Hey Veganer, ich esse auch nur ganz wenig Fleisch! (vom Metzger meines Vertrauens)

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Viele Menschen erklären ja, dass ihnen das mit dem Veganismus zu aufwändig ist, weil man immer drauf achten muss, was man isst. Dabei scheinen sie das doch ohnehin schon zu tun. Denn wenn man vegan wird, ist meist das erste was man -ohne je gefragt zu haben- erfährt, dass nahezu alle anderen Menschen auch nur ganz wenig Fleisch essen und darauf achten, wo es her kommt und dementsprechend nur beim Fleischer ihres Vertrauens kaufen, wo sie sicher sein können, dass es den Tieren gut ging. Und natürlich zahlen sie für gutes Fleisch auch gern etwas mehr -was auch interessant ist, denn über vegane Produkte wird regelmäßig gesagt, dass sie zu teuer seien.

Jedenfalls kann man sich sicher sein, dass beim Thema Veganismus von ganz vielen Menschen sofort reflexhaft klargestellt wird, dass sie auch nur ganz wenig Fleisch essen. -also außer jetzt vielleicht mal bisschen Wurst oder Aufschnitt… oder Sachen die auf der Pizza und in Fertiggerichten sind und sowas… oder halt mal ein Leberwurstbrötchen zwischendurch. Oder wenn mal im Restaurant isst… oder bei Freunden… oder zu Veranstaltungen… oder unterwegs mal einen Döner, oder eine Currywurst -oder jetzt in der Kantine auf Arbeit. Da gibt’s ja meistens auch keine vegane Option. Das wäre ja auch Missionierung und Nahrungsdiktatur wenn wir mal ehrlich sind. Da isst man halt mal das Schnitzel. Das besteht eh zur Hälfte aus Brot. Und es muss ja auch nicht immer was mit Fleisch sein. Spaghetti Bolognese ist schließlich auch lecker… da ist nur bisschen Hack drin. Oder man isst statt Fleisch einfach mal etwas Geflügel. Das ist ja eher eine Art Salat. Oder einfach mal Fisch essen. Fische sind ja Kaltblüter -so ähnlich wie Gemüse. Und ab und zu nimmt man halt auch ausnahmsweise mal beim Lidl ein paar Bouletten und ein paar Wiener mit, wenn man da eh schon mal vorbei kommt …

Natürlich gibt es auch Menschen die tatsächlich wenig Tierprodukte essen. Und wenn sie das noch weiter einschränken wollen, dann ist das ja schon mal ein guter Ansatz den man unterstützen sollte. Aber die bloße Anwesenheit eines Veganers veranlasst so viele Menschen dazu, sofort ausdrücklich zu betonen, dass sie auch nur ganz wenig Fleisch essen -und auch nur vom ominösen Metzger des Vertrauens oder vom Onkel mit dem Bauernhof, dass das statistisch einfach überhaupt nicht stimmen kann.

Interessant ist dabei zunächst mal auch schon die häufige Formulierung: „AUCH nur ganz wenig Fleisch.“ Damit solidarisiert man sich ja schon mal mit der Ansicht, dass weniger Fleischkonsum besser ist. Ganz wenig ist offenbar das Beste. Aber gar kein Fleischkonsum ist dann auch wieder extrem.
Die richtige Menge Fleisch -auch bekannt als „nur ganz wenig“ ist dann in der Regel gerade die Menge, die man selbst zu konsumieren glaubt. Alles andere ist zu viel oder zu extrem.
Menschen vergleichen sich und ihre Handlungen ja gern. Speziell auch, wenn sie sich für etwas rechtfertigen wollen. Wenn es jemanden gibt, der es schlechter macht, wirkt das eigene Handeln schon besser. In diesem Fall sind das dann also gedankenlose Massentierhaltungsfleischesser die beim Discounter kaufen, also die anderen -und die, die gar keine Tierprodukte essen, also die extremen Veganer.

Aber wenn Menschen Veganern erklären, dass sie auch nur ganz wenig Fleisch essen, dann liegt das in der Regel auch daran, dass sie auf einer gewissen Ebene Tierquälerei und unnötiges Töten eigentlich ablehnen Jedoch handeln sie an gewissen Stellen nicht wirklich danach und versuchen deshalb mehr oder weniger unbewusst, diese Handlungen irgendwie zu rechtfertigen und zu erharmlosen.

Die Behauptung, auch nur ganz wenig Fleisch zu essen, kommt dann ähnlich reflexhaft, wie etwa auch die Aussage, dass Veganer auch keine besseren Menschen sind. Und sie hängt auch damit zusammen. Veganer wollen in erster Linie Tierleid verhindern. Wenn man also gegen den Veganismus argumentiert, findet man sich schnell auf einer Seite wieder auf der man unnötige Gewalt, Leidverursachung und Tötung für egoistische Motive rechtfertigt, was keine besonders angenehme Situation ist, weil es nicht zu dem positiven Bild passt, welches man gern von sich selbst haben möchte. Deshalb versucht man zu relativieren -auch sich selbst gegenüber. Wir Menschen sind leider enorm gut darin uns selbst was vorzumachen. Und wenn wir an Fleisch denken, dann denken wir im Wesentlichen an rohes unverarbeitetes Fleisch das man beim Fleischer kauft und selbst zubereitet. Und das tun die meisten Menschen anteilig tatsächlich nur selten. Der oft viel größere Anteil des Fleisches das man isst, wird meist nicht wirklich als Fleisch wahrgenommen, wenn es nicht gerade als fettes Steak auf dem Grill liegt. Das liegt nicht zuletzt auch daran, dass wir aus fühlenden Lebewesen Produkte machen, bei denen so etwas wie charakter, Persönlichkeit, Bedürfnisse, Interessen und Emotionen ausgemerzt wurden.
Der Durchschnittsdeutsche isst 60 Kilo Fleisch im Jahr. 15 Kilo Fisch noch nicht mitgerechnet. Rechnet man Vegetarier und Veganer raus, sind das pro Fleischesser natürlich noch mehr. Selbst die nicht gerade veganerfreundliche und recht konservative Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt maximal 15-30kg im Jahr. Der Deutsche isst also im Schnitt ungefähr das Dreifache der Empfehlung. Und bei der Empfehlung geht es noch nicht mal um Ethik und Umweltschutz sondern nur um Mengen die gerade noch gesund sind.

