dass jeder essen soll, was er will. Meistens schon prophylaktisch, bevor ein Veganer überhaupt richtig Kritik geäußert hat.

Toleranz wird ja generell als etwas Gutes gesehen und der Begriff dementsprechend positiv verwendet. Und es klingt natürlich erst mal gut und tolerant wenn man den Standpunkt vertritt, dass jeder essen oder tun können soll, was er will. Nur ist das einfach nicht zu Ende gedacht. Das zeigt sich beispielsweise am sogenannten Toleranz-Paradoxon. Wenn man tolerant gegenüber Intoleranz ist, fördert man quasi die Intoleranz die man damit ja eigentlich kritisiert. Ob Toleranz etwas Gutes ist, hängt also ganz entscheidend davon ab, worauf sie sich bezieht.

Und auf den ersten Blick bezieht diese sich hier natürlich auf das Essen. Aber wenn Veganer Tierprodukte kritisieren, dann geht es nicht einfach um das was da auf dem Teller liegt sondern vor allem um das was es mal war -beziehungsweise darum, was getan werden muss um dieses Essen zu erzeugen.

Angelegenheiten sind schon per Definition Privatsache wenn sie PRIVAT sind, also Unbeteiligte nicht betreffen und beeinträchtigen. Das sind Dinge wie Musikgeschmack, die Frisur, die sexuelle Orientierung,  und so weiter.

Bei Tierprodukten ist das aber nicht der Fall. Nicht nur weil die Produktion tierischer Nahrungsmittel auch katastrophale Umweltauswirkungen, und damit Auswirkung auf alle Menschen hat -insbesondere auf die Ärmsten, sondern auch weil Tierprodukte nun mal aus Tier bestehen oder von Tieren genommen werden und man auch damit das Leben, die Freiheit und das Wohl fühlender Lebewesen beeinträchtigt.

Wenn man Tierprodukte konsumiert, widerspricht man also dem eigenen angeblichen Grundsatz mit dem man das rechtfertigen will. Denn als Tiere essender verursacht man eben genau, dass Tiere NICHT das tun können, was sie wollen. Sie können nicht frei sein, sie können nicht mit ihren Familien zusammen sein oder in sozialen Verbänden leben wie es ihren Bedürfnissen entspricht, Und vor allem können sie spätestens dann nicht mehr leben, wenn sie schlachtreif sind.

Nun sind für manche Menschen Tiere ja leider eher Dinge als Individuen. -zumindest die, die man essen will. Und wenn man sich nur auf das Essen  was aus ihnen gemacht wird, konzentriert, sieht man natürlich erst recht nur Objekte. Aber ein Tier ist eben nicht nur ein „etwas“. Im Gegensatz zu Pflanzen sind das Individuen mit Bewusstsein, Persönlichkeiten, Bedürfnissen und Interessen.

Natürlich ist es in einer freiheitlichen Gesellschaft notwendig, keine unbegründeten Verbote oder Regulierungen zu erlassen. Aber die persönliche Freiheit kann nicht auf die Kosten der Freiheit anderer gehen. Diese Selbstbeschränkung der Freiheit haben diverse philosophische Lehren der Geschichte thematisiert, von den Stoikern bis zur Aufklärung. Auch der Existenzialismus hat betont, dass der Mensch „zur Freiheit verurteilt“ ist – und dass daraus notwendigerweise die Aufgabe erwächst, sich selbst vernünftige Regeln zu geben. Dass man die äußere Freiheit hat, etwas zu tun, heißt noch lange nicht, dass man guten Grund hat, sein Wollen in die Tat umzusetzen – oder dass dies auch eine verantwortungsvolle Handlung wäre.

Aber selbst wenn man sich die aktuelle Gesetzeslage ansieht, ist es eben NICHT so, dass jeder alles essen kann, was er will, und die meisten Menschen das auch gut finden. Natürlich könnte man jetzt dafür argumentieren, dass das aber so sein sollte und dass man konsequenterweise dann natürlich allen Tieren Gewalt antun dürfen muss und dass auch Delphinsteak, Katzengulasch, Hundeschnitzel und Babyrobbenragout für alle legal sein sollte. Das wäre dann an der Stelle zumindest konsequent. Aber die wenigsten werden diese Forderung wirklich so meinen. Oft sind mit diesem „was er will“ hauptsächlich die Tierarten gefordert, die man selbst essen will, weil das hier zufällig so Tradition ist.

Toleranz ist keine Einbahnstraße. Man kann nicht einfach einfordern, tun und lassen zu können, was man will, das aber das nur ausgewählten anderen zugestehen, und auch nur die Sachen die einen selbst nicht wirklich stören. Toleranz bedeutet so viel wie Erduldung und ist eigentlich nur dann eine Leistung, wenn sie  einem selbst etwas abverlangt. Zu akzeptieren, dass andere Menschen sich pflanzlich ernähren, erfüllt dieses Kriterium nicht wirklich. Anders sieht das aus, wenn man die eignen Privilegien teilen müsste, also sich beispielsweise von der speziesistischen Ansicht verabschieden muss, der einzigen Art anzugehören, der eine Bedeutsamkeit zusteht. Und wenn man überlegt, ob man andere Individuen als ethisch relevant erachtet, dann sollte man vor allem darüber nachdenken ob man sich auch auf der anderen Seite dieser Entscheidung wiederfinden können möchte. „Die gehören nicht zu uns“ oder „Das Recht des Stärkeren“ sind dabei Rechtfertigungen, die schon immer blutig und grausam endeten.