Manche Menschen argumentieren zumindest, dass man ja Biofleisch kaufen KÖNNTE, ohne zu behaupten, dass sie das tun. Es wird nicht gemacht, aber allein die Aussage dass es theoretisch vermeintlich ginge oder irgendwer das irgendwo vielleicht wirklich so macht, oder die Vorstellung dass es irgendwo ein glückliches Schwein gibt, das aber trotzdem gern sterben will, reicht in der Regel schon für die eigene Rechtfertigung. Wir Menschen beurteilen andere meist nach ihren Taten und uns selbst nach unseren Absichten.

Aber der Unterschied zwischen Bio und konventioneller Haltung ist in den meisten Fällen ohnehin nicht groß und der größte Nutzen von Bio-Fleisch-Labeln oder Tierwohlsiegeln ist die Beruhigung des Verbrauchergewissens. Der größte Teil von Bio-Tierprodukten stammt jedenfalls auch aus Intensivtierhaltung. Bio ist nämlich nicht das Gegenteil von Intensivtierhaltung sondern kann auch eine Form davon sein. Aber auch bei bio kommt Fleisch immer von empfindungsfähigen Lebewesen, die fast alle auf Höchstleistung gezüchtet wurden, von ihren Familienmitgliedern getrennt, in ihrem Bewegungsverhalten und ihren Bedürfnissen eingeschränkt und meist noch im Kindsalter geschlachtet werden. Der Marktanteil von Freilandhaltung ist gering und hat meist auch wenig mit idyllischer, bäuerlicher Romantik zu tun, so wie uns die Werbung das gern präsentiert.

Am Leid für die Tiere, der Belastung der Umwelt, der Verschwendung von Ressourcen und den Gefahren von Zoonosen und Antibiotikaresistenzen ändert sich im Allgemeinen sehr wenig.
Biofleisch hat einen Marktanteil von nicht mal 2% und 9% der Bio-Umsätze laufen über „Händler des Vertrauens“, also über Wochenmärkte, Hofläden oder Metzgereien.
Wenn man diese Zahlen mal grob zusammenrechnet und annimmt, dass die 9% bio auch auf Fleisch zutreffen, dann sind von den 1,2 Kilo Fleisch, die der Deutsche in der Woche isst, gerade mal 25 Gramm Biofleisch. Und davon stammen dann 2,25% aus vermeintlich „Vertrauenswürdigen Quellen“.
Konsequent nur Tierprodukte aus solcher Haltung zu konsumieren wäre in den meisten Fällen viel schwieriger (und teurer) als vegan zu leben.

Aber wodurch verdienen Metzger eigentlich dieses vielzitierte Vertrauen? Weil es immer gut geschmeckt hat oder weil sie freundlich sind? In der Regel wird man einfach mal annehmen, dass es den Tieren beim angeblichen Vertrauensfleischer besser ging als anderswo, weil es bequemer ist.
Wenn man wirklich so über das erworbene Fleisch Bescheid wüsste, müsste man eine ganze Reihe von Fragen beantworten können:
Wo kommt das Fleisch denn genau her? Wie wurde das Tier gehalten? War es männlich oder weiblich? Wie alt war es? Stand das Tier auf der Weide? Wenn ja: Wie oft und wie lange? Wenn nein, warum nicht? Wurde zugefüttert, und wenn, dann was und in welcher Menge? Woher kommt das Futter für die Tiere, wie wurde es angebaut, wurden Spritzmittel verwendet wenn ja: welche? Wurde Medikamente verabreicht? Welche? Wann? Wieviel? Warum? Welche Nebenwirkungen hat das Medikament? Wie viele Tieren haben mit dem einen Tier eine Box geteilt? Gab es Rückzugsmöglichkeiten und wenn ja, welche? Wie weit war der Transport zum Schlachthaus? Wie lange musste das Tier im Schlachthaus warten? In welchem Schlachthaus wurde das Tier getötet? Wie wurde das Tier getötet? Sind beim Töten Fehler oder Aussergewöhnlichkeiten aufgetreten? Wenn so, welche? Und so weiter…
Es ist wohl recht unwahrscheinlich, dass es viele Menschen gibt, die diese Fragen ihrem Metzger schon mal gestellt haben. Und ob dieser die dann alle wahrheitsgemäß beantwortet oder beantworten kann, ist auch noch mal ein anderer Aspekt. Zumal ja beispielsweise in der Wurst meist mehr als ein Tier verarbeitet wurde. Und man würde den Fleischern mit solchen Fragen mehr auf die Nerven gehen, als jeder Veganer das könnte.
Sicherlich kann und sollte man ähnliche Fragen auch bei anderen Produkten stellen. Aber es ist schon interessant, dass man so ein außergewöhnliches Vertrauensverhältnis sonst wohl keinen anderen Händlern zu finden scheint.
Die Welt wäre vermutlich ein besserer Ort wenn alle Menschen einander so vertrauen würden, wie angeblich denen, die für uns Tiere töten.