Die faire Berücksichtigung von Interessen und Bedürfnissen aller Beteiligten ist hingegen etwas, das man nur schwer gegen einen selbst verwenden kann und das tatsächlich fair dafür sorgt, dass jeder machen kann, was er will -in einem Rahmen wo andere nicht darunter leiden müssen.

Hey Veganer, ihr könnt eh nichts ändern!

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Veganer verursachen laut vieler Fleischesser ja eine ganze Menge Dinge: Sie zerstören Arbeitsplätze, Nutztierrassen sterben aus, es müssen viel mehr Pflanzen angebaut werden, der Regenwald wird für Soja abgeholzt, die Veganerlobby oder ein freiwilliger Veggieday bedrohen massivst demokratische Grundrechte und so weiter. Gleichzeitig ist der Veganismus aber sinnlos, weil man mit einem Verzicht auf Tierprodukte eh nichts ändert. Wenn man nur ganz wenig Fleisch vom beliebten Metzger des Vertrauens kauft, aber dann offenbar doch wieder…
Jedenfalls hört immer wieder Einwände wie etwa, dass Veganer doch eh nichts ändern können. Und dass man, nur weil man vegan lebt, beispielsweise die Massentierhaltung auch nicht abschaffen könnte -und dass das an der Nachfrage insgesamt quasi gar nichts ändert. Und natürlich wird ein Mensch mit einer Ernährungsumstellung die Massentierhaltung nicht im Alleingang aufhalten. Aber implizit stimmt man mit dieser Argumentation ja erst mal zu, dass im Kontext der Ernährung vieles am aktuellen Zustand enorm problematisch ist und man möglichst wirksam etwas ändern sollte: Tierfabriken abschaffen, unnötiges Tierleid verhindern, die Umweltschäden durch die Fleischindustrie minimieren, ressourcenschonender leben -und so weiter. Wenn man es also nicht gerade mit „Nach mir die Sintflut“-Menschen zu tun hat, gibt es also an vielen Stellen durchaus einen Konsens über wichtige Ziele und eine ethische Verantwortung des Einzelnen, zur Umsetzung dieser Ziele beizutragen. Nur wird bestritten -beziehungsweisse ABgestritten, dass das eigene konkrete Konsumverhalten einen nennenswerten Einfluss hat. Und man argumentiert, dass es keinen großen Unterschied macht, wie sich der Einzelne verhält. Deshalb wird quasi abgelehnt, irgendeine Änderung am eigenen Verhalten anzustreben.
Dass jeder einzelne von uns nur geringen Einfluss auf große wirtschaftliche und politische Prozesse hat, gilt im Grunde für alles – egal gegen was man aufsteht und für was man sich engagiert. Auch bei der Wahl macht die einzelne Stimme eines Wahlberechtigten sehr selten einen Unterschied – trotzdem geht in einer demokratischen Wahl die Macht vom Volke aus und die Summe aller Stimmen produziert Mehrheitsverhältnisse, die dann die Politik der nächsten Jahre ganz massiv prägen können. Beim Konsum ist das ähnlich. Wenn Konsumenten ein gemeinsames ethisches Anliegen teilen und sich darüber verständigen – beispielsweise keine Kleidung zu kaufen, die durch Kinderarbeit entsteht – und daraufhin bestimmte Marken gezielt boykottieren oder mit Kampagnenarbeit zum Umdenken bewegen, dann kann das einen signifikanten Unterschied für den Absatz eines Produktes bedeuten. Umgekehrt kann auch STEIGENDE Nachfrage nach gewissen Produkten in relativ kurzer Zeit bemerkenswerte Effekte erzielen: Innerhalb weniger Jahre ist das Angebot an explizit veganen Produkten deutlich gestiegen und hat sich von einem Nischen-Segment im Reformhaus und einzelnen Bio-Läden zu einem wichtigen Bestandteil der Produktpalette auch von Discountern entwickelt, was manche Fleischesser ja schon enorm nervt. In letzter Zeit haben einige Lebensmittelhersteller auf die vermehrte Nachfrage nach veganen Produkten reagiert, indem sie gekennzeichnet haben, welche ihrer Produkte bereits vegan sind – und damit das Einkaufen für viele Veganer erleichtert. Und das wiederum führt dazu, dass es für andere Menschen leichter wird, vegan zu leben, was wiederum die Nachfrage weiter erhöht und es noch leichter macht und so weiter. Neben spezialisierten Firmen und Marktketten für vegane Produkte erkennen auch viele etablierte Lebensmittelhersteller, dass sie ihr Sortiment an die vermehrte Nachfrage nach vegetarischen und rein pflanzlichen Produkten anpassen müssen. Das passiert ja alles nicht von allein.
Die meisten Menschen empören sich darüber, wenn andere ihnen etwas vorschreiben und aufzwingen wollen und über sie hinweg entscheiden. Aber an Stellen, wo sie selbst nachweisbar Änderungen bewirken könnten, werden viele lethargisch. Viele Menschen sind ja durchaus engagiert, wenn es um ihre eigenen Interessen geht. Obwohl sie da allein auch nichts ändern können. Da könnte man fast denken, dass sie doch anderer Meinung sind.
Wenn es um Tierleid geht, meinen viele, dass sie mit der reflexhaften Aussage: „Ich finde Massentierhaltung auch schlecht.“ genug getan haben. Aber wenn man einen ertrinkenden Hund sieht, käme niemand auf die Idee, dass der bloße Kommentar: „Ich finde es auch nicht gut, wenn Hunde ertrinken.“ eine lobenswerte Aussage wäre. Da wären Menschen selbstverständlich der Meinung, dass es sehr wohl eine Rolle spielt, wenn man als Einzelperson einen einzelnen ertrinkenden Hund rettet. Aber bei unzähligen Nutztieren vertritt man dann wohl doch wieder eine andere Ansicht. Wenn es um den Konsum von Tierprodukten geht, scheint man davon auszugehen, dass das eigene Verhalten keinerlei Auswirkungen hat. Sicherlich auch, weil man WILL, dass es keine Auswirkungen hat. Die Aussage: „Ihr könnt eh nichts ändern.“ ist oft eher das Resultat der Überlegung „ICH muss nichts tun, wenn ich nichts ändern kann.“
Tatsächlich ist aber sogar das Gegenteil der Fall. Als normaler Mensch kann man erst mal NUR allein im Kleinen etwas ändern, weil man nur die eigene Lebensführung wirklich steuern kann. Deshalb muss jeder erst mal bei sich selbst anfangen. Jede einzelne unserer Handlungen hat eine Auswirkung. Jede Entscheidung die wir treffen, ist die Chance etwas zu verbessern. Wenn man etwas für falsch hält, kann man das erst mal bei sich selbst ändern und dann den Menschen in seinem Umfeld die Beweggründe erläutern, um damit nicht allein zu bleiben. Und mit jeder Zustimmung wächst das Potential zur Veränderung. Man kann durchs Vorleben andere ermutigen, auch Konsumveränderungen zu versuchen. Oder man kann Menschen, die noch nichts davon wissen, darüber aufklären. Und man kann andere, die ja eigentlich auch den Anspruch haben, etwas zum Positiven zu ändern, in ihrer Entscheidung bestärken. Zu Veränderungen kommt es, wenn eine gewisse Anzahl von Menschen beginnt, sich für etwas einzusetzen. Niemand rettet die Welt allein, aber wenn viele Individuen jeweils ein Stück davon etwas besser machen, ergibt das in Summe riesige Verbesserungen.

Einfach so weiter zu machen wie bisher und die Folgen unseres Handelns zu ignorieren, kann nicht gut gehen. Und die einzige Alternative dazu, ist etwas zu ändern. „Ich will leben, als ob es kein Morgen gäbe, weil es global gesehen keine Rolle spielt und das eh alle machen.“… das ist zwar eine sehr verlockende und einfache Überzeugung. Aber eine, die unvermeidlich ins Auge gehen wird. Es ist einfach ein gravierender Unterschied, ob man eine Gesellschaft von Menschen hat, wo jedes Individuum der Meinung ist „Alleine darf ich alles.“ Oder ob man eine hat, die der Meinung ist, dass man eben nicht alleine ist und gemeinsam stark ist und deshalb zusammenarbeiten kann, sollte und muss, um etwas zu bewirken.

Dass man Diskriminierung, Unterdrückung, Gewalt und Ausbeutung nicht sofort komplett eliminieren kann, heißt das doch nicht, dass man nicht enorm vieles verbessern kann, wenn man sich bemüht, anständig zu leben und zusammenarbeitet, um etwas zu verändern, statt sich der bequemen Resignation hinzugeben. Und weil man mit dem Veganismus allein nicht alle Ziele erreicht, heißt das nicht, dass man das sein lassen sollte, sondern dass man darüber hinaus noch an anderen Stellen ansetzen sollte. Irgendwo muss man anfangen. Und die Tiere in Ruhe zu lassen, ist da doch ein besonders sinnvoller und einfacher Anfang. Man muss ja noch nicht mal viel tun. Man muss hauptsächlich etwas sein lassen und erreicht damit gleich in mehreren Bereichen Verbesserungen.
Wenn man nicht in einer Welt leben will, wo die Stärkeren die Schwächeren unterdrücken, sollte man Schwächeren gegenüber auch nicht so handeln und dementsprechend keine Tiere töten lassen, auch wenn die meisten anderen das nur als ein Problem erkennen, wenn sie gerade selbst die Schwächeren sind.
Es gibt kaum einen Bereich wo, man selbst so direkt Einfluss nehmen kann, wie bei den eigenen Konsumgewohnheiten und beim eigenen Verhalten -insbesondere schwächeren und wehrlosen gegenüber.

Hey Veganer, das ist nur so ein Trend!

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Wenn man die Leute fragt, aber vor allem auch, wenn man sie nicht fragt, dann äußern die in der Regel sehr interessante Meinungen über den Veganismus. Demzufolge scheint dieser nämlich sehr paradox. Er ist beispielsweise eine Art quasireligiöser Fanatismus, gleichzeitig aber auch nur so ein Trend von Leuten ohne festen Standpunkt und naive Mitläufer. Und er hat schon seit Jahrzehnen die Eigenschaft in ein paar Jahren eh wieder vorbei zu sein.