Hey Veganer, Jedem das Seine!

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Wenn Menschen nicht weiter über eine Thematik nachdenken wollen, nutzen sie gern mal Sprichwörter anstelle von Argumenten. Oftmals passiert es dann auch, dass diese aus einem völlig anderen Kontext gelöst und unpassend verwendet werden. Ein besonders verbreitetes Beispiel dafür ist „Jedem das Seine“. Als Veganer hört man das besonders oft.

Dieser Spruch wird meist so verstanden und verwendet, dass jeder das Recht auf eigene Ansichten, Vorlieben und Handlungsweisen haben solle – und dass andere, die diese nicht teilen, sich daran nicht stören oder Kritik üben sollten. Das klingt – oberflächlich betrachtet – erst mal vernünftig und betont tolerant. Leider ist das als derartig allgemeine Forderung ohne weitere Konkretisierungen ein problematischer Spruch, da man damit beispielsweise durchaus auch berechtigte Kritik an schädlichen Handlungen als „intolerant“ darstellen kann.

„Jedem das Seine“ ist als Spruch zudem auch problematisch da er sehr vorbelastet ist. Denn er wurde schon von den Nazis für ihre Zwecke verwendet und am Eingangstor des Konzentrationslagers Buchenwald von innen lesbar angebracht. Er richtete sich also an die Insassen und wurde dort in der Bedeutung „Jedem, was er verdient“ verwendet. Nun ist Spruch deswegen noch nicht grundsätzlich abzulehnen aber vor diesem diesem Hintergrund ist die Gedankenlosigkeit, mit der er verwendet wird durchaus heikel. Und es zeigt, wie solche Aussagen verzerrt, instrumentalisiert und sinnentfremdet werden können. Denn vor allem entspricht diese Verwendung auch kaum noch der ursprünglichen Bedeutung im antiken Griechenland.

Bei „Jedem das Seine“ ging es zwar auch um Verteilungsgerechtigkeit. Aber vor allem meinte Platon damit, dass jeder für eine gerechte und harmonische Gesellschaft das tun solle, was seinem Wesen, seinen Möglichkeiten und seinen Umständen entspricht. Jeder sollte das tun, was ihm am meisten liegt um zu helfen. Es ging nicht darum, dass jeder rücksichtslos tun und lassen und nehmen können soll, was er gerade möchte.

Wenn man nun aber „Jedem das Seine“ auf das Fleischessen anwendet, versucht man damit quasi das Gegenteil zu rechtfertigen. Man rechtfertigt damit, dass man ANDEREN Lebewesen das IHRE NIMMT: Ihre Freiheit, ihre Unversehrt, ihre Nachkommen, ihr Leben -und man beansprucht das für SICH. Oft hört man nämlich auch die Formulierung „mein Fleisch“ und impliziert damit, dass einem die gewaltsam entrissenen Körperteile von Tieren zustehen. Man rechtfertigt damit also praktisch das komplette Gegenteil von dem, was die Aussage eigentlich bedeutete und maskiert das mit diesem Sinnspruch als Toleranz.

Tatsächlich gehörte dieses Fleisch aber anderen Lebewesen mit eigenen Emotionen, Interessen und Bedürfnissen. Wenn man „jedem das seine“ wirklich aufrichtig meinen sollte, und damit nicht nur meint „Fleisch für mich!“ müsste man den Tieren auch ihr Leben lassen.

Waldi süßsauer auf Reis

Mahlzeit miteinander. Diesen Monat ist es wieder soweit: Im chinesischen Yulin findet, wie jedes Jahr seit 2009, das als Hundefleisch-Festival bekannte Stadtfest statt, bei dem es eben im Wesentlichen um Hundefleisch geht. Und Deutschland reagiert darauf traditionell mit dem „Empör-Festival“, einer online ausgetragen Wettkampf-Veranstaltung, welche sich unter ambitionierten Entrüstern großer Beliebtheit erfreut.

Berichten zufolge sieht es aber so aus, dass es auf dem Stadtfest dieses Jahr aus Hygienegründen doch kein Hundefleisch geben wird. Das sorgt für Panik bei den Nachrichtenmagazinen. Hatte man sich doch schon die guten Substantive zurechtgelegt: Schande, Entsetzen, Grauen, Horror… Also macht man halt aus den Berichten vom letzten Jahr noch mal was. Unter diesen Berichten empört man sich das schon mal warm -oder geradezu heiß.

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Hey Veganer, jeder soll essen, was er will!

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Es gibt ja eine Reihe von Begründungen mit denen Fleischesser die vegane Ernährung kritisieren.

Angeblich zerstört die den Regenwald, sie vernichtet Arbeitsplätze, sie belastet das Gesundheitssystem, und so weiter.

Auch kritisieren sich Fleischesser ja untereinander und beklagen mehr oder weniger indirekt immer, dass die anderen -im Gegensatz zu einem selbst- immer zu viel Fleisch essen, zu billiges kaufen und die Massentierhaltung unterstützen. -oder dass sie das falsche Fleisch essen -also  zu Beispiel Hundefleisch statt Schweinefleisch, wie normale Menschen.