Ein Trend ist grundsätzlich erst mal nur eine Entwicklung und Veränderung. Und das ist der Veganismus auf jeden Fall. Die Zahl der Veganer nimmt immer weiter zu und auch die Zahl der veganen Produkte wächst stetig.
Aber umgangssprachlich wird mit „nur ein Trend“ etwas gemeint, von dem man sicher ist, dass es eh bald wieder vorbei ist, also eben eine Modeerscheinung.
Aber die Vegan Society wurde bereits 1944 gegründet und es wirkt halt schon etwas merkwürdig, wenn man 75 Jahre nachdem allein das Wort definiert und etabliert wurde, noch von „nur so ein Trend“ spricht, -weil man erst vor kurzem davon gehört hat.
Die Gemeinschaft um den Philosophen Pythagoras lehnte den Verzehr alles „Beseelten“ ab. Das was man heute Vegetarismus nennt, geht also sogar mehr als 2500 Jahre zurück. Der Veganismus ist die konsequente und moderne Weiterentwicklung einer solchen Überzeugung. Beim Veganismus beschränkt sich die Berücksichtigung tierischer Interessen nicht auf die Ernährung und sie basiert auf viel konkreter formulierten Grundlagen wie den Interessen und Bedürfnissen empfindungsfähiger Lebewesen.
Aber wenn man den Veganismus als so eine Modeerscheinung ansieht, macht man es sich natürlich einfach.
Für viele Fleischesser fühlt sich der der Veganismus unangenehm an. Er ist unter anderem etwas, das die eigene Lebensweise in Frage stellt und auf gewisse Weise die eigene Identität bedroht, da das Fleischessen identitätsstiftend ist. Fleisch zu essen ist etwas, das man selbst und die meisten Menschen die man kennt, schon immer getan haben und das man immer für normal und richtig gehalten hat -oft ohne wirklich darüber nachzudenken. Aber Veganer lehnen Tierausbeutung ab, weil sie das für unethisch halten. Sie weisen auf die Gewalt dahinter hin und machen die unangenehmen Hintergründe und Zusammenhänge sichtbar. Da möchte man natürlich, dass sie Unrecht haben und dass das bald wieder vorbei ist. Der Veganismus und seine Konsequenzen sind etwas, womit man sich eigentlich gar nicht auseinandersetzen will. Da ist es einfacher, reflexhaft mit Spott, Witzen, Herabwürdigung oder eben mit Kleinreden zu reagieren. Und wenn man den Veganismus als „nur so ein Trend“ abtut, muss sich nicht weiter damit befassen und das alles auch nicht ernst nehmen. Modetrends muss man nicht mitmachen. Wenn man sich einredet, dass etwas, das die anderen tun, nur ein Trend ist bei dem man nicht mitmacht, sieht man sich selbst zudem sogar als selbstsicher, nicht so leicht manipulierbar und individuell – obgleich man damit ziemlich genau dem Mainstream folgt und nur das tut, was alle schon immer seit Anbeginn der Menschheit getan haben.

Natürlich gibt es auch immer mal wieder neue Essenstrends. Paleo, vermeintliche Superfoods, glutenfrei und so weiter. Die Motivation für diese ist aber in der Regel, dass sie von den Vertretern für gesund gehalten werden. Und natürlich hat man auch bei einer ordentlichen veganen Ernährung beachtliche gesundheitliche Vorteile und für manche ernähren sich auch aus diesem Grund pflanzlich. Aber das ist nicht der eigentliche Beweggrund dahinter. Der Veganismus ist – und war immer schon – mehr als eine Ernährung. Veganismus ist keine Modeerscheinung, sondern die bewusste Entscheidung sich von schädlichen und als unethisch angesehen Traditionen zu lösen. Es ist die Weiterentwicklung unserer Ethik. Diese hat sich bisher immer weiter entwickelt. Es ist ungefähr so eine „Mode“ wie die Ächtung von Sklaverei oder die Gleichberechtigung von Frauen. Oder wie Empathie, Gerechtigkeitssinn, Hilfsbereitschaft und Mitgefühl im Allgemeinen. Ja, vielleicht sind solche Dinge leider für manche auch nur ein Trend und für einige noch nicht einmal das. Und es gibt natürlich auch immer Kräfte, die versuchen, solche Entwicklungen umzukehren. Aber nur weil etwas der eigenen Wahrnehmung nach vermeintlich neu ist, heißt das nicht, dass das auch bald wieder vorbei sein wird. Bei solchen orakeligen „Das weiß man einfach“-Prognosen die auf keine wirklich sinnvollen empirischen Daten zurückgreifen können, ist wohl viel mehr der Wunsch der Vater des Gedankens.
Veganismus ist keine Lifestyle-Entscheidung und keine persönliche Vorliebe. Es geht um die fundamentalen Rechte fühlender Lebewesen nicht benutzt, besessen, versklavt, ausgebeutet und für uns Objekte von Annehmlichkeiten und Bequemlichkeit zu sein. Es geht um Gerechtigkeit.
Veganismus für eine Moddererscheinung zu halten, ist jedenfalls nur so ein Modeerscheinung.

Hey Veganer, „die Kinder in Afrika“ wären froh, wenn sie Fleisch hätten!

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Wenn man in der Wurstnation Deutschland witzelt: „Brot für die Welt. Aber die Wurst bleibt hier.“ aber Menschen die den Konsum von Tierprodukten kritisieren gleichzeit empört und vorwurfsvoll auf hungrige Kinder in armen Ländern hinweist, dann liegt die Vermutung nahe, dass es vielen dabei eben nicht um arme Kinder geht, sondern buchstäblich um die Wurst.
Es wird jedenfalls oft gesagt, dass Veganismus ein Luxusproblem wäre und dass „Die Kinder in Afrika“ froh wären, wenn sie Fleisch hätten. Letzteres ist zwar sicherlich richtig, da ein verhungerndes Kind selbstverständlich froh wäre, ETWAS zu essen zu haben, sicherlich auch Fleisch. Aber wenn man damit den eigenen Fleischkonsum rechtfertigen will und Menschen die das Fleichessen ablehnehnen, sogar noch vorwürfe macht, ist das aus mehreren Gründen ziemlich zynisch.