Und trotzdem wird auf Kritik am Fleischkonsum regelmäßig mit dem Mantra geantwortet, dass jeder essen soll, was er will. Meistens schon prophylaktisch, bevor ein Veganer überhaupt richtig Kritik geäußert hat.

Toleranz wird ja generell als etwas Gutes gesehen und der Begriff dementsprechend positiv verwendet. Und es klingt natürlich erst mal gut und tolerant wenn man den Standpunkt vertritt, dass jeder essen oder tun können soll, was er will. Nur ist das einfach nicht zu Ende gedacht. Das zeigt sich beispielsweise am sogenannten Toleranz-Paradoxon. Wenn man tolerant gegenüber Intoleranz ist, fördert man quasi die Intoleranz die man damit ja eigentlich kritisiert. Ob Toleranz etwas Gutes ist, hängt also ganz entscheidend davon ab, worauf sie sich bezieht.

Und auf den ersten Blick bezieht diese sich hier natürlich auf das Essen. Aber wenn Veganer Tierprodukte kritisieren, dann geht es nicht einfach um das was da auf dem Teller liegt sondern vor allem um das was es mal war -beziehungsweise darum, was getan werden muss um dieses Essen zu erzeugen.

Angelegenheiten sind schon per Definition Privatsache wenn sie PRIVAT sind, also Unbeteiligte nicht betreffen und beeinträchtigen. Das sind Dinge wie Musikgeschmack, die Frisur, die sexuelle Orientierung,  und so weiter.

Bei Tierprodukten ist das aber nicht der Fall. Nicht nur weil die Produktion tierischer Nahrungsmittel auch katastrophale Umweltauswirkungen, und damit Auswirkung auf alle Menschen hat -insbesondere auf die Ärmsten, sondern auch weil Tierprodukte nun mal aus Tier bestehen oder von Tieren genommen werden und man auch damit das Leben, die Freiheit und das Wohl fühlender Lebewesen beeinträchtigt.

Wenn man Tierprodukte konsumiert, widerspricht man also dem eigenen angeblichen Grundsatz mit dem man das rechtfertigen will. Denn als Tiere essender verursacht man eben genau, dass Tiere NICHT das tun können, was sie wollen. Sie können nicht frei sein, sie können nicht mit ihren Familien zusammen sein oder in sozialen Verbänden leben wie es ihren Bedürfnissen entspricht, Und vor allem können sie spätestens dann nicht mehr leben, wenn sie schlachtreif sind.

Nun sind für manche Menschen Tiere ja leider eher Dinge als Individuen. -zumindest die, die man essen will. Und wenn man sich nur auf das Essen  was aus ihnen gemacht wird, konzentriert, sieht man natürlich erst recht nur Objekte. Aber ein Tier ist eben nicht nur ein „etwas“. Im Gegensatz zu Pflanzen sind das Individuen mit Bewusstsein, Persönlichkeiten, Bedürfnissen und Interessen.

Natürlich ist es in einer freiheitlichen Gesellschaft notwendig, keine unbegründeten Verbote oder Regulierungen zu erlassen. Aber die persönliche Freiheit kann nicht auf die Kosten der Freiheit anderer gehen. Diese Selbstbeschränkung der Freiheit haben diverse philosophische Lehren der Geschichte thematisiert, von den Stoikern bis zur Aufklärung. Auch der Existenzialismus hat betont, dass der Mensch „zur Freiheit verurteilt“ ist – und dass daraus notwendigerweise die Aufgabe erwächst, sich selbst vernünftige Regeln zu geben. Dass man die äußere Freiheit hat, etwas zu tun, heißt noch lange nicht, dass man guten Grund hat, sein Wollen in die Tat umzusetzen – oder dass dies auch eine verantwortungsvolle Handlung wäre.

Aber selbst wenn man sich die aktuelle Gesetzeslage ansieht, ist es eben NICHT so, dass jeder alles essen kann, was er will, und die meisten Menschen das auch gut finden. Natürlich könnte man jetzt dafür argumentieren, dass das aber so sein sollte und dass man konsequenterweise dann natürlich allen Tieren Gewalt antun dürfen muss und dass auch Delphinsteak, Katzengulasch, Hundeschnitzel und Babyrobbenragout für alle legal sein sollte. Das wäre dann an der Stelle zumindest konsequent. Aber die wenigsten werden diese Forderung wirklich so meinen. Oft sind mit diesem „was er will“ hauptsächlich die Tierarten gefordert, die man selbst essen will, weil das hier zufällig so Tradition ist.

Toleranz ist keine Einbahnstraße. Man kann nicht einfach einfordern, tun und lassen zu können, was man will, das aber das nur ausgewählten anderen zugestehen, und auch nur die Sachen die einen selbst nicht wirklich stören. Toleranz bedeutet so viel wie Erduldung und ist eigentlich nur dann eine Leistung, wenn sie  einem selbst etwas abverlangt. Zu akzeptieren, dass andere Menschen sich pflanzlich ernähren, erfüllt dieses Kriterium nicht wirklich. Anders sieht das aus, wenn man die eignen Privilegien teilen müsste, also sich beispielsweise von der speziesistischen Ansicht verabschieden muss, der einzigen Art anzugehören, der eine Bedeutsamkeit zusteht. Und wenn man überlegt, ob man andere Individuen als ethisch relevant erachtet, dann sollte man vor allem darüber nachdenken ob man sich auch auf der anderen Seite dieser Entscheidung wiederfinden können möchte. „Die gehören nicht zu uns“ oder „Das Recht des Stärkeren“ sind dabei Rechtfertigungen, die schon immer blutig und grausam endeten.