Zunächst instrumentalisiert man mit diesem Argument arme Kinder um den eigenen Luxus zu rechtfertigen, während man gleichzeitig Veganern
„Luxussorgen“ vorwirft. Mehr oder weniger unbewusst versucht man damit, anderen ein schlechtes Gewissen einzureden und dabei das eigene zu entlasten. Aber ein hungerndes Kind rechtfertigt doch nicht den eigenen Fleischkonsum.
3.6 Millionen Kinder haben nicht genug zu essen. 20.000 Kinder verhungern jeden Tag. Wie hilft man denen, indem man hier Fleisch isst? Gar nicht! Gerade UNSER Fleischkonsum verschärft auf verschiedenen Arten den Welthunger und Mangelernährungen, was oft Armut ,Arbeitslosigkeit, Gewalt, bewaffnete Konflikte sowie Flucht und Vertreibung weiter verstärkt.
Die größte und bedeutendste Organisation für Nahrungsspende: „Food for Life Global“ ist vegan, denn sie vertritt die Ansicht, dass das Mitgefühl und der Respekt, der vom Veganismus grundsätzlich ausgeht, das wertvollste Mittel zur  Armutsbekämpfung ist, aber vor allem da die Produktion tierischer Nahrungsmittel aufwändig und verschwenderisch ist.
Der Anbau von Futtermitteln steht in Flächenkonkurrenz zum Anbau von menschlichen Nahrungsmitteln. Und diese Konkurrenz wird zulasten vieler Menschen in ärmeren Regionen ausgetragen. Das nennt man die Trog-Teller-Problematik. Die allermeisten „Nutztiere“ werden nämlich mit großen Mengen an Kraftfutter aus Getreide und Ölfrüchten wie Soja und Raps gefüttert. Nur 43 % der weltweiten Getreideernte dienen direkt als Lebensmittel. In der EU ist es sogar nur ein Viertel. In vielen Fällen könnten Mais, Weizen und andere Getreide unmittelbar für die menschliche Ernährung genutzt werden. Der Großteil landet jedoch in den Futtertrögen von Rindern, Schweinen und Geflügel. Wir verfüttern also die Nahrung armer Menschen an unser „Essen“ und können für Getreide und Soja natürlich viel mehr zahlen als diese, was die Preise in die Höhe treibt. Und unsere Schlachtabfälle, die hier keiner essen will, also etwa Füße, Hälse und Rücken von Hühnern werden dann wieder zu Spottpreisen nach Westafrika exportiert, wodurch dort die Märkte zerstört werden. Zudem sind diese Abfälle oft noch mangelhaft gekühlt, weshalb sie keimbelastet sind. Viehhaltung ist eine der Hauptursachen für den Klimawandel, unter dem vor allem Menschen in Entwicklungsländern besonders zu leiden haben. Eine pflanzliche Ernährung entlastet hingegen die zunehmend knapper werdende Ressourcen wie Anbauflächen.
Eine Studie der University of Minnesota zeigt, dass die Welt dadurch bis 2050 mehrere Millionen Tote verhindern, klimaschädliche Emissionen beträchtlich reduzieren und jährlich Milliarden von Dollar für Umweltschäden und im Gesundheitswesen einsparen könnte.
Hinzu kommt, dass das Konsumverhalten der Industriestaaten weltweit eine wichtige Leitbildfunktion hat, was zu noch schlimmeren Auswirkungen führen würde, wenn arme Länder sich an unserem Fleischkonsum orientieren.

SICHERLICH wären hungrige Kinder auch froh über Fleisch. Aber sie sind nicht einfach SO froh über Fleisch, sondern sie sind froh, weil das gegebenenfalls ihr Überleben und ihre Gesundheit sichern kann, nicht weil es unnötiger Selbstzweck ist, wie bei uns. WAS ihnen das Überleben ermöglicht, wäre an der Stelle erst mal unerheblich. Wenn Veganer in einer Notlage wären und nichts anderes zu essen hätte wären sie auch „froh“ über Fleisch um ihr Leben zu retten.
Noch viel froher wären sie aber beispielsweise über die größeren Mengen Getreide und Soja die erst verlustreich als Kraftfutter in Fleisch umgewandelt werden müssen. Aber wenn sie nich in dieser Situation sind, ist das nun mal ein gravierender Unterschied. Weil es Menschen gibt, die „froh wären wenn sie Geld hätten“ um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, folgt daraus nicht, dass jemand Luxussorgen hat, wenn er es kritisiert, Menschen auszurauben um sich Schmuck zu kaufen.
Und weil jemand dazu gezwungen ist, Gewalt auszuüben um zu überleben, folgt daraus nicht, dass man das beliebig tun kann oder gar aus Sympathie mitmachen sollte -oder dass man sich schämen sollte, wenn man nicht unnötigerweise Tiere töten lässt. Daraus sollte doch viel mehr folgen, dass man versucht, sich dafür einzusetzen, dass diese Menschen nicht mehr dazu gezwungen sind. Um das zu ermöglichen muss man natürlich eine ganze Reihe Probleme lösen: Von Verteilungsschwierigkeiten bis hin zu Nahrungsmittelspekulationen an der Börse.