Die faire Berücksichtigung von Interessen und Bedürfnissen aller Beteiligten ist hingegen etwas, das man nur schwer gegen einen selbst verwenden kann und das tatsächlich fair dafür sorgt, dass jeder machen kann, was er will -in einem Rahmen wo andere nicht darunter leiden müssen.

Hey Veganer, ihr könnt eh nichts ändern!

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Veganer verursachen laut vieler Fleischesser ja eine ganze Menge Dinge: Sie zerstören Arbeitsplätze, Nutztierrassen sterben aus, es müssen viel mehr Pflanzen angebaut werden, der Regenwald wird für Soja abgeholzt, die Veganerlobby oder ein freiwilliger Veggieday bedrohen massivst demokratische Grundrechte und so weiter. Gleichzeitig ist der Veganismus aber sinnlos, weil man mit einem Verzicht auf Tierprodukte eh nichts ändert. Wenn man nur ganz wenig Fleisch vom beliebten Metzger des Vertrauens kauft, aber dann offenbar doch wieder…
Jedenfalls hört immer wieder Einwände wie etwa, dass Veganer doch eh nichts ändern können. Und dass man, nur weil man vegan lebt, beispielsweise die Massentierhaltung auch nicht abschaffen könnte -und dass das an der Nachfrage insgesamt quasi gar nichts ändert. Und natürlich wird ein Mensch mit einer Ernährungsumstellung die Massentierhaltung nicht im Alleingang aufhalten. Aber implizit stimmt man mit dieser Argumentation ja erst mal zu, dass im Kontext der Ernährung vieles am aktuellen Zustand enorm problematisch ist und man möglichst wirksam etwas ändern sollte: Tierfabriken abschaffen, unnötiges Tierleid verhindern, die Umweltschäden durch die Fleischindustrie minimieren, ressourcenschonender leben -und so weiter. Wenn man es also nicht gerade mit „Nach mir die Sintflut“-Menschen zu tun hat, gibt es also an vielen Stellen durchaus einen Konsens über wichtige Ziele und eine ethische Verantwortung des Einzelnen, zur Umsetzung dieser Ziele beizutragen. Nur wird bestritten -beziehungsweisse ABgestritten, dass das eigene konkrete Konsumverhalten einen nennenswerten Einfluss hat. Und man argumentiert, dass es keinen großen Unterschied macht, wie sich der Einzelne verhält. Deshalb wird quasi abgelehnt, irgendeine Änderung am eigenen Verhalten anzustreben.
Dass jeder einzelne von uns nur geringen Einfluss auf große wirtschaftliche und politische Prozesse hat, gilt im Grunde für alles – egal gegen was man aufsteht und für was man sich engagiert. Auch bei der Wahl macht die einzelne Stimme eines Wahlberechtigten sehr selten einen Unterschied – trotzdem geht in einer demokratischen Wahl die Macht vom Volke aus und die Summe aller Stimmen produziert Mehrheitsverhältnisse, die dann die Politik der nächsten Jahre ganz massiv prägen können. Beim Konsum ist das ähnlich. Wenn Konsumenten ein gemeinsames ethisches Anliegen teilen und sich darüber verständigen – beispielsweise keine Kleidung zu kaufen, die durch Kinderarbeit entsteht – und daraufhin bestimmte Marken gezielt boykottieren oder mit Kampagnenarbeit zum Umdenken bewegen, dann kann das einen signifikanten Unterschied für den Absatz eines Produktes bedeuten. Umgekehrt kann auch STEIGENDE Nachfrage nach gewissen Produkten in relativ kurzer Zeit bemerkenswerte Effekte erzielen: Innerhalb weniger Jahre ist das Angebot an explizit veganen Produkten deutlich gestiegen und hat sich von einem Nischen-Segment im Reformhaus und einzelnen Bio-Läden zu einem wichtigen Bestandteil der Produktpalette auch von Discountern entwickelt, was manche Fleischesser ja schon enorm nervt. In letzter Zeit haben einige Lebensmittelhersteller auf die vermehrte Nachfrage nach veganen Produkten reagiert, indem sie gekennzeichnet haben, welche ihrer Produkte bereits vegan sind – und damit das Einkaufen für viele Veganer erleichtert. Und das wiederum führt dazu, dass es für andere Menschen leichter wird, vegan zu leben, was wiederum die Nachfrage weiter erhöht und es noch leichter macht und so weiter. Neben spezialisierten Firmen und Marktketten für vegane Produkte erkennen auch viele etablierte Lebensmittelhersteller, dass sie ihr Sortiment an die vermehrte Nachfrage nach vegetarischen und rein pflanzlichen Produkten anpassen müssen. Das passiert ja alles nicht von allein.
Die meisten Menschen empören sich darüber, wenn andere ihnen etwas vorschreiben und aufzwingen wollen und über sie hinweg entscheiden. Aber an Stellen, wo sie selbst nachweisbar Änderungen bewirken könnten, werden viele lethargisch. Viele Menschen sind ja durchaus engagiert, wenn es um ihre eigenen Interessen geht. Obwohl sie da allein auch nichts ändern können. Da könnte man fast denken, dass sie doch anderer Meinung sind.
Wenn es um Tierleid geht, meinen viele, dass sie mit der reflexhaften Aussage: „Ich finde Massentierhaltung auch schlecht.“ genug getan haben. Aber wenn man einen ertrinkenden Hund sieht, käme niemand auf die Idee, dass der bloße Kommentar: „Ich finde es auch nicht gut, wenn Hunde ertrinken.“ eine lobenswerte Aussage wäre. Da wären Menschen selbstverständlich der Meinung, dass es sehr wohl eine Rolle spielt, wenn man als Einzelperson einen einzelnen ertrinkenden Hund rettet. Aber bei unzähligen Nutztieren vertritt man dann wohl doch wieder eine andere Ansicht. Wenn es um den Konsum von Tierprodukten geht, scheint man davon auszugehen, dass das eigene Verhalten keinerlei Auswirkungen hat. Sicherlich auch, weil man WILL, dass es keine Auswirkungen hat. Die Aussage: „Ihr könnt eh nichts ändern.“ ist oft eher das Resultat der Überlegung „ICH muss nichts tun, wenn ich nichts ändern kann.“
Tatsächlich ist aber sogar das Gegenteil der Fall. Als normaler Mensch kann man erst mal NUR allein im Kleinen etwas ändern, weil man nur die eigene Lebensführung wirklich steuern kann. Deshalb muss jeder erst mal bei sich selbst anfangen. Jede einzelne unserer Handlungen hat eine Auswirkung. Jede Entscheidung die wir treffen, ist die Chance etwas zu verbessern. Wenn man etwas für falsch hält, kann man das erst mal bei sich selbst ändern und dann den Menschen in seinem Umfeld die Beweggründe erläutern, um damit nicht allein zu bleiben. Und mit jeder Zustimmung wächst das Potential zur Veränderung. Man kann durchs Vorleben andere ermutigen, auch Konsumveränderungen zu versuchen. Oder man kann Menschen, die noch nichts davon wissen, darüber aufklären. Und man kann andere, die ja eigentlich auch den Anspruch haben, etwas zum Positiven zu ändern, in ihrer Entscheidung bestärken. Zu Veränderungen kommt es, wenn eine gewisse Anzahl von Menschen beginnt, sich für etwas einzusetzen. Niemand rettet die Welt allein, aber wenn viele Individuen jeweils ein Stück davon etwas besser machen, ergibt das in Summe riesige Verbesserungen.