Aber wenn dieses Mitgefühl für verhungernde Menschen nicht nur eine vorgeschobene Rechtfertigung des eigenen Fleischkonsums ist, dann sollte man zunächst mal damit aufhören Tierprodukte zu konsumieren für deren „Herstellung“ man die Nahrungsmittel der „armer Menschen“ verschwendet.

Hey Veganer, euch fehlt Vitmain B12!

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Der Veganismus ist nicht nur ethisch und ökologisch sehr sinnvoll; eine ordentliche vegane Ernährung kann eine Reihe gesundheitlicher Vorteile haben. Aber oft wird das berüchtigte Vitamin B12 als Argument gegen den Veganismus verwendet. Weil dieses in Pflanzen kaum vor kommt, wird der als eine unvollständige Mangelernährung betrachtet und es wird argumentiert, dass es notwendig ist, Tierprodukte zu konsumieren.
B12 ist ein recht komplexes und heiß diskutiertes Thema. Klar ist, dass B12 unerlässlich ist. Es ist unter anderem wichtig für die Blutbildung, das Nervensystem und die Zellteilung.

B12 wird im Vergleich mit anderen Vitaminen nur in sehr geringen Mengen benötigt. Beim empfohlenen Tagesbedarf gibt es recht viele unterschiedliche Ansichten aber in vielen Fällen liegt der bei etwa 3 Mikrogramm, also nur drei millionstel Gramm. Da nur ein Teil aufgenommen wird, werden teilweise auch höhere Dosierungen empfehlen. Die B12-Speicher des menschlichen Körpers in der Leber und den Muskeln reichen in der Regel für mehrere Jahre, weshalb Mängel nicht von heute auf morgen auftreten. Einen B12-Mangel sollte man aber trotzdem nicht riskieren. Je nach Ausprägung kann das zu Konzentrationsschwäche, depressiven Verstimmungen, Störungen bei der Blutneubildung und im Extremfall zu irreversiblen Nervenschäden führen.

B12-Mangel ist in der weltweiten Gesamtbevölkerung leider weit verbreitet, oft ohne dass die Betroffenen davon wissen. Viele Ärzte sind dafür zudem nicht ausreichend sensibilisiert. Deshalb ist das Supplementieren von B12 allgemein für jeden ein gute Idee, vor allem mit zunehmendem Alter und bei Schwangerschaft. Glücklicherweise ist das auch kein Problem.

Wie gesagt, wird dieses Vitamin häufig als ein Argument gegen den Veganismus angeführt, weil es in Pflanzen kaum vorkommt. Aber zunächst mal ist B12 KEIN Tierprodukt, denn Tiere oder Pflanzen sind -wie auch der Mensch- nicht in der Lage Vitamin B12 selbst herzustellen. Es wird in der Natur von Mikroorganismen – insbesondere Bakterien – produziert.

Diese leben im Wasser, in der Erde, auf der Oberfläche mancher Pflanzen und im Darm von Tieren, einschließlich des Menschen. Da unsere Lebensmittel aber in der Regel industriell gereinigt sind und unser Wasser glücklicherweise geklärt ist, sind die Verunreinigungen nicht ausreichend um den Bedarf an B12 zu decken. Cobalamine kommen durchaus auch in einigen pflanzlichen Lebensmitteln wie Sauerkraut und Bier vor, allerdings schwankt die Menge des enthaltenen B12 stark und besteht zudem zum Großteil aus nicht verwertbaren B12 Analoga. Das sind B12-Varianten ohne Vitaminwirksamkeit. Neueren Forschungen zufolge, ist aktives B12 aber wohl doch auch in manchen Algen in nennenswerter Menge enthalten. Das galt bisher als zweifelhaft.

Im Grunde besteht der Einwand aus zwei Aspekten: Schädlichkeit und Unnatürlichkeit. Beide sind aber nicht stichhaltig.

Industriell hergestelltes B12 ist nachweislich wirksam und unbedenklich. Wo das B12 von den Mikroben hergestellt wird, ob dies im Darm von Tieren oder in Kupferkesseln passiert, spielt für die Wirksamkeit keine Rolle, denn es ist chemisch komplett identisch.
Nur ist letzteres reiner und effizienter da es in der Natur eben meist gemischt mit den Analoga und in schwankender Menge vorkommt. Man kann es also auch besser dosieren. Außerdem nimmt man mit Tierprodukten zwangsläufig weitere Stoffe auf, die oft gesundheitsschädlich sind. Darunter krebsfördernde Hormone, Keime, Antiobiotikarückstände und vieles mehr. B12 kommt zudem vor allem in Innereien vor. insbesondere in der Leber. Aber aus iiiirgend einem Grund, enthält dieses Entgiftungsorgan wohl Schadstoffe, weshalb es gar nicht empfohlen wird, viel davon zu essen. Da ist es schon recht skurril, wenn von manchen Menschen statt dessen das völlig schadstofffreie, synthetisch hergestellte B12 wird als ungesund angesehen.

In einer Studie wurden die B12-Werte verschiedener Personen gemessen. Die Probanden mit den besten Werten, waren nicht die, die die meisten Tierprodukte aßen sondern die, die supplemtierten und angereicherte Nahrungsmittel konsumierten. Tatsächlich ist das Supplementieren von B12 also sogar gesundheitlich vorteilhafter und wirksamer.