Einfach so weiter zu machen wie bisher und die Folgen unseres Handelns zu ignorieren, kann nicht gut gehen. Und die einzige Alternative dazu, ist etwas zu ändern. „Ich will leben, als ob es kein Morgen gäbe, weil es global gesehen keine Rolle spielt und das eh alle machen.“… das ist zwar eine sehr verlockende und einfache Überzeugung. Aber eine, die unvermeidlich ins Auge gehen wird. Es ist einfach ein gravierender Unterschied, ob man eine Gesellschaft von Menschen hat, wo jedes Individuum der Meinung ist „Alleine darf ich alles.“ Oder ob man eine hat, die der Meinung ist, dass man eben nicht alleine ist und gemeinsam stark ist und deshalb zusammenarbeiten kann, sollte und muss, um etwas zu bewirken.

Dass man Diskriminierung, Unterdrückung, Gewalt und Ausbeutung nicht sofort komplett eliminieren kann, heißt das doch nicht, dass man nicht enorm vieles verbessern kann, wenn man sich bemüht, anständig zu leben und zusammenarbeitet, um etwas zu verändern, statt sich der bequemen Resignation hinzugeben. Und weil man mit dem Veganismus allein nicht alle Ziele erreicht, heißt das nicht, dass man das sein lassen sollte, sondern dass man darüber hinaus noch an anderen Stellen ansetzen sollte. Irgendwo muss man anfangen. Und die Tiere in Ruhe zu lassen, ist da doch ein besonders sinnvoller und einfacher Anfang. Man muss ja noch nicht mal viel tun. Man muss hauptsächlich etwas sein lassen und erreicht damit gleich in mehreren Bereichen Verbesserungen.
Wenn man nicht in einer Welt leben will, wo die Stärkeren die Schwächeren unterdrücken, sollte man Schwächeren gegenüber auch nicht so handeln und dementsprechend keine Tiere töten lassen, auch wenn die meisten anderen das nur als ein Problem erkennen, wenn sie gerade selbst die Schwächeren sind.
Es gibt kaum einen Bereich wo, man selbst so direkt Einfluss nehmen kann, wie bei den eigenen Konsumgewohnheiten und beim eigenen Verhalten -insbesondere schwächeren und wehrlosen gegenüber.

Hey Veganer, das ist nur so ein Trend!

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Wenn man die Leute fragt, aber vor allem auch, wenn man sie nicht fragt, dann äußern die in der Regel sehr interessante Meinungen über den Veganismus. Demzufolge scheint dieser nämlich sehr paradox. Er ist beispielsweise eine Art quasireligiöser Fanatismus, gleichzeitig aber auch nur so ein Trend von Leuten ohne festen Standpunkt und naive Mitläufer. Und er hat schon seit Jahrzehnen die Eigenschaft in ein paar Jahren eh wieder vorbei zu sein.

Ein Trend ist grundsätzlich erst mal nur eine Entwicklung und Veränderung. Und das ist der Veganismus auf jeden Fall. Die Zahl der Veganer nimmt immer weiter zu und auch die Zahl der veganen Produkte wächst stetig.
Aber umgangssprachlich wird mit „nur ein Trend“ etwas gemeint, von dem man sicher ist, dass es eh bald wieder vorbei ist, also eben eine Modeerscheinung.
Aber die Vegan Society wurde bereits 1944 gegründet und es wirkt halt schon etwas merkwürdig, wenn man 75 Jahre nachdem allein das Wort definiert und etabliert wurde, noch von „nur so ein Trend“ spricht, -weil man erst vor kurzem davon gehört hat.
Die Gemeinschaft um den Philosophen Pythagoras lehnte den Verzehr alles „Beseelten“ ab. Das was man heute Vegetarismus nennt, geht also sogar mehr als 2500 Jahre zurück. Der Veganismus ist die konsequente und moderne Weiterentwicklung einer solchen Überzeugung. Beim Veganismus beschränkt sich die Berücksichtigung tierischer Interessen nicht auf die Ernährung und sie basiert auf viel konkreter formulierten Grundlagen wie den Interessen und Bedürfnissen empfindungsfähiger Lebewesen.
Aber wenn man den Veganismus als so eine Modeerscheinung ansieht, macht man es sich natürlich einfach.
Für viele Fleischesser fühlt sich der der Veganismus unangenehm an. Er ist unter anderem etwas, das die eigene Lebensweise in Frage stellt und auf gewisse Weise die eigene Identität bedroht, da das Fleischessen identitätsstiftend ist. Fleisch zu essen ist etwas, das man selbst und die meisten Menschen die man kennt, schon immer getan haben und das man immer für normal und richtig gehalten hat -oft ohne wirklich darüber nachzudenken. Aber Veganer lehnen Tierausbeutung ab, weil sie das für unethisch halten. Sie weisen auf die Gewalt dahinter hin und machen die unangenehmen Hintergründe und Zusammenhänge sichtbar. Da möchte man natürlich, dass sie Unrecht haben und dass das bald wieder vorbei ist. Der Veganismus und seine Konsequenzen sind etwas, womit man sich eigentlich gar nicht auseinandersetzen will. Da ist es einfacher, reflexhaft mit Spott, Witzen, Herabwürdigung oder eben mit Kleinreden zu reagieren. Und wenn man den Veganismus als „nur so ein Trend“ abtut, muss sich nicht weiter damit befassen und das alles auch nicht ernst nehmen. Modetrends muss man nicht mitmachen. Wenn man sich einredet, dass etwas, das die anderen tun, nur ein Trend ist bei dem man nicht mitmacht, sieht man sich selbst zudem sogar als selbstsicher, nicht so leicht manipulierbar und individuell – obgleich man damit ziemlich genau dem Mainstream folgt und nur das tut, was alle schon immer seit Anbeginn der Menschheit getan haben.

Natürlich gibt es auch immer mal wieder neue Essenstrends. Paleo, vermeintliche Superfoods, glutenfrei und so weiter. Die Motivation für diese ist aber in der Regel, dass sie von den Vertretern für gesund gehalten werden. Und natürlich hat man auch bei einer ordentlichen veganen Ernährung beachtliche gesundheitliche Vorteile und für manche ernähren sich auch aus diesem Grund pflanzlich. Aber das ist nicht der eigentliche Beweggrund dahinter. Der Veganismus ist – und war immer schon – mehr als eine Ernährung. Veganismus ist keine Modeerscheinung, sondern die bewusste Entscheidung sich von schädlichen und als unethisch angesehen Traditionen zu lösen. Es ist die Weiterentwicklung unserer Ethik. Diese hat sich bisher immer weiter entwickelt. Es ist ungefähr so eine „Mode“ wie die Ächtung von Sklaverei oder die Gleichberechtigung von Frauen. Oder wie Empathie, Gerechtigkeitssinn, Hilfsbereitschaft und Mitgefühl im Allgemeinen. Ja, vielleicht sind solche Dinge leider für manche auch nur ein Trend und für einige noch nicht einmal das. Und es gibt natürlich auch immer Kräfte, die versuchen, solche Entwicklungen umzukehren. Aber nur weil etwas der eigenen Wahrnehmung nach vermeintlich neu ist, heißt das nicht, dass das auch bald wieder vorbei sein wird. Bei solchen orakeligen „Das weiß man einfach“-Prognosen die auf keine wirklich sinnvollen empirischen Daten zurückgreifen können, ist wohl viel mehr der Wunsch der Vater des Gedankens.
Veganismus ist keine Lifestyle-Entscheidung und keine persönliche Vorliebe. Es geht um die fundamentalen Rechte fühlender Lebewesen nicht benutzt, besessen, versklavt, ausgebeutet und für uns Objekte von Annehmlichkeiten und Bequemlichkeit zu sein. Es geht um Gerechtigkeit.
Veganismus für eine Moddererscheinung zu halten, ist jedenfalls nur so ein Modeerscheinung.

Hey Veganer, „die Kinder in Afrika“ wären froh, wenn sie Fleisch hätten!

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Wenn man in der Wurstnation Deutschland witzelt: „Brot für die Welt. Aber die Wurst bleibt hier.“ aber Menschen die den Konsum von Tierprodukten kritisieren gleichzeit empört und vorwurfsvoll auf hungrige Kinder in armen Ländern hinweist, dann liegt die Vermutung nahe, dass es vielen dabei eben nicht um arme Kinder geht, sondern buchstäblich um die Wurst.
Es wird jedenfalls oft gesagt, dass Veganismus ein Luxusproblem wäre und dass „Die Kinder in Afrika“ froh wären, wenn sie Fleisch hätten. Letzteres ist zwar sicherlich richtig, da ein verhungerndes Kind selbstverständlich froh wäre, ETWAS zu essen zu haben, sicherlich auch Fleisch. Aber wenn man damit den eigenen Fleischkonsum rechtfertigen will und Menschen die das Fleichessen ablehnehnen, sogar noch vorwürfe macht, ist das aus mehreren Gründen ziemlich zynisch.