Wie Menschen früher ihren B12-Bedarf deckten, kann man nicht ganz eindeutig sagen. Nicht alle konnten B12 aus tierischen Produkten beziehen. Es gab durchaus Bevölkerungsgruppen, die aus verschiedenen Gründen vegan oder nahezu vegan lebten. Das kann Armut gewesen sein, athletische Gründe wie bei den Gladiatoren oder religiöse Gründe wie bei den Jainisten oder den Bischnoi. Man geht aber davon aus, dass das durch die weniger hygienischen Lebensweisen geschah. Gerade auch im Mittelalter hat man es ja mit der Hygiene ja noch nicht soooo genau genommen.
Da Wasser früher nicht geklärt wurde, enthielt es Verunreinigungen wie Exkremente und viele andere Dinge, darunter sicherlich Cholerabakterien und andere unschöne Sachen -aber eben auch Vitamin B12. Heute ist das glücklicherweise anders. Beim Klären wird neben Schadstoffen und Verschmutzungen aber auch enthaltenes B12 entfernt. Theoretisch könnte man nachher wieder B12 zusetzen. Da B12 zu den wasserlöslichen Vitaminen gehört ist eine Überdosierung nicht möglich. Der Überschuss wird einfach wieder ausgeschieden. Aber natürlich kann man durchaus die Ansicht vertreten, dass Leitungswasser weitgehend frei von Zusätzen sein sollte. – Dass wir heute nicht aufgrund von Jodmangel flächendeckend alle an einem Kropf leiden, wie es im 19. Jahrhundert quasi schon fast normal war, liegt vor allem daran, dass wir unser Speisesalz mit Jod anreichen. Es wäre kein Problem das auch mit B12 zu tun. Das einzige was sich dabei merklich für Menschen ändern würde, ist, dass das Salz rosa aussähe, weil B12 in seiner reinen Form

Da das derzeit nicht im größeren Maßstab getan wird, hat man genügend andere Möglichkeiten. Neben einfachen Kautabletten wie Veg-1 oder Jarrows B12, Mundspray oder B12-Kaugummies, gibt es auch diverse angereicherte Nahrungsmittel. Zudem gibt es praktischerweise auch Zahnpasta mit B12, die nachweislich allein durchs Zähneputzen den B12-Spiegel erhöhen kann. Spätestens bei Zahnpasta müsste man merken, dass Natürlichkeitsargumente in diesem Kontext unsinnig sind. Zähneputzen tut man ohnehin. Und das lehnt auch keiner ab, weil es komplett unnatürlich ist.
Und der Großteil des industriell hergestellten B12 wird nicht von Veganern konsumiert sondern indirekt von allen Menschen, denn das meiste wird in der Viehwirtschaft an die Tiere verfüttert, da diese eben sehr unnatürlich gehalten werden und demensprechend selbst B12 brauchen.
Praktisch alle Tiere in der „Intensivtierhaltung“, die keine Wiederkäuer sind, bekommen B12 im Futter supplementiert. Zudem hat auch das von uns produzierte Fleisch auch sonst kaum noch etwas mit Natürlichkeit zu tun. Das kommt fast ausschließlich aus Tierfabriken und industrieller Massentierhaltung. Die Tiere werden auch nicht mit bloßen Händen erlegt und mit den Zähnen zerteilt. Dafür werden unnatürliche Werkzeuge verwendet. Wenn ein B12-Suppelement also unnatürlich ist, dann ist es das handelsübliche Geflügel- und Schweinefleisch erst recht.
Und ohne Supplementierung geht es in der modernen Massentierhaltung im Grunde auch gar nicht. Die Alternative wäre, es so zu machen, wie man es bis 2001 getan hat: Tiermehl verfüttern -also die pulverisierten Leichen ihrer Artgenossen. Und die Tiere damit zwangskanibalisieren. Was das Ergebnis davon war, wissen wir ja.
Sein B12 so indirekt über Tiere aufzunehmen, macht es natürlich einfach, sich einzureden, dass das, was Veganer tun unnatürlich ist, und ein Beweis für eine unausgewogene Mangelernährung. Hinzu kommt, dass B12 hitzeempfindlich ist. Wenn man mit der Natürlichkeit argumentiert, dürft man das Fleisch an der Stelle dann ohnehin nur roh essen.
Im Grunde ist das Argument also: „Nein, ich möchte nicht dieses reine, wirksame B12 aus dem Bioreaktor, weil das unnatürlich ist. Ich will, dass das Zeug zuerst an Tiere verfüttert wird, möglichst ohne dass man es mir erzählt und nehme dann lieber das verunreinigte aus dem Darm von Tierleichen weil das dadurch aus irgend einem Grund -den ich nicht erklären kann- viel natürlicher wird -und dadurch besser -was ich auch nicht erklären kann.“
Diese Natürlichkeits-Ideologie ist nicht rational. Der genau gleiche Stoff wird abgelehnt, wenn man ihn statt aus Tierprodukten separat zu sich nimmt, weil das „unnatürlich“ sei.
Das ist aber nicht nur umständlicher, verlustreicher und unökologischer. Es bringt auch keine nennenswerten Vorteile aber eine ganze Reihe Nachteile.

Wir alle supplementieren also heute. Die einen über den Umweg über Tiere, wo man es nicht wirklich merkt und sich einreden kann, sich natürlich und ausgewogen zu ernähren, die anderen eben direkt und gezielt und ohne sich da etwas vorzumachen.
Man lässt als Nichtveganer das Supplementieren nur andere für sich tun, und bekommt nichts davon mit, weil das so indirekt passiert.
In manchem veganen Aufschnitt ist B12 auch zugesetzt und steht dementsprechend auf der Zutatenliste. Nur wird das eben direkt hinzugefügt und nicht per Umweg über das Tier.
Supplementieren ist grundsätzlich völlig in Ordnung. Es heißt, dass wir erforscht haben, was wir brauchen und an den Stellen wo es mangelt, einfach nachbessern können.
Veganismus ist ohne B12 tatsächlich eine Mangelernährung, wie jede andere Ernährung ohne B12 eine ist. Deshalb führt man es ja zu. Damit es keine ist. Das ist ein Nährstoff wie andere auch. Man braucht etwas. Also nimmt man es zu sich. Die vermeintliche Natürlichkeit der Quelle ist aber einfach kein Argument.
Wenn man argumentiert, dass Veganismus ohne B12-Zufuhr defizitär ist, ist das sicherlich richtig. Genauso wie eine omnivore Ernährung defizitär ist, wenn man nicht genug Wasser zu sich nimmt. Aber wenn man nicht gerade Pfützenwasser trinkt, sind praktisch alle unsere Getränke unnatürlich.
Und auch wenn auf die Flaschen gern was anderes geschrieben wird: Auch Bier ist unnatürlich. Bier wächst aber nicht auf Bäumen sondern wird erst vom Menschen hergestellt. So wie die allermeisten anderen Getränke auch. Die werden alle in Fabriken und Brauereien produziert.
Selbst Leitungswasser ist unnatürlich geklärt, kommt aus unnatürlichen Wasserhähnen und wird meistens aus unnatürlichen Flaschen und Gläsern getrunken. Und da würden es doch niemand für ein vernünftiges Argument halten, diese Getränke abzulehnen, weil sie so unnatürlich hergestellt werden. -außer, es geht um Veganismus. Dann erscheint genau dieselbe seltsame Aussage wie ein total stichhaltiges Argument, wenn man sie selbst verwendet.

Bis zu 90% aller Deutschen leiden an einem Vitamin D Mangel. Insbesondere zum Ende der Winterzeit. Das liegt daran, dass wir unnatürliche Kleidung tragen und in unnatürlichen Häusern leben und daher nicht genug Vitamin D durch Sonneneinstrahlung bilden können. Und da käme niemand auf die Idee zu fordern, die Kinder nackt auf der Wiese leben zu lassen, weil das natürlicher ist und gut für die Vitamin-D-Produktion. Oder wenn es um Folsäure, Calcium, Magnesium, Vitamin C oder andere Nährstoffe geht an denen es uns gern mal fehlt. Da werden Supplemente und angereicherte Nahrungsmittel verwendet und fast jeder hält das auch für vernünftig und sinnvoll. Und falls da mal nach der Ursache gefragt wird, wird die dann selten so heiß und kritisch diskutiert, wie im Bezug auf Veganer und B12.

Gefühlsmäßig ist eine Abneigung gegen das Supplementieren oder eine Skepsis schon nachvollziehbar aber das ist in erster Linie ein auf einer Naturverklärung begründetes Bauchgefühl. Wir haben uns aber von der Natur ziemlich weit gelöst. Das ist in manchen Bereichen schlecht aber an vielen Stellen auch gut so. Nur vergessen dann viele dadurch, wie brutal und ekelig die Natur auch sein kann und verklären sie zu einer perfekten und gesunden Sache, die sie einfach nicht ist und niemals war. „Natürlich“ heißt nicht automatisch gesünder. Viele natürliche Dinge sind giftig, ungesund und gesundheitsschädlich, oder einfach nur unrein und keimbelastet, während viele unnatürliche Dinge wesentlich gesünder sein können.

B12 produzierende Mikroben leben, wie erwähnt, auch im menschlichen Darm und produzieren dort große Mengen aktives B12. Allerdings nahe am Ausgang und damit an einer Stelle an der es schon nicht mehr resorbiert werden kann und deshalb ausgeschieden wird.
Wer das mit der Natürlichkeit also wirklich ernst meinen sollte, hat durchaus die Möglichkeit den B12-Bedarf mithilfe seiner Darm-Mikroben selbst zu decken, so wie manche Tiere das auch tun. Das nennt man Koprophagie. Vom hygienischen und ästhetischen Standpunkt aus fragwürdig aber ethisch überhaupt nicht zu beanstanden und auch sehr natürlich.Ansonsten wird teilweise noch argumentiert, dass sie sich von Supplementen nicht abhängig machen wollen. Aber das ist auch eher emotionales Unbehagen als ein rationales Argument. Denn abhängig sind wir sowieso. Und zwar von vielen Dingen. Von Sauerstoff, Wasser und natürlich von diversen Nährstoffen wie eben auch B12. Und nicht zuletzt auch von der Nahrungsmittelindustrie. Und das ist auch nicht unbedingt schlecht, weil wir dann Zeit für andere Dinge haben und nicht alle kollektiv selbst auf dem Feld arbeiten müssen.
Vitamin B12-Supplemente sind leicht erhältlich, billig, unkompliziert, sicher und wirksam. Und wenn man diese Nährstoffe auf unproblematische Weise auch aus anderen Quellen als aus Tierprodukten beziehen kann, dies aber ablehnt weil sich das zu unnatürlich und irgendwie zu nahe an Medikamten anfühlt, obwohl es dafür keinen rationalen Grund gibt, dann macht man sich statt dessen von Gewalt abhängig, bzw. man bleibt es. B12 direkt über Supplemente zu beziehen ist also nicht nur sicherer, zuverlässiger, und ökologischer – es ist zudem auch eher eine Befreiung von der Abhängigkeit von Ausbeutung und Tötung fühlender Lebewesen.