Zunächst instrumentalisiert man mit diesem Argument arme Kinder um den eigenen Luxus zu rechtfertigen, während man gleichzeitig Veganern
„Luxussorgen“ vorwirft. Mehr oder weniger unbewusst versucht man damit, anderen ein schlechtes Gewissen einzureden und dabei das eigene zu entlasten. Aber ein hungerndes Kind rechtfertigt doch nicht den eigenen Fleischkonsum.
3.6 Millionen Kinder haben nicht genug zu essen. 20.000 Kinder verhungern jeden Tag. Wie hilft man denen, indem man hier Fleisch isst? Gar nicht! Gerade UNSER Fleischkonsum verschärft auf verschiedenen Arten den Welthunger und Mangelernährungen, was oft Armut ,Arbeitslosigkeit, Gewalt, bewaffnete Konflikte sowie Flucht und Vertreibung weiter verstärkt.
Die größte und bedeutendste Organisation für Nahrungsspende: „Food for Life Global“ ist vegan, denn sie vertritt die Ansicht, dass das Mitgefühl und der Respekt, der vom Veganismus grundsätzlich ausgeht, das wertvollste Mittel zur  Armutsbekämpfung ist, aber vor allem da die Produktion tierischer Nahrungsmittel aufwändig und verschwenderisch ist.
Der Anbau von Futtermitteln steht in Flächenkonkurrenz zum Anbau von menschlichen Nahrungsmitteln. Und diese Konkurrenz wird zulasten vieler Menschen in ärmeren Regionen ausgetragen. Das nennt man die Trog-Teller-Problematik. Die allermeisten „Nutztiere“ werden nämlich mit großen Mengen an Kraftfutter aus Getreide und Ölfrüchten wie Soja und Raps gefüttert. Nur 43 % der weltweiten Getreideernte dienen direkt als Lebensmittel. In der EU ist es sogar nur ein Viertel. In vielen Fällen könnten Mais, Weizen und andere Getreide unmittelbar für die menschliche Ernährung genutzt werden. Der Großteil landet jedoch in den Futtertrögen von Rindern, Schweinen und Geflügel. Wir verfüttern also die Nahrung armer Menschen an unser „Essen“ und können für Getreide und Soja natürlich viel mehr zahlen als diese, was die Preise in die Höhe treibt. Und unsere Schlachtabfälle, die hier keiner essen will, also etwa Füße, Hälse und Rücken von Hühnern werden dann wieder zu Spottpreisen nach Westafrika exportiert, wodurch dort die Märkte zerstört werden. Zudem sind diese Abfälle oft noch mangelhaft gekühlt, weshalb sie keimbelastet sind. Viehhaltung ist eine der Hauptursachen für den Klimawandel, unter dem vor allem Menschen in Entwicklungsländern besonders zu leiden haben. Eine pflanzliche Ernährung entlastet hingegen die zunehmend knapper werdende Ressourcen wie Anbauflächen.
Eine Studie der University of Minnesota zeigt, dass die Welt dadurch bis 2050 mehrere Millionen Tote verhindern, klimaschädliche Emissionen beträchtlich reduzieren und jährlich Milliarden von Dollar für Umweltschäden und im Gesundheitswesen einsparen könnte.
Hinzu kommt, dass das Konsumverhalten der Industriestaaten weltweit eine wichtige Leitbildfunktion hat, was zu noch schlimmeren Auswirkungen führen würde, wenn arme Länder sich an unserem Fleischkonsum orientieren.

SICHERLICH wären hungrige Kinder auch froh über Fleisch. Aber sie sind nicht einfach SO froh über Fleisch, sondern sie sind froh, weil das gegebenenfalls ihr Überleben und ihre Gesundheit sichern kann, nicht weil es unnötiger Selbstzweck ist, wie bei uns. WAS ihnen das Überleben ermöglicht, wäre an der Stelle erst mal unerheblich. Wenn Veganer in einer Notlage wären und nichts anderes zu essen hätte wären sie auch „froh“ über Fleisch um ihr Leben zu retten.
Noch viel froher wären sie aber beispielsweise über die größeren Mengen Getreide und Soja die erst verlustreich als Kraftfutter in Fleisch umgewandelt werden müssen. Aber wenn sie nich in dieser Situation sind, ist das nun mal ein gravierender Unterschied. Weil es Menschen gibt, die „froh wären wenn sie Geld hätten“ um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, folgt daraus nicht, dass jemand Luxussorgen hat, wenn er es kritisiert, Menschen auszurauben um sich Schmuck zu kaufen.
Und weil jemand dazu gezwungen ist, Gewalt auszuüben um zu überleben, folgt daraus nicht, dass man das beliebig tun kann oder gar aus Sympathie mitmachen sollte -oder dass man sich schämen sollte, wenn man nicht unnötigerweise Tiere töten lässt. Daraus sollte doch viel mehr folgen, dass man versucht, sich dafür einzusetzen, dass diese Menschen nicht mehr dazu gezwungen sind. Um das zu ermöglichen muss man natürlich eine ganze Reihe Probleme lösen: Von Verteilungsschwierigkeiten bis hin zu Nahrungsmittelspekulationen an der Börse.

Aber wenn dieses Mitgefühl für verhungernde Menschen nicht nur eine vorgeschobene Rechtfertigung des eigenen Fleischkonsums ist, dann sollte man zunächst mal damit aufhören Tierprodukte zu konsumieren für deren „Herstellung“ man die Nahrungsmittel der „armer Menschen“ verschwendet